Culture-Assimilator-Training. Zum Aufbau interkultureller Kompetenz für Fach- und Führungskräfte


Magisterarbeit, 2005
140 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kultur – Globalisierung – Interkulturelle Kompetenz
2.1 Kultur
2.2 Globalisierung
2.3 Interkulturalität
2.4 Interkulturelle Handlungskompetenz

3 Modulerstellung
3.1 Planung: Vorüberlegungen zur Zusammensetzung der Zielgruppe
3.2 Zielsetzung des Moduls
3.3 Theoretische Vorüberlegungen zur Methodik des Moduls
3.3.1 Kulturassimilator-Methode
3.3.1.1 Kultur und Kulturstandards nach Thomas
3.3.1.2 Kulturassimilator – Aufbau und Anwendung
3.3.1.3 Vorteile
3.3.1.4 Kritikpunkte
3.3.1.5 Mögliche methodische Modifizierungen
3.3.2 Metakommunikation als Möglichkeit interkultureller, interpersonaler Konfliktlösung
3.3.3 Integrative Methode und Aufbau von Transferwissen
3.4 Modul
3.4.1 Phase (1): Sensibilisierung
3.4.2 Phase (2): Vertiefung
3.4.3 Phase (3): Metakognition
3.4.4 Phase (4): Transfer
3.4.5 Phase (5): Evaluation

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung

Über die Notwendigkeit, Fach- und Führungskräfte auf internationale Geschäfts­tätigkeiten und Auslandseinsätze vorzubereiten, sollte Einigkeit bestehen. Erfolg­reiche Auslands­entsendungen stellen einen bedeutenden Erfolgsfaktor inter­nationaler Zusammen­arbeiten dar. Dennoch wird die Erfolgs­einschätzung für Aus­lands­aufenthalte von Unternehmen mit unter 30% angegeben. „Das heißt, über 70% aller Entsendungen ins Ausland werden als Fehlschläge zugegeben! Wieviele ‚Assign­ments’ dann gut oder sehr gut funktioniert haben, wird sich wohl eher im 10% Bereich bewegen, also in dem Bereich, der wissenschaftlich an die Grenze der Zufallsergebnisse rückt.“ (Trimpop/Meynhardt 2000: 188) Bei der Begründung, warum, trotz sorgfältiger Planung, die erhofften Synergien meist spärlich aufgetreten sind, wird immer wieder der Begriff Kultur verwendet, um auf die Komplexität der internationalen Zusammenarbeit zu verweisen. „Denn gerade in den immer zahl­reicher auftre­tenden Fällen, in denen die Ursachen des Scheiterns inter­natio­naler Ko­opera­tio­nen nicht für alle Beteiligten in gleicher Weise plausibel benennbar oder rekonstruierbar sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine Dis­funktionalität nicht auf fachlich-inhaltlicher Ebene, sondern auf der Ebene der interkulturellen Be­zie­hungen auslösend gewirkt hat“ (Bolten: 2000. Zitiert in: Niedermeyer 2001: 65). Interkulturelle Maßnahmen der Personalentwicklung zur präventiven Verhinderung oder zumindest Minderung potentieller Miss­verständnisse und Konflikte, aber auch zur Nutzung von Synergie­potentialen stellen somit eine Notwendigkeit internatio­nalen Agierens dar. In der Praxis existiert eine Vielzahl von interkulturellen Trainingsangeboten, die Fach- und Führungskräfte auf interkulturelle Kooperationen und Auslandsaufenthalte vorbereiten sollen (vgl. Bolten 2001b, Stahl/Langloh/ Kühlmann 1999, Thomas 2001 etc.).

Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines interaktionsorientierten, interkulturellen Trainingsmoduls zur Vorbereitung auf interkulturelle Zusammen­arbeiten. Die Beson­derheit dieses Trainings liegt in der Zusammensetzung der Zielgruppe. Diese besteht auf der einen Seite aus nicht-deutschen Fach- und Führungskräften, die in ab­sehbarerer Zeit nach, in Deutschland ansässigen, Unternehmen entsandt werden und dort mit deutschen Kollegen zusammenarbeiten werden. Auf der anderen Seite setzt sich die Zielgruppe aus deutschen Fach- und Führungskräften zusammen, die in absehbarer Zeit mit nicht-deutschen Kollegen in Deutschland zusammenarbeiten werden. In Vor­bereitung auf deren zukünftige Anforderungen innerhalb interkultureller Kon­texte soll das zu entwerfende Trainingsmodul interkulturelle Handlungs­kompe­ten­zen aufbauen. Gemäß der allgemeinen Zielstellung, dass nicht nur Ent­sandte auf inter­kulturelle Tätigkeiten vorbereitet werden müssen, sondern auch deren ziel­kulturelle Partner, wird in diesem Trainingsmodul eine inter­kulturelle Handlungs­kompetenz auf Seiten beider Trainingsgruppen gefördert. Denn inter­kulturelle Handlungskompetenz besteht nicht aus einer einseitigen Adaption zielkultureller Orientierungssysteme, sondern in der wechselseitigen Herstel­lung eines trag­fähigen ‚Zwischens’ im Sinne einer gemeinsamen Interkultur.

Die Konzeption eines Trainings für sowohl ausländische Teilnehmer als auch Teilnehmer der Zielkultur Deutschland bedarf einer speziellen Lernziel­formulierung und methodischer Umsetzung, welche die Synergiepotenziale innerhalb der he­tero­genen Lernergruppe nutzbar machen. Die methodische Basis der Umsetzung der Lernziele bildet die auf der Kulturstandardforschung aufbauende Methode der ‚Culture Assimilator’ bzw. der Kultur­assimilatoren nach Thomas. Diese Methode soll jedoch nicht unreflektiert übernommen werden. Vielmehr soll sie, einer kritischen Auseinander­setzung vorausgehend, im Hinblick auf die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen der Trainings­teilnehmer modifiziert werden.

Als Grundlage der genauen Zielformulierungen und methodischen Umsetzung dient eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff der inter­kulturellen Handlungskompetenz in Kapitel 2. Kern dieser Ausein­ander­setzung bildet dabei die Bestimmung des Begriffes Kultur in Kapitel 2.1. Dabei wird sowohl der lebens­weltliche Kulturbegriff nach Schütz/Luckmann und Habermas, als auch das Konzept des kulturellen Gedächtnisses nach Assmann skizziert, welche anschließend in das Kulturkonzept von Hansen integriert werden. Um die Bedeutung von Kultur für alltägliches Handeln heraus­zu­arbeiten, wird dabei genau beschrieben, wie sie auf den Ebenen des Kommunizierens, Denkens, Wahrnehmens und Handelns wirkt. Dabei ist einerseits zu erfragen, inwieweit individuelles Handeln kulturgebunden ist, und andererseits, wie Kulturen in diesem Sinne gefasst werden können. Zu ermitteln ist darüber hinaus, welchen Stellenwert Nationalkulturen in Bezug auf die kulturelle Geprägtheit von Individuen besitzen. Dies erweist sich von zentraler Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die Kulturstandardforschung und somit auch die Methode der Kulturassimilatoren nach Thomas Kulturen im Sinne von Nationalkulturen wie z.B. der ‚deutschen’, der ‚französischen’, der ‚ameri­kanischen’ Kultur auffasst.

Anschließend wird in Kapitel 2.2 der Frage nachgegangen, welche Relevanz Kultur im Rahmen aktueller Globalisierungsprozesse besitzt. Dies betrifft vor allen Dingen die kritische Auseinandersetzung mit der These der kulturellen Homogenisierung in globalen Kontexten und der vermeintlichen Konvergenz von Nationalkulturen hin zu einer Weltkultur.

Auf Grundlage des vorgestellten Kulturkonzeptes wird dann in Kapitel 2.3 der Prozess interkultureller Kommunikation, mittels eines interaktionstheoretischen Kommunikations­­begriffes, in seiner Problematik wie auch mit seinen Chancen vor­gestellt. Interkulturelle Kommunikation wird dabei als ein Prozess des perma­nenten Aushandelns und der situativen Neubestimmung von Interaktions­grenzen charakte­risiert.

Im Anschluss an die Abgrenzung der Arbeitsbegriffe wird in Kapitel 2.4 der Frage nachgegangen, über welche Kompetenzen international agierende Fach- und Füh­rungskräfte verfügen sollten, um trotz interkultureller Differenzen erfolgreich inter­agieren zu können. Da die Fremdsprachenkenntnisse einen wichtigen Bestandteil interkultureller Handlungskompetenz darstellen, ist in diesem Kapitel ebenfalls zu untersuchen, welche interkulturellen Kommu­nikationsprobleme aus fremdsprachen­didaktischer Perspektive auftreten können. Aufbauend auf der Darstellung einiger wichtiger pragmatisch-ver­gleichender Studien und der kritischen Auseinander­setzung mit diesen, wird beschrieben, welche Kompetenzen interkulturell agierende Personen aus fremdsprachendidaktischer Sicht besitzen sollten. Das gesamte Konzept der inter­kulturellen Handlungskompetenz bildet schließlich den Ausgangspunkt zur Konzeption des folgenden Trainingsmoduls.

In Kapitel 3 wird - sich auf die vorangegangenen theoretischen Grundlagen stützend - ein konkretes Trainingsmodul zum Aufbau interkultureller Handlungs­kompetenzen entwickelt. Ausgangspunkt der Konzeption dieses Moduls bildet die genaue Be­schreibung der Zusammensetzung der Zielgruppe in Kapitel 3.1. Die Besonderheit besteht dabei, wie bereits erwähnt, in der mehrfachen Heterogenität der Trainings­gruppe. So setzten sich diese nicht nur aus unterschiedlichen Kultur­kreisen und Nationen zusammen, auch ist die Trainings­sprache Deutsch für einige die Mutter­sprache, für andere eine Zweit- oder Fremdsprache. Unter der Voraussetzung der, für die nicht-deutschen Teilnehmer, Verhandlungssicherheit in Deutsch (unter Formu­lierung eines fest umrissenen Fremdsprachen­kompetenz­niveaus auf Grund­lage des Euro­päischen Referenz­rahmens für Sprachen) werden weitreichende Synergie­effekte innerhalb des interkulturellen Trainingsmoduls erwartet, welche in diesem Kapitel noch genauer beschrieben werden.

Daraufhin folgt in Kapitel 3.2 eine genaue Formulierung der Lernziele des Trainings­moduls, aufbauend auf den Erkenntnissen zu der bereits dargestellten interkultu­rellen Handlungskompetenz und den speziellen Anforderungen der Zielgruppe.

Danach werden in Kapitel 3.3 grundlegende methodische Fragestellungen diskutiert. Den methodischen Ausgangspunkt dieses Moduls wird die von Thomas entwickelte und auf Kulturstandards aufbauende Methode des ‚Culture Assimilators’ bzw. der Kulturassimilatoren darstellen. Nach der Beschreibung dieser Methode werden Vor- und Nachteile dieser kritisch abgewägt. Hierbei werden die Erkennt­nisse zur Relevanz von Nationalkulturen aus der Diskussion um Kultur und Globalisierung eingesetzt. In Kapitel 3.3.2 werden daraufhin Möglichkeiten der Modifizierung vorge­stellt, welche dann im Training umgesetzt werden sollen. Der zweite methodische Fokus des Moduls ist weniger als konkrete Methode zu verstehen, sondern ergibt sich aus den Überlegungen zu der begrifflichen Bestimmung interkultureller Hand­lungskompetenz und der Zielformulierung des Moduls: Metakommunikation, als eine Möglichkeit interpersonaler, interkultureller Konfliktlösung stellt ein zentrales Thema des Trainingsmoduls dar. Aus diesem Grund werden interkulturelle Konfliktlösungs­strategien und besonders meta­kommuni­kative Strategien neben der Methode des Kultur­assimilators noch einmal gesondert in Kapitel 3.3.3 hervor­gehoben.

