Welche Einflüsse haben nicht-ökonomische Faktoren auf rationale Standortentscheidungen in einer globalisierten Welt?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Forschungsstand mit thematischer Einleitung

2. Globalisierung
2.1 Begriffsbestimmung: Globalisierung
2.2 Beziehungen zwischen Globalisierung und Standort

3. Unternehmensstandorte
3.1 Betriebswirtschaftliche Theorien zur Standortwahl
3.2 Phasen und Faktoren für die Standortwahl
3.3 Bedeutung nicht-ökonomischer Faktoren bei der Standortwahl

4. Chancen und Risiken von Globalisierung – Auswirkungen auf den Standort

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Forschungsstand mit thematischer Einleitung

Der Begriff der Globalisierung ist aus dem allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken. „Noch 1980 führten in allen großen Wirtschaftsmagazinen zusammengenommen nur 50 Veröffentlichungen die Begriffe ‚global‘ bzw. ‚Globalisierung‘ in ihrem Titel; 1990 waren es schon 670.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2002). Der Begriff der Globalisierung beinhaltet viele Aspekte, nicht nur wirtschaftliche Art, deren Abgrenzungen und Verwendung bei genauerer Betrachtung sehr unterschiedlich ausfallen (vgl. Brock 2008, S. 7). Dies macht eine einheitliche Bestimmung des Globalisierungsbegriffes schwierig und lässt ebenso den zukünftigen Verlauf noch unbestimmt.

Für Unternehmen werden Standortentscheidungen in einer globalisierten Welt zunehmend wichtiger. Da dies ein breites Forschungsfeld ist und verschiedenste Ansätzen von Standortforschung und Standortentscheidungen beinhaltet, z.B. die standorttheoretischen Ansätze von Pongratz & Vogelsang (2016) und Derungs (2008), werden in dieser Ausarbeitung einzelne und ausgewählte Gesichtspunkte näher betrachtet. Es soll die Wichtigkeit von emotionalen, nicht-ökonomischen und nicht-rationalen Entscheidungsfaktoren für die Standortwahl herausgestellt werden, da die theoretischen und klassischen Grundlagen größtenteils auf quantifizierbare Werte ausgelegt sind. Die qualitativen Faktoren sind ebenfalls sehr bedeutsam, da sie die rationalen Entscheidungen beeinflussen und sich auf den Unternehmenserfolg auswirken können.

Da die bestehenden Forschungsfelder der einzelnen Begriffe sehr ausgeprägt sind, jedoch nur wenige Autoren versuchen die globalisierte Welt mit Standorttheorien zu verbinden, werden in dieser schriftlichen Ausarbeitung wichtige Merkmale der Begriffe Globalisierung und Standort herausgestellt und sinnvoll miteinander kombiniert. Diese Auswahl betrifft geeignete Eigenschaften und Merkmale die in der Literatur zu finden sind und beachtet auch gegensätzliche Meinungen von z.B. Pechlaner (2010) und Godau (2006). Dies soll die in dieser Ausarbeitung behandelnde These der Wichtigkeit von einfließenden Faktoren in Standortentscheidungen in einer globalisierten Welt herausstellen. Da die „Standortentscheidungen und der Entscheidungsprozess von Emotionen mitbestimmt werden und damit nicht mehr zwingend rationalen Gesetzmäßigkeiten folgen“ (Derungs 2008, S. 7), ist dieses Thema gerade in Bezug auf eine stetig fortschreitende Globalisierung sehr relevant.

Für die Methodik dieser schriftlichen Ausarbeitung wurde die Sichtung und Auswahl verschiedener theoretischer Grundlagen gewählt. Nach der Einführung und Erläuterung einzelner und ausgewählter theoretischer Aspekte werden diese zusammengeführt, um einen neuen Bezugs- und Verständnisrahmen zu entwickeln.

2. Globalisierung

2.1 Begriffsbestimmung: Globalisierung

Aufgrund des weitreichenden Umfangs von verschiedenen theoretischen Ansätzen zum Thema der Globalisierung wird kein Fokus auf Vollständigkeit gelegt, sondern kann lediglich eine Betrachtung einiger Aspekte des Begriffes der Globalisierung erfolgen. Nach Egger und Pfaffermayr (1999) gehen traditionelle Außenhandelstheorien (Vorgänger des Globalisierungsbegriffes) von „atomistischen Märkten mit vollständiger Konkurrenz aus“ (Egger und Pfaffermayr 1999, S. 45), was zu einer starren Betrachtung auf einen komplexen Sachverhalt führt, die keinerlei Platz für Anpassungsprozesse lässt. Es wurden lediglich zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital unterschieden, die zur Güterproduktion oder zum Handel genutzt werden konnten (vgl. Welt der BWL 2017). Moderne Außenhandelstheorie haben das Defizit der Abbildung von Komplexitäten erkannt und haben daher die statischen Produktangebote um differenzierte Produktangebote und Kapitalströme erweitert (Egger und Pfaffermayr 1999, S. 52), folglich werden mehr Spezialisierungen von Produkten betrachtet und die Wünsche bzw. Bedürfnisse der Konsumenten durch diese Maßnahmen mit in die Außenhandelstheorien einbezogen. Zusätzlich werden neben der Berücksichtig von Gütern, wie bei klassischen Außenhandelstheorien, „neben Arbeit auch die Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Know-how“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2008) betrachtet.

Der Begriff der Globalisierung wird im Alltagsgebrauch weitestgehend mit einem fortschreitenden Wandel gleichgesetzt, nach Knoll und Gingrich (2011) sind jedoch weitergehende Begriffe und Denkprozesse miteingeschlossen, die den Begriff der Globalisierung im alltäglichen Sprachgebrauch erweitern. Unter Globalisierung werden die zunehmenden Verflechtungen von Prozessen in den Bereichen Politik, Kultur, Umwelt oder Wirtschaft zusammengefasst, die sich auf staatlicher und institutioneller Ebene entwickeln (vgl. Brock 2008, S. 17). Insbesondere ist dabei der technische Fortschritt als wesentlichster Faktor bei der Globalisierung zu sehen (vgl. Brock 2008, S. 17). Nach Kessler bezeichnet die Globalisierung „Prozesse der Zunahme sowie der geographischen Ausdehnung grenzüberschreitender anthropogener Interaktion“ (Kessler 2009, S. 35) und stellt so den charakteristischen Umstand der Weiterentwicklung in den Vordergrund. Die im Kern liegenden Eigenschaften des Begriffes der Globalisierung werden somit als eine Erweiterung von grenzüberschreitenden Verbindungen auf staatlicher oder institutioneller Ebene herausgestellt, die anthropogen (= durch Menschen hervorgerufen) durchgeführt wird.

Globalisierung ist demnach als Prozess zu beschreiben, der in unterschiedlichen Formen auftritt und der Merkmale von stetiger Ausdehnung von Handelsbeziehungen aufweist. Diese Beziehungen können immer weiter intensiviert werden, um dadurch eine Wechselwirkung von räumlich getrennten Orten herzustellen (vgl. Peters et al. 2006, S.17). Globalisierung kann in diesem Sinne als eine Bildung von Netzwerken verstanden werden, die sich gegenseitig stärken und Austauschbeziehungen etablieren.

2.2 Beziehungen zwischen Globalisierung und Standort

In einer globalisierten Gesellschaft wählen Unternehmen ihre Standorte stets nach optimalen Bedingungen. Nach Müller und Kornmeier (2001, S. 6) sorgt unter den Nationalstaaten die Globalisierung für einen verschärften Standortwettbewerb, in dem global agierende Unternehmen immer weiter nach Standorten suchen, die für die jeweiligen Phasen der Wertschöpfungskette die besten Bedingungen bieten (z. B. Infrastruktur, effiziente Bürokratie, qualifizierte Mitarbeiter). Müller und Kornmeier (2001, S. 6) führen zudem weiter aus, dass es vier allgemeine Entwicklungen sind, welche die Globalisierung maßgeblich führen. Zu diesen Entwicklungen zählen Fortschritte in der Politik, Technik, Wirtschaft und vor allem der Gesellschaft, letzteres enthält Faktoren der sozialen Beziehungen von Familie, Heimat, Normen und Traditionen (ebd.). Daraus ist ersichtlich, dass zu den rein wirtschaftlichen, politischen und technischen Entscheidungen für einen Standort auch die sozialen Faktoren eine Rolle spielen. Für eine Standortentscheidung können also auch nicht-ökonomische Faktoren hinzugezählt werden, die beim Entscheidungsprozess für Unternehmen wichtig sein können.

3. Unternehmensstandorte

Der Standort eines Unternehmens ist ein „geografischer Ort, an dem ein Wirtschaftsbetrieb aktiv ist, d.h. Güter erstellt oder verwertet“ (Gabler Wirtschaftslexikon 2017). Zur Wahl eines Wirtschaftsstandortes zählen die Standortfaktoren. „Unter Standortfaktoren versteht man die Gesamtheit aller Faktoren, die ein Unternehmen bei der Wahl eines Standorts berücksichtigt.“ (Gabler Wirtschaftslexikon 2017). Bei der Standortwahl müssen also viele unterschiedliche Einflüsse berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden. Pechlaner et al. (2010, S. 15f.) unterscheidet zudem zwischen harten und weichen Standortfaktoren. Harte Standortfaktoren sind gut bestimmbare Aspekte, meist ökonomischer Art, wie z.B. die Infrastruktur eines Ortes oder Absatzmärkte eines Unternehmens (vgl. ebd.). Harte Standortfaktoren bestimmen demnach aus betriebswirtschaftlicher Sicht geeignete Standorte, die zu einer erfolgreichen Unternehmenstätigkeit führen und können in Zahlen und Daten messbare Auswirkungen auf ein Unternehmen aufzeigen. Weiche Standortfaktoren hingegen sind Einflussfaktoren die eine starke Auswirkung auf den Erfolg eines Unternehmens haben können, jedoch nicht direkt messbar sind (vgl. Cortrie 2009, S. 35). Diese weichen, außerökonomischen Faktoren sind nicht eindeutig quantifizierbar und beziehen sich auf qualitative Wirtschaftsfaktoren wie z.B. das Image eines Ortes oder Unternehmens, oder geeignete und qualifizierte Arbeitskräfte (vgl. Pechlaner et al. 2010, S. 96). Dazu ist zu erwähnen, dass weiche und harte Standortfaktoren komplementär zu sehen sind und nur als Kombination gemeinsam die wichtigen Bestimmungsgrößen für die Wahl eines Unternehmensstandortes abdecken (vgl. Grabow 1995, S. 41).

3.1 Betriebswirtschaftliche Theorien zur Standortwahl

Die Entstehung von wirtschaftlichen Standorten schafft Existenzen, generiert Arbeitsplätze und steigert die Kaufkraft in einer Region. Die Wahl eines Standortes wird von verschiedensten Einflussfaktoren beeinträchtigt, die in Beziehungen zueinanderstehen können. Um Hintergrundwissen zu theoretischen Standortentscheidungen zu erlangen, sollen zunächst drei besonders relevant erscheinende Standorttheorien kurz vorgestellt werden.

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Details

Titel
Welche Einflüsse haben nicht-ökonomische Faktoren auf rationale Standortentscheidungen in einer globalisierten Welt?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V463752
ISBN (eBook)
9783668929876
ISBN (Buch)
9783668929883
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Gesellschaft, Standort, Standortentscheidung, nicht-ökonomisch, Faktoren, nichtökonomische Faktoren, rational, rationale Standortentscheidung, Einfluss, Unternehmen, Unternehmensstandort, Betriebswirtschaftliche Theorie, Phasen, Phasen Standortwahl, Chancen, Risiken, Chancen und Risiken Globalisierung
Arbeit zitieren
Michael Bauer (Autor), 2017, Welche Einflüsse haben nicht-ökonomische Faktoren auf rationale Standortentscheidungen in einer globalisierten Welt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463752

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