Warum ist das Handeln so prinzipiell wichtig? In welchem Verhältnis stehen das Handeln und die Freiheit zueinander? Und welche Bedeutung haben sie für den gesamten Raum des Politischen? Mit diesen und ähnlichen philosophischen und politischen Fragen hat sich die Philosophin Hannah Arendt auseinandergesetzt. Und diesen Fragen soll auch in dieser Arbeit nachgegangen werden, um somit einen kurzen Einblick in diese auch heutzutage aktuelle Problematik zu gewinnen.
Für viele gehört es mittlerweile zum guten Ton, bei Gelegenheit ausdrücklich zu betonen, dass man "apolitisch" sei und mit der Politik nichts zu tun haben wolle. Auf diese Weise machen wir uns leicht zu passiven Mitläufern, welche alles, was ringsherum passiert, wehrlos und urteilslos hinnehmen, ohne über Konsequenzen für sich selbst und die Gesellschaft nachzudenken, wir uns somit letzten Endes in eine selbstverschuldete Handlungsohnmacht begeben. Die Politik ist einer der wichtigsten Bereiche des menschlichen Lebens. Wir alle sind Teil des politischen Lebens, ob wir uns nun dessen bewusst sind oder nicht, oder es gar bis zum Letzten leugnen.
Vielleicht ist es angenehm, sich als Opfer zu fühlen und beständig zu beklagen, was nicht läuft und es ist sicher einfacher, notwendige Entscheidungen anderen zu überlassen und auf eigenes Handeln zu verzichten. Dieses Phänomen bezeichnet man heutzutage mit dem Fachbegriff "Politikverdrossenheit", welches auch in früheren Jahrzehnten ein Problem war und zu Katastrophen geführt hatte, indem man radikalen und besonders motivierten Minderheiten bereitwillig das Feld der Meinungsfreiheit überließ und ihnen damit Raum und Möglichkeit gab, sich zu entfalten.
Insbesondere Hannah Arendt, eine der berühmtesten Philosophen ihrer Zeit, hat sich in ihren Schriften mit den Ursprüngen der totalitären Herrschaft befasst. Sie nannte es "Flucht in die Ohnmacht". In diesem Text sollen die abschreckenden Folgen eines solchen Verhaltens oder besser eines solchen Verhaltensverzichts anhand ihrer Schriften deutlich gemacht werden. H. Arendt selbst hat hautnah das Wesen totalitärer Herrschaft kennengelernt und aus diesem Grund sich in ihrem weiteren Leben mit Fragen der Diktatur im philosophischen und politischen Bereich auseinandergesetzt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil. Freiheit und Politik
1. Der Sinn der Politik ist Freiheit
1.1. Begriff der Freiheit
1.2. Handeln
1.3. Anfangen-Können
2. Die totale Herrschaft als Zerstörung des Politischen
2.1. Exekution der objektiven Gesetze
2.2. Bewegungsgesetzte
2.3. Das eiserne Band des Terrors
2.4. Ideologie, Ohnmacht, Verlassenheit
3. Die heutigen Gefahren für den Bereich des Politischen
3.1. Verwischte Grenzen zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten
3.2. Entmachtete Opposition
III. Schlussteil
IV. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen Freiheit und Politik im Denken Hannah Arendts und analysiert, wie totale Herrschaftssysteme diesen Raum durch Terror und Ideologie zerstören, um daraus eine kritische Perspektive auf aktuelle politische Gefährdungen abzuleiten.
- Der essenzielle Zusammenhang zwischen Handeln und Freiheit
- Die Mechanismen totalitärer Herrschaft und ihre Zerstörung des Politischen
- Die Bedeutung von Spontaneität und Neubeginn als Gegenprinzip zum Terror
- Gefahren für den politischen Raum in modernen Demokratien
Auszug aus dem Buch
1.3. Anfangen-Können
Im Zentrum ihres Begriffs der Politik steht bekanntlich der Gedanke der Natalität, die Überzeugung, dass wir in unserem Handeln nicht determiniert sind, sondern den Lauf der Dinge unterbrechen und etwas Neues beginnen können (Fritze 2008: 82). Die Bestätigung des Beginns findet H. Arendt auch bei Augustinus, der behauptete, dass „der Mensch selbst in der Welt ein Anfang sei“ (Arendt 1994: 220). Dieses Anfangen-Können ist fähig, eine neue Welt zu schaffen. Das Anfang-Sein bestätigt sich in der menschlichen Existenz, insofern jeder Mensch wieder durch Geburt als etwas je ganz und gar Neues in die Welt kommt, die vor ihm war und nach ihm sein wird“ (Arendt 1994: 220). Und das bestätigt auf seine Weise die Kontinuität des Politischen, die Beständigkeit in der Welt. H. Arendt sieht das menschliche Handeln als ein Wunder, denn es birgt in sich ein Neuanfang. Das Freisein bedeutet handeln können. Diejenigen, die bewusst oder unbewusst auf ihr Handeln verzichten, geben in der Tat freiwillig ihre Freiheit ab, verweigern den Neuanfang und dadurch gefährden die Gesamtkontinuität des Politischen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Politikverdrossenheit ein und stellt die Relevanz von Hannah Arendts Analysen zur totalitären Herrschaft für das heutige Verständnis politischer Freiheit heraus.
II. Hauptteil. Freiheit und Politik: Dieser Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen Arendts, insbesondere das enge Band zwischen Handeln, Freiheit und dem politischen Raum.
1. Der Sinn der Politik ist Freiheit: Hier wird der Begriff der politischen Freiheit als Bedingung für einen öffentlichen Raum definiert, der untrennbar mit dem menschlichen Handeln verknüpft ist.
2. Die totale Herrschaft als Zerstörung des Politischen: Dieses Kapitel erläutert, wie totalitäre Systeme durch Ideologie, Terror und Bewegungsgesetze die menschliche Freiheit und den öffentlichen Raum systematisch vernichten.
3. Die heutigen Gefahren für den Bereich des Politischen: Hier werden aktuelle demokratische Entwicklungen kritisch hinterfragt, insbesondere die Verwischung privater und öffentlicher Bereiche sowie die Schwächung der Opposition.
III. Schlussteil: Das Fazit betont die Notwendigkeit des individuellen Handelns und der Wahrung der Freiheit als essenzielle Gegenwehr gegen totalitäre Tendenzen.
IV. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur zu Hannah Arendts Werk.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Freiheit, Politik, Totalitarismus, Handeln, Natalität, Ideologie, Terror, öffentlicher Raum, Politikverdrossenheit, Demokratie, Bewegungsgesetze, Macht, Gewalt, Spontaneität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Philosophie Hannah Arendts und untersucht das essenzielle Verhältnis zwischen Freiheit und Politik sowie die Gefahren, die von totalitären Herrschaftsformen für diesen Bereich ausgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Begriff der Freiheit, die Analyse des menschlichen Handelns, die Mechanismen totalitärer Systeme und die aktuellen Bedrohungen für das Politische in demokratischen Gesellschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den engen Zusammenhang zwischen Freiheit und Politik aufzuzeigen und durch Arendts Schriften die verheerenden Folgen eines freiwilligen Verzichts auf politisches Handeln zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und philosophische Analyse, basierend auf der Auswertung von Primärtexten Hannah Arendts und aktueller Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Grundlegung der Freiheit, eine tiefgehende Analyse der Zerstörung des Politischen durch totalitäre Herrschaft und eine Übertragung dieser Erkenntnisse auf heutige politische Gefahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Freiheit, Handeln, totalitäre Herrschaft, Natalität, öffentlicher Raum und Spontaneität.
Wie unterscheidet Arendt zwischen "Handeln" und "Herstellen"?
Handeln ist bei Arendt auf Mitmenschen bezogen, spontan und nicht determiniert, während Herstellen ein Mittel ist, um einen Gegenstand zu produzieren, und somit in seiner Freiheit begrenzt ist.
Warum betrachtet Arendt die "Verlassenheit" als gefährlich?
Die Verlassenheit bricht die Verbindungen zwischen Menschen auf, macht den Einzelnen ohnmächtig und bereitet ihn so auf die totalitäre Herrschaft vor, da er keinen Halt mehr findet.
Welche Rolle spielt die Opposition laut der Arbeit?
Die Opposition fungiert als letzte Gegenwehr gegen den Terror; ihre Entmachtung führt zur Handlungsunfähigkeit und gefährdet damit den gesamten politischen Bereich.
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- Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author), 2011, Hannah Arendt. Freiheit und Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464259