Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für Startups


Hausarbeit, 2019
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Zielsetzung
Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für Startups
Theoretische Grundlagen
Beteiligungsmodelle des Crowdinvestings
Stille Beteiligung
Partiarisches Nachrangdarlehen

Signifikante Plattformen für Crowdinvesting in Deutschland

Idealtypischer Verlauf eines Crowdinvestings
Phasen des Crowdinvesting-Prozesses

Chancen und Risiken aus Sicht des Kapitalnehmers
Chancen
Risiken

Chancen und Risiken aus Sicht des Kapitalgebers
Chancen
Risiken

Theorie-Praxis-Reflexion
Vorstellung des Unternehmens: mentavio
Verlauf des Crowdinvestings

Fazit

Literatur

Einleitung

Eine zentrale Frage, die sich jedes Startup während des Gründungsprozesses stellen muss, ist die nach der Finanzierung. Denn ohne das benötigte Kapital für das unternehmerische Vorhaben, ist es für Gründer schlicht unmöglich ihre Idee erfolgreich umzusetzen.

Oft stellt die Kapitalbeschaffung in der Anfangsphase jedoch eine schwierige Herausforderung dar. Grund dafür sind einerseits die häufig zu risikoreichen Projekte, die es schwierig machen, das benötigte Kapital von den Banken oder Business Angels zu erhalten. Andererseits sind die Projekte aber auch zu klein, um Venture Capital von Risikokapitalgebern zu erhalten.1

Daher wurde mit Crowdinvesting eine Möglichkeit der Finanzierung für Startups geschaffen, die ohne die Banken oder den Staat durchgeführt werden kann.

Der amerikanische Politiker Steven Bradford spricht sogar von einer „Revolution der Finanzierung kleiner Unternehmen.“2

Crowdinvesting wurde durch die erste Plattform „Seed-match“, die 2009 gegründet wurde, realisiert und bietet seit 2011 eine attraktive Finanzierungsquelle für junge Unternehmen.3

Zielsetzung

Zielsetzung dieser Hausarbeit ist die Finanzierungsmöglichkeit Crowdinvesting darzustellen und zu analysieren, inwieweit sie als eine Finanzierungsalternative für Startups in Frage kommt.

Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Um ein Verständnis für die einzelnen Bereiche des Themas zu schaffen, werden anschließend an diesen Abschnitt die begrifflichen Grundlagen dieser Arbeit näher erläutert.

Insbesondere werden zwei Arten des Crowdinvestings erläutert und gegenübergestellt. Weiter erfolgt eine Darstellung, sowie ein Vergleich von ausgewählten Plattformen für Crowdinvesting, sowie eine Erläuterung zum Ablauf einer Crowdinvesting-Kampagne. Das darauffolgende Kapitel stellt die Chancen und Risiken dieser Finanzierungsform aus Sicht des Kapitalnehmers und anschließend auch des Kapitalgebers gegenüber.

Im vorletzten Abschnitt erfolgt eine Theorie-Praxis-Reflexion anhand des Unternehmens Mentavio.

Abschließend erfolgt eine Auswertung der Erkenntnisse, sowie eine Darstellung über den weiteren Ausblick des Crowdinvestings als Finanzierungsalternative für Startups.

Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für Startups

Theoretische Grundlagen

Um den Begriff „Crowdinvesting“ näher betrachten zu können, müssen ebenfalls die Begriffe „Crowdsourcing“ und „Crowdfunding“ hinterfragt werden. Diese drei Begriffe stehen im engen Zusammenhang miteinander. Den Oberbegriff stellt „Crowdsourcing“ dar und bezeichnet ganz allgemein das „Sammeln von Beiträgen einer Vielzahl von Menschen zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels“.4

Eine Unterform des Crowdsourcing ist Crowdfunding. Hierbei geht es speziell um das Sammeln von Finanzierungsbeiträgen. Dies kann in unterschiedlichen Formen passieren. Beispielsweise durch das „donation model“, wobei das Publikum Geld spendet, durch das „reward model“, wobei der Spender einen Ausgleich für seine Spende erhält z.B. wird sein Name im Abspann des mitfinanzierten Filmes genannt.

Und zuletzt das „pre-purchase model“, wobei der Spender als Belohnung das mitfinanzierte Produkt erhält.