In Kapitel 3.4 wird daraufhin das aus den theoretischen Vorüberlegungen generierte Trainingsmodul phasenweise vorgestellt. Die Lernziele aus Kapitel 3.2 werden dabei in Lernteilzielen aufgeschlüsselt und in den einzelnen Sequenzen in ihrer Umsetzung dargestellt. Die Besonderheit dieses Moduls liegt dabei in der Lernform: interkultu­relle Gruppenarbeit gewährleistet Er­fahrungen in authentischen inter­kulturellen Situationen und bildet somit u.a. die Grundlage für eine ausführliche Reflektion selbst erlebter interkultureller Prozesse.

In Kapitel 4 findet eine Zusammenfassung der Ergebnisse statt. Das Trainingsmodul wird im Hinblick auf seine Vor- und Nachteile bewertet. Darüber hinaus werden Ausblicke auf noch weiter zu führende Diskurse in Bezug auf die Konzeption, Durch­führung und besonders auf die Evaluation interkultureller Trainings gegeben.

Erneut lässt sich hervorzuheben, dass sich das Trainingsmodul sowohl an ausländische als auch an deutsche Fach- und Führungskräfte richtet, welche gleicher­maßen auf bevorstehende interkulturelle Tätigkeiten in Deutschland vor­bereitet werden. Primär werden dabei keine sprachlichen Lernziele verfolgt, auch wenn diese, wie sich zeigen wird, in die interkulturelle Handlungs­kompetenz integriert sind. Die Zielsetzung des Trainingsmoduls wird auf einer fundierten Auseinander­setzung mit dem Konzept der interkulturellen Hand­lungs­kompetenz basieren. Diese wird auf der Grundlage einer eingehenden Beschreibung und Diskussion der Kulturtheorie sowie kultureller Globali­sierungsprozesse formuliert.

Es soll aber darauf hingewiesen sein, dass das Trainingsmodul bisher weder erprobt noch durch die Praxis evaluiert wurde. Es stellt somit einen ersten Ansatz zum Training inter­kultureller Handlungs­kompetenz für Fach- und Führungskräfte dar, welcher einen Praxistest noch bestehen muss.

2 Kultur – Globalisierung – Interkulturelle Kompetenz

Ziel dieses Kapitels ist die Bestimmung der Arbeitsbegriffe Kultur, Globalisierung, und Interkulturalität, um zu einem theoretisch fundierten Konzept interkultureller Handlungskompetenz zu gelangen. In einem ersten Schritt wird das Konzept Kultur anhand des Modells der Lebenswelt von Schütz/Luckmann und Habermas, des Modells des kulturellen und kommunikativen Gedächtnisses von Assmann und der Kulturtheorie von Hansen, welche die Diversität und Heterogenität von Kulturen thematisiert, erläutert. Ziel dabei ist, die kulturelle Geprägtheit menschlichen Handelns darzustellen. Dabei werden u.a. sowohl die Besonderheiten als auch die Grenzen von Nationalkulturen als so genannten Superkollektiven heraus­gearbeitet. In einem zweiten Schritt werden diese Ergebnisse mit Aus­führungen zur kulturellen Globalisierung erweitert. Hier wird die Relevanz von Kultur und Nationalkulturen im Hinblick auf die weltweit steigende Vernetzung von Individuen diskutiert. Aufbauend auf der Theorie der ersten und zweiten Moderne nach Beck wird der Begriff der Globalisierung eingeführt. Dieser wird erweitert durch den von Robertson postulierten Begriff der Glokalisierung, als der Verknüpfung von Lokalitäten als konstitutiver Bestandteil von Globa­lisierung. In einem dritten Schritt wird, aufbauend auf diesen Erkenntnissen, das Konzept der Interkulturalität dargestellt. Als Grundlage dient dabei ein interaktionstheoretischer Kommunikations­begriff, der sowohl Inhalts- als auch Beziehungsaspekte der Kommunikation thematisiert. Interkulturelle Kommu­nikation wird sich dabei als ein permanenter Aushandlungsprozess defi­nieren, dessen Handlungsspielräume bis an die Grenzen der Normalitäts­erwartungen der Kommunizierenden reichen. Ausgehend von der Abgrenzung dieser Begriffe wird dann das Konzept der interkulturellen Handlungskompetenz vorgestellt. Dieses bildet den Ausgangspunkt zur Entwicklung eines interkulturellen Trainings­moduls für ausländische und deutsche Fach- und Führungskräfte in Vorbereitung auf inter­kulturelle Kooperationen in Deutschland.

2.1 Kultur

Eine eindeutige Definition von Kultur existiert nicht, weder im umgangs­sprachlichen Gebrauch noch im wissenschaftlichen Diskurs. Zum einen kann Kultur begrenzt werden auf kulturelle Artefakte und so genanntes Bildungsgut. Diese Eingrenzung würde einem engen Kulturbegriff entsprechen. Zum anderen kann der Begriff weiter gefasst werden: „Danach umfasst eine Kultur im Kern die in einer Gesellschaft geteilten Grundüberzeugungen, etwa zur Natur des Menschen, zum Verhältnis von Mensch und Umwelt, oder zu Raum und Zeit, sowie die darauf aufbauenden Normen und Wertvorstellungen.“ (Stahl/Langloh/Kühlmann 1999: 14) Dieser erweiterte Kultur­begriff fasst Kultur als ein dynamisches und gesellschaftsbezogenes System, wel­ches sich als Lebenswelt (vgl. Schütz/Luckmann 1991) konstituiert, „deren Gren­zen sich eher unscharf und vage durch den gemeinsamen Interpretations- und Wissens­vorrat ihrer Mitglieder bestimmen“ (Bolten 2001a: 14).

Genauer definiert Habermas Lebenswelt als den alltäglichen, selbst­reproduzierenden Wirklich­keit­s­­­­­­bereich des Menschen. Dieser konstituiert sich in den drei strukturellen Komponenten Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit. Kultur meint hierbei einen „Wissensvorrat, aus dem sich die Kommu­nikations­teilnehmer, indem sie sich über die Welt verständigen, mit Interpretationen versorgen“ (Habermas 1987: 208f.). Kommunikatives Handeln diene dabei der Reproduktion und der Erneuerung kulturellen Wissens. Gesellschaft konsti­tuiere sich laut Habermas als „die legitimen Ordnungen, über die die Kommuni­kationsteilnehmer ihre Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen regeln und damit Solidarität sichern“ (Habermas 1987: 208f.). Kommu­ni­katives Handeln diene hierbei der sozialen Integration und der Herstellung von Soli­da­rität. Persön­lichkeit umfasst schließlich „die Kompetenzen, die ein Subjekt sprach- und handlungsfähig machen, also instand setzen, an Verständigungs­prozessen teil­zunehmen und dabei die eigene Identität zu behaupten“ (Habermas 1987: 208f.). Kommunikatives Handeln diene somit nach Habermas der Ausbildung personaler Identitäten. „Die zum Netz kommunikativer Alltagspraxis verwo­benen Interaktionen bilden das Medium, durch das sich Kultur, Gesellschaft und Person [durch Kontinu­ierung von gültigem Wissen, Stabilisierung von Gruppen­solidarität und Heranbildung zurechnungsfähiger Aktoren] reproduzieren.“ (Vgl. Habermas 1987: 208f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lebensweltlicher Kulturbegriff in Anlehnung an Habermas (1987: 208f.)

Jan Assmanns Theorie des kulturellen Gedächtnisses (vgl. Assmann/ Hölscher 1988) expliziert die Funktion des kulturellen Wissensvorrates (siehe Abb. 1) und stellt somit dessen spezielle Bedeutung für Handeln und Erleben von Individuen in spezifischen Interaktionsrahmen von Gesellschaften dar. Assmann unter­scheidet dabei zwischen kulturellem und kommunikativem Gedächtnis. Das kommunikative Gedächtnis fasse alle Spielarten des kollektiven Gedächtnisses zusammen, die ausschließlich auf Alltagskommunikation beruhen. Alltags­kommunikation sei dabei durch ein signifikant hohes Maß an Ungeformtheit, Beliebigkeit und Unorganisiertheit charakterisiert. Das sich daraus aufbauende Gedächtnis sei sozial vermittelt und gruppenbezogen. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass sich das individuelle Gedächtnis in der Alltags­kommunikation innerhalb einer homogenen Gruppe konstituiert. Vielmehr ent­stehe es in der Kommunikation innerhalb verschiedener Gruppen, die ein eigenes Bild oder einen eigenen Begriff von sich selbst haben und dies auf ein Bewusstsein gemeinsamer Vergangenheit stützen. In der Konsequenz hat jeder Einzelne, der ja in eine Vielzahl solcher Gruppen[1] situiert ist, an einer Vielzahl kollektiver Selbstbilder und Gedächtnisse teil. (Vgl. Assmann/Hölscher 1988: 10f.)

Das kulturelle Gedächtnis ist im Gegensatz zum kommunikativen Gedächtnis durch seine Alltagsferne gekennzeichnet. Die Alltagstranszendenz kenn­zeich­net zunächst seinen Zeithorizont: „Das kulturelle Gedächtnis hat seine Fix­punkte, sein Horizont wandert nicht mit dem fortschreitenden Gegenwarts­punkt mit. Diese Fixpunkte sind schicksalhafte Ereignisse der Vergangenheit, deren Erinnerung durch kulturelle Formung (Texte, Riten, Denkmäler) und institutionalisierte Kommunikation (Rezitation, Begehung, Betrachtung) wach gehalten wird.“ (Assmann/Hölscher 1988: 12) Assmann nennt diese Fixpunkte Erinnerungsfiguren.

Das kulturelle Gedächtnis ist gekennzeichnet durch mehrere Merkmale, von denen die nachstehenden noch im weiteren Verlauf der Diskussion um den Begriff Kultur und damit auch um die Voraussetzungen, Zielsetzungen und Konzeption des zu entwerfenden Trainings (gerade auch im Hinblick auf die Diskussion von Kulturstandards innerhalb der Kulturassimilator-Methode) von Wichtigkeit sein werden.

