Rechtsextremismus im Jugendalter. Warum fühlen Jugendliche sich von rechtsextremen Ideologien angesprochen?


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Rechtsextremismus?

3. Erklärungsansätze
3.1. Soziale Ansätze
3.2. Die Deprivationstheorie
3.3. Die Desintegrationstheorie
3.4. Die Anomietheorie

4. Rechtsextremismus und Schule

5. Prävention

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein jugendlicher Skinhead mit Bomberjacke und Springerstiefel. Dazu eine Glatze und ein Schlagring1 in der Hand! So oder so ähnlich geistert das Bild im Kopf wenn man an den Begriff „Rechtsextrem“ denkt.

Daher wir Rechtsextremismus oftmals mit Gewalt in Verbindung gebracht und als ein Problem der Jugend dargestellt. Allerdings werden die Jugendlichen oft genug von älteren Rechtsextremisten angeworben und angestiftet. Die Gewalttäter selbst aber sind laut Statistik tatsächlich meist Jugendliche2.

In den letzten Jahrzenten wurde die rechtsextremistische Tendenz unter Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewalttaten insbesondere gegen ausländische Mitbürger unübersehbar geworden3. Diese Entwicklung stellt ein so großes Problem dar, dass die Politik sowie die Gesellschaft gezwungen werden zu Handeln.

Hierbei stellt sich doch die Frage, welche Bewegründe die jugendlichen animierten sich am Rechtsextremismus zu orientieren und einen rechtsextremistischen Lebenstill anzustreben.

In dieser Ausarbeitung möchte ich das Thema „Rechtsextremismus im Jugendalter“ erarbeiten. Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da es in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis Personen gibt, die mit der rechtsextremen Szene in Verbindung stehen und ich ihre Ansichten verstehen möchte.

Als Erstes werde ich die grundlegen Begriffe erläutern. Als Schwerpunkt werden die Beweggründe und die Erklärungsansätze erarbeitet, vorgestellt und dabei die Hintergründe und Ursachen in Augenschein genommen. Meine Ausarbeitung möchte ich mit einer kurzen Zusammenfassung und einem persönlichen Fazit abschließen.

2. Was ist Rechtsextremismus?

Man darf sich nicht wundern, wenn man auf der Suche nach einer Definition für den Begriff „Rechtsextremismus“ verschiedene Beschreibungen und Erläuterungen findet. In der Rechtsextremismusforschung hat sich bis heute noch keine einheitliche Begriffsbestimmung durchgesetzt4. Die Friedrich-Ebert-Stiftung bat 2006 elf führende Sozialwissenschaftler, sich auf eine Definition zu einigen:

„Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichheitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitischtische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellung.“5

Diese Definition meint nichts anderes, als dass die Rechtsextremen der Überzeugung sind, dass es eine grundsätzliche Ungleichheit zwischen den Menschen gibt, welche die Rechtfertigung liefern soll, andere Menschen zu verachten, abwerten zu behandeln, zu verletzen und sogar zu töten.6

Folgende Inhalte werden zu den Ideologien von Ungleichheit gezählt:

- Nationalistische bzw. völkische Selbstübersteigung
- Rassistische Einordnung
- Unterscheidung von lebenswertem und unwertem Leben
- Behauptung von natürlicher Hierarchie
- Sozialdarwinistische Betonung des Rechts des Stärkeren
- Abwertung des „Andersseins“
- Betonung von Homogenität und kultureller Differenz7

3. Erklärungsansätze

3.1. Soziale Ansätze

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es in vielen Städten kaum Freizeitangebote für Jugendliche. Daher ist es für die rechte Szene keine große Herausforderung Jugendliche mit Gemeinschaftsgefühl und jugendgeeignete Freizeitangebote zu locken. Sie veranstalten Konzerte und Treffen. Auch im sportlichen Bereich werden Tätigkeiten angeboten, z.B. durch Fußballturniere oder Wehrsport.8 Bei allen Veranstaltungen wird auch mit den Jugendlichen gezielt über Ausländer gesprochen. Sie werden beispielsweise für die sozialen Missstände verantwortlich gemacht. Durch diese manipulative Einwirkung auf die Jugendliche wird ein gemeinsames Feindbild geschaffen. Dadurch stärkt sich natürlich auch das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhang wächst.9

„Viele Wissenschaftler/innen sehen in dem sozialen Wandel und dem damit einhergehenden Wertewandel eine zentrale Ursache. Der Rechtsextremismus wäre dann als Reaktion auf soziale Umbrüche in der Gesellschaft zu verstehen, durch den tradierte Verhaltensweisen und Werte in Frage gestellt werden.“10

3.2. Die Deprivationstheorie

Eine weiterer wichtiger Erklärungsansatz rechtsextremer Orientierung, spiegelt sich in der Deprivationstheorie. Deprivation bedeutet wortwörtlich übersetzt „Beraubung“. Um diese Theorie als Erklärungsansatz zu anzuwenden, muss bei den möglichen Probanden der gegenwärtige gesellschaftliche und soziale Wandel einen auschlaggebenden Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben haben.11

„Bei der Deprivation handelt es sich um eine Situation, die Frustration hervorruft, welche wiederrum rechtsextremistische Orientierung begünstigt. Gerade Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen werden hierdurch vermehrt hervorgerufen. Die These lautet, dass die prekäre soziale Lage vieler Menschen zur Abwertung anderer Gruppen führt, weil eigene Benachteiligungsgefühle dadurch kompensiert werden sollen. Deprivation bezeichnet somit allgemein den Zustand der Entbehrung oder des Entzugs. Relative Deprivation bezieht sich dagegen auf die subjektive Wahrnehmung, gegenüber einer Vergleichsgruppe oder einen anderen bedeutenden Gruppe benachteiligtet zu sein. Ein solches Gefühl basiert dabei nicht unbedingt auf einer tatsächlichen vorhandenen Mängellage, sondern kann auch nur ein subjektives Gefühl sein. Die wahrgenommene Benachteiligung führt jedoch zur Identifizierung Schuldiger an der momentanen Situation und führt zur Gegenwehr gegenüber der vermuteten Verursachern.“12

„Der zentrale Ansatzpunkt für den Rechtsextremismus in Bezug auf die relative Deprivation in ihrer ursprünglichen Fassung liegt in der Konstruktion von verschiedenen biologisch und wertorientiert definierten ­ Gruppen und der Tatsache, dass die eigenen Gruppe, also in diesem Fall dem "deutschen Volk", mehr Rechte eingeräumt werden als den anderen Gruppen. Davon ausgehend wird ihnen sozusagen die Schuld an der eigenen, nicht zufriedenstellenden Statuslage, zugeschoben. Eine rechtsextreme Parole, die hier ansetzt wäre zum Beispiel "Die Ausländer nehmen uns Deutschen die Arbeitsplätze weg!". Wichtig zu beachten ist dabei, dass hier die relative, also subjektive, Deprivation eine Rolle spielt, nicht die objektiv messbare. Die Theorie deutet deshalb nicht an, dass Jugendliche aus niedrigen sozialen Schichten unbedingt anfälliger für die Übernahme rechtsextremer Ideologien sind, sondern vielmehr diejenigen, die ihren derzeitigen Status gefährdet sehen. Die Transgressionsbereitschaft greift als Erklärungskonzept besonders deswegen, weil stark ausgeprägte rechtsextremistische Einstellungen vom Großteil der Gesellschaft nicht akzeptiert werden und sich so die Möglichkeit für normverletzendes Verhalten bietet.“13

Man erkennt deutlich, dass die Deprivationstheorie versucht, den Zusammenhang zwischen der fremdenfeindliche Einstellung und das subjektive Gefühl der Benachteiligung nachzuweisen.14 Hierbei gliedert sich die Deprivationstheorie in zwei Unterpunkte. Die individuelle relative Deprivation und die fraternale relative Deprivation. Die individuelle relative Deprivation repräsentiert das subjektive Benachteiligungsgefühl, welches im direkten Vergleich der Situation der eigenen Gruppe zu der eigenen Situation steht. Die fraternale relative Deprivation bezeichnet die Gesamtsituation der eigenen Gruppe im Vergleich zu einer anderen Gruppe, wenn diese als benachteiligt eingestuft wird.15

3.3. Die Desintegrationstheorie

Die Desintegrationstheorie wurde von dem Pädagogikprofessor Wilhelm Heitmeyer aufgestellt. Die Desintegration ist die Auflösung einer Struktur eines sozialen Systems.

„Desintegration meint den Verlust sozialer Bindungen und Beziehung, aber auch den Verlust traditioneller Werte und Bezugspunkte und die damit einhergehende Isolation und Anonymität. Das führt wiederrum zur Unsicherheit und Ängsten, die durch rechtsextremistische Gruppierungen, die Gruppenzugehörigkeit sowie Bestätigung innerhalb der Gruppe kompensiert werden.“16

[...]


1 Ein Schlagring ist eine Handwaffe, die aus einem Griff besteht, durch die die Finger der Faust gesteckt werden.

2 Vgl.: O.N. http://www.info-rechtsextremismus.de/index.php/jugend-gewalt/index.html (14.01.2014).

3 Vgl.: Gries, Jürgen; Steinert, Irmgard; Wenzke, Gerhard : „Rechtsextreme Orientierungen unter Jugendlichen – versagt Jugendpolitik, verzagt Jugend(sozial)arbeit“, Baltmannsweiler, 2004, http://www.gangway.de/gangway.asp?client=gangway&key=2384723948723948723489723&logwritten=yes&cat1id=7&cat2id=24&cat3id=&docid=2901&feature= (14.01.2014).

4 Vgl.: Weber, Regina: „Rechtsextremistinnen – Zwischen Kindererziehung und nationalem Kampfauftrag“, Metropol Verlag, S. 17, 2012, Berlin.

5 Kulick, Holger: „Das Buch gegen Nazis – Rechtsextremismus – was man wissen muss und wie man sich wehren kann“, Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG, S. 14, 2012, Köln.

6 Vgl.: Koch, Reinhard: „Handlungsfähig bleiben – handlungsfähig werden – Rechtliche Grundlagen und Handlungsempfehlungen für Eltern rechtsextremer Jugendlicher“, S. 15, 2010, Braunschweig.

7 Vgl.: Koch, Reinhard: „Handlungsfähig bleiben – handlungsfähig werden – Rechtliche Grundlagen und Handlungsempfehlungen für Eltern rechtsextremer Jugendlicher“, S. 16, 2010, Braunschweig.

8 Vgl.: O.N.: „Einstieg in die rechtsextreme Szene“, http://www.denktag.de/aufbrechen/aspekte/einstieg-in-die-rechtsextreme-szene/#Punkt10, (18.01.14).

9 Vgl.: Ebd.

10 Krautschat, Benjamin: „Was denkst du?- Wirkungsevaluation eines Projekttags des Netzwerk für Demokratie und Courage gegen Rechtsextremismus bei Schüler/innen“, 2010, Darmstadt, http://www.lpb-bw.de/fileadmin/Abteilung_III/jugend/pdf/literatur/maarbeit_krautschat.pdf, (18.01.14).

11 Vgl.: Ostendorf, Heribert: „Rechtsextremismus – Eine Herausforderung für Strafrecht und Strafjustiz“, Nomos Verlagsgesellschaft, S. 36, 2009, Kiel.

12 Ebd. S. 37.

13 Damrau, Lena: „Erklärungsansätze für den jugendlichen Rechtsextremismus“, GRIN Verlag GmbH, S. 12, 2008, München, http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/114518.html, (Stand: 20.01.2014).

14 Vgl.: Ostendorf, Heribert: „Rechtsextremismus – Eine Herausforderung für Strafrecht und Strafjustiz“, Nomos Verlagsgesellschaft, S. 37, 2009, Kiel.

15 Ebd., S. 38.

16 Ostendorf, Heribert: „Rechtsextremismus – Eine Herausforderung für Strafrecht und Strafjustiz“, Nomos Verlagsgesellschaft, S. 38, 2009, Kiel.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Rechtsextremismus im Jugendalter. Warum fühlen Jugendliche sich von rechtsextremen Ideologien angesprochen?
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V464213
ISBN (eBook)
9783668928466
ISBN (Buch)
9783668928473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rechtsextremismus, jugendalter
Arbeit zitieren
Patryk Lubanski (Autor), 2014, Rechtsextremismus im Jugendalter. Warum fühlen Jugendliche sich von rechtsextremen Ideologien angesprochen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464213

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