"Deutsch-französische Erbfeindschaft" und "deutsch-französische Freundschaft". Von tief wurzelnden Konflikten hin zu freundschaftlicher Nähe


Hausarbeit, 2018
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Feindschaft (1815-1945)

3 Aussöhnung (1945-1963)

4 Freundschaft (ab 1963)

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Einleitung

Die „Deutsch-französische Erbfeindschaft“ bezeichnete die Idee der unausweichlichen, feindlichen Beziehung und gegenseitigen Rachebedürfnissen zwischen Frankreich und Deutschland. Diese Idee entstand im 16. Jahrhundert und wurde im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871 populär. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der Bildung eines deutschen Nationalstaates im 19. Jahrhundert sowie im Ersten Weltkrieg. Schriftsteller, Historiker und Politiker auf beiden Seiten tendierten dazu, diese Feindschaft rückblickend aufeinander zu projizieren, die ganze Geschichte als eine einzige, kohärente, ungebrochene Erzählung zu betrachten, und interpretierten die Geschichte neu, sodass sie in die Idee einer „Erbfeindschaft“ passte. Der Begriff sollte darlegen, dass die Konflikte nicht mit friedlichen Mitteln lösbar gewesen wären, sondern auf unüberwindbaren Ursachen (Vererbung) beruhten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden unter dem Einfluss des Kalten Krieges freundschaftliche Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, die eine Schlüsselrolle bei der Europäischen Integration spielten.

Fremdbilder, wie das der „Deutsch-französischen Erbfeindschaft “ sind soziale Konstruktionen, die untrennbar mit Formen der Selbstdarstellung und Selbstthematisierung verknüpft sind. (Hahn 1997) Historiker und Journalist Michael Jeismann betont, dass zwischen Ausgrenzung und politischer Identität ein enger Funktionszusammenhang besteht. Negative Bilder von anderen Nationen sind nach Jeismann seit Ende des 18. Jahrhundert und mindestens bis Ende des Zweiten Weltkrieges Grundbestandteile moderner Nationen. Feindschaft sei ein konstituierendes Element von Nationalstaaten: „Nicht der Feind, sondern die Feindschaft des Fremden war als Katalysator deutschen Nationalgefühls von zentraler Bedeutung.“ (Jeismann 1992) Ernst Moritz Arndt, Wortführer des frühen deutschen Nationalismus, wertete das Fremde und das Andere grundlegend ab und sah es als Bedrohung, wie im Falle der Franzosen. Interkulturelle Beziehungen schwächten in Arndts Vorstellung nur das „Eigene“ und seine Entfaltungsmöglichkeiten. Dennoch war die Vorstellung von Franzosen und Frankreich bei vielen deutschen Intellektuellen seit dem 18. Jahrhundert lange Zeit von Faszination geprägt, sowohl in Bezug auf den französischen Lebensstil als auch auf die politische Ordnung Frankreichs, die als demokratischer und freiheitlicher galt. Auch das Deutschlandbild der Franzosen war sowohl von Distanz und Faszination geprägt.

„Kein europäisches Land hat ein so obsessionelles Verhältnis zu Deutschland wie Frankreich. Die historische Erinnerung hält das Bewußtsein an drei militärische Niederlagen (1870/71, 1./2. Weltkrieg) wach, eine Art von Minderwertigkeitskomplex, der noch durch das rasante Wiedererstarken der Bundesrepublik nach 1949 verstärkt wird, wo ein kriegszerstörtes Deutschland wieder einmal Frankreich überholte.“ (Mohr 1993)

Ulrich Krotz, Professor am Europäisches Hochschulinstitut, teilt die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland in drei Perioden ein: Feindschaft (1815-1945), Aussöhnung (1945-1963) und Freundschaft (ab 1963). Dies soll auch die Einteilung dieser Arbeit sein, mit der in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse und Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland untersucht werden sollen, um zu verstehen, wie es zu einer „Deutsch-französischen Erbfeindschaft“ kam, und wie daraus eine „Deutsch-französische Freundschaft“ werden konnte. Untersuchungsgegenstand sollen dabei insbesondere die historischen Ereignisse, Feindbilder auf beiden Seiten, in Bild und Schrift geäußerte Meinungen voneinander, und die konkreten Projekte kultureller Verständigung sein.

Feindschaft (1815-1945)

Die deutsche und französische Geschichte reicht zurück bis zur Zeit von Karl dem Großen, dessen Fränkisches Reich die Gebiete der heutigen Länder Frankreich und Deutschland, sowie die der Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Schweiz, Österreich, Slowenien und Norditalien einschloss. Der Tod des Sohnes von Karl dem Großen, Ludwig der Fromme, führte mit dem Vertrag von Verdun im Jahr 843 zur Aufteilung des Fränkischen Reiches. Während die Bevölkerungen sowohl im Westen als auch im Osten der neuen Königreiche aus relativ homogenen Sprachgruppen bestand, lag das Königreich Lothars I. als Streifen zwischen diesen Ländern, ungefähr eingegrenzt durch die Maas und den Rhein, und hatte dementsprechend gemischte Kulturen und Sprachen. Noch im 9. Jahrhundert wurde dieses Mittelreich unter den anderen beiden Reichen aufgeteilt. Der Streit um diese Gebiete sollte später ein wesentlicher Faktor der „Deutsch-französische Erbfeindschaft“ sein und bis in 20 Jahrhundert reichen. Mit dem Vertrag von Ribemont im Jahr 880 wurden die Grenzen der Ost- und Westreiche einander zugesichert und blieben darauf nahezu 600 Jahre unverändert. Aus dem westlichen Frankenreich wurde später Frankreich, welches vermehrt Beziehungen mit England pflegte, und aus dem Ostfrankenreich wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, welches in enger Beziehung mit Italien stand. Trotz der allmählichen kulturellen Entfremdung während des hohen und späten Mittelalters, blieben soziale und kulturelle Zusammenhänge mit dem Vorrang der lateinischen Sprache und dem fränkischen Klerus und Adel bestehen.

Als das Fürstengeschlecht Habsburg im Jahre 1516 auch in Spanien Einzug hielt, war Frankreich von Habsburger Gebieten umgeben und fühlte sich unter Druck gesetzt. Die entstandenen Spannungen zwischen den beiden Mächten führten zur einer Vielzahl an Konflikten, wie dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714). Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Westfälischen Frieden 1948 erhielt Frankreich Elsass, ein Gebiet am heuten Nordost-Zipfel von Frankreich, in dem unter anderem Straßburg liegt, welches jedoch erst 1681 von Truppen Ludwigs XIV. besetzt wurde. Durch die expansive Außenpolitik Ludwigs XIV. eroberte Frankreich im Zuge der Reunionspolitik später auch das an Elsass anschließende Gebiet Lothringen. Elsass- Lothringen sollte in den folgenden Jahrhunderten mehrfach die Zugehörigkeit wechseln.

Beim Pfälzischen Erbfolgekrieg versuchte Frankreich vergeblich große Teil im Süden von Deutschland zu erobern. Mit der Taktik der „Verbrannten Erde“ verwüsteten französische Truppen jedoch weite Teile der Pfalz, indem viele Städte Süddeutschlands niedergebrannt und abgerissen wurden. Trotz dieser feindlichen Handlungen gegenüber den deutschen Staaten beeinflusste die damals in Europa führende französische Kultur auch den benachbarten deutschen Kulturkreis enorm. Auch die deutschen Fürstenhöfe orientierten sich am französischen Vorbild von Versailles.

Erst die „Umkehrung der Allianzen“ im Jahr 1756 machte Frankreich, Habsburg und auch Russland zu Verbündeten gegen das entstandene Preußen und Großbritannien. Obwohl sich schon eine deutsche Gemeinschaft erkennen ließ, waren die deutschen Gebiete immer noch zersplittert in kleinere Staaten, welche größtenteils an der Seite Frankreichs kämpften. Trotz der Unterzahl auf Seiten Preußens, wurden die französischen Angreifer geschlagen. Die Konflikte zwischen Frankreich und Preußen sollten jedoch später immer wieder aufkommen. Die Bevölkerungen betrachtete die Kriege jedoch immer noch größtenteils als Konflikt zwischen den Regierungen, und weniger als eigene Konflikte. Ein Wechsel der Seiten war nicht unüblich. Der persönliche Kontakt und gegenseitige Respekt zwischen französischen und preußischen Offizieren bleib auch während der Kämpfe bestehen. Der Krieg führte somit auch zu einem großen kulturellen Austausch zwischen den französischen Besatzern und der deutschen Bevölkerung. Auch der preußische König Friedrich II., der später von den Verfechtern einer nationalistischen Ideologie gerne in Anspruch genommen wurde, war stark von der französischen Kultur geprägt, sprach besser französisch als deutsch und pflegte lieber Umgang mit Voltaire und Maupertuis als mit den Dichtern der deutschen Aufklärung.

Nachdem Napoleon 1807 große Teile Deutschlands erobert hatte und damit auch die Ideale der Französischen Revolution in Deutschland Verbreitung gefunden hatten, entstand mit der Zeit ein starker deutscher Nationalismus. Um eine Revolution im eigenen Land zu verhindern, reagierten einige deutsche Staaten mit grundlegenden Reformen des eigenen Staatswesens. Dazu zählen die Übernahme des Code civil oder die Einführung einer Konstitutionellen Monarchie. Die französische Wehrpflicht für die französischen Revolutionskriege und das Entstehen von Nationalstaaten in Europa machte Krieg zunehmend zu Konflikten zwischen den Menschen und weniger nur zwischen den Regierungen. Napoleon beendete das Heilige Römisch Reich im Jahr 1806 und legte neue Grenzen der deutschen Staaten fest, die immer noch geteilt waren. Mit der Gründung des Rheinbunds auf Initiative Napoleons schlossen sich 16 süd- und mitteldeutsche Staaten unter dem Schutz Frankreichs zusammen. Bayern hatte als dritt-größter deutscher Staat enge Beziehungen zu Frankreich und wurde 1806 mit französischer Unterstützung zu einem Königreich. Nachdem viele bayrischer Truppen 1812 in Napoleons Russland-Feldzug starben, wechselte Bayern die Seiten und schloss sich Österreich an. Während den aufkommenden Befreiungskriegen gegen Frankreich, oft auf deutschem Boden ausgetragen, wie die Völkerschlacht bei Leipzig, wurden nun ausdrücklich der Begriff „Deutsch-französische Erbfeindschaft“ verwendet.

Mit dem Begriff des Erbfeindes wird allgemein ein über mehrere Generationen hinweg verhasster Gegner bezeichnet, also ein von den Vorfahren „ererbter“ Feind. Die Einführung des Begriffs in den Diskus des deutschen Nationalismus ordnet man Ernst Moritz Arndt (1769-1860) zu, Schriftsteller, Historiker, Freiheitskämpfer und Abgeordneter der Frankfurter National- versammlung. Nationalistische Gruppen in Deutschland interpretierten jede historische Gegebenheit im Verhältnis zwischen Frankreich und „den Deutschen“ (als wären sie bereits ein einheitlicher Staat gewesen) im Sinne einer solchen postulierten Feindschaft. In einem 1813 erschienenen Lied machte Ernst Moritz Arndt den Hass auf Frankreich zum Merkmal deutscher Identität:

„Das ist des Deutschen Vaterland,

wo Zorn vertilgt den welschen Tand,

wo jeder Franzmann heißet Feind,

wo jeder Deutsche heißet Freund.

Das soll es sein! das soll es sein!

Das ganze Deutschland soll es sein!“

(François; Schulze 2009)

Auch viele Vertreter der Romantik unterstützten die Identitätsstiftung durch Abgrenzung. Angeblich „urdeutsche“ Werte wie Gefolgschaftstreue, Fleiß, Tiefgründigkeit und Kampf- bereitschaft wurden hervorgehoben, während man den Franzosen negative Charakterzüge wie Genusssucht, Oberflächlichkeit und übertriebenen Intellektualismus unterstellte. Auch von den Idealen der Französischen Revolution wie der Demokratie grenzte man sich ab, indem diese als „undeutsch“ und „artfremd“ bezeichnet wurden, während Gehorsam und Untertanengeist deutsche Tugenden sein sollten. Die verschiedenen Wesentypen wurden in diesem Weltbild als gänzlich gegensätzlich betrachtet. Gegen nationalistischen Hass sprach sich hingegen beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe aus:

„Ich haßte die Franzosen nicht, wiewohl ich Gott dankte, als wir sie los wurden. Wie hätte ich auch, dem nur Kultur und Barbarei Dinge von Bedeutung sind, eine Nation hassen können, die zu den kultiviertesten der Erde gehört und der ich einen großen Teil meiner eigenen Bildung verdanke. Überhaupt ist es mit dem Nationalhaß ein eigenes Ding. Auf den untersten Stufen der Kultur werden Sie ihn immer am stärksten und heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht [...]“ (Goethe an Eckermann, 10. März 1830)

Damit deutsche Nationalisten des 19. Jahrhunderts ihr Weltbild einer „Erbfeindschaft“ aufrechterhalten könnten, betonten sie manche geschichtliche Ereignisse und Episoden und blendeten andere Aspekte aus. Um die Idee der Erbfeindschaft als tief verwurzelt erscheinen zu lassen, interpretierte man sie bereits in die Kämpfe zwischen den germanischen Völkern und den Römern. Ausgeblendet wird dabei, dass germanische Stämme keinesfalls eine Einheit waren, sondern auch untereinander verfeindet waren, und dass es auch einem Austausch zwischen den germanischen und der romanischen Kultur gab. Das 1875 errichtete Hermannsdenkmal, eine Kolossalstatue die an die „Schlacht im Teutoburger Wald“ erinnern soll, ist mit ihrem Schwert Richtung Westen, also Richtung Frankreich aufgestellt wurden. In der Reichsbildung der Merowinger sahen die deutschen Nationalisten eine Kulturleistung von Germanen und blendeten aus, dass ebendieses Reich auch der Vorgänger des späteren Frankreich war. Ebenso wurde Karl der Große von deutscher Seite vereinnahmt, obwohl er genauso in Frankreich als Ahnherr gilt.

Napoleon gliederte 1804 deutschsprachige Gebiete in sein Erstes Kaiserreich ein und machte die Monarchen der übrigen deutschen Staaten zu Vasallen. Ein modernes deutsches Nationalbewusstsein und ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen entstand als Opposition gegen diese französische Herrschaft unter Napoleon. Nachdem Napoleon bezwungen wurde, wurden die deutschsprachigen Gebiete des an Frankreich angrenzenden Rheinlands unter die Herrschaft Preußens gestellt. Preußen kündigte 1813 als erstes deutsches Land die Allianz mit Frankreich und verbündete sich mit Russland und Schweden.

Im 19. Jahrhundert war Frankreichs Bevölkerungswachstum zum Stillstand gekommen, während das Wachstum der deutschen Bevölkerung und der deutschen Wirtschaft Frankreich hinter sich ließen. Nachdem sich Louis Napoléon, Präsident der Zweiten Republik, zum Kaiser Napoleon III. ernannte, verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich wieder. 1940 erhob Frankreich Anspruch auf die Gebiete links vom Rhein und wollte den Rhein als „natürliche Grenze“ zwischen Frankreich und Deutschland etablieren. Literaturgeschichtlich entstand damals die „Rheinliedbewegung“ mit einer Fülle national begeisterter politischer Lyrik auf beiden Seiten. Nikolaus Becker schrieb das mehr als siebzig Mal vertonte Gedicht „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“. Max Schneckenburger schrieb ein Gedicht mit dem Titel „Die Wacht am Rhein“, einen nationalpatriotischen Aufruf zur Verteidigung des Rheinlandes gegen die Ansprüche Frankreichs. Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb das Lied der Deutschen, dessen dritte Strophe die deutsche Nationalhymne ist. Deutsche Intellektuelle wie Büchner und Heine waren hingegen von der freiheitlichen Gesellschaft in Frankreich inspiriert und setzen den „deutschtümelnden“ Romantikern, und denen die die deutsche Einheit besangen, eine republikanische Perspektive entgegen.

Ein Historiengemälde von Lorenz Clasen aus dem Jahr 1860 mit dem Titel „Germania auf der Wacht am Rhein“ zeigt Germania als Personifikation Deutschlands mit Schild und Schwert in prunkvollen Gewändern, wie sie auf einer Felsenklippe steht und ernsten Blickes über den Rhein schaut. (Siehe Abb. 1 im Anhang.) Auf einer Steintafel zu Ehren des Dichter Nikolaus Becker findet sich um ein Porträt von ihm herum angeordnet als Inschrift ein geflügeltes Wort aus der Zeit der Rheinkrise: „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“. (Siehe Abb. 2 im Anhang.)

Im Deutschen Krieg wurden in der Schlacht von Königgrätz 1866 Österreicher und Sachsen unter anderem in der Nähe des böhmischen Dorfes Sadová von den Preußen vernichtend geschlagen. Preußen wurde daraufhin Führungsmacht im Deutschen Bund, und Ministerpräsident Otto von Bismarck setzte die kleindeutsche Lösung durch. Frankreichs Oberhäupter missbilligten, dass der schnelle Sieg eine Kriegsteilnahme Frankreichs verhindert hatte, und dass sich an der Ostgrenze anstatt der gewohnten deutschen Zersplitterung nun ein mächtiger, geeinter Nachbar unter preußischer Vormachtstellung bildete. Um Preußen an der weiteren Einigung Deutschlands zu hindern, kam schon bald das Schlagwort „Rache für Sadowa!“ auf. Ziel war es, den neuen Nachbarn im Keim zu ersticken. König Georg V. von Hannover hatte im Deutschen Krieg sein Königreich Hannover verloren und war nach Paris geflohen. Damit wollte er sich jedoch nicht abfinden und schürte in Frankreich Hass gegen Preußen. Auch Bismarck provozierte die Auseinandersetzung mit Frankreich, wobei er die deutschen Konservativen, die in den Franzosen den „Erbfeind“ sahen, hinter sich wusste. 1870 gab die Emser Depesche, das Bekanntwerden eines regierungsinternen Telegrams, Anlass für eine Kriegserklärung durch Frankreich. Frankreich unterlag jedoch im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und musste Elsass-Lothringen an Deutschland abtreten. Als einer von wenigen deutschen Politikern protestierte August Bebel im November 1870 in einer berühmten Parlamentsrede im Norddeutschen Reichstag gegen die Annexion von Elsass-Lothringen und wies damals schon auf die langfristige Belastung im Verhältnis beider Länder hin. 1871 gründeten die Sieger im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich, und fügten den Frankreich somit eine tiefe Schmach zu, was viele Rachewünsche in der französischen Bevölkerung hervorrief.

In Frankreich entstanden zu dieser Bilder, welche die Erniedrigung der Niederlage betonten. So beispielsweise ein Bild von Alphonse de Neuville, welches eine französische Schulklasse zeigt, deren Lehrer auf einer Karte von Frankreich auf Elsass-Lothringen verweist, welches als schwarzer Fleck Frankreichs dargestellt wird. (Siehe Abb. 3 im Anhang.) Eine Zeichnung mit dem Titel „Au Revoir!“ von John Tenniel aus der Satire-Zeitschrift Punch zeigt Germania als eine Personifikation Deutschland, die mit gepackter Tasche und halb zusammen gewickelter Fahne auf der Schulte sich von einer Frau verabschiedet, welche (wahrscheinlich als Marianne) eine Personifikation Frankreichs ist. Darunter steht: „Germany: »Farewell, Madame, and if - « France: »Ha! we shall meet again!«“ (Siehe Abb. 4 im Anhang.)

„Revenge and the recovery of Alsace-Lorraine became a principal object of French policy for the next forty years. That Germany was France's enemy became the basic fact of international relations.“ (Zeldin 1977)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
"Deutsch-französische Erbfeindschaft" und "deutsch-französische Freundschaft". Von tief wurzelnden Konflikten hin zu freundschaftlicher Nähe
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Interkulturelle Kommunikation
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V464381
ISBN (eBook)
9783668933491
ISBN (Buch)
9783668933507
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutschland, frankreich, erbfeindschaft, freundschaft, deutsch-französische, beziehungen, feindschaft, aussöhnung, geschichte, krieg, nationalstaat, vertrag
Arbeit zitieren
Thomas Weinreich (Autor), 2018, "Deutsch-französische Erbfeindschaft" und "deutsch-französische Freundschaft". Von tief wurzelnden Konflikten hin zu freundschaftlicher Nähe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464381

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