1.) Identitätskonkretheit oder Gruppenbezogenheit. „Das kulturelle Gedächtnis bewahrt den Wissensvorrat einer Gruppe, die aus ihm ein Bewusstsein ihrer Einheit und Eigenart zieht. [Dieser Wissensvorrat] ist gekennzeichnet durch eine scharfe Grenze[2], die das Zugehörige vom Nichtzugehörigen, d.h. das Eigene vom Fremden trennt.“ (Assmann/Hölscher 1988: 13)
2.) Rekonstruktivität. Obwohl das kulturelle Gedächtnis auf unverrückbaren Erinnerungs­­­figuren und Wissensbeständen beruht, bezieht es sein Wissen immer auf eine aktuell gegenwärtige Situation, auf eine, sich den Erinnerungsfiguren und Wissensbeständen aneignende, auseinander­setzende, bewahrende oder verändernde Weise. Demzufolge existiert das kulturelle Gedächtnis in zwei Modi. „Einmal im Modus der Potentialität als Archiv, als Totalhorizont angesammelter Texte, Bilder, Handlungsmuster, und zum zweiten im Modus der Aktualität, als der von einer jeweiligen Gegenwart aus aktualisierte und perspektivierte Bestand an objektivem Sinn.“ (Assmann/Hölscher 1988: 13)
3.) Verbindlichkeit. „Durch den Bezug auf ein normatives Selbstbild der Gruppe ergibt sich eine klare Wertperspektive und ein Relevanzgefälle, das den kultu­rellen Wissensvorrat und Symbolhaushalt strukturiert.“ (Assmann/ Hölscher 1988: 13) In unserem Kontext wird dabei besonders die Verbind­lich­keit des Wissens in Bezug auf die Normativität als handlungsleitende Funktion von weiterer Bedeutung sein.[3]

In diesem Zusammenhang ist die wechselseitige Beeinflussung von Kultur bzw. kulturellem Wissensvorrat, Gesellschaft und Persönlichkeit offensichtlich, da sich z.B. individuelles Handeln immer auf der Folie des gesellschaftlich vermittelten kulturellen Wissensvorrates vollzieht und umgekehrt diese Handlungen der Individuen die Zeichensysteme bilden, die die Alltagspraxis der gesellschaftlichen Bezugsgruppen konstituieren und die sich zumindest teil­weise im Wissensvorrat oder kulturellem Gedächtnis sedimentieren bzw. dieses erzeugen. Diese intersubjektiv (also im Aus­handeln mit anderen Individuen, deren Bewusstsein im Wesentlichen gleich ist, da sich ihre Wirklichkeit auf eine gemeinsame Grundstruktur bezieht (vgl. Schütz/Luckmann 1991: 26)) aufge­bauten, geschichtlich abgelagerten und gesellschaft­lich vermittelten Zeichen­systeme dienen vor allem als Voraussetzung „für die selbstverständ­liche Wechselseitigkeit gesellschaftlichen Handelns“ ( Schütz/Luckmann 1991: 208f.). Sie stellen ein kommunikativ vermitteltes Interaktions- und Orien­tie­rungssystem einer Gruppe oder Gesellschaft mit sinnhaften Symbolen dar, über welche intrakulturell Einigkeit besteht (Plausibilität) und welche gleichzeitig eine weitgehende Handlungsorientierung ermöglichen (Normalität).

Dieser eben dargestellte Kulturbegriff begreift Kultur als Gebilde von verschiedenen Lebenswelten. Auch wenn dies nicht explizit gesagt wird, handelt es sich, trotz der Annahme von einer Mehrfachzugehörigkeit der Individuen zu verschiedenen Gruppen, dennoch um einen relativ fest um­rissenen Rahmen von abgrenzbaren, in sich homogenen Kulturen, die mit Nationalstaaten im Sinne von Landeskulturen[4] gleichzusetzen sind (vgl. Hansen, K.P. 2000: 87). Es bedarf nicht erst einer Globa­li­sierungs­­debatte, um festzustellen, dass jedes Individuum Teil mehrerer Lebens­welten bzw. Kulturen mit unterschiedlichen kulturellen Wissensvorräten ist, welche netzwerkartig miteinander verbunden sind. Ausgehend von dieser These wird im nächsten Kapitel anhand der Kulturtheorie von Klaus P. Hansen weiteren, durch die bisherige Theorie noch unbeantworteten Fragen nachgegangen:

1) Welche konkrete Beziehung besteht zwischen den verschiedenen Individuen einer Kultur, damit die Kultur als ein einheitliches Gebilde wahrgenommen werden kann? Der wissenschaftliche Diskurs unterlag dahingehend seit Herder der Annahme, dass Kulturen durch eine inhärente Homogenität gekennzeichnet sind, welche es ihren Mitgliedern untereinander ermöglicht, aufgrund eines homogenen Inter­aktions- und Orientierungssystems, welches Plausibilität und Normalität bietet, fraglos miteinander zu kommunizieren. Im Laufe des nächsten Kapitels wird jedoch gezeigt, dass sich Kulturen nicht durch Homogenität, sondern durch Diversität und Divergenz auszeichnen.
2) Wie kann ein Individuum mehrere Kulturen in sich vereinen und wie sind diese strukturiert, d.h. welche Beziehung haben diese zueinander?
3) Welchen Stellenwert haben überhaupt noch Landeskulturen, welche durch innere Divergenzen und Multikollektivität ihrer Mitglieder charakterisiert sind? Welche Verbindlichkeiten bestehen zwischen Mitgliedern derselben Landes­kultur? Darüber hinaus ist zu erfragen, inwiefern die durch das kulturelle Gedächtnis geschaffenen und stabilisierten Selbstbilder die Grund­voraus­setzung für die nationale Identität sind.
4) Diese Fragen sind von besonderer Wichtigkeit, wenn man definitorisch zwischen intra- und interkultureller Kommunikation[5] unterscheidet. Wo lassen sich Gemeinsamkeiten und wo lassen sich Unterschiede in intra- und interkulturellen Prozessen aufzeigen und welche Konsequenzen werden diese etwa auf die spezifischen Anforderungen von Entsandten und deren Kommunikationspartner haben? Diese Frage betrifft konkret die Themati­sierung von interkultureller Handlungs­kompetenz und geht der Frage nach, welche Kompetenzen interkulturell agierende Personen besitzen sollten.

Hansen vertritt die zentrale These, dass sich u.a. Landeskulturen nicht durch Homogenität auszeichnen, sondern durch Diversität und Divergenz, die durch den Rahmen eines Normalitätsgefühls zusammengehalten werden (vgl. Hansen, K.P. 2000: 7). Unterhalb der Ebene der Landeskultur existiert aber eine Vielzahl von weiteren Kulturen. Generell setzt sich Hansen für einen sehr offenen und höchst allgemeinen Kulturbegriff ein und definiert Kultur als Standardisierungen, die in einem Kollektiv gelten. Kollektive wiederum konsti­tuieren sich durch gemeinsame Standard­isierungen und kommunikative Kontakte. Kultur besteht somit aus drei fundamentalen Faktoren: Standardi­sierungen, Kommunikation und Kollektivität. (Hansen, K.P. 2000: 39ff.) Standardisierungen werden dabei „weder [als] das zufällige noch das erforderliche, sondern [als] das zum Überleben funktionslose Gleichverhalten von Mitgliedern eines Kollektivs“ (Hansen, K.P. 2000: 43) angesehen.

Hansen unterscheidet zwischen den Standardisierungen der Kommunikation, des Denkens, des Empfindens sowie des Verhaltens und Handelns. Innerhalb der Standardisierungen der Kommunikation wird festgestellt, dass Sprache und andere Zeichensysteme dem Prinzip der Willkür und dem Prinzip der Standardi­sierung unterliegen (vgl. Hansen, K.P. 2000: 67f.): Mit dem ersteren wird die Verschieden­artigkeit aller Sprachen erklärt. Mit dem zweiten Prinzip soll unterstrichen werden, dass Sprache ein gewachsenes System mit einer gewissen Konstanz darstellt. Jedoch ist die Sprachgemeinschaft durch die Vielzahl verschiedener Sprachkollektive mit ihren unterschiedlichen Dialekten, Soziolekten[6] etc. keineswegs homogen, weil „das Individuum vielen dieser Gruppen [bzw. Sprachkollektiven] gleichzeitig angehört und zwischen ihnen wechseln kann“ (Hansen, K.P. 2000: 73). Innerhalb jedes Sprachkollektives kann das Verhältnis von Zeichen und der Wirklichkeit variieren. Der Grund dafür liegt darin, dass sich Zeichen nicht auf reale Objekte, sondern auf von Menschen geschaffenen Vorstellungen beziehen und somit willkürliche Bild­nisse darstellen, die nicht neutral sind (Hansen, K.P. 2000: 76). Zeichen ermöglichen folglich mit Hilfe von Vorstellungen Kommunikation, die wiederum Kollektivität schafft (vgl. Hansen, K.P. 2000: 83).

Über die Sprache wird also die reale Wirklichkeit benannt und gedeutet. Sie stellt somit das ‚Rohmaterial’ für das Verwandeln der realen Wirklichkeit in eine Lebens­wirklichkeit dar. Der Zusammen­hang zwischen Sprache und Handeln ist dabei offensichtlich: „Jedes Wissen ist Tun und alles Tun spielt sich als soziales Ge­schehen im ‚In-der-Sprache-sein’ ab.“ (Schmidt 1996: 7. Zitiert in: Drechsel/ Schmidt/Gölz 2000: 84) Die Standardisierungen werden dabei durch Kommu­nikation, Sozia­lisation und Tradition verbreitet und stabilisiert. Hansen betrachtet dabei Tradition anders als Assmann. Der Unterschied bestehe darin, dass sich das kulturelle Gedächtnis einerseits auf größere Kollektive im Sinne von Nationen bezieht (vgl. Hansen, K.P. 2000: 87) und andererseits weitaus enger benutzt wird als der Begriff der Tradition. Enger bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Zeichen, die neben den ritualisierten Handlungen das kulturelle Gedächtnis bilden, zwei Funktionen erfüllen müssen: Erstens müssen sie die Zeit überdauern und zweitens „eine Art identifikatorische Besetztheit im positiven (das sind wir) oder im negativen Sinne (das ist unser Gegenteil) besitzen“ (Assmann: 13. Zitiert in Hansen, K.P. 2000: 87). Für Hansen bleibt jedoch fraglich, ob das daraus geschaffene Selbstbild einer Nation als Grundvoraussetzung für Kollektivität gehandelt werden kann.

Erst durch das Denken werden die durch die Kommunikation geschaffenen Einzelvorstellungen miteinander verknüpft und zu Ideen verbunden, die dann zu größeren Einheiten einer Auffassung zusammengefasst werden können (vgl. Hansen, K.P. 2000: 89). Der daraus entstehende Gesamtbestand an Ideen und Ideen­kombinationen kann kollektives Wissen genannt werden, wenn er der Mehrheit des Kollektives verfügbar ist (vgl. Hansen, K.P. 2000: 103). Kollektives Wissen ist dann mit standardisiertem Denken gleichzusetzen und somit als kulturell vorgeprägte Wirklichkeitsdeutung zu verstehen, deren Grenzen der Normalität das Kollektiv festgelegt hat (vgl. Hansen, K.P. 2000: 105f.).

In diesem Sinne erscheint es sinnvoll, auch von Standardisierungen des Wahrnehmens zu sprechen. Genauso wenig wie Zeichen als Bestandteile der Standardisierung der Kommunikation realen Objekten entsprechen, sondern deren Vorstellungen von ihnen, existiert bei der Wahrnehmung eine objektive Realität. Wahrnehmung erfolgt individuell auf der Grundlage bestimmter Wissensvorräte und auf Erfahrungen, die für eine bestimmte Lebenswelt von Bedeutung sind (vgl. Bolten 2001a: 28f.). In diesem Sinne kann Wahrnehmung als standardisiert bezeichnet werden. Sie bleibt aber immer interpretatorisch und subjektiv, da sie sich „auf der Grundlage von individuellen Erfahrungen und Erwartungen als Suchvorgang [vollzieht], in dessen Verlauf die Realität [...] konstruiert wird“ (Bolten 2001a: 30). Diese Suchvorgänge werden durch Schemata geleitet, welche sich ebenfalls in einem Wechselspiel von Er­fahrungen und Erwartungen in unserem Gehirn heraus­gebildet haben und somit gleichfalls in erster Linie individuell sind. In zweiter Linie sind sie kulturabhängig durch den rekursiven Rückgriff auf den Wissensvorrat, welcher ein Reservoir an Erfahrungen bereithält, „von dem aus die Mitglieder eines Kollektivs alle künftigen Erwartungen an Sinnhaftigkeit, Normalität, Plausibilität etc. formulieren werden“ (Bolten 2001a: 34).

