Das Paper widmet sich der Untersuchung der US-Invasion auf Grenada und wählt als theoretischen Ansatz den Neorealismus, der möglicherweise prominenteste Ansatz um militärische Aktionen eines Landes zu erklären. Die US-Invasion "Urgent Fury" 1983 war die erste größere kriegerische Aktion der Vereinigten Staaten seit Ende des Vietnamkrieges. Erstaunlich hierbei ist, dass es sich bei Grenada um einen kleinen Inselstaat in der Karibik handelt, welcher auf den ersten Blick keine nachvollziehbare und plausible Bedrohung für eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten darstellt.
Der klassische Neorealismus nach Kenneth Waltz beschreibt Sicherheit und Macht als die Ziele, welche alle Staaten in ihrem internationalen Handeln verfolgen. Grenada wurde als Beispiel für einen offensiven Kriegsakt durch ein demokratisches Land gewählt, da es sich um eine auf den ersten Blick kleinen und scheinbar relativ unbedeutenden Kriegsakt handelt, er jedoch bei genauerer Betrachtung komplexer ist als er scheint. Besonders, da die Invasion auf Grenada durch Truppen der USA und der Organisation Ostkaribischer Staaten der erste aktive Kriegseinsatz durch US-Truppen seit dem Vietnamkrieg in den frühen 1970er Jahren war.
Dieser Kriegseinsatz wäre somit ein Bruch mit der vorangegangenen Außenpolitik, welche sich vor allem durch Diplomatie und Abrüstungsgespräche mit der UdSSR auszeichnete. Warum kam es also nach fast zehn Jahren Friedenspolitik im Jahr 1983 zu diesem Kriegseinsatz gegen einen Inselstaat mit knapp 100.000 Einwohnern? Wieso sahen die USA in Grenada eine Gefahr für die Sicherheit und ihre Macht, warum unterstützte die Organisation Ostkaribischer Staaten das militärische Vorgehen gegen eines ihrer Mitgliedsländer und inwiefern lässt sich dies mithilfe der Theorie des Neorealismus in seinen verschiedenen Ansätzen erklären?
Inhaltsverzeichnis
- Begründung für die Konkretisierung
- Historischer Hintergrund
- Die US-Intervention aus Sicht des Neorealismus
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, unter welchen Bedingungen Demokratien, insbesondere aus Sicht des Neorealismus, zu Kriegshandlungen greifen. Sie verwendet die Invasion der USA in Grenada im Jahr 1983 als Fallstudie. Das Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des Neorealismus auf ein konkretes historisches Beispiel anzuwenden und die Schlüsselfaktoren für die Entscheidung zu einer militärischen Intervention zu identifizieren.
- Analyse des Neorealismus und seiner verschiedenen Ansätze
- Anwendung der Theorie auf die Grenada-Invasion
- Bedeutung von Macht und Sicherheit im internationalen Kontext
- Die Rolle von Bündnissen und Hegemonialmächten
- Die Bedeutung der regionalen Stabilität und Machtbalance
Zusammenfassung der Kapitel
Begründung für die Konkretisierung
Dieser Abschnitt erläutert die Wahl der Fallstudie Grenada und stellt die zentralen Fragen, die die Arbeit beantworten soll.
Historischer Hintergrund
Dieser Abschnitt beleuchtet die politische und historische Situation Grenadas vor der Revolution 1979 und den darauffolgenden Spannungen zwischen Grenada und den USA.
Die US-Intervention aus Sicht des Neorealismus
Dieser Abschnitt untersucht die US-Intervention aus der Perspektive des klassischen Neorealismus nach Kenneth Waltz und analysiert die verschiedenen Ansätze der Theorie, wie z.B. das Konzept der Hegemonialmacht, das Bandwagoning und das Balancing. Der Abschnitt beleuchtet auch Stephen Walts Theorie des balance of threat und die Bedeutung der regionalen Sicherheit.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Schlüsselfragen des Neorealismus im Kontext der internationalen Politik, insbesondere die Bedeutung von Macht und Sicherheit, Hegemonialmächten, Bündnissen und regionaler Stabilität. Weitere zentrale Begriffe sind die Grenada-Invasion, die US-amerikanische Außenpolitik, die Revolution in Grenada und die kubanische Verbindung. Die Arbeit veranschaulicht diese theoretischen Konzepte durch die Analyse der Grenada-Invasion und zeigt die Bedeutung des Neorealismus als ein wichtiges Werkzeug, um die Entscheidungen von Staaten im internationalen System zu verstehen.
Häufig gestellte Fragen
Was war der Anlass für die US-Invasion in Grenada 1983?
Offizielle Gründe waren der Schutz US-amerikanischer Medizinstudenten nach einem blutigen Staatsstreich und die Sorge vor einer zunehmenden Militarisierung durch Kuba und die Sowjetunion.
Wie erklärt der Neorealismus diesen militärischen Akt?
Der Neorealismus sieht Staaten als Akteure, die nach Macht und Sicherheit streben. Die USA handelten aus Sorge um ihre regionale Hegemonie und das Gleichgewicht der Kräfte in der Karibik.
Wer war Kenneth Waltz im Kontext dieser Arbeit?
Kenneth Waltz ist der Begründer des klassischen Neorealismus, dessen Theorien zur internationalen Systemstruktur als Basis für die Analyse der US-Außenpolitik dienen.
Was bedeutet „Balance of Threat“ in Bezug auf Grenada?
Nach Stephen Walt reagieren Staaten nicht nur auf Macht, sondern auf wahrgenommene Bedrohungen. Die USA sahen in der revolutionären Regierung Grenadas eine Bedrohung für ihre Sicherheitsinteressen.
Warum unterstützte die Organisation Ostkaribischer Staaten die Invasion?
Die Nachbarstaaten fürchteten eine Destabilisierung der Region und schlossen sich den USA an (Bandwagoning), um die Ordnung wiederherzustellen.
War die Operation „Urgent Fury“ ein Bruch mit der bisherigen Politik?
Ja, es war der erste größere aktive Kriegseinsatz der USA nach dem Vietnamkrieg und markierte eine Abkehr von der reinen Diplomatie hin zu einer offensiveren Außenpolitik.
- Arbeit zitieren
- Fabian Döbber (Autor:in), 2016, Die US-amerikanische Invasion auf Grenada, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464125