Diktaturen verfügten schon immer über eine starke Repressionsmaschinerie zum Nutzen der Regimestabilisierung. Die Repressionsmethoden sind mannigfaltig und unterscheiden sich sehr oft vom Land zu Land, auch entsprechend zu dem Typ des jeweiligen diktatorischen Regimes.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Herrschaftslegitimation autokratischer Regime und ihrer Auswirkung auf das Lagerwesen. Der Forschungsfrage liegt die Annahme zugrunde, dass diejenigen Diktaturen, die sich durch eine starke ideologische Basis legitimieren, in der Regel einen starken Hang zum Lagersystem aufweisen. Daraus ergibt sich die Vermutung, dass nur die totalitären Systeme ein Lagerwesen aufweisen. Doch was ist eigentlich Totalitarismus? Und wodurch unterscheidet er sich von den anderen autokratischen Regimetypen?
Laut U. Backes, wenn man Autokratie-Typen nach der Herrschaftslegitimation unterscheidet, äußert sich Totalitarismus als eine Form der Ideokratie (Backes 2007: 625). Sie zeichnet sich durch einen unbegrenzten Herrschaftsanspruch aus und legitimiert sich aufgrund einer verbindlichen Staatsreligion oder einer Staatsideologie.
Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, festzustellen, ob es tatsächlich Lager nur in Ideokratien gibt. Mit anderen Worten: es soll überprüft werden, ob ausschließlich Totalitarismen über Lagersysteme verfügen können oder auch Autoritarismen.
Die empirische Analyse erfolgt in Form eines deskriptiven Vergleichs dreier Länder, die dabei verschiedene Autokratietypen vorstellen: Nordkorea, Russland sowie Belarus. Im Fall von Nordkorea haben wir es mit einem totalitären Regime zu tun; die beiden anderen Länderbeispiele sind als Autoritarismen einzuordnen.Eine abschließende Betrachtung wird versuchen, aufgrund von gewonnenen Ergebnissen des Ländervergleichs die aufgeworfene Forschungsfrage zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aktueller Forschungsstand
3 Theoretische Konzepte
3.1 Herrschaftslegitimation
3.2 Repression als „die dritte Säule autokratischer Stabilität“ nach J. Gerschewski
3.3 Totalitarismus und Lagersystem nach H. Arendt
4 Empirische Analyse
4.1 Nordkorea
4.2 Russland
4.3 Belarus
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Herrschaftslegitimation autokratischer Regime und dem Vorhandensein eines Lagersystems. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob ausschließlich totalitäre Systeme über Lagersysteme verfügen oder ob dies auch auf autoritäre Regime zutrifft, indem drei Länderbeispiele (Nordkorea, Russland, Belarus) deskriptiv miteinander verglichen werden.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Herrschaftslegitimation und Totalitarismus
- Untersuchung von Repressionsmethoden in autokratischen Regimen
- Vergleichende Analyse des Lagersystems in Nordkorea als Ideokratie
- Gegenüberstellung mit den autoritären Systemen Russlands und Belarus
- Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit des Lagersystems für den Totalitarismus
Auszug aus dem Buch
Totalitarismus und Lagersystem nach H. Arendt
Die theoretische Grundlage für die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit bildet das philosophisch-politische Werk von Hannah Arendt, „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.
Im dritten Teil ihres Buches namens „Totalitäre Bewegung und totale Herrschaft“ wirft die Philosophin die Frage nach dem Wesen totaler Herrschaft auf.
Diese zentrale Frage ihres philosophisch-politischen Werkes beantwortet H. Arendt mit dem folgenden berühmten Satz: „Das Wesen totalitärer Herrschaft ist Terror“ (Arendt 1962: 680). Nach ihrer Auffassung scheidet Terror die Individuen aus um der Gattung willen, opfert Menschen um der Menschheit willen, und zwar nicht nur jene, die grundsätzlich seine Opfer werden, sondern grundsätzlich alle (ebd.: 681). Damit beweist die berühmte Philosophin, dass grundsätzlich jeder Mensch ohne Ausnahme ein potenzielles Opfer in einem totalitären System werden kann.
Der entwurzelte moderne Massenmensch traut seiner eigenen Urteilskraft nicht mehr und wird so Opfer der totalitären Propaganda und ihrer ideologisch-fiktiven Weltsicht. Wer sich dieser einheitlichen Ideologie widersetzt, ist dem Terror durch Staatsapparat und Geheimpolizei ausgesetzt (Basier 2006: 684).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Herrschaftslegitimation ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen ideologischer Basis und einem Lagersystem auf.
2 Aktueller Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aktuelle Informationslage zu Zwangsarbeitslagern in Nordkorea sowie zur Repressionspraxis in Russland und Belarus.
3 Theoretische Konzepte: Hier werden zentrale Begriffe wie Herrschaftslegitimation, Repression als Säule autokratischer Stabilität und Hannah Arendts Theorie zum Totalitarismus definiert.
4 Empirische Analyse: In diesem Hauptteil werden Nordkorea, Russland und Belarus anhand verschiedener Kategorien wie Feindgruppen und Repressionsmitteln deskriptiv verglichen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass ein Lagersystem als spezifisches Merkmal für totalitäre Regime notwendig ist.
6 Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet sämtliche für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen auf.
Schlüsselwörter
Herrschaftslegitimation, Totalitarismus, Autoritarismus, Lagersystem, Repression, Ideokratie, Nordkorea, Russland, Belarus, Zwangsarbeit, Sippenhaft, Hannah Arendt, Politische Verfolgung, Menschenrechte, Staatsideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Art der Herrschaftslegitimation eines autokratischen Regimes und der Existenz eines Lagersystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Abgrenzung von Totalitarismus und Autoritarismus sowie die Analyse staatlicher Repressionsmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, ob Lagersysteme eine exklusive Eigenschaft totalitärer Ideokratien sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deskriptiven Ländervergleich anhand definierter Kategorien wie Feindgruppen und Strafmitteln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die politischen Systeme von Nordkorea, Russland und Belarus im Hinblick auf deren Repressionsmechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Herrschaftslegitimation, Totalitarismus, Zwangsarbeit und politische Repression.
Warum wird Nordkorea als ein totalitäres System eingeordnet?
Nordkorea wird aufgrund seiner utopischen Staatsideologie (Juche), des Monopols in Wirtschaft und Medien sowie der totalen Kontrolle der Gesellschaft als totalitäre Ideokratie klassifiziert.
Welche Rolle spielt die Sippenhaft in diesem Kontext?
Die Sippenhaft dient in Nordkorea als zentrales Repressionsmittel, um durch die Bestrafung von Familienangehörigen bis in die dritte Generation eine totale Kontrolle und Einschüchterung der Bevölkerung zu erreichen.
Wird auch in Russland oder Belarus ein Lagersystem festgestellt?
Nein, die Analyse der empirischen Daten zeigt, dass Russland und Belarus zwar autoritäre Repressionsmittel anwenden, jedoch kein Lagersystem im Sinne einer totalitären Institution unterhalten.
- Quote paper
- Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author), 2013, Wie bewirkt die Herrschaftslegitimation das Lagerwesen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464260