Diese Schemata lassen sich aber nicht nur in Denk- und Wahrnehmungs­konzepten identifizieren, sondern auch in Handlungskonzepten, in welchen sie Normalität, Plausibilität und Routinehandeln als Bedingung von Alltagshandeln erst möglich machen (vgl. Bolten 2001a: 32). Hansen unterscheidet innerhalb des standardi­sierten Verhaltens und Handelns ganz konkret zwischen ritualisierten und situations­gebundenen Interaktionen, die durch ihre völlige Kulturabhängigkeit den Höhepunkt kultureller Standardisierung darstellen (Verhalten) und Interaktionen, deren Voraus­setzung ein Problembewusstsein sein muss, welches über die Wahl bestimmter Ziele und Wege Phasen der Überlegung und des Entschlusses beinhaltet (Handeln) (vgl. Hansen, K.P. 2000: 123). Verhalten und Handeln lassen sich dann als standardisiert bezeichnen, wenn sie ganz oder teilweise durch Kultur motiviert, auf geistige Inhalte wie Werte, Weltanschauungen und somit auf standardisierte Denkprozesse zurückzuführen sind (vgl. Hansen, K.P. 2000: 127). Von besonderem Interesse ist darüber hinaus das kulturspezifische ‚tool kit’ als ein Werkzeugkasten aus Symbolen, Geschichten, Ritualen, Weltanschauungen, aber auch Handlungs­strategien: „Culture influences actions through the shape and organisation of those links, not determining the ends to which they are put.“ (Swidler 1986: 277. Zitiert in: Hansen, K.P. 2000: 130f.) Diese Handlungs­strategien und die dazugehörige Handlungs­kompetenz sind ebenfalls kulturell geprägt und lassen sich somit als eigenständigen Bereich der Standardisierung des Handelns auffassen.

Eben genannte Arten von Standardisierungen existieren nur, weil Einzelne sie praktizieren, doch gehen sie über deren Lebensspanne hinaus und überleben das Individuum auf direkte Weise durch Kommunikation und Nachahmung und auf indirekte Weise durch das kulturelle Gedächtnis bzw. die Traditionen. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 158) Die kulturelle Prägung eines Individuums kann demzufolge als eine Internalisierung von kulturellen Standardisierungen be­zeich­net werden. Diese Inter­nalisierung beginnt damit, dass jedes Individuum in eine sinnhaft konstruierte Umwelt hineingeboren und auf sie hin sozialisiert wird. D.h. Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Handeln und Kommunizieren sind von Mustern und Möglichkeiten geprägt, über die Menschen als Angehörige von Kollektiven verfügen: „Die Kenntnisse zum Funktions­repertoire einer sozialen Gruppe oder Gesellschaft gehören zum kollektiven Wissen der Kommuni­kationsteilnehmer [und sind somit] Teil der symbolischen Ordnung, die Kognition und Kommunikation sozial koordinieren.“ (Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 87) Die Internalisierung vollzieht sich also nicht im direkten Kontakt zwischen Individuen und Kultur, sondern über Kollektive, wobei die Mehrfach­zugehörigkeit eines Individuums zu verschiedenen Kollektiven und deren Standardi­sierungen als Zwischenglieder berücksichtigt werden muss.[7]

Zwischen Individuum und Kultur besteht ein dialektisches Wechselverhältnis. Bei der Internalisierung der kulturellen Standardisierungen hat das Individuum die Möglich­keit, aus der Vielzahl der Standardisierungen eines Kollektives auszuwählen, was bedeutet dass die Standardisierungs­angebote nicht völlig angenommen werden müssen. „Auf Seiten der Kultur oder Gesellschaft haben wir eine Sanktionsskala, die vom Zwang bis zum Angebot reicht; auf Seiten des Individuums haben wir eine Skala der Internalisierungstiefe, die sich von der Ablehnung bis zur Verinnerlichung erstreckt.“ (Hansen, K.P. 2000: 171) Jedes Individuum reagiert und entscheidet im Rahmen dieser Skalen eigenständig und präsentiert sich somit als ein partiell entstelltes Abbild der Kultur.[8] Diese Spannung von Individualität und kultureller Standardi­sierung begründet die kulturelle Dynamik. „Sie lässt sich [...] bestimmen als das Verhältnis von Rahmen im Sinne des auf dem Wege der Sozialisation vermittelten Wissens­vorrates [mit seinen kulturellen Standardisierungen] und Realisierung im Sinne der individuellen Nutzung.“ (Bolten 2001a: 38) Eine Kultur, die in diesem Sinne verschiedene Angebote an Standardisierungen für die Individuen bereithält, ist somit nicht nur durch Vielfalt, sondern auch durch Diversität, Heterogenität, Divergenzen, Widersprüche und Inkompatibilitäten gekennzeichnet. Diese kulturelle Divergenz[9], das Individuum, in dem sich individuell kulturelle Standardisierungen mischen, aufeinander einwirken und im besten Fall Neues bilden sowie die großen Spielräume der kulturellen Standardisierungen bilden die Dialektik zwischen Kultur und Indi­viduum, wobei das Individuum durchaus auch vorherr­schenden Standard­isierungen in Widerspruch entgegentreten und somit zu einem Kulturwandel führen kann. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 182ff.)

Diese Konflikte führen jedoch nicht zwangsläufig zur Auflösung der Kollektive. Denn innerhalb von Kollektiven, also Gruppierungen, die gemeinsame Gewohn­heiten zu erkennen geben, wirken Kohäsionskräfte[10], die bewirken, dass „die Mitglieder ihre Identitätsübereinstimmungen aktualisieren und die Identitäts­differenzen nicht virulent werden lassen. In dieser Virulenzkontrolle besteht der kleine Preis, den man für die Kohäsion zahlen muss.“ (Hansen, K.P. 2000: 195)

Ein Individuum ist aber nicht nur Teil eines Kollektives, wie z.B. dem National­kollektiv, wie vornehmlich von vielen interkulturellen Trainings als Ausgangs­punkt der Trainingskonzeption angenommen wird, sondern Teil unzähliger Kollektive unterhalb der Ebene des Nationalkollektives[11]. In diesem Zusammen­hang kann man von einer Multikollektivität im zweifachen Sinne sprechen: „Zum einem gibt es unzählige Kollektive und zum anderen kann das Individuum in vielen Kollektiven verortet sein.“ (Hansen, K.P. 2000: 197) Kontakt zwischen Individuen kann somit über jede noch so kleine Teilmenge der Identität entstehen.

Eine Vielzahl interkultureller Trainings fokussiert die Homogenität von National­kulturen und ignoriert somit die eben beschriebene kulturelle Divergenz und Multikollektivität innerhalb dieser. Die bisherigen Ausführungen haben jedoch gezeigt, dass weder in Nationalkulturen, noch in kleineren Kollektiven aus­schließlich die Homogenität als bedeutendste Charakteristik kennzeichnend ist, sondern die Diversität und Divergenz, die allerdings durch den Rahmen eines Normalitätsgefühls zusammengehalten werden. Im folgenden Abschnitt wird deshalb der Frage nach­gegangen, was denn dann den besonderen ‚Kitt’ der Nationalkultur bildet.

Für Nationen gilt, dass sie in dem Spannungsfeld von Homogenität auf der einen und Diversität und Divergenz auf der anderen Seite existieren. „Einerseits [müssen sie] Gleichverhalten oder zumindest Verhaltensähnlichkeiten hervor­treten lassen, wobei andererseits aber Raum bleiben muss sowohl für Untergruppierungen als auch Individualität.“ (Hansen, K.P. 2000: 208) Darüber hinaus bilden sie als Super­kollektive eine politische und juristische Einheit, wobei die Mehrzahl der in der Einheit versammelten Kollektive gänzlich einverleibt sind. Somit besteht Nationalität weder „in der Einheitlichkeit ihrer Staatsbürger [...], [noch in der] Zusammenrottung ohne jedes kollektive Element“ (Hansen, K.P. 2000: 207). Hansen spricht von drei verschiedenen Kohäsionsfaktoren, welche eine Nationalkultur zusammenhalten: die Sprache, die Geschichte und übliche Standardisierungen.

Die gemeinsame Sprache innerhalb einer Kultur auf Nationalebene, die in ihr gespeicherten Vorstellungen inklusive deren deutender Charakter fungiert als der herausragende Kohäsionsfaktor, da sie die Grundlage, d.h. die kleinste Einheit der Weltauffassung bereitstellt.[12] Die in der Sprache gespeicherten Standardisierungen des Denkens steuern den Umgang mit der Realität und die Interpretation des Alltags und wirken somit als wichtigster Konstitutionsfaktor der Lebenswirklichkeit. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 209)

Einen weiteren, eine Nationalkultur bindenden Faktor stellt die Geschichte dar. Obwohl verschiedene Individuen einer Nationalkultur unterschiedliche Ansich­ten über ihre gemeinsame Geschichte haben können, bleibt der Ausgangspunkt ihrer Ansichten doch derselbe: „Die verschiedenen Ansichten sind als indivi­duelle Reaktion zu verstehen, die ihren Ausgang von einer identischen Reaktionsgrundlage nehmen.“ (Hansen, K.P. 2000: 210) Das kulturelle Gedächtnis dient in diesem Fall als Argumentations­pool, als eine Art Interpretationsvorrat, aus welchem die Mitglieder einer Nationalkultur auf vielfältige Weise schöpfen können, um zu unterschiedlichen Ansichten zu gelangen.

Letztendlich existieren auch innerhalb des kulturellen Wissensvorrates auf Nationalebene Standardisierungen der Kommunikation, des Denkens, des Empfinden, Verhaltens und Handelns. Wie bereits beschrieben sind diese für die Individuen nicht zwingend bindend, sondern können in unterschiedlichem Maße internalisiert werden. Dieser Aspekt wird von Assmann fast nicht berücksichtigt. In Bezug auf die Identitätskonkretheit postuliert Assmann, dass „das kulturelle Gedächtnis den Wissensvorrat einer Gruppe [bewahrt], [...] aus [welchem diese] ein Bewusstsein ihrer Einheit und Eigenart zieht“ (Assmann/ Hölscher 1988: 13). Hansen zeigt aber, dass es eben kein einheitliches Bewusstsein, keine stringente Homogenität ist, die National­kulturen, auf die sich Assmann vornehmlich bezieht, auszeichnet, sondern Diversität. Im gleichen Sinne muss auch gegen Assmanns Kriterium der Verbindlichkeit argumentiert werden: „Durch den Bezug auf ein normatives Selbstbild der Gruppe ergibt sich eine klare Wertperspektive und ein Relevanzgefälle, das den kulturellen Wissensvorrat und Symbolhaushalt strukturiert.“ (Assmann/Hölscher 1988: 13) Die Verbindlichkeit des Wissens als handlungs­lei­ten­der Funktion wird ebenfalls außer Kraft gesetzt, weil sich Individuen einer Natio­nal­­kultur der gesamten Übernahme der Standardi­sierungs­palette einer Nationalkultur verweigern können und nur das auswählen, was in ihrer Lebenswelt, welche sich aus vielen miteinander vernetzten Kollektiven zusammen­setzt, sinnvoll erscheint.

Dennoch sind innerhalb eines Superkollektives wie der Nationalkultur empirisch sichtbare Verschiedenheiten individuellen Verhaltens auf teilweise unsichtbare Gemeinsamkeiten zurückzuführen. Erklärt werden kann dies dadurch, dass „die zunächst auffallenden Verschiedenartigkeiten zu Reaktionen erklärt [werden], die sich auf einen identischen Reaktionsgrund zurückführen lassen“ (Hansen, K.P. 2000: 212f.). Dieser identische Reaktionspunkt bildet einen gemeinsamen Bezugspunkt, ein Fundament an Gemeinsamkeiten und somit den Kitt innerhalb des Kollektives. Er ist das überindividuelle Verhaltensangebot, was der individuellen Umsetzung voraus liegt. Von besonderem Interesse erscheint hier wieder der Angebotscharakter der Standardisierungen: „Man ist nicht nur mit dem persönlich zusammengestellten [Sortiment] vertraut, sondern auch mit dem, was man nicht wählt.“ (Hansen, K.P. 2000: 231) Die Kohäsion wird somit über die Bekanntheit des Ungleichverhaltens erreicht oder mit anderen Worten ausgedrückt, die Vertrautheit der Verschiedenheit bildet den Kitt, welcher Nationalkulturen zusammenhält. Dies alles geschieht im Rahmen der von der Nationalkultur gesetzten Rahmen der Normalität. In dieser Normalität ist die Diversität nicht aufgehoben, sondern zu einem festen Paket ge­schnürt (vgl. Hansen, K.P. 2000: 233).[13]

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass ein Individuum in einer Vielzahl von verschiedenen Kollektiven netzwerkartig verankert ist. Die Kollektive konstituieren sich sowohl durch gemeinsame Standardisierungen der Kommu­nikation, des Denkens und Wahrnehmens, des Verhaltens und Handelns als auch durch kommunikative Kontakte. Diese Standardisierungen fungieren als ein Angebot und können innerhalb verschiedener Skalen unterschiedlich internalisiert werden, was dazu führt, dass innerhalb von Kollektiven Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen den Individuen bestehen. Die verschiedenen Kollektive und ihre Standar­disierungen legen sich wie konzentrische Kreise um das Individuum, wobei das Nationalkollektiv zu einer bestimmten historischen Zeit den größten dieser Kreise bildet.[14] (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 173) Ebenso wie der Nationalkultur unter­geordnete Kollektive sind Nationen durch kulturelle Diversität gekennzeichnet, finden aber eine gemeinsame Basis in der gemeinsamen Sprache als kleinste Einheit der Welt­auffassung, der gemeinsamen Geschichte als Ausgangspunkt von verschie­denen Ansichten und in gemeinsamen Standardisierungen, die nicht von jedem Individuum übernommen werden müssen, aber dennoch jedem Individuum bekannt sind. Das Kollektiv eines Volkes ist somit innerhalb eines durch das Kollektiv gegebenen Rahmens der Normalität durch die Vertrautheit von Verschiedenheit fest miteinander verbunden.

Nun bleibt zu fragen, wo dieser Auffassung nach Interkulturalität beginnt. Interkulturalität betrachtet Hansen als ein Kommunikationsprozess, als das „handelnde oder geistige Miteinander-Umgehen“ (Hansen, K.P. 2000: 317) zwischen Mitgliedern kulturell unterschiedlicher Lebenswelten, wobei Lebenswelt auf Superkollektive wie Nationalkulturen aber auch auf deren Unterkollektive bezogen werden kann. Sind nun Kontakte zwischen Individuen, die unterschiedlichen Unterkollektiven einer Nationalkultur angehören, anders als Kontakte, die über die Grenzen einer Nationalkultur hinaus reichen? Zur Beantwortung dieser Frage muss wieder darauf verwiesen werden, dass Nationalkulturen durch Diversität und Kohäsion zusammen gehalten werden. Obwohl die unter dem Dach einer National­kultur vereinten Kollektive meist in einer nationalspezifischen Form vorliegen[15], grenzen sie sich voneinander ab, so dass innerhalb einer Nationalkultur bereits interkulturelle Unterschiede auftreten können. Dennoch garantiert eine Nationalkultur eine Vertrautheit der Phänomene und schafft somit Normalität, so dass die Bekannt­heit der Diversität gleich die Realität einer Nationalkultur darstellt. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 339f.)

Erleichtert aber die Vertrautheit von unterschiedlichen Phänomenen das Verstehen, so dass Kontakte innerhalb eines Superkollektives einfacher sind? Diese Frage verneint Hansen (vgl. Hansen, K.P. 2000: 340), da sich die Vertrautheit und Normalität innerhalb eines Superkollektives mithin auf das bloße Wissen um die Existenz von Diversität, Divergenzen und Antagonismen bezieht, jedoch ohne intellektuellen Nachvollzug, ohne Verständnis, noch Verstehen. „So gesehen, verhindert die Vertrautheit das Fremdverstehen, und sie entscheidet auch nicht über seinen Erfolg, der vom Umfang möglicher Übereinstimmungen abhängt.“ (Hansen, K.P. 2000: 340) In diesem Sinne ist jeder interkollektive Kontakt ein interkultureller und per se nicht weniger störungsanfällig als ein interkultureller Kontakt über Super­kollektive hinaus. Paradoxerweise lassen sich sogar Erklärungen finden, warum Kontakte über Superkollektive hinaus weniger problematisch sein könnten: „Gerade weil interkulturelles [also über Superkollektive hinausreichendes, D.F.] Handeln bis zu einem bestimmten Intensitätsgrad eher durch Andersartigkeit- als durch Norma­litätserwartungen geprägt ist, zeichnet es sich durch eine größere Interaktions­bewusstheit aus“ (Bolten 1995: 35).

Meiner Arbeit lege ich einen erweiterten Kulturbegriff zugrunde, welcher Kulturen als dynamische Systeme, als Netzwerke vieler Kollektiven, die sich durch Diversität und Divergenzen auszeichnen, fasst. Kultur wird dabei definiert als die Standardi­sierungen, die in einem Kollektiv gelten. Diese betreffen Standardi­sierungen des Kommunizierens, Denkens, Wahrnehmens, Verhaltens und Handelns. Weiterge­geben werden diese durch Kommunikation und das kulturelle Gedächtnis, müssen aber nicht zwingend von den Individuen internalisiert werden, da ihre Verbindlichkeit innerhalb eines vorgegebenen Sanktionsrahmens eingeschränkt ist. Jedes Indi­viduum ist in eine Vielzahl von Kollektiven eingebunden, welche sich überlappen, aber auch im Widerspruch zueinander stehen können. Durch individuenspezifische Mischungen, gegenseitige Beeinflussung und Neu­bildungen von kulturellen Standar­disierungen ist eine Nationalkultur, definitorisch ein Superkollektiv politischer und juristischer Einheit, nicht nur durch Multikollektivität ihrer Individuen, sondern auch durch Diversität charakterisiert. Interkulturalität, bisher definiert als das Handeln und geistige Miteinander-Umgehen zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Kollektive, existiert somit schon innerhalb von National­kulturen. Diese werden allerdings mit Einschränkung durch die Kohäsionskräfte der gemeinsamen Sprache, der gemein­samen Geschichte und üblicher St­andardi­sierunge­n und einen sich daraus ergebenden Rahmen eines Normalitäts­­gefühles zusammengehalten.

2.2 Globalisierung

Die Globalisierungsdebatte wirft nun die Frage auf, ob die nach den bisherigen Ausführungen verbliebenen Kohäsionsfaktoren innerhalb einer Nationalkultur durch die exponentiell steigende Vernetzung von Individuen und Kollektiven weltweit außer Kraft gesetzt werden oder wenigstens stark an Bedeutung verlieren. Stellt die Globalisierung die Relevanz des hier vorgestellten Kulturbegriffes in Frage?

Becks Analysen zur kulturellen Globalisierung basiert auf der Unterscheidung zwischen einer ersten und zweiten Moderne. Die erste Moderne sei dabei durch die so genannte ‚Container’-Theorie charakterisiert, welche besagt, dass Gesellschaften definitorisch Staaten untergeordnet werden. „Gesellschaften sind Staats­gesell­schaften, Gesellschaftsordnung meint Staatsordnung. So spricht man in Alltag und Wissenschaft von der ‚französischen’, ‚amerika­nischen’ und ‚deutschen’ Gesell­schaft.“ (Beck 1997: 49) Die Gesellschaften sind somit im Machtraum der Nationalstaaten wie in einem Container aufgehoben, welcher sich von anderen Containern abgrenzt. Darüber hinaus gilt dieses Ordnungsschema nicht nur nach außen, sondern auch nach innen: So wird eine innere Homogenität von kollektiven Identitäten und sozialen Systemen genauso angenommen wie ein einheitliches Selbstbild und Selbstbewusstsein. (Vgl. Beck 1997: 50f.) Drechsel et al. sprechen in diesem Zusammenhang von Gesellschafts-Containern, die wie „radikal nur auf sich selbst bezogene fensterlose autopoietische Monaden“ (Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 12) nebeneinander existieren. „Heute, im Zeitalter der Globalisierung, bildet sich gegenüber dieser Phase der monadischen Modernisierung etwas Neues heraus. Die systemidentisch ihre Differenzen organisierenden Nationalgebilde lösen sich auf, d.h. die ehemals nur internen Differenzen der ‚Ausdifferenzierungen’ beginnen frei zu ‚floaten’. Die Differenzen zwischen den Nationalgebilden [...] beginnen nun die systematischen Gesellschafts­formationen zu durchdringen, ohne deren Trennungen oder Differenzen völlig aufzulösen.“ (Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 12) Beck bezeich­net diese Phase als zweite Moderne, in welcher durch die Globalisierung die Einheit von Nationalstaaten- und Gesellschaften zerbricht. Sie unterscheidet sich somit im Wesentlichen durch die grundlegende Tendenz zur Öffnung des allgemeinen Handlungsfeldes von der ersten Moderne.

Doch was genau ist unter dem Begriff Globalisierung zu verstehen? Eine umgangssprachliche Sichtweise von Globalisierung bezieht sich auf die zu­nehmende Verflechtung von Nationen und Menschen auf der ganzen Welt, die aus Handel, Investitionen, Reisen, kulturellen Kontakten und anderen Formen der Interaktion resultiert. Aber wie der Begriff Kultur wird der Begriff der Globalisierung im wissenschaftlichen Diskurs sehr variabel definiert. Je nach Forschungsrichtung und Forschungsgegenstand werden verschiedene Bezugs­punkte gewählt. Einstimmigkeit besteht in der hochgradigen Komplexität dieses Prozesses. Ackermann (2004: 139) spricht daher von Globalisierung en, da es sich nicht um einen einzigen, genau zu umreißenden Vorgang handelt. Er beschreibt Globalisierungen als mehrdimensionale Prozesse, die sich in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig entfalten. Zu diesen Lebensbereichen gehören vor allem weltwirtschaftliche Verflechtungen, Formen internationaler Migration, die Herausbildung von so genannten ‚Global Cities’, die Schöpfung kosmopolitischer und lokaler Kulturen, und die Enträumlichung sozialer Identität, die nationalstaatliche Ansprüche in Frage stellt, zugunsten über­lappender, durchdringender und multipler Formen der Identifizierung. Die verschiedenen Bereiche sind sicherlich nicht scharf voneinander trennbar, dennoch soll sich des Weiteren hauptsächlich auf die kulturelle Globalisierung konzentriert werden.

Eine offenere Definition als die von Ackermann bietet Giddens, der in der Globali­sierung nicht weniger als „die Verwandlung von Raum und Zeit“ (Giddens 1997: 23. Zitiert in: Nassehi 1998: 191) sieht. In seinem Buch ‚Konsequenzen der Moderne’ heißt es: „Definieren lässt sich der Begriff der Globalisierung im Sinne einer Intensivierung weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander verbunden werden, dass Ereignisse an einem Ort durch Vor­gänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, und umgekehrt“ (Giddens 1997: 23. Zitiert in: Nassehi 1998: 191). Globalisierung betrifft demnach die Über­schneidung von Anwesenheit und Abwesenheit, die Verflechtung von sozialen Ereignissen und Beziehungen ‚in der Ferne’ mit lokalen Zusammenhängen. (Giddens 1991: 21 Zitiert in: Robertson 1998: 194) Auch Beck be­schreibt Globalisierung als das erfahrbare Grenzenloswerden alltäglichen Han­delns in verschiedenen Dimensionen. Durch die Globalisierung wird die Entfernung aufgehoben, so dass die Raummatrix der Welt keinen weißen Fleck mehr enthält und somit für jeden, gleichgültig von seiner Lokalisation, Orientierungs­möglichkeiten bereitstellt (vgl. Beck 1997: 44f.).[16] Nassehi formuliert dies in vereinfachter Weise: „In der globalisierten Moderne hängt alles irgendwie mit allem zusammen“ (Nassehi 1998: 191).

Es muss sehr wohl darauf hingewiesen werden, dass es heute wie auch schon vor der neueren Diskussion um Globalisierung kaum völlig isolierte Gruppen gegeben hat. Kulturelle Kontakte mit Nachbargruppen waren immer vorhanden, genauso wie räumliche Veränderungen durch Migration, Völkerwanderungen oder Eroberungs­feldzüge (vgl. dazu Breidenbach/Zukrigl 2000: 30ff.). Ackermann fasst dies folgender­maßen zusammen: „Die so entstandene Koexistenz von Angehörigen ethnisch, kulturell oder religiös unterschiedlicher Gruppen stellt sowohl historische als auch kultur­vergleichend eher die Regel als die Ausnahme dar.“ (Ackermann 2004: 142) Wenn man also davon ausgeht, dass Kultur von der globalen Zirkulation von Menschen, Dingen, Zeichen und Informationen berührt wird, ist Kultur generell hybrid (gemischt) „und wird zum Ort des Widerstreits zwischen Repräsentationen von Identität und Differenz“ (Ackermann 2004: 147). Ackermann beschreibt ein ganz grundlegendes Konzept von Kultur: Kultur ist seit jeher ein Produkt von interkulturellen Interaktionen. Im selben Maße, wie Individuen schon immer mehrere kollektive Identitäten hatten/haben, versperrt die Annahme kultureller Homogenität und Kontinuität den Blick auf Variationen und Transformationen innerhalb einer Kultur und ignoriert darüber hinaus die Rolle menschlicher Kreativität im kulturellen Prozess (vgl. Ackermann 2004: 144). Dennoch lassen sich Besonderheiten ausmachen, welche die Globalisierungen des 20. Jahrhunderts von den vorherigen unterscheiden. „Heute, am Ende des 20. Jahrhunderts, befinden wir uns in einer neuen Phase, die durch die exponentielle Zunahme der systematischen Kontakte, Vermischungen vieler Kulturen und weltweite Abhängigkeitsverhältnisse charakte­risiert ist. Durch neue Transport- und Kommunikationstechnologien scheint die Welt zu schrumpfen.“ (Breidenbach/ Zukrigl 2000: 33) Neu ist dabei nach Beck ebenfalls die Alltäglichkeit eines Lebens und Handelns in dichten Netzwerken über national­staatliche Grenzen hinweg, die Selbst­wahrnehmung der dadurch entstanden Trans­nationalität, die Ortslosigkeit von Individuen und Gemeinschaft, die unaus­grenzbare Wahr­nehmung transkultureller Anderer im eigenen Leben mit all den sich wider­sprechenden Gewissheiten und die Zirkulationsebene globaler Kultur­indus­trien (vgl. Beck 1997: 31).

Globalisierung schafft aber nicht nur transnationale soziale Bindungen und Räume, sie wertet auch lokale Kulturen auf. Robertson stellt fest, dass der anwachsende Diskurs des Lokalen, der Gemeinschaft, der Heimat usw. und der damit verbundene kommunikative und interaktive Zusammenschluss der Kulturen nicht mit der Vor­stellung einer Homogenisierung aller Kulturen gleichzusetzen ist. (Robertson 1998: 202) Das Homogenisierungsszenarium geht davon aus, dass die weltweite Verbreitung von Strukturen, Gütern und Ideen vereinheitlichend wirkt, so dass sich Menschen weltweit von Fremdeinflüssen überrollen lassen und unreflektiert fremde Lebensweisen übernehmen. Es lassen sich aber viele Anzeichen dafür finden, die nicht für eine Homogenisierung der Kultur, sondern im Gegenteil für eine Globalisierung von Differenzen sprechen.

Robertson führt in diesem Zusammenhang den Begriff der Glokalisierung ein. Er postuliert, dass die Globalisierung die Wiederherstellung, in bestimmter Hinsicht sogar die Produktion von Heimat, Gemeinschaft und Lokalität mit sich gebracht habe und dass aus diesem Grund das Lokale (als Behauptung von Identität, Kollektiven und Kultur) nicht als Gegenspieler des Globalen, sondern vielmehr als ein Aspekt, als konstitutiver Bestandteil von Globalisierung angesehen werden sollte. (Vgl. Robertson 1998: 200) Lokalisierung als Bedeu­tungs­zuwachs der regionalen und lokalen Kultur im quantitativen Sinne kann aber mit einem qualitativen Bedeutungs­verlust einher­gehen, wenn die Bedeutungen aus ihren angestammten Traditionen gerissen werden (vgl. Hansen, K.P. 2000: 355). Lokalisierung ist demzufolge nicht automatisch mit der Renaissance von Lokalem gleichzusetzen. Es ist vielmehr eine De-Lokalisierung und Re-Lokalisierung, eben nicht im Sinne eines linearen ‚weiter-so’-Traditionalismus, da sich der Bezugsrahmen, in dem sich die Bedeutung des Lokalen erweisen muss, ändert. Es besteht somit der Zwang, de-lokalisierte Traditionen im globalen Kontext, im translokalen Austausch, Dialog und Konflikt zu re-lokalisieren (vgl. Beck 1997: 87f.). Globalisierung ist somit laut Robertson die Verknüpfung von Lokalitäten, was auch die Erfindung von Lokalität, und, in einem vergleichbaren allgemeinen Sinn, die Idee einer Erfindung von Tradition und ihrer ‚Imagination’ beinhaltet.[17] (vgl. Robertson 1998: 208)

Obwohl die Globalisierung in diesem Sinn Unterschiedlichkeiten fördert, behaupten Breidenbach/Zukrigl, dass einzelne Gruppen auf eine ähnliche Weise unterschiedlich werden, da die Dimensionen, entlang welcher sie variieren, begrenzter und dadurch gegenseitig verständlicher sind: „Wir werden nicht alle gleich, aber wir präsentieren und kommunizieren unsere Unterschiede zunehmend auf eine Art und Weise, die einander ähnelt und daher allgemein verständlich ist.“ (Breidenbach/Zukrigl 2000: 93f.) Es existiert also ein weltweit übergeordnetes Referenzsystem an universellen Kategorien, Konzepten und Standards, welches als imaginäre Bühne verstanden werden kann, „indem Unterschiede zur Sprache gebracht, Gemeinsamkeiten gefunden werden und die Vielfalt der Welt zueinander in Bezug gesetzt wird. Widerstand, Aneignung, unterschiedliche Interpretationen und miteinander konkur­rierende Modelle verhindern, dass der wachsende Fundus an Universalien in einer Kulturschmelze mündet.“ (Breidenbach/Zukrigl 2000: 206f.) Dennoch ist eine in diesem Sinne bestehende Globalkultur nicht allumfassend. Auf der einen Seite existieren weltweit viele Phänomene bezugslos neben ihr, auf der anderen Seite sind nicht alle Differenzen überbrückbar. So gibt es weiterhin Nicht-Nachvollziehbares und Nicht-Integrierbares innerhalb der Globalkultur. (Vgl. Breidenbach/Zukrigl 2000: 213)

Inwiefern haben nun die Besonderheiten der Globalisierungen des 20. Jahrhunderts Auswirkungen auf die scheinbar immer noch existente Stabilität von National­kulturen? Werden die, die Nationalkultur bindenden Kohäsionskräfte durch die bisher erläuterten Charakteristika der Globa­lisie­rungsprozesse außer Kraft gesetzt? Beck wie auch Drechsel et al. vertreten die Ansicht, dass Nationalkulturen durch die Globali­sierung einem ständigen Einwirken durch andere Kulturen ausgesetzt sind. Dieser stößt einen permanenten Wandel von innen wie von außen an, der dadurch gekennzeichnet ist, dass Individuen und Kollektive in einem verstärkten Maße nicht mehr nur innerhalb nationalstaatlicher Grenzen Dynamiken des Wandels unterliegen, sondern auch vermehrt durch globale Einflüsse verändert werden. Im Vergleich zur ersten Moderne verlieren die Nationalstaaten in der Konsequenz ihre Kulturhoheit.[18] Durch die kulturelle Vermischung wird der Sozialkitt innerhalb einer Nationalkultur porös, was sich darin zeigt, dass die Gesellschaft ihr kollektives Selbstbewusstsein verliert. (Vgl. Beck 1997: 24) Wie aber in den Ausführungen zum Kulturbegriff dargestellt wurde, existiert kein kohärentes Selbstbewusstsein auf der Ebene der Nationalkultur, welches durch eine Kulturschmelze an Bedeutung verlieren könnte. Genauso wenig aber kann man von einer Kulturschmelze reden, da sowohl Ideen und Produkte, als auch deren Imaginationen nicht gänzlich übernommen werden, sondern als ein fremder Einfluss kulturspezifisch aufgenommen und verwandelt werden können. In diesem Sinne kann man von einer kultur- oder kollektivspezifischen Interpretation und Adaption fremdkultureller Einflüsse sprechen. Dabei verschwinden alte Formen von Diversität, und mit zunehmender Vernetzung entstehen neue Formen, welche laut Breidenbach/Zukrigl auf globaler Ebene nicht ohne ein übergeordnetes Referenzsystem existieren können. (Vgl. Breidenbach/Zukrigl 2000: 89) Dieses Referenzsystem dient als eine Art Diskussionsforum, in dem Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug gesetzt werden. Das Wissen von der Andersartigkeit eines Anderen kann innerhalb interkultureller Situationen genutzt werden: Das Wissen über fremde, nationalspezifische Standardisierungen des Kommunizierens, Wahrnehmens, Denkens und Handelns ermöglicht es dem Individuum einer bestimmten Nationalkultur, in der Interaktion mit Anderen kulturell zu ‚switchen’, den Anderen real zu simulieren. (Vgl. Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 22) Dieses Phänomen wird als Cross-Cutting Identities oder Cross-Cutting-Cleavages be­zeichnet und beschreibt den permanenten Wechsel von multiplen Identitäten in bekannten Kontexten, „[to] have multiple identities in common contextes, and common identities in multiple contextes“ (Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 22). In diesem Phänomen wird der interkulturelle Akteur ein Mischling, welcher fortwährend vielfältige Identitäten kreiert und stabilisiert. Der Unterschied zu der Kommunikation innerhalb einer Nationalkultur besteht jedoch darin, dass die Virulenzkontrolle der Gewohnheiten und Identitäts­differenzen von Kollektiven zwischen Nationalkulturen versagt (vgl. Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 37). Zu erklären ist dieses Versagen damit, dass die Ketten der Differenzen und Identitäten zwischen den Kulturen als interkulturelle Verflechtungen kein kohärentes Netz bilden, sondern als unter­schiedliche Gespinste erscheinen, die schon nach wenigen Schritten eine andere Bedeutung annehmen und somit nicht mehr auf einen Nenner zu bringen sind (vgl. Drechsel/Schmidt/Gölz 2000: 110f.). Denn das, was einer Interaktion zwischen Individuen unter­schiedlicher Nationalkulturen fehlt, ist die trotz der Globalisierung „nicht zu unterschätzende kollektive Geistlichkeit, [...] die als Stifterin von Normalität unsere Lebenswirklichkeit kanalisiert“ (Hansen, K.P. 2000: 359).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Kulturen seit jeher von der globalen Zirkulation von Menschen, Dingen, Zeichen und Informationen berührt sind und somit schon immer als Produkte interkultureller Interaktion angesehen werden müssen. Die Besonderheiten der Globalisierungen des 20. Jahr­hun­derts liegen in der exponen­tiellen Zunahme der systematischen Kontakte und deren Auswirkungen auf das alltägliche Leben und Handeln in dichten transnationalen Netzwerken durch neue Transport- und Kommunikations­technologien. Die Globalisierungsprozesse stoßen einen permanenten Wandel von innen und außen an, so dass Individuen und Kollektive auch Verän­derungsdynamiken unterliegen, die durch globale Einflüsse initiiert werden. Globalisierung schafft transnationale soziale Bindungen und Räume, wertet aber auch das Lokale auf. Da das Lokale als konstitutiver Bestandteil der Globalisierung angesehen werden muss, ist es sinnvoll, im Sinne von Robertson, von Glokalisierungen zu sprechen, also der Verbindung von Globalisierung und Lokalisierung. Letztere zeichnet sich durch De- und Re-Lokalisierung von Bedeu­tungen in neuen Bezugsrahmen aus. Globalisierung ist somit nicht mit einer Homogenisierung aller Kulturen gleichzusetzen. Es etabliert sich aber ein über­geordnetes Referenzsystem an universellen Kategorien, Konzepten und Standards, durch welches Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Beziehung zueinander gesetzt werden können. Das daraus erzeugte Wissen dient u.a. auch zur realen Simulation Anderer und bietet somit die Möglichkeit des permanenten Wechsels multipler Identitäten in bekannten Kontexten. Das Problem des kulturellen ‚switchen’ innerhalb einer Interaktion mit einem Anderen, liegt aber darin, dass die Virulenzkontrolle der Gewohnheiten und Identitätsdifferenzen von Individuen zwischen National­kulturen scheitert.

2.3 Interkulturalität

Wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, existiert Interkulturalität nicht nur zwischen Individuen unterschiedlicher Nationalkulturen, sondern auch innerhalb einer Nationalkultur aufgrund der Mehrfachzugehörigkeit der Individuen zu verschie­denen Kollektiven. Dennoch weichen interkulturelle Kontakte innerhalb eines Superkollektivs qualitativ von denen über national­staatliche Grenzen hinaus gehen­den ab. Begründet werden kann dies durch die innerhalb einer Nationalkultur existenten Kohäsionskräfte und deren spezifische Wirkungsweise, die dazu führen, dass ein gewisses Normalitäts­gefühl aufrechterhalten wird, welches durch das Wissen der Unterschiedlichkeit der verschiedenen kulturellen Prägungen der Indi­viduen charakterisiert ist. In diesem Kapitel wird der Prozess der interkulturellen Kommunikation in seiner Problematik wie auch in seinen Chancen dargestellt. Es wird sich zeigen, dass mittels eines interaktionstheoretischen Kommunikations­begriffes Interkulturalität als ein Prozess des permanenten Aushandelns und der situativen Neu­bestimmung von Interaktionsgrenzen charakterisiert werden kann.

Wenn man den Kommunikationsbegriff interaktionstheoretisch definiert, wird Kommunikation nicht lediglich über ein einfaches Reiz-Reaktions-Schema, sondern über eine Doppelstruktur im Sinne von Inhalts- und Beziehungs­aspekten charakte­risiert: „Der Inhaltsaspekt vermittelt die ‚Daten’, der Beziehungsaspekt weist an, wie die Daten aufzufassen sind.“ (Watzlawick 1950: 55. Zitiert in: Bolten 1995: 26) Kommunikation, die verbale, paraverbale, non-verbale und extraverbale Beziehungs­aspekte einschließt, beinhaltet somit nicht nur wahrnehmbare Reaktio­nen, sondern auch Selbstwertkonzepte, Erwartungen und Erwartungs-Erwartungen der Beteiligten, also Selbst-, Fremd- und Metabilder (vgl. Bolten 1995: 27). In diesem Sinne können Handlungen des Subjekts nicht von denen des Anderen geschieden werden, sie beeinflussen sich gegenseitig. „Bezogen auf die Selbstwertkonzepte, Erwartungen und Erwartungs-Erwartungen der Kommuni­kations­­partner bedeutet dies, dass sie den Kommunikationsprozess nicht nur konstituieren, sondern ihn auch permanent und in jeweils veränderter Qualität generieren werden.“ (Bolten 1995: 27)

Was kennzeichnet nun interkulturelle Kommunikation? Wie bereits angesprochen, bezeichnet Interkulturalität das handelnde und geistige Miteinander-Umgehen von Mitgliedern verschiedener Lebenswelten. Sie findet somit nicht zwischen Kulturen, sondern zwischen Individuen statt, die mehr oder weniger an verschiedenen kulturellen Bedeutungssystemen teilhaben (vgl. Grosch/Leenen 1998: 33). Per definitionem ist es das Dazwischen, welches sich mittels direkter oder indirekter Kommunikation zwischen Individuen abspielt. Vor dem Hintergrund eines inter­aktions­theoretischen Kommu­nikations­begriffes ist es ein permanenter Aushandlungs­prozess zwischen mehrfach-kulturgebundenen, vielfältig-gesellschaftlich soziali­sierten und individuell handelnden Individuen, der per se nicht vorhersehbar ist, da Interkulturen permanent neu erzeugt werden „und zwar im Sinne eines ‚Dritten’, einer Zwischen-Welt C, die weder der Lebenswelt A noch der Lebenswelt B vollkommen entspricht.“ (Bolten 2001a: 18) Dieses permanente Neuerzeugen begründet sich u.a. darauf, dass die interkulturelle Kommunikationssituation durch oben beschriebene Reziprozität gekennzeichnet ist und dadurch, dass die Kommunikationspartner signifikant anders reagieren als in Kommunikations­situationen mit Vertretern aus der eigenen Kultur (vgl. Müller-Jaquier 1999: 37. Zitiert in: Nünning/Nünning 2003: 314). Ergebnis dieses Prozesses ist dann eben nicht ein Kultur-Mix im Verhältnis 50:50, sondern eine Kultur neuer Qualität, die weder A noch B für sich allein erzielt haben könnten (vgl. Bolten 2001a: 18).

Laut Knapp-Potthoff (1997: 195) kann die Kommunikation zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Kulturen zu unterschiedlichem Grade interkulturell sein. Der Grad der Interkulturalität ist dabei vor allen Dingen von folgenden Faktoren abhängig:

- von der Menge gleicher und der Menge verschiedener Kulturen/Kollektive, die die jeweiligen Kommunikationspartner als ihre in einer gegebenen Interaktion aktivieren;
- vom Grad der Unterschiedlichkeit zwischen diesen Kulturen/Kollektiven, obwohl diese nicht exakt quantifiziert werden können;
- von der internen Stabilität der jeweiligen Kultur/Kollektive;
- vom Grad der Zugehörigkeit der Kommunikationspartner zu den jeweiligen Kulturen/Kollektiven.

Diese Faktoren definieren u.a. den Handlungsspielraum, der bis an die Grenzen der Normalitätserwartungen der Kommunikationspartner reicht. Diese Grenzen sind abhängig von der jeweiligen Interaktionssituation und werden auch während dieser permanent korrigiert: „Korrekturen erfolgen hierbei interpretativ unter Maßgabe der individuellen Einschätzung dessen, was den Normalitäts­erwartungen des Inter­aktions­­partners noch entspricht und was nicht. Sie bestimmen gleichzeitig die Inter­aktionsdistanz und erweisen sich damit als handlungsleitend.“ (Bolten 1995: 33)

Generell unterliegt die Wahrnehmung interkulturellen Handelns situations­bedingten De- und Encodierungsprozessen, welche Reziprozität sichern und Plausibilität her­stellen sollen. Diese En- und Decodierungsschemata der Interaktionspartner können

a) weitgehend kompatibel sein, so dass Missverständnisse durch Selbstregu­lierungs­mechanismen harmonisiert, nivelliert oder exterritorialisiert werden können;
b) vollständig inkompatibel sein, so dass die Kommunikation in Nicht­verständnis mündet oder
c) teilweise inkompatibel sein: „Codes werden auf Wissensschemata reduziert, die bei dem Interaktionspartner nicht oder in anderer Weise existieren. Sofern dies nicht erkannt bzw. thematisiert wird, verläuft die Interaktion unter ungleichen Prämissen und erzeugt latente Miss­verständnis­situationen [...].“ (Bolten 1995: 35) Im intrakulturellen Kontext könnten diese noch tiefen­strukturell auf der Ebene eines gemeinsamen kulturellen Wissensvorrates abgefangen werden. Wenn aber in interkulturellen Interaktionen unter­­schiedliche Wissensvorräte nicht kompa­tibel und somit auch nicht handlungskonstitutiv sind, liegt tiefenstrukturell nur partiell ein gemeinsamer Code vor, auf Grundlage dessen kaum konfliktfrei gehandelt werden kann. (Vgl. Bolten 1995: 35)

Um diese Missverständnisse und deren Intensivierung und Vernetzung[19] innerhalb einer interkulturellen Interaktion zu vermeiden, ist es nötig, dass die Interaktions­partner „bereit sind, bestimmte Regelverletzungen zu akzeptieren und gleichzeitig [...] versuchen, ein gemeinsames, der Situation angemessenes Netz von Regeln zu schaffen“ (Müller-Jaquier 1999: 33. Zitiert in: Nünning/Nünning 2003: 315). Dieses sukzessiv generierte konsensfähige Netz von Verhaltensnormen funktioniert auf der Basis von Selbstregulierungs­mechanismen, die u.a. permanent Interaktionsgrenzen neu bestimmen und dabei Routinehandeln ermöglichen (vgl. Bolten 1995: 34). Unter dieser Prämisse stellen Interkulturen Synergiepotentiale[20] dar, die weitgehend situationsabhängig und somit nicht vorhersehbar sind. Zusammenfassend lässt sich mit Schenk feststellen, dass somit interkulturelle Interaktion das Eröffnen eines Handlungsraumes durch beide Interaktionspartner ist, „um gemeinsam neue Praktiken, Symbole und schließlich neue Identitäten auszuhandeln, die bezüglich Situation, Kontext und Person je spezifisch und neu sind“ (Schenk 2001: 58).

[...]


[1] Z.B. Familie, Nachbarschaft, Berufsgruppen, Parteien, Verbände usw. bis zu Nationen.

[2] In einem anderen Aufsatz erklärt Assmann Maurice Halbwachs’ Theorie vom sozialen Gedächtnis, wobei aber gerade postuliert wird, dass mithin keine scharfen Grenzen zwischen eigenen und fremden Erinnerungen existieren. Dies wird dadurch begründet, dass auf der einen Seite Erinnerungen im Prozess alltäglicher Gegenseitigkeit und unter Verwendung gemeinsamer Bezugsrahmen entstehen und auf der anderen Seite jeder Mensch auch Erinnerungen anderer mit sich trägt. (Vgl. Assmann/Assmann 1994)

[3] Neben den hier beschriebenen Charakteristika nennt Assmann noch die Geformtheit, die Organisiertheit und die Reflexivität als Merkmal des kulturellen Gedächtnisses.

[4] Im Folgenden werden die Begriffe Nationalkultur und Landeskultur synonym verwendet.

[5] Intrakulturelle Kommunikation sei als Kommunikation innerhalb einer Landeskultur und inter­kulturelle Kommunikation als Kommunikation zwischen Mitgliedern verschiedener Landeskulturen definiert.

[6] Eine besondere Form der Soziolekte ist das Gemischt sprechen von Migrantenjugendlichen. Hinnekamp grenzt Sprachmischung und Hybridität von in der Regel vorübergehenden lerner­sprach­lichen Varietäten, so genannten Interlanguages, beim Erlernen von Fremd- und Zweit­sprachen ab. Aufbauend auf einem Forschungsprojekt zu Zweisprachigkeitsmustern von Migrantenjugendlichen postuliert Hinnekamp, dass Gemischt sprechen nicht einfach nur eine Option zur Sprachverwendung, sondern Ausdruck einer ganz spezifischen Identität der Jugend­lichen ist. Es ist die Ausdrucksweise einer transitionalen sozialen Identität, die nicht sprachliche Elemente nebeneinander stellt, sondern sie aufmischt, sie neu komponiert, hybride Formen entwickelt und damit einen bislang semantisch unbestimmten Raum füllt. (Vgl. Hinnekamp 2000: 96-107)

[7] In Habermas’ strukturelle Komponenten der Lebenswelt, welche aus der Kultur, der Gesellschaft und der Persönlichkeit bestehen, schaltet Hansen als Zwischenglied zwischen Kultur und Persön­lichkeit das Kollektiv bzw. die Kollektive, wobei er betont, dass die Kollektive sowie die Kultur vom Individuum auch unabhängig existieren, da sie eine spezifische Eigendynamik besitzen, die sich nicht aus dem Rekurs auf das Einzelindividuum ableiten lässt. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 157)

[8] Die Frage nach der Möglichkeit eigener Entscheidungen pointiert Hansen aber folgendermaßen: „Zu einer eigenen Entscheidung ist der Mensch erst fähig, wenn sie schon gefallen ist“ (Hansen, K.P. 2000: 176). Durch das kulturelle Schicksal der Geburt kann dies exemplifiziert werden: Der Zufall der Geburt wirkt nicht nur im biologischen, sondern auch im sozialen und kulturellem Sinne als äußere Bedingung des Lebens weitaus nachhaltiger als die weiteren im Verlauf des Lebens sozial und kulturell auferlegten, im Willen der Gesellschaft begründeten Normen und Werte. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 172f.) Das kulturelle Schicksal der Geburt und dessen stark determinierender Charakter sind somit ein Paradebeispiel für die Unfähigkeit zur offenen und absolut freien Entscheidung eines Individuums.

[9] Unterhalb streng sanktionierter Normen.

[10] Kohäsionskräfte entstehen einerseits durch ein Mehr an der lediglichen Summe der Merkmale der Mitglieder eines Kollektives, aus dem sich ein Gemeinschafts- bzw. ein Kollektivgefühl entwickelt und andererseits durch Solidarität untereinander. (Vgl. Hansen, K.P. 2000: 194)

[11] In Kapitel 2.2 wird gezeigt werden, dass Individuen durch Globalisierung auch oberhalb der Nationalebene Kollektive bilden können.

[12] Es sei darauf hinzuweisen, dass nicht jede Nationalkultur in allen lebensweltlichen Bereichen eine gemeinsame Sprache besitzt. Als Beispiel dient die Situation von Immigranten der zweiten Generation in Deutschland, die hybride kulturelle Muster, u.a. in Form einer Trennung zwischen der Kultur und Sprache aufweisen. So ist bekannt, dass sie im privaten Bereich die Sprache benutzen, die der Herkunftskultur und in der Öffentlichkeit die Sprache, die der Kultur des Wohnortes entspricht. (Vgl. Pieterse 1998: 106)

[13] Dennoch lässt sich kritisch anmerken, dass Handlungskonzepte, die auf nationalkulturellen Standardisierungen aufbauen, die Wirklichkeit nicht völlig beschreiben können. Die Begrifflichkeiten haben ihre Grenzen, wo sie nur noch zum Teil Gesellschaften erklären können. Es ist z.B. anhand von Migrationskontexten ersichtlich, dass differenziertere Handlungskonzepte, die ebenfalls die Realitäten von Migranten einbeziehen, sinnvoller wären.

[14] Das Bild der konzentrischen Kreise ist aber so nicht einwandfrei haltbar, da sich die ver­schiedenen Kollektive nicht wie Schalen um das Individuum legen, sondern sich überschneiden und auch im Widerspruch zueinander liegen können. Auch wird in Kapitel 2.2 noch gezeigt werden, dass das Nationalkollektiv nicht den größten dieser Kreise bildet.

[15] Diese nationalspezifischen Formen sind auch für den Migrantenkontext zutreffend. In diesem Zusammenhang spricht man von hybriden Kulturen, als Kulturen, deren Bestandteile aus einer Mischung verschiedener kultureller Kontexte stammen. Das Maß der jeweiligen Zugehörigkeit zu einem Nationalkollektiv kann ganz unterschiedlich in den verschiedenen Kollektiven, denen ein Migrant zugehörig ist, von einer assimilatorischen Hybridbildung, die sich am Zentrum ausrichtet, den Wertekanon übernimmt und das Herrschende nachahmt, bis zu einer destabilisierenden Hybridbildung, die den Kanon verwischt, das Gewohnte umpolt und das Zentrum untergräbt, reichen. Mit unterschiedlicher Intensität werden somit soziale Räume umgestaltet und es entstehen neue, translokale Ausdrucksformen. Pieterse beschreibt sehr eindrücklich den generellen, allmählichen Übergang von bisher ortsgebunden Kulturen zu translokalen Kulturen und postuliert, dass ehemals Beständiges, wie die Grenzen der Nation, der Gemeinschaft, der Ethnizität und der Klassen, zerbricht, weil durch den allmählichen Übergang von ortsgebundenen zu translokalen Kulturen das Kaleidoskop der kollektiven Praktiken in Bewegung gerät. Hybridbildungen sind somit Zeichen eines Zeitalters der Grenzüberschreitungen, nicht jedoch eines Zeitalters, in dem die Grenzen verschwinden. Der Staat bleibt daher weiterhin von immanenter Bedeutung, aber er ist nicht mehr der einzige Akteur auf diesem Feld. (Vgl. Pieterse 1998). Vergleiche ebenfalls zur Theorie transnationaler sozialer Räume: Pries (1998).

[16] Es bleibt aber festzuhalten, dass genauso wenig wie die gesamte Welt als globalisiert bezeichnet werden darf, davon ausgegangen werden kann, dass alle Gesellschaften nun ihre National­staatlichkeit überwunden haben, da dies voraussetzt, dass der Nationalstaat die bis dato einzige Gesellschaftsform auf politischer Ebene darstellt (siehe Gesellschaften in Süd- und Mittelafrika).

[17] Appadurai erweitert die Rolle der Imagination auf das gesamte soziale Leben. Er argumentiert, dass sich durch die Massenmedien transportierten Vorstellungen und Bilderströme mehr Men­schen in mehr Teilen der Welt eine größere Spannbreite möglichen Lebens erträumen können. In diesem Sinne spricht er von imaginären Lebenswelten. Diese Imagination ist soziale Praxis und in unzähligen Varianten Motor für die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens vieler Menschen in vielerlei Gesellschaften. Die Problematik liegt darin, dass diese Bilderströme eine soziale und räumlich andere Herkunft besitzen, als ihre Empfänger und damit das eigene und das mögliche Leben in Widerspruch geraten kann. Appadurai geht sogar soweit, von vorgestellten Gemein­schaften, also imaginisierten Kollektiven zu sprechen. (Vgl. Appadurai 1998)

[18] Diese Aussage unterliegt immer noch dem Denkmodell der ersten Moderne. Gezeigt wurde aber, dass auch zu Zeiten der ersten Moderne kein Nationalstaat die Kulturhoheit besitzen konnte. Um aber anhand von Beck die Entwicklung und Konsequenzen der Globalisierung darstellen zu können, ist es schwer möglich, nicht mit den bereits widerlegten Denkmustern zu argumentieren.

[19] Exemplarisch soll an dieser Stelle ein Beispiel von Missverständnissen dienen, welches zu einer Verstärkung von vorhandenen Stereotypen führen kann. In Erstkontaktsituationen interkultureller Verhandlungen mit Deutschen wird Seitens der nicht-deutschen Interaktionspartner möglicher­weise der relativ zügige Eintritt in die sachorientierte Phase des Verhandlungsgespräches als eine, den Beziehungsaufbau behindernde Störung empfunden. Das vorschnelle Beurteilen und Werten dieses Verhaltens von Seiten der Nicht-Deutschen, z.B. in Bezug auf Unhöflichkeit, kann den weiteren Verlauf der Verhandlung maßgeblich negativ beeinflussen. Darüber hinaus können sich unter Umständen stereotype Vorstellungen über die Deutschen im Allgemeinen selbst bestätigen und verstärken.

[20] Positive Synergieeffekte auf Gruppenebene (im Vergleich zur individuellen und Organisationsebene) in multikulturellen Gruppen können durch Verbesserung der Prozesse und Arbeitsergebnisse Effizienzsteigerungen hervortreten. Synergievorteile ergeben sich u.a. durch Arbeits­teilung in der Gruppe zur gezielten Nutzung unterschiedlicher Voraussetzungen; sach­bezogene Konflikte, die die Generierung von Ideen und die Aufdeckung verschiedener Alter­nativen ermöglicht; das Vorhandensein eines erweiterten Ressourcenpools und die daraus resul­tierende Vielfalt und Mehrzahl an Netzwerken, Perspektiven, Stilen, Wissensvorräten, Ein­blicken, Ideen, Problemsichten und Lösungsalternativen, welche für das Lösen komplexer Probleme eingesetzt werden können und so zu gesteigerter Innovation und Kreativität führen können; der daraus ermöglichte Wissenstransfer von explizitem wie auch implizitem Wissen. Die einzelnen Synergieeffekte bilden ein Netz und stehen in wechselseitiger Beziehung. Sie können nicht nur ein ‚Mehr’, sondern auch etwas ‚Neues’ einer anderen Qualität schaffen. (Vgl. Köppel 2004: 125-138)

Ende der Leseprobe aus 140 Seiten

Details

Titel
Culture-Assimilator-Training. Zum Aufbau interkultureller Kompetenz für Fach- und Führungskräfte
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
140
Katalognummer
V46439
ISBN (eBook)
9783638436304
Dateigröße
934 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines interaktionsorientierten, interkulturellen Trainