MES- und ERP-Systeme. Aufgabenverteilung in der Planung und Steuerung


Studienarbeit, 2015
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen von MES und ERP-Systemen
2.1 Begriffsdefinition: MES und ERP
2.1.1 ERP
2.1.2 MES
2.2 Abgrenzung der Systeme
2.3 Aufgaben und Kernfunktionen von ERP-Sytemen
2.4 Aufgaben und Kernfunktionen von MES

3 Die Richtlinien: ISA S88, ISA S95 und VDI 5600

4 Schnittstellen zum ERP

5 Integration von MES in das ERP-System
5.1 Vertikale Integration
5.2 Horizontale Integration

6 Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eingliederung von ERP und MES

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Alles schneller, alles besser – dies ist der Vorsatz des heutigen Wirt- schaftssystems. Das rasante Wirtschaftswachstum und die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft zwingen Unternehmen mehr und mehr dazu ihre Prozessabwicklungen zu überdenken und diese flacher zu gestalten. Durch den immer stärker werdenden Konkurrenzdruck wird es mehr und mehr zur Voraussetzung eine gewisse Prozesstransparenz zu schaffen, um sich somit gewisse Vorteile gegenüber dem Wettbewerb zu sichern und die eigenen Potentiale ausschöpfen zu können. Dies wird gerade im Bereich des Fertigungsmanagement deutlich, wo hohe Qualität, Flexibilität und Effi- zienz von enormer Wichtigkeit sind.

Für die Schaffung und Gestaltung von transparenten Prozessen, ist es notwendig die Wertströme innerhalb der Wertschöpfungskette zeitnahe abzubilden und diese ohne manuelles einwirken zu erfassen.1 Diese Not- wendigkeit der Datenerfassung ist durch die heutigen Enterprise Resource Planning (ERP) Systeme nur bedingt gewährleistet. Mehr und mehr gewin- nen sogenannte Manufacturing Execution Systems (MES) an Attraktivität, welche primär die Prozesse der Produktion und Logistik unterstützen sowie in Echtzeit reagieren und auch Daten zur Verfügung stellen ohne große manuelle Einwirkung.

Mit dieser Seminararbeit sollen die Grundlagen von ERP- und MES Syste- men vermittelt sowie die Kernfunktionen beider Systeme erläutert werden. Zusätzlich erfolgt eine Abgrenzung der beiden Systeme hinsichtlich ihrer jeweiligen Funktionen. Weiterhin soll über die Normen „ISA S88“, „ISA S95“ und „VDI 5600“ informiert sowie im Anschluss auf die Schnittstellen für den Datenaustausch eingegangen werden. Hier erfolgt eine kurze Erläuterung auf was bei der Definition von Schnittstellen geachtet werden muss. Im Anschluss soll auf die eigentliche Integration von MES in das ERP-System eingegangen werden sowie eine Erklärung zu den verschiedenen Arten der Integration erfolgen. Abschließend wird innerhalb einer Zusammenfassung das komplette Thema nochmals dargestellt.

2.1 Begriffsdefinition: MES und ERP

EDV-Informationssysteme wie MES und ERP sind Anwendungssoftwares zur unternehmensinternen Ressourcenplanung, Steuerung und Verwal- tung. Aufgrund der standortübergreifenden Anwendungsmöglichkeiten, unterstützen diese IT-Systeme Unternehmen in allen betriebswirtschaftli- chen Belangen. Im Folgenden sollen beide Systeme genauer definiert wer- den.

2.1.1 ERP

E nterprise Resource Planning -Systeme oder auch kurz „ERP“ genannt, stellen Informationssysteme dar, deren wesentliche Aufgabe es ist, die für das Unternehmen relevanten Ressourcen effizient zu verteilen und somit bei der Erfüllung der unternehmerischen Ziele zu unterstützen. Verallge- meinert lässt sich sagen, dass das ERP die Planung, Steuerung und Kon- trolle aller unternehmerischen Geschäftsprozesse unterstützt und mittels der erfassten Daten aktuelle Informationen liefern kann.2

Aufgebaut ist das ERP häufig aus mehreren verschiedenen Modulen, wo-durch Informationen aus allen Geschäftsbereichen eines Unternehmens gebündelt und innerhalb eines Datenbanksystems abgebildet und mitei- nander verknüpft werden können. Somit entsteht eine standardisierte Da- tenbasis für das Unternehmen.

Mittlerweile gibt es auf dem Markt zahlreiche Entwickler von ERP- Systemen. Die größten und bekanntesten Anbieter stellen, neben dem Marktführer „SAP“, das US-Amerikanische Unternehmen „Oracle“ sowie „Microsoft“ und „Infor“ dar, jedoch ist dies nur ein kleiner Teil der Vielzahl von Anbietern solcher Software-Lösungen.

2.1.2 MES

M anufacturing Execution Systems oder auch kurz als „MES“ bezeichnet, ist ein mehrschichtiges Anwendungssystem, was vorherrschende ERP- Systeme als auch technische Steuerungs- und Feinplanungssysteme in seinen Funktionen operativ unterstütz und diese ergänzt.3 Es bietet nicht nur die Möglichkeit produktionsbezogene Daten zu erfassen sondern auch die Strukturierung, Steuerung und Überwachung der Fertigung vorzuneh- men sowie eine gewisse Prozesstransparenz zu schaffen. MES zeichnet sich insbesondere durch seine direkte Anbindung an die Betriebsprozesse aus, wodurch eine Reaktion in Echtzeit gewährleistet ist und somit die er- fassten Daten eine direkte Auswirkung auf den Fertigungsprozess haben.4 Ebenso werden hierdurch Reaktionszeiten stark verringert wodurch ein schneller Eingriff bei aufkommenden Problemen gewährleistet ist und diese somit schnell behoben werden können.

Mehr und mehr hat dieses System seit Ende der 90er-Jahre an Präsenz in der Wirtschaft gewonnen und wird heute von vielen als „unabdingbar“ oder sogar als Voraussetzung für erfolgreiche Unternehmensführung betrachtet.

Ebenso wie bei ERP-Systemen gibt es auch hier bereits zahlreiche Ent- wickler am Markt, die diverse MES-Lösungen anbieten. Beispielhaft zu nennen ist hier ebenfalls die SAP AG.

2.2 Abgrenzung der Systeme

Eine konkrete Abgrenzung beider Systeme ist relativ schwierig, da es doch viele Überschneidungen zwischen ERP und MES gibt, dennoch sollen hier grob die Grenzen mit Hilfe der folgenden Abbildung aufgezeigt und veran- schaulicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eingliederung von ERP und MES 5

Wie in der aufgeführten Pyramide dargestellt, lässt sich erkennen, dass das ERP der Ebene des Unternehmensmanagement oder auch der sogenann- ten Unternehmensleitebene zugeordnet ist. Diese Ebene vereint sämtliche

Funktionen aller Geschäftsprozesse innerhalb eines Unternehmens und richtet sich somit nicht nur auf eine spezielle „Sparte“ aus. Insgesamt lässt sich aufzeigen, dass das ERP mehr zu Abwicklung der kommerziellen Tä- tigkeiten und Prozessen dient und dass der Teil der Fertigungsplanung und-steuerung nur eine Anforderung von vielen ist. Hierbei führt das System lediglich eine entsprechende Grobplanung für einen bestimmten Bearbei- tungszeitraum anhand der vom System zur Verfügung gestellten Daten durch.6 Der Ablauf dieser sowie eine tiefergehende Erläuterung der Aufga- ben und Funktionen soll jedoch erst im nächsten Kapitel weiter ausgeführt werden.

MES ist dem Fertigungsmanagement oder auch der sogenannten Ferti- gungsleitebene zugeordnet und stellt innerhalb des Unternehmens das Bindeglied zwischen der Fertigungsebene (Shop Floor) und des Unterneh- mensmanagement dar.7 Während das ERP mehr auf die kommerziellen Aufgaben innerhalb eines Unternehmens ausgerichtet ist und diese inner- halb des Systems allgemein darstellt, ist das MES einzig und allein auf den Produktionsprozess ausgerichtet. Es führt sowohl die komplette Ressour- cenverwaltung als auch die Feinplanung hinsichtlich der Reihenfolge der zu fertigenden Produkte und der Belegungsplanung der Maschinen durch. Ebenfalls der Einsatz des Personals und das Qualitätsmanagement können über das System abgebildet werden. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein MES den kompletten Produktionsprozess von Anfang bis Ende „im Griff“ haben muss.8

Die letzte Ebene innerhalb der abgebildeten Pyramide, stellt die Ferti- gungsebene oder auch Automationsebene dar. Diese Ebene beinhaltet die eigentliche Fertigung von Produkten und ist somit das ausführende Glied innerhalb der Wertschöpfungskette. Ebenso sind ihr Maschinen-, Anlagen-, Lager- und Transportsteuerung sowie Aufgaben der Instandhaltung zuge- ordnet.9 Im Rahmen dieser Hausarbeit soll jedoch auf diese Ebene nicht

tiefer eingegangen werden.

Es lässt sich zeigen, dass aufgrund der tiefgehenden Spezialisierung des MES auf die interne Fertigungsplanung und –steuerung, es im Gegensatz zu einem ERP-System, welches mehr auf die kommerziellen und allgemei- nen Funktionen ausgerichtet ist, hier klar im Vorteil für die Abwicklung der anfallenden Tätigkeiten der Produktionsplanung ist. Dies soll auch noch einmal anhand der zu bewältigenden Aufgaben deutlich gemacht werden.

2.3 Aufgaben und Kernfunktionen von ERP-Sytemen

Das ERP-System vereint die Funktionen des Finanzwesens, Personalwe- sens, Einkauf und Vertrieb sowie eine Planungsfunktion zur Ermittlung des mittelfristigen und langfristigen Materialbedarfes.10 Weiterhin dient es zur Administration und Verwaltung von Daten und Stammdaten sowie zur rei- nen Informationsweitergabe.

Innerhalb jedes der oben genannten Funktionsbereiche, kann über das ERP-System eine Vielzahl von Aufgaben abgewickelt werden, wie z. B. im Bereich des Personalwesens die gesamte Lohn- und Gehaltsabrechnung oder im Bereich des Einkaufs das Erfassen von Bestellungen und Auf- tragsbestätigungen. Auch im Bereich der Auftragsabwicklung übernimmt das System einige Aufgaben. Hierbei werden die Kundenaufträge verwal- tet, das Material entsprechend der vorliegenden Aufträge disponiert und im Anschluss der komplette Produktionsprozess darauf hingehend terminge- recht geplant und gesteuert.11

Anhand der oben genannten Bereiche lässt sich zeigen, dass das ERP- System eine ganze Reihe von Funktionen für den betrieblichen Ablauf ver- eint und somit ein Unternehmen tiefgehend in seinen täglich anfallenden Aufgaben innerhalb der einzelnen Abteilungen unterstützt.

2.4 Aufgaben und Kernfunktionen von MES

Die Hauptfunktion des MES besteht in der Planung und Steuerung des gesamten Fertigungsprozesses. Hierbei werden verschiedene Aufgaben zum detaillierten Managen dieses Prozesses vereint. Die Organisation MESA oder auch „Manufacturing Enterprise Solutions Association“ hat sich dem Thema MES besonders angenommen und definiert folgende 11 Funk- tionsgruppen, die ein MES abbilden kann:12

[...]


1 Vgl. Kletti (2006), im Geleitwort

2 Grundlagen von MES und ERP-Systemen

2 Vgl. Hesseler/ Görtz (2007), S. 5 f.

3 Vgl. Kurbel (2005), S. 264

4 o. V.(a) (o. J.): Manufacturing Execution System (MES); online im Internet unter: http://www.fls.de/de/manufacturing-execution-system-mes.htm (Stand 10.01.2015)

5 Eigene Darstellung in Anlehnung an Kletti (2006), S. 40

6 Vgl. Kletti (2006), S. 16

7 Vgl. o. V.(b) (o. J.): MES – Begriffe und Historie; online im Internet unter: http://www.mes-matchmaker.com/mes-wissen.html (Stand 11.01.2015)

8 Vgl. Thiel/ Meyer/ Fuchs (2010), S. 11

9 Vgl. Kletti (2006), S. 17

10 Vgl. Thiel/ Meyer/ Fuchs (2010), S. 10

11 Vgl. o. V.(b) (o. J.): Grundlagen ERP / PPS; online im Internet unter: http://www.erp-matchmaker.com/erp-wissen.html (Stand 13.01.2015)

12 Vgl. hierzu und zur folgenden Aufzählung: Thiel/ Meyer/ Fuchs (2010), S. 41 f.

13 Vgl. Thiel/Meyer/ Fuchs (2010), S.41

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
MES- und ERP-Systeme. Aufgabenverteilung in der Planung und Steuerung
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V463868
ISBN (eBook)
9783668907751
ISBN (Buch)
9783668907768
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mes-, erp-systeme, aufgabenverteilung, planung, steuerung, Mes, erp, Enterprise resource planing, Manufacturing execution system, Produktionsplanung, Produktion, System, Prozess, Prozessplanung
Arbeit zitieren
Jessica Wieandt (Autor), 2015, MES- und ERP-Systeme. Aufgabenverteilung in der Planung und Steuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463868

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