In keiner der erwähnten Modelle erhält der Spender jedoch eine Gewinnbeteiligung oder ähnliche Ansprüche an dem Unternehmen oder an dem Produkt, dass er mitfinanziert hat. Hierbei liegt der Unterschied zum Crowdinvesting.5

Crowdinvesting ist eine Form der Geldanlage. Der Geldgeber beabsichtigt durch seine Beteiligung eine Rendite zu erzielen.6

Für Startups bietet Crowdinvesting die Möglichkeit Eigenkapital zu erlangen, dass durch eine Vielzahl von Personen über spezielle Online-Plattformen zur Verfügung gestellt wird.7

Beteiligungsmodelle des Crowdinvestings

Derzeit existieren unterschiedliche Beteiligungsformen, die im Rahmen des Crowdinvestings Anwendung finden. Besonders relevant sind dabei die partiarischen Nachrangdarlehen und die stille Beteiligung.8

Diese sollen im folgenden Abschnitt diskutiert werden.

Stille Beteiligung

Die stille Beteiligung wird dem Eigenkapital zugewiesen. Es wird ein stiller Beteiligungsvertrag geschlossen, welcher beinhaltet, dass die Gesellschaft als reine Innengesellschaft gegründet wird und nicht durch den Kapitalgeber nach außen vertreten wird.9

Die Form der stillen Beteiligung ist gerade für Startups äußerst attraktiv, da eine Beteiligung bei jeder Rechtsform des Unternehmens möglich ist.

Der Kapitalgeber erhält eine prozentuale Gewinnbeteiligung, eine Verlustbeteiligung hingegen ist ausgeschlossen.

Der Unterschied zum partiarischen Nachrangdarlehen ist, dass der Darlehensgeber nicht an der Wertsteigerung der Gesellschaft beteiligt ist.10

Des Weiteren gibt es noch die Möglichkeit zu einer atypisch stillen Beteiligung.

Hierbei werden zusätzlich weitere Vereinbarungen in Bezug auf die Beteiligung am Unternehmen getroffen. Der Darlehensgeber leistet eine Bareinlage und ist am Gewinn, bei einer Wertsteigerung des Unternehmens, sowie auch am Verlust der Gesellschaft beteiligt. Allerdings erfolgt die Verlustbeteiligung nur maximal bis zur Höhe der Einlage des Kapitalgebers.

Im Falle der Beendigung der stillen Gesellschaft erhält der Kapitalgeber ein Auseinandersetzungsguthaben, dass sich nach dem Unternehmenswert richtet. Zusätzlich werden dem atypisch stillen Gesellschafter, also dem Kapitalgeber auch deutlich mehr Rechte in Bezug auf wichtige Entscheidungen des Unternehmens eingeräumt.11

Partiarisches Nachrangdarlehen

Im Rahmen eines partiarischen Darlehens wird ein Darlehensvertrag nach §§ 488 ff. BGB geschlossen. Dieser vereinbart grundsätzlich eine prozentuale Gewinnbeteiligung am Jahresergebnis des Unternehmens. Eine Beteiligung am Verlust ist ausgeschlossen, außer im Fall einer Insolvenz.12

Im Vergleich zur stillen Beteiligung liegt der größte Unterschied im Bereich der Zweckverfolgung. Bei dem partiarischen Nachrangdarlehen erhält der Darlehensgeber keine Mitwirkungsrechte und keinerlei Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens.13 Demnach erhält der Darlehensgeber die Vergütung für die zur Verfügung Stellung des Darlehens und nicht für die Beteiligung am Unternehmen. Bankenrechtlich gesehen darf bei der Rückzahlung des Darlehens an den Investor keine festen Gelder fixiert werden, da es andernfalls als ein unerlaubtes Bankgeschäft eingeordnet werden kann.14

Das partiarische Nachrangdarlehen ist in den letzten Jahren zu einer wichtigen Beteiligungsform in Deutschland geworden. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Aspekt der Prospektpflicht. Beträgt das Kapitalvolumen mehr als 100.000 EUR muss gemäß dem deutschen Wertpapierprospektgesetz bzw. dem Vermögensanlagengesetz in Verbindung mit der Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung ein Wertpapierprospekt bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen eingereicht werden.

Dies beinhaltet grundsätzlich eine detaillierte Beschreibung des Investmentangebots, die damit in Verbindung stehenden Risiken, sowie weitere wichtige Informationen für den Anleger. Die Erstellung eines solchen Wertpapierprospektes kostet das Unternehmen viel Zeit und vor allem auch eine große Summe an Kapital.

Das partiarische Nachrangdarlehen bietet den Vorteil, dass im Vergleich zur stillen Beteiligung und weiteren Beteiligungsmodellen, eine Prospektpflicht nicht besteht. Dieser Aspekt macht die Form des Nachrangdarlehens besonders interessant für junge Gründer.15

Neben den zwei aufgeführten Beteiligungsformen existieren noch weitere wie z.B. die Genussrechte. Allerdings wird an der Stelle auf eine nähere Erläuterung verzichtet, da auf die Form der Beteiligung nicht der Fokus der Arbeit liegt.

Signifikante Plattformen für Crowdinvesting in Deutschland

Die Relevanz von Crowdinvesting wird durch das Volumen erfolgreich finanzierter Crowdinvesting-Projekte verdeutlicht. Im Jahr 2017 wurden 199,6 Millionen Euro realisiert. Damit ergab sich eine Volumensteigerung von 170,5 % im Vergleich zum Vorjahr.

Etwa 628 Crowdinvestment-Runden wurden 2017 in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Dies bezieht sich allerdings neben Unternehmensprojekten auch auf Immobilien und Energieprojekte.

Das Investmentsegment Unternehmen stieg 2017 um 114 % auf 63,2 Millionen Euro an. Davon entspricht etwa die Hälfte Mezzanin- und Eigenkapitalfinanzierungen (Crowdinvesting) und bei der anderen Hälfte handelt es sich um Fremdkapitalfinanzierungen (Crowdlending).16

Folgende Abbildung zeigt den Marktanteil der verschiedenen Crowdinvesting-Plattformen. Den größten Marktanteil 2017 hatte die Plattform Companisto mit knapp 31 %, Kapilendo hatte einen Gesamtanteil von rund 25 % und an dritter Stelle mit etwa 12 % Marktanteil war Seedmatch, die bereits am längsten existierende Plattform für Crowdinvesting. Die restlichen 32 % der Unternehmensfinanzierungen sind auf anderen unterschiedlichen Plattformen entstanden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Crowdinvesting Markenreport 2017

Im Jahr 2018 hingegen war die Plattform Kapilendo deutlicher Marktführer im Bereich Unternehmensfinanzierung mit einem finanzierten Volumen von 21,7 Mio EUR, danach folgte Companisto mit einem Volumen von 8,7 Mio EUR und an dritter Stelle GLS Crowd, eine Online-Plattform für nachhaltige Unternehmen, die erst im Februar 2017 startete, mit einem finanzierten Volumen von 6,6 Mio EUR.17

Seedmatch

Die Plattform Seedmatch wurde als erste Plattform für Crowdinvesting im August 2011 gegründet und war bis 2014 auch Marktführer.

Potenzielle Kapitalgeber können bereits ab einem Betrag von 250 EUR in Projekte investieren. Bis November 2012 fanden die Investitionen in Form einer stillen Beteiligung statt, anschließend in Form des partiarischen Nachrangdarlehens.

[...]


1 Klöhn, Lars / Hornuf, Lars (2012), S. 238.

2 Bradford, Steven C. (2012).

3 Schramm, Dana Melanie / Carstens, Jakob (2014), S. 2ff.

4 Klöhn, Lars / Hornuf, Lars (2012).

5 ebenda, S. 238.

6 Inci, Yasemin (2016), S. 30.

7 Schüle, Arthur (2015), 42 ff.

8 ebenda, 49 ff.

9 Forster, Markus (2013), S. 55.

10 Schüle, Arthur (2015), 50 ff.

11 Heininger, Klaus (2017).

12 Inci, Yasemin (2016), 45 ff.

13 Schüle, Arthur (2015), 50 ff.

14 Heininger, Klaus (2017).

15 Schramm, Dana Melanie / Carstens, Jakob (2014), 36 ff.

16 Crowdfunding.de (2017), S. 5ff.

17 Crowdfunding.de (2018).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für Startups
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V463784
ISBN (eBook)
9783668907331
ISBN (Buch)
9783668907348
Sprache
Deutsch
Schlagworte
crowdinvesting, crwodfunding, crowdlending, entrepreneurship, gründungsfinanzierung, finanzierung, startups, Finanzierung startups
Arbeit zitieren
Nadine Ozeir (Autor), 2019, Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für Startups, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463784

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für Startups


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden