Thomas Mann - Tod in Venedig


Seminararbeit, 2002
9 Seiten

Leseprobe

Gliederung der Arbeit:

1. Intertextualitätstheorien und Intertextualität

2. Was ist ein Leitmotiv?

3. Die Figur Aschenbach und sein Weg vom Apollinischen ins Dionysische

4. Die Figur Tadzio als menschliche Verkörperung von Liebe und Tod

5. Erklärungen zu den Todesfiguren die Aschenbach bis zur Auflösung begleiten

6. Weitere Leitmotive die in dieser Novelle auftreten

7. Intertextuelle Bezüge zu Platon und Nietzsche

1.) Intertextualitätstheorien und Intertextualität:

Intertextualität bezeichnet die Eigenschaft von insbes. literarischen Texten, auf andere Texte bezogen zu sein. Intertextualitätstheorien beschreiben, erklären oder systematisieren die Bezüge zwischen Texten. Grundsätzlich sind zwei Kategorien von Intertextualitätstheorien zu unterscheiden. In der einen wird Intertextualität als deskriptiver Oberbegriff für herkömmliche Bezugsformen von Texten verstanden, in der anderen in einem umfassenden ontologischen Sinn zur qualitativen Bezugsnahme auf sämtliche Arten von bedeutungstragenden Äußerungen verwendet.

Kurz: 1.) deskriptive Intertextualitätstheorie:

- Bezeichnung eines Werkes im Vergleich zu einem Anderen durch intentionale und spezifische Anspielung eines Autors

2.) ontologische Intertextualitätstheorie:

- Will die Vorstellung auktorialer Intentionalität sowie die Einheit und Autonomie des Werkes selbst unterminieren.

Nun gibt es mehrere Auffassungen darüber, was nun Intertextualität bedeutet. Zwei von diesen Modellen sollen hier kurz dargestellt werden.

Zum ersten das vom Poststrukturalisten Kristeva: Intertextualität ist die Eigenschaft aller Texte und muss nicht durch die bloße Anspielung auf andere Texte erkenntlich gemacht werden. „ Intertextualität ist für eine Verwischung der Grenze zwischen lesendem und schreibendem Subjekt verantwortlich; beide werden textualisiert“

„ Derjenige der schreibt, ist auch derjenige, der ließt“ und ist „ selbst nur ein Text, der sich aufs neue ließt, in dem er sich wieder schreibt“

Zum zweiten die Auffassung von Genette: Er erstellte eine systematische Typologie intertetxtueller Relationen, die in fünf Untergruppen unterteilt wird.

a) Intertextualität, womit v. a. die ganze >> traditionelle Praxis des Zitat << sowie die zusätzlichen Aspekte des Plagiats und der Anspielung gemeint sind;
b) Paratextualität, die Beziehung zwischen einem Text und den ihn unmittelbar einrahmende Versatzstücken von Texten, wie z. B. Titel, Einleitung, Nachwort, Anmerkungen, Epigraph usw.
c) Metatextualität - der Kommentar eines Texte zu einem Anderen
d) Hypertextualität - z. B. die kommentarlose Transformation eines Prätextes in die Form einer Parodie
e) Architextualität - betrifft die allgemeineren Gattungsbeziehungen zwischen Texten

2.) Was ist ein Leitmotiv?

Hier sollen nun verschieden Definitionen zum Thema Leitmotiv aufgelistet werden:

1.) „Ein Leitmotiv ist ein häufig wiederkehrendes Motiv von melodischer, rhythmischer und harmonischer Prägnanz, des in den Musikdramen R. Wagners das entscheidende konstruktive Element des musikalischen Ablaufs der Dramatik ist (von ihm selbst „Grundthema“ genannt). Die Verwendung solcher Motive als Mittel, dramatischer Situationen in Erinnerung zu bringen, oder als Symbol für Personen des Dramas findet sich bereits in Opern des 18. Jh. . Erst Wagner machte aus der Verwendung dieser Motive ein Stilprinzip.“
2.) „ Leitmotiv <n.11> oft wiederholte, mit einer bestimmten Gestalt, Stimmung oder Ähnlichem verbundene Tonfolge in einer Oper; grundlegendes, bedeutungsvolles Motiv in einem literarischen Werk <fig.> Grundgedanke, leitendes Motiv, Beweggrund und Leitidee“
3.) eigene Definition: Ein Leitmotiv ist eine einprägsame, im selben oder annährend gleichen Wortlaut wiederkehrende Aussage, die einer bestimmten Gestalt, Situation, Gefühlslage oder Stimmung, auch einem Gegenstand, einer Idee oder einem Sachverhalt zugeordnet ist. Diese wird oft zusammen mit einem rhythmischen oder klanglichen Mittel wie Reim und Alliteration verwendet und wirkt durch ihr mehrfaches Auftreten gliedernd und akzentuierend. Außerdem kann sie Zusammenhänge vorausdeutend oder rückwirkend hervorheben sowie zur literarischen Symbolbildung eines Werkes beitragen.

3.) Die Figur Aschenbach und sein Weg vom Apollinischen zum Dionysischen

Im zweiten Kapitel wird uns der Schriftsteller von Aschenbach erstmals genauer vorgestellt, hierbei sind besonders die Schilderung seiner Lebensweise und seine Art von Selbsteinschätzung von besonderer Bedeutung, da sich in ihnen die Motivationen zum auslösen der späteren Krise verborgen halten. Dieser Aschenbach, den wir hier vorfinden hat einen Prozess der Entwicklung bereits hinter sich, in welchem er sein Leben lang einen nicht zu verdauenden Schaden in seiner personalen Evolution mit sich trägt.

„So, schon als Jüngling von allen Seiten auf die Leistung- und zwar die außerordentliche- verpflichtet, hatte er niemals den Müßiggang, niemals die sorglose Fahrlässigkeit der Jugend gekannt.“ (S.20/ Z.20f)

Aschenbachs Künstelerleben ist also geprägt von der Zucht, welche in ihm den Motor zur ständigen literarischen Höchstleistung anzutreiben scheint. Gerade in den Adelsstand aufgenommen, erlangt Aschenbach auch einen gewissen Bekanntheitsgrad und fühlt sich seinem Publikum in gewisser Weise verpflichtet. Vom Publikum, d. h. den Mengen, die einem Kunstwerke Ruhm bereiten, heißt es: „... aber der eigentliche Grund ihres Beifalls ist ein Unwägbares, ist Sympathie.“. Der Autor stellt zwar seine persönliche Problematik mit Hilfe seiner Helden dar, jedoch wird erst dann ein bedeutsames Kunstwerk daraus, wenn eine solche Sympathie zu erkennen ist, wenn das individuelle Schicksal des Künstlers ein Modell für das allgemeine Schicksal abgibt. Auf Grund dieser Entwicklung vom Individualistischen zum Sozialen ist es Aschenbach möglich seine Kunst ins Mustergültig feststehende zu wandeln. Um diese Wandlung durchführen zu können benötigt man eine Art von Heroismus der mit ständiger Anspannung einher geht, für die Aschenbach „ nur berufen, nicht eigentlich geboren war.“ (S. 21/ Z. 6). Doch Aschenbachs Lieblingswort ist „ Durchhalten“ (S. 21/ Z.17), und so versucht er nun ein vollkommenes Künstlertum zu erreichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Thomas Mann - Tod in Venedig
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Neuere Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Neue Deutsche Philologie
Autor
Jahr
2002
Seiten
9
Katalognummer
V4638
ISBN (eBook)
9783638128476
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr dicht - einzeilig. 122 KB
Schlagworte
Thomas Mann, Tod In Venedig
Arbeit zitieren
Alexander Rhau (Autor), 2002, Thomas Mann - Tod in Venedig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4638

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