Im Folgenden soll dieser Aspekt näher betrachtet werden. Der Fokus der Arbeit soll dabei auf die Fragen nach der Bedeutung des Übermuots Kriemhilts für den Handlungsverlauf des Rosengartens und der Funktion für Kriemhilts Charakterisierung gelegt werden. Zunächst wird jedoch der Begriff Übermuot und dessen Bedeutungswandel geklärt. In einem Fazit sollen schließlich die Ergebnisse zusammengefasst und die Fragen bestmöglich beantwortet werden.
„Übermut tut selten gut“ ist ein altes Sprichwort. Diese Worte können als Moral des Rosengartens angesehen werden, in dem der Übermuot Kriemhilts eine entscheidende Rolle spielt. Wie es das Sprichwort besagt, steht die Charaktereigenschaft Übermut oder Übermuot, wie es im Mittelhochdeutschen heißt, eher in einem negativen Licht. Auch der Übermuot Kriemhilts bringt Unheil über das Wormser Königreich und den Rosengarten Kriemhilts.
Inhaltsverzeichnis
1. Übersetzung Der Rosengarten zu Worms Strophe 169 – 188
2. Einordnung/ Erläuterung der Strophen 169 – 188
3. Interpretation der Strophen 169 - 188
3.1 Übermuot – Der Begriff
3.2 Judith Klinger – Kriemhilds Rosen
3.3 Bedeutung des Übermuotes für den weiteren Textverlauf
3.4 Kriemhilts Charakterisierung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle des Begriffes Übermuot innerhalb der Strophen 169 bis 188 im „Rosengarten zu Worms“. Das Ziel der Untersuchung ist es, aufzuzeigen, wie Kriemhilts Übermut als Katalysator für die gewaltsamen Handlungen im Text fungiert, die Reaktionen der Berner Helden beeinflusst und zur Charakterisierung Kriemhilts als untypische, machtstrebende Heldin beiträgt.
- Begriffsgeschichte und Bedeutungswandel von „Übermuot“
- Kriemhilt als Auslöserin von Gewalt und Initiatorin der Kämpfe
- Rezeption und moralische Bewertung der Kämpfe durch die Berner Helden
- Kriemhilts Geschlechterrolle und ihre Machtstellung am Wormser Hof
Auszug aus dem Buch
3.1 Übermuot – Der Begriff
Im Mittelhochdeutschen tragen viele Wörter eine andere Bedeutung als im Neuhochdeutschen. Was wir heute als Übermut bezeichnen ist nicht exakt dasselbe, was damals mit dem Begriff Übermuot gemeint war.
Im aktuellen Duden online heißt es: „1. Ausgelassene Fröhlichkeit, die sich in leichtsinnigem, mutwilligem Verhalten ausdrückt, 2. (veraltend) Selbstüberschätzung zum Nachteil anderer“7. Wie hier bereits deutlich gemacht wird, variiert die heutige und die veraltete Bedeutung des Wortes. Die erste und moderne Bedeutung steht dabei in einem positiveren Licht als die veraltete, wobei auch der Aspekt des Leichtsinns in der heutigen Definition eine eher negative Eigenschaft daraus macht. Letztere Bedeutung stimmt überein mit Beate Hennigs Definition des Übermuots: „Hochmut, Überheblichkeit, Vermessenheit“8. Dies ist die Bedeutung, welche Kriemhilts Übermuot im Rosengarten trägt.
Kriemhilt wirkt oft überheblich, sieht sich selbst als etwas Besseres. Gerade diese falsche Selbsteinschätzung bzw. Überschätzung macht Übermuot zu einer problematischen Charaktereigenschaft. Vor allem aber bildet Kriemhilts Übermuot den Hintergrund der Kämpfe. Sie setzt das Leben der Männer aufs Spiel, um für sich selbst einen Vorteil zu gewinnen und nimmt dabei keine Rücksicht auf das Leid anderer. Für die Männer gibt es als Belohnung Küsse von Kriemhilt persönlich und Rosenkränze, was im Vergleich zu dem Leid, welches sie ertragen müssen, gar lächerlich erscheint. Der Übermut Kriemhilts zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung des Rosengartens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Übersetzung Der Rosengarten zu Worms Strophe 169 – 188: In diesem Kapitel wird der deutsche Text der genannten Strophen präsentiert, der die Ankunft der Berner Helden in Worms und ihre Begegnung mit Kriemhilt beschreibt.
2. Einordnung/ Erläuterung der Strophen 169 – 188: Dieses Kapitel stellt die handelnden Figuren vor, erläutert ihre Rollen im Kontext des Rosengartens und fasst die erste Interaktion zwischen den Bernern und dem Wormser Hof zusammen.
3. Interpretation der Strophen 169 - 188: In diesem Hauptteil wird der zentrale Begriff des Übermuots philologisch und literaturwissenschaftlich untersucht sowie Kriemhilts spezifische Charakterisierung und ihre Rolle als Initiatorin der Gewalt analysiert.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass Kriemhilts Übermut die treibende Kraft hinter den Ereignissen und ihr wichtigstes, wenn auch negatives, Identitätsmerkmal ist.
Schlüsselwörter
Rosengarten zu Worms, Kriemhilt, Übermuot, Heldenepik, Gewalt, Mittelalter, Mittelhochdeutsch, Macht, König Gibeche, Dietrich von Bern, Geschlechterrollen, Literaturanalyse, Heldin, Hofkultur, Provokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Strophen 169 bis 188 des mittelhochdeutschen Werkes „Der Rosengarten zu Worms“ und fokussiert dabei insbesondere auf die Analyse des Begriffes „Übermuot“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Übermuts bei Kriemhilt, die Darstellung von Gewalt in der Heldenepik sowie die Analyse der Geschlechterrollen und Machtverhältnisse am mittelalterlichen Hof.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Funktion von Kriemhilts Übermut zu klären, der als Ursprung der Kämpfe im Rosengarten dient und ihre Charakterisierung als komplexe, machtbewusste Heldin wesentlich bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, ergänzt durch die Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Heldenepik und Begriffserklärungen aus dem Mittelhochdeutschen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, die Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur (insbesondere Judith Klinger), die Untersuchung der Auswirkungen des Übermuts auf den Textverlauf sowie eine Charakteranalyse Kriemhilts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Kriemhilt, Übermuot, Rosengarten, Gewalt, Machtstreben und mittelalterliche Heldenepik geprägt.
Wie reagieren die Berner Helden auf Kriemhilts Auftreten?
Die Berner Helden reagieren mit offener Missbilligung und Unverständnis, da sie in Kriemhilts pompöser Begrüßung und der damit einhergehenden Aufforderung zum Kampf eine Provokation und einen Mangel an moralischer Verantwortung sehen.
Welche Rolle spielt Kriemhilts Vater, König Gibeche, in diesem Zusammenhang?
König Gibeche wird von Dietrich von Bern kritisiert, da er es versäumt hat, Kriemhilts Handeln unter Kontrolle zu bringen, wofür er lediglich Ausreden vorbringt, anstatt in die Ereignisse einzugreifen.
- Arbeit zitieren
- Julia Straub (Autor:in), 2017, Kriemhilts Übermuot im "Rosengarten zu Worms", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464327