Diese Arbeit gibt detaillierten Einblick in die Kohärenzgefühl steigernden PPI sowie den erfolgsrelevanten Wirkfaktoren in der Umsetzung mittels Coaching.
Die WHO konstatiert, dass bereits in 10 Jahren psychische Belastungen die Hauptursache von Krankheit sind. Negative Stressoren von Führungskräften sind vorwiegend Arbeitsverdichtung, gesteigerter Leistungs- und Termindruck. Insbesondere Mittelmanager aufgrund ihrer Sandwichposition, eingebettet zwischen Unternehmensleitung und operativer Ebene unterliegen einem stressauslösenden Dilemma: Rollenparadoxien, inkongruente Anweisungen, Komplexität, Informations-mangel oder Loyalitätskonflikte. Ziel der Arbeit war es für Mittelmanager salutogenetische Stressbewältigungsmöglichkeiten aus dem Bereich der Positiven Psychologie sowie deren optimale Umsetzungsstrategien mittels präventiven Coaching aufzuzeigen basierend auf einer Triade gesundheitsfördernder Konzepte: Salutogenese-Stresstheorie, Positive Psychologie und Coaching. Die Salutogenese fokussiert auf Schutzfaktoren und Widerstandsressourcen durch Stärkung des Kohärenzgefühls, welches durch Sinnhaftigkeit, Verstehbarkeit und Handhabbarkeit ausgebildet wird. Die Positive Psychologie mit ihren Interventionen (PPI) richtet den Blick auf das, was gesund hält, und Coaching ist respektive Beratung Gesunder. Aufgrund der jungen Forschungsdisziplinen wurde explorativ vorgegangen. Empirisch validierte PPI wurden aus Metaanalysen und einschlägigen Literaturwerken extrahiert und qualitativ nach ihrer salutogenetischen, Kohärenzgefühl steigernden Wirkung bewertet und punktemäßig quantifiziert. Mittels systematischer Literaturreview wurden Studien zu PPI im Kontext von Stress und Coaching zur Eruierung optimaler Umsetzungsstrategien recherchiert. Die Ergebnisse zeigen, dass das Kohärenzgefühl durch PPI gestärkt wird, es jedoch an selektiver Wahl bedarf. Kohärenzgefühl steigernde PPI haben das Potenzial persönliche Bewältigungsmechanismen zu stärken, Dauerstress von Mittelmanagern präventiv zu entgegnen und Gesundheit zu festigen und sind durch Coaching vermittelbar. Dabei bedarf es der Berücksichtigung spezifisch relevanter Wirkfaktoren, welche erfolgsrelevant sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Förderungsnotwendigkeit der Stressprävention von Führungskräften
2 Theoretische Grundlagen – empirischer Forschungsstand
2.1 Stresstheorien und salutogenetisches Präventionsmodell
2.1.1 Begriffliche Abgrenzung und stresstheoretische Konzepte
2.1.2 Das Salutogenese-Modell: Prävention durch Kohärenzgefühlsicherung
2.2 Positive Psychologie und Coaching: Symbiose von Theorie und Praxis
2.2.1 Positive Psychologie und Coaching - Konzepteinblicke
2.2.2 Positive Psychologie Interventionen
2.3 Milieueinblick: Zielgruppe Führungskräfte Mittelmanagement
3 Forschungsmethodisches Vorgehen
3.1 Überblick des qualitativen Forschungsprozesses
3.2 Recherche, Induktive Selektion und systematische Literaturreview
3.3 PPI-Bewertungsverfahren (B)
3.4 Synthese der Erkenntnisse (C), Diskussion (D), Praktische Implikation (E)
4 Erkenntnisse
4.1 Teil A: Nutzwertanalyse
4.1.1 Erkenntnisse aus PPI-Selektionsverfahren und Datenaufbereitung
4.1.2 Erkenntnisse des qualitativ / quantitativen Bewertungsverfahrens
4.2 Teil B: Studienerkenntnisse zu den Umsetzungsstrategien
4.2.1 Detaillierter Einblick in die Studienerkenntnisse
4.2.2 Narrative Synthese der vorliegenden Studienergebnisse
4.3 Diskussion der Erkenntnisse
4.3.1 Teil A: Erkenntnisse aus der Kohärenzgefühlbewertung von PPI
4.3.2 Teil B: Erkenntnisse zu den Umsetzungsstrategien
4.4 Einschränkungen der Arbeit
4.5 Praktische Implikationen
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie durch empirisch fundierte Interventionen der Positiven Psychologie (PPI) und gezieltes Coaching die Stressbewältigungskompetenzen von Führungskräften im Mittelmanagement gestärkt werden können. Dabei steht die salutogenetische Perspektive und die gezielte Förderung des Kohärenzgefühls im Zentrum, um präventiv gegen chronischen Stress und dessen Folgen zu wirken.
- Salutogenese als theoretische Basis für Gesundheit und Prävention
- Integration von Interventionen der Positiven Psychologie (PPI) in Coaching-Prozesse
- Analyse der Stressbelastungen und der spezifischen Sandwich-Position des Mittelmanagements
- Methodische Bewertung von PPI hinsichtlich ihrer Wirksamkeit auf das Kohärenzgefühl
- Entwicklung von Umsetzungsempfehlungen für die Coaching-Praxis
Auszug aus dem Buch
1.1 Förderungsnotwendigkeit der Stressprävention von Führungskräften
Ein Umbruch einer monetären Wirtschaft hin zu einer Wellbeing Ökonomie ist seit den letzten zwei Jahrzehnten sichtbar geworden (vgl. Seligman, 2003, S. 263 f.; Diener et al., 2015, S. 234 ff.). Der Strukturwandel durch den technologischen Fortschritt und die damit einhergehende Beschleunigung der politischen, sozialen und ökonomischen Globalisierung führen zu geänderten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Diese Änderungen tragen zu verbesserten Lebensstandards bei (vgl. Troger, 2014, S. V; Hünefeld, 2016, S. 53 ff.), sind aber bipolar, haben also auch eine Kehrseite (vgl. Struhs-Wehr, 2017, S. 61; Steiger, Lippmann, 2013, S. 146). Psychische Krankheiten werden in zehn Jahren weltweit die Hauptursache von Krankheit sein (vgl. WHO, 2008, S. 51). Laut Weltgesundheitsorganisation ist die größte Gesundheitsgefahr der nahen Zukunft negativer Stress. Wittchen et al. (2011) zeigen auf, dass mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung an psychischen Krankheiten leidet (vgl. ebd., S. 655).
Gemäß Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind psychische Erkrankungen bereits heute die häufigste Ursache von Frühberentungen in Deutschland (vgl. BAuA, 2014). Der Anstieg psychisch bedingter Krankheiten ist umfassend bestätigt (vgl. DGFP, 2011, S. 3; TK, 2013, S. 4 ff.; RKI, 2015, S. 112). Sie resultieren aus gesteigertem Leistungsdruck, Angst und Überforderung (vgl. Troger, 2014, S. V; TK, 2013, S. 4 ff.; Zimber, Hentrich, 2015, S. 2). Bereits in zwei Jahren scheint jeder zweite arbeitsbedingte Fehltag in Deutschland auf Stress zurückführbar zu sein (vgl. Poulsen, 2012, S. 13; DAK, 2018, S. 16 f.).
Nicht punktueller Stress sondern andauernder, chronischer Stress beeinflusst die Gesundheit negativ (vgl. DGFP, 2011, S. 13 ff.). Gemäß der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) sind mehr als 10% der Befragten chronischen Dauerstressbelastungen ausgesetzt (vgl. Hapke et al., 2013, S. 749 ff.). Die SHAPE Studie (vgl. Kromm, Frank, 2009, S. 19) erfasste umfangreich die Stresssituation von Führungskräften im deutschsprachigen Raum.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Belastung durch chronischen Stress in der modernen Arbeitswelt und definiert das Ziel, salutogenetische Stressprävention für Mittelmanager zu etablieren.
2 Theoretische Grundlagen – empirischer Forschungsstand: Dieses Kapitel verknüpft Stresstheorien, das Salutogenese-Modell sowie Konzepte der Positiven Psychologie und des Coachings, um eine wissenschaftliche Basis für die Interventionen zu schaffen.
3 Forschungsmethodisches Vorgehen: Hier wird der explorative Forschungsprozess erläutert, der die Auswahl empirisch validierter Interventionen und deren Bewertung anhand salutogenetischer Kriterien beschreibt.
4 Erkenntnisse: Dieser Hauptteil präsentiert die Ergebnisse der Nutzwertanalyse der ausgewählten Interventionen sowie die Erkenntnisse zu optimalen Umsetzungsstrategien aus der Literaturanalyse.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Relevanz der triadischen Konzepte zusammen und gibt einen Ausblick auf den Bedarf an weiterer empirischer Forschung im Feld der Stressprävention für Führungskräfte.
Schlüsselwörter
Salutogenese, Coaching, Positive Psychologie, Stressprävention, Kohärenzgefühl, Führungskräfte, Mittelmanagement, Interventionen, Resilienz, Arbeitsbelastung, Signaturstärken, Stressmanagement, Gesundheit, Wohlbefinden, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelor-Thesis untersucht, wie Führungskräfte im Mittelmanagement durch gezieltes Coaching und Interventionen der Positiven Psychologie ihre Stressbewältigungskompetenzen stärken und präventiv ihre psychische Gesundheit schützen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Salutogenese-Modell nach Antonovsky, die Anwendung von Positive Psychology Interventions (PPI) und deren praktische Integration in das Business-Coaching für Führungskräfte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, empirisch gesicherte PPI zu identifizieren, die das Kohärenzgefühl stärken, und Strategien aufzuzeigen, wie diese effektiv im Coaching mit Managern des Mittelmanagements eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein exploratives Vorgehen mit einer systematischen Literaturrecherche, gefolgt von einer qualitativen Nutzwertanalyse zur Bewertung der salutogenetischen Relevanz der Interventionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, das methodische Vorgehen bei der PPI-Auswahl sowie eine detaillierte Auswertung der Studienerkenntnisse hinsichtlich ihrer salutogenetischen Wirkung und Umsetzbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Salutogenese, Positive Psychologie, Kohärenzgefühl, Führungskräfte-Coaching, Stressprävention und Signaturstärken.
Warum ist das Mittelmanagement die Zielgruppe?
Mittelmanager befinden sich in einer spezifischen Sandwich-Position zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern, was sie besonders anfällig für Rollenkonflikte und chronischen Stress macht.
Welche Rolle spielt das Kohärenzgefühl?
Das Kohärenzgefühl (basierend auf Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit) ist der zentrale Wirkfaktor der Salutogenese, der als "Puffer" gegen negative Stressfolgen fungiert.
Sind die empfohlenen Maßnahmen praxistauglich?
Ja, die Arbeit leitet konkrete Umsetzungsempfehlungen für den Coaching-Prozess ab, die auf die zeitliche Belastung und die spezifischen Bedürfnisse von Führungskräften zugeschnitten sind.
- Arbeit zitieren
- Michaela Perteneder-Goll (Autor:in), 2019, Salutogenese, Coaching und Positive Psychologie. Eine triadische Reziprozität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/463974