Die Islamische Revolution im Iran 1979 und ihre sozio-ökonomischen Hintergründe

Über die Situation ab dem Zweiten Weltkrieg


Bachelorarbeit, 2018

39 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Die Pahlevi-Dynastie und ihr Grundkurs
2.1. Reza Shah Pahlevi – Militarist und Reformer
2.2. Mohammed Reza Shah Pahlevi – der „vorbereitete“ Thronerbe
2.3. Der Perser als nationalistischer Mythos

3. Von 1941 bis zum Beginn der 60er Jahre
3.1. Die Besatzung und die Azerbaijan-Krise
3.2. 1949 – Der Umschwung in die Autokratie
3.3. Khuzestan und das Öl – ein Beispiel für den Verlauf einer strukturellen Krise
3.4. 1951: Die ersten Wurzeln der Opposition
3.5. 1953: Die Affäre Mossadeq und die Folgejahre

4. Die 60er Jahre als sozialer Katalysator
4.1. Die Weiße Revolution und ihre Konsequenzen
4.2. Harte Jahre für die Opposition
4.3. 1963: Der Aufstieg Khomeinis

5. Die 70er – Mit Siebenmeilenstiefeln zur Islamischen Revolution
5.1. Die internationale Ölkrise und die Folgejahre
5.2. Wirtschaft und Gesellschaftspolitik in der Negativspirale
5.3. Khomeini im Zentrum des Widerstands

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Weblinks

1. Einführung

Revolutionen entstehen nicht im luftleeren Raum; sie sind das Resultat gesellschaftlicher Entwicklungen, die oft Jahrzehnte oder Jahrhunderte an Vorgeschichte mit sich bringen. Als Ayatollah Ruhollah Khomeini im Februar 1979 die Macht übernahm und die Islamische Republik Iran ausrief, gab sich der Westen überrascht:

“ E twas Wundersames vollzieht sich da vor den Augen des immer noch fortschrittsgläubigen Westens wie der fortschrittsgierigen Dritten Welt: An der Schwelle zum 21. Jahrhundert scheint das 35-Millionen-Volk der Perser, gerade erst von der Despotie eines maßlosen Emporkömmlings befreit, mittels einer religiösen Zeitmaschine um 1300 Jahre zurück in die islamische Urgesellschaft zu fliegen, treten religiöse Dogmatiker mit dem Anspruch auf, weltliche Herrschaft zu erobern.“ 1

Die Welt staunte – unberechtigterweise, wie sich in den Analysen der Folgejahre herausstellen sollte.

Die Islamische Revolution vom Januar und Februar 1979 bezeichnet nicht nur das Ende der Regierung der Pahlevi-Dynastie, welche von 1921 bis 1979 im Iran herrschte. Sie stellte ebenfalls das Ende einer gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung dar, welche ihre Ursprünge bereits viele Jahrzehnte zuvor hatte. Diese Arbeit wird sich mit der Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg befassen, und ihren Schwerpunkt in den sozialen und ökonomischen Prozessen setzen, welche die verschiedenen Grundsteine entlang des Weges zur Islamischen Republik Iran legten.

Zu Beginn wird in einer kurzen Einführung der politische und gesellschaftliche Kurs der Protagonisten der Pahlevi-Dynastie dargelegt, um ihre Regierungsentscheidungen verständlicher zu machen. Im weiteren Verlauf werden die sozio-ökonomischen Kernereignisse der Nachkriegszeit bis zur Islamischen Revolution chronologisch auf ihren gesellschaftlichen Einfluss analysiert. Dort, wo es innenpolitisch relevant ist, werden ebenfalls die außenpolitischen Entwicklungen, welche einen Einfluss auf die sozialen Verhältnisse Wirtschaft des Landes hatten, mitbetrachtet.

Ziel ist es, darzulegen, dass die politischen Entscheidungen Mohammed Reza Shah Pahlevis in Hinsicht auf soziale und wirtschaftliche Prozesse einen maßgeblichen Beitrag leisteten, um die Islamische Revolution zu begünstigen, da sie die existierenden Strukturen innerhalb der iranischen Bevölkerungen nicht in Betracht zogen oder gezielt ignorierten und dass er wesentliche wenn auch bekannte Probleme nicht oder viel zu spät zu bereinigen versuchte. Es wird gezeigt, dass sowohl die religiöse Elite des Landes als auch verschiedene soziale Schichten unterschiedlicher weltanschaulicher Ausrichtungen innerhalb des Irans die Ereignisse mitgestalteten, welche die Regierung der Pahlevi-Dynastie im Februar 1979 beendeten.

2. Die Pahlevi-Dynastie und ihr Grundkurs

Die Pahlevi-Dynastie teilt sich in zwei größere zeitliche Abschnitte auf: Die Regierungszeit von Reha Shah Pahlevi von 1925 bis 19412, welcher nach einer langen militärischen Laufbahn erst Premierminister und später Shah von (damals noch) Persien wurde – bereits zu seiner Regierungszeit wurde das Land im Zuge der Gründung eines Nationalstaates in „Iran“ umbenannt. Danach schloss sich die Regierung seines Sohnes und Thronfolgers, Mohammed Reza Shah Pahlevis von vom 17. September 1941 bis zum 16. Januar 1979 an3. Zwischen beiden Phasen lag eine Besatzungsperiode während des Zweiten Weltkrieges vom 26.08.19414 bis zum 19465. Obwohl es während beider Phasen gemeinsame Grundzüge gab, so könnten doch die Werdegänge von Vater und Sohn nicht unterschiedlicher sein.

2.1.Reza Shah Pahlevi – Militarist und Reformer

Reza Shah Pahlevi war ursprünglich ein Mann aus einfachsten Verhältnissen, welcher erst im Erwachsenenalter lesen lernte6. Er wurde bereits mit 14 Jahren von seinem Onkel in die Persische Kosakenbrigade eingeschrieben und nahm ab dem Alter von 15 Jahren am aktiven militärischen Dienst teil7. Seinen höchsten militärischen Rang erhielt er im Jahr 1921, als er Oberkommandierender der Persischen Kosackenbrigade wurde. Im selben Jahr wurde er erstmalig in der Politik heimisch, als das Parlament ihn zum Verteidigung-minister ernannte. Als Premierminister Persiens ab 1923 nahm er früh aktiv an der Gestaltung der Innenpolitik teil, lang bevor er im April 1926 zum Shah gekrönt wurde8.

Die Regierungszeit Reza Shahs zeichnete sich neben einer umfassenden Armeereform9 und die Entmachtung von Scheich Khaz'al ibn Haji Jabi10 in Khuzestan (damals Arabistan) durch intensive Investitionen in die iranische Infrastruktur aus, welche nicht nur den Ausbau des Verkehrsnetztes (Straße und Schiene) beinhaltete, sondern auch verstärkte Investitionen in bisher nicht existente oder stark unterentwickelte industrielle Zweige beinhaltete. Unter ihm wuchs das Staatseinkommen durch Rohölexport zwischen 1923 und 1937 von 7,2% auf 14,4% des Exportwertes an11. Der am stärksten wachsende Wirtschaftssektor war jedoch die Textilindustrie. Hier stieg die Anzahl an Arbeitsplätzen im Zeitraum bis 1939 auf ca. 24.500 an. Im Vergleich arbeiteten zwischen 1920 und 1930 in diesem Sektor nur geschätzte 1.000 Menschen12. Als Grundlage für diese Neuerungen hatte er im Vorfeld in einer zeitlich stark konzentrierten Phase von vier Monaten gesetzliche Neuerungen durchgeführt, welche eine Reform des Rechtssystems und die Gründung einer Nationalbank beinhalteten13. Auch wurden die gesamte Verwaltung und ihre Rechtsgrundlagen in diesem Zeitraum grundlegend geschaffen. Auf ihn geht die erstmalige Verfassung eines Bürgerlichen Gesetzbuches zurück, welche starke Anleihen an den französischen code civil besitzt. Zu großen Teilen ist diese Verfassung bis zum heutigen Tag gültig.

Außenpolitisch bemühte sich Reza Shah zu Beginn seiner Regierung um ein positives Verhältnis des Iran zu seinen direkt angrenzenden Nachbarstaaten. Gerade in Hinsicht auf territoriale Integrität war er sehr aktiv, zumal in dieser Phase noch ein positives Verhältnis zum Nachbarstaat Irak existierte:

“ Finally, they collaborated to prevent the formation of an independent Kurdish state in Iraq, which would have indubitably encouraged ethnic groups in Iran to seek autonomy and undermine Iranian territorial integrity.” 14

Diese Haltung gegenüber der kurdisch-iranischen Bevölkerung und weiteren ethnischen Minderheiten sollte sich später auch in den Regierungsentscheidungen seines Sohnes wiederfinden.

Zu einer der wichtigsten gesellschaftspolitischen Entscheidungen Reza Shahs gehörte die Grundsteinlegung der nationalistischen Ausrichtung der Innenpolitik in Hinsicht auf eine iranisch-persische Identität. Zu diesem Zeitpunkt standen mögliche Ressentiments seitens der dadurch benachteiligten Bevölkerungsgruppen im Iran nicht auf der Agenda der Regierung, obwohl bereits in dieser Zeit strukturelle Benachteiligungen in vielen grenznahen Regionen angelegt wurden. So kommt z.B. Rasmus Christian Elling bei der Beurteilung der Lage ethnischer Minderheiten beispielhaft im Fall der iranischen Araber zu folgendem Schluss:

„ The Pahlavi state consolidated its power by including Arabistan in the new provincial unit of Khuzestan, by renaming cities and uprooting traditional power structures and by implementing policies and practices that discriminated against the local Arabs. In this period of detribalization, parts of Khuzestan were thoroughly industrialized to satisfy a constantly increasing global appetite for oil. Yet while small pockets of urbanization and modern education grew, and large groups of outsiders moved into the province, most Arabs gained little or no political influence over local affairs. As the gap between poor and rich rapidly widened, Arab ethno-nationalism found an increasingly receptive audience among people left without traditional leadership.” 15

Diese strukturellen Benachteiligungen betrafen viele, vor allem die grenznahen Regionen des Iran, welche entweder zugunsten einer exportorientierten Industrialisierung teils über- und teils unterfördert wurden, oder aber aufgrund bereits bestehender Konflikte zwischen Regierung und Bevölkerung gezielt vernachlässigt wurden und unter starken politischen und militärischen Repressionen zu leiden hatten..

Durch die Einrichtung eines landesweiten Bildungssystems nach westlichem Vorbild versuchte Reza Shah, das Bildungsmonopol der religiösen Elite zu durchbrechen16. Ebenfalls provozierte er den Klerus durch das erste landesweite Tschador-Verbot17. Dies war der Beginn eines westwärts orientierten Kurses, den sein Sohn später versuchen würde weiterzuverfolgen. Auf Reza Shah Pahlevi geht ebenfalls das erste Entstehen einer bürgerlichen iranischen Mittelschicht zurück18.

Im späteren Verlauf der Regierungsgeschichte der Pahlevis würden sich diese und inhaltlich ähnliche Entscheidungen als gravierende Vernachlässigungen der Befindlichkeiten ganzer Bevölkerungsgruppen herausstellen, da bereits hier die Grundsteine für kommende Oppositionen und im späteren Verlauf Revolten gelegt wurden, welche ihre Wurzeln beispielhaft in der starken infrastrukturellen Benachteiligung Arabistans trotz starker wirtschaftlicher Aktivität in Form der Ölindustrie besaßen. Diese Problematiken sollte sein Sohn und Nachfolger ungelöst erben.

2.2.Mohammed Reza Shah Pahlevi – der „vorbereitete“ Thronerbe

Mohammed Reza Shah Pahlevis Regierungszeit begann auf ungewöhnliche Weise, als er insgeheim durch einen Seiteneingang des Palastes zu seiner Krönungszeremonie geschmuggelt wurde, vorgeblich, um seine Festsetzung durch britische und/oder russische Akteure zu verhindern19. Prägender als dieser denkwürdige Einstand waren jedoch seine Kindheit und Jugend.

Seine Kindheit verlief – bedingt durch den sozialen Status der Shah- Familie nach der Krönung – völlig anders als die seines Vaters. Er verbrachte nur wenige Jahre in einfachen Verhältnissen. Als privilegierter Angehöriger einer sozialen und politischen Elite konnte er bereits in jungen Jahren vom Status und Vermögen seiner Familie profitieren. Kurz nach seiner Ernennung zum Kronprinzen im Alter von sechs Jahren wurde er nach eigenen Aussagen von seinem Vater zusammen mit seinen Geschwistern in einer Kadettenschule ausgebildet, wo er auch pro forma zum Oberst der iranischen Armee ernannt wurde. Zuhause erhielt er zusätzlich Unterricht durch eine französische Gouvernante20. Diese Ausbildung endete jedoch bereits frühzeitig, da er ab dem Alter von 11 Jahren in ein Schweizer Internat wechselte21. Nach seinem Abschluss im Jahr 1936 kehrte er in den Iran zurück, wo er an der iranischen Militärakademie die Offiziersausbildung absolvierte. Er wurde nach seinem Abschluss zum Generalleutnant befördert und übernahm das Amt des Heeresinspekteurs in der in der Zwischenzeit von seinem Vater reformierten und ausgebauten Armee. Er heiratete am 16.03.1939 seine erste Frau Fawzia22.

Als Mohammed Reza Shah am 17.09.1941 vom iranischen Parlament als Nachfolger seines Vaters vereidigt wurde, der kurz davor abgedankt hatte, geschah dies in einer denkbar angespannten politischen Situation. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges hatten die Sowjetunion und Großbritannien bereits im August des Jahres weite Teile des Nordens besetzt und marschierten eben an diesem Tag in Teheran ein. Mohammed Reza Shah war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt und hatte das Militär bisher nur aus der Akademie und einem bislang recht bequemen Posten in der obersten Militärelite kennen gelernt. Formal hatte sein im Gegenzug kriegserfahrener Vater alles getan, was möglich war, um seinem Nachfolger eine hervorragende Ausbildung zukommen zu lassen und ihn auf seine Zukunft als Monarch vorzubereiten. Was er jedoch nicht beeinflussen konnte, waren Rezas Alter, Reife und Erfahrungen. So erinnert sich Gérard de Villiers an die Zeit um 1940:

„ A l l e, die zu jener Zeit mit ihm Kontakt hatten, kommen zu demselben Urteil: Er ist immer noch ein sentimentaler junger Mann, für den die Politik nur zweitrangige Bedeutung hat. Nach der Trennung von Fawzia hält er sich häufig in Clubs und Bars auf, er tanzt und flirtet, wie er es seit seiner Junggesellenzeit nicht mehr getan hat. “ 23

Der für mehrere Jahre in der Schweiz sozialisierte Kronprinz brachte zusätzlich zu seiner Jugend die gesamte westliche Sozialisation seiner prägenden Kindheits- und Teenagerjahre mit. Dennoch schien ihm der Wille, schnell erwachsen zu werden, zu eigen zu sein. Er selbst sah sich dem Erbe seines Vater Reza Shahs – des Reformers und Architekten des

Nationalstaates Iran – verpflichtet:

„ Ich habe bereits früher die erstaunlichen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte beschrieben, die Persien unter der Regierung Reza Shahs machte. Er erlöste mein Land aus einer jahrhundertealten Lethargie. Er schuf die unentbehrliche Grundlage für weitere Maßnahmen, die mein Volk, meine Regierung, und ich selbst heute in Angriff nehmen. Meine eigene Einstellung zur Demokratie stellt eine Weiterentwicklung des Denkens meines Vaters dar. […]“ 24

Interessanterweise stammt diese Aussage aus einer Autobiographie, welche im Jahr 1961 geschrieben wurde – ein Jahr, in dem die Weiße Revolution gerade erst kurz bevorstand. Offensichtlich hatte sich Mohammed Reza Shah Pahlevi zum Ziel gesetzt, den nachweislich erfolgreichen Reformen seines Vaters ein eigenes großangelegtes Projekt folgen zu lassen, welche einerseits die wirtschaftliche und soziale Lage seines Landes nachhaltig – zumindest in seiner Vorstellung – verbessern sollte. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der persönliche Wunsch, seinem als streng und unnahbar und politisch kompromisslosen geltenden Vater gleichwertig zu sein, ebenfalls eine Rolle spielte – hatte dieser doch durch seine Vorlagen die Messlatte sehr hoch gelegt.

2.3. Der Perser als nationalistischer Mythos

Einer der Faktoren, welcher in den beiden Regierungsphasen von Reza Shah und Mohammed Reza Shah gleichermaßen vertreten war, war der Versuch der Schaffung einer national-einheitlichen Identität des Irans unter den Aspekten des Ariertums, der persischen Kultur mit Rückgriff auf achämenidische Motive, farsi als einheitliche Staatssprache25 und dabei inbegriffen eine Vereinheitlichung der Sprache durch die Persifizierung des Wortschatzes. Ziel war es, einen Mythos zu schaffen, welcher im nationalistischen Sinne von der Bevölkerung positiv aufgenommen und weiterentwickelt werden sollte, damit diese einer zentralistischen Regierung gegenüber positiv gestimmt war – fehlte ihr doch die Erfahrung mit einem zentralistischen Verwaltungs- und Regierungswesen aus der Vergangenheit vor der Pahlevi-Regierung. Ebenfalls wurden hier erste Grundsteine für den Versuch gelegt, die Bevölkerung in ihrer Diversität zusammenzufassen und proaktiv in das nation building mit einzubinden, was sich u.a. auch durch die westlich geprägten Reformen im wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich ausdrückte. Diesem nationalen Mythos, der weniger Gemeinsamkeit in Vielfalt schuf als mehr versuchte, der gesamten Bevölkerung einen Vereinheitlichungsprozess aufzuzwingen, stand die vielvölkerstaatliche Realität des Irans gegenüber – der Iran wurde zum Paradoxon eines 1925 neugeschaffenen monolingualen, monokulturellen und perso-zentrischen Nationalstaates nach westlich-französischem Vorbild mit einer multiethnischen, multireligiösen, multikulturellen und multilingualen Bevölkerung.

Was u.a. aufgrund der intensiven Reformbemühungen des ersten Pahlevis trotz des diktatorischen Kurses teils noch positiv aufgenommen wurde, entwickelte sich spätestens im Laufe von Mohammed Reza Shahs Regierungszeit zu einem offen angewandten Repressionsinstrument. Die

„Persifizierung“ des Vokabulars sowie von Ortsbezeichnungen stellte die persisch-iranische Kultur zulasten anderer Bevölkerungsanteile in den Vordergrund. Diese Linie wurde später durch Mohammed Reza Shah weiter ausgebaut und rigoros in Regionen entlang der Staatsgrenzen eingesetzt, um opponierende oder rebellierende Gruppierungen unter Kontrolle zu bringen26. Die Unterdrückung eigenständiger iranischer und nicht-persischer Kulturen, welche teils seit Jahrtausenden in der Region ansässig waren und seit jeher Bestandteil der regionalen Kultur waren, schürte über Jahrzehnte Ressentiments innerhalb der sozial, finanziell und kulturell benachteiligten Minderheiten27, welche schlussendlich ihren Ausdruck in der Unterstützung Khomeinis während der Islamischen Revolution fanden. Das Zusammenspiel von Mehrheits- und Minderheitspolitik ist bis zum heutigen Tag durch einen problembeladenen Diskurs geprägt, welcher seinen Abschluss noch nicht gefunden hat.

3. Von 1941 bis zum Beginn der 60er Jahre

Der Beginn von Reza Shahs Regierungszeit war – wie eingangs dargelegt – ungewöhnlich und hektisch, fiel er doch in die Kernzeit des Zweiten Weltkriegs. Die britischen und sowjetischen Truppen waren kurz vor seiner Einsetzung als Shah einmarschiert und verblieben noch bis 1946 im Land – eine Zeit, die nicht von einem selbstbestimmten Regierungskurs bestimmt war. Es sollte jedoch nur drei Jahre dauern, bis im Jahr 1949 sich die Lage urplötzlich verändern sollte.

3.1. Die Besatzung und die Azerbaijan-Krise

Aufgrund früherer intensiver wirtschaftlicher Beziehungen zu Deutschland hatte sich die iranische Regierung entschieden, sich keinem der großen Machtblöcke und Kriegsparteien anzuschließen und erklärte sich zur neutralen Partei. Dies jedoch wurde von den Achsenmächten negativ aufgenommen, welche zuvor versucht hatten, den Iran zu bewegen, sämtliche Personen deutscher Nationalität aus dem Land auszuweisen28. Im Zuge der gleichzeitigen britischen und sowjetischen Invasion brach der iranische Widerstand gegen die ausländischen Truppen trotz der Armeereform von Reza Shah schlichtweg durch zahlenmäßige und materielle Unterlegenheit zusammen.

Was folgte, war eine nationale ökonomische Krise:

“ A prolonged period of political and economic uncertainty and confusion ensued, characterized by frequent changes in the government, rising prices, and food shortages. Many political coalitions and caucuses were formed only to be broken soon after […]. The general cost of living index increased fourfold during 1941-43, rising by 95.9 percent in 1942 and by 110.7 percent in 1943 […]. Many of the new industrial plants were forced to curtail their operations or to shut down completely largely due to shortages of raw materials and spare parts.” 29

Zieht man jedoch das Jahr 1940 als Vergleich heran, hatten sich die Lebenshaltungskosten von 1940 zu 1943 bereits um das 8,34-fache erhöht. Leider stehen in dieser Übersicht zum Vergleich keine Entwicklungsdaten zum Lohn und Gehalt der arbeitenden Bevölkerung zur Verfügung. Jedoch finden wir anderenorts folgende Aussage:

[...]


1 Spiegel Online W enn der Teufel geht, kommen die Engel, Der Spiegel 7/1979, S. 102-12, Online Archiv, Zugriffsdatum: 04.10.2018, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351430.html.

2 United States Library of Congress Iran: A Country Study, 5. Auflage, 2008, Zugriffsdatum: 03.10.2018, http://www.refworld.org/docid/4cb41d612.html.

3 Ebd.

4 De Villiers, Gérard Der Schah: Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlevi. Wien, Düsseldorf: Econ Verlag, 1975, S. 29-30.

5 Monika Gronke Irans Geschichte: 1941-1979 - Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Islamischen Revolution, Bundeszentrale für Politische Bildung, Zugriffsdatum: 03.10.2018, http://www.bpb.de/internationales/asien/iran/40125/irans-geschichte-1941-bis-1979.

6 De Villiers Der Schah, S. 30.

7 Ebd., S. 29.

8 US Library of Congress Iran, S. 27.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 N. M. Mamedova “OIL INDUSTRY ii. IRAN’S OIL AND GAS RESOURCES”, Encyclopædia Iranica, online edition, Zugriffsdatum 04.10.2018, http://www.iranicaonline.org/articles/oil-industry-ii. – Tabelle 4

12 Hassan Hakimian, “INDUSTRIALIZATION i. The Reza Shah Period and its Aftermath, 1925-53”, Encyclopædia I ran ica, online edition, Zugriffsdatum 04.10.2018, http://www.iranicaonline.org/articles/industrialization-i – Tabelle 3.

13 US Library of Congress I ran, S. 27.

14 Mohsen M. Milani „IRAQ vi. PAHLAVI PERIOD, 1921-79”, Encyclopædia Iranica, online edition, 2006, Zugriffsdatum: 03.10.2018, http://www.iranicaonline.org/articles/iraq-vi-pahlavi-period-1921-79.

15 Elling, Rasmus Christian Minorities in Iran: Nationalism and Ethnicity after Khomeini. New York: Palgrave Macmillan, 2013, S. 38.

16 US Library of Congress I ran, S. 28.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Pahlevi, Mohammed Reza Shah Im Dienste meines Landes. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, 1961, S. 49.

20 Ebd., S. 49.

21 De Villiers Der Schah, S. 73.

22 Ebd., Familienstruktur, Inneneinband vorne.

23 De Villiers Der Schah, S. 109.

24 Pahlevi Im Dienste meines Landes, S. 151-2.

25 Elling Minorities in Iran, S. 29.

26 Elling Minorities in Iran, S. 38.

27 Ebd, S. 43.

28 US Library of Congress I ran, S. 30.

29 M. Hashem Pesaran, “ECONOMY ix. IN THE PAHLAVI PERIOD”, Encyclopædia Iranica, online edition, 1997, Zugriffsdatum: 06.10.2018, http://www.iranicaonline.org/articles/economy-ix.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Die Islamische Revolution im Iran 1979 und ihre sozio-ökonomischen Hintergründe
Untertitel
Über die Situation ab dem Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Orientalistik / Islamwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
39
Katalognummer
V464278
ISBN (eBook)
9783668930414
ISBN (Buch)
9783668930421
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iran, Wirtschaft, Ökonomie, Islamische revoluttion, Khomeini
Arbeit zitieren
Simone Lohmeier (Autor), 2018, Die Islamische Revolution im Iran 1979 und ihre sozio-ökonomischen Hintergründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464278

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Islamische Revolution im Iran 1979 und ihre sozio-ökonomischen Hintergründe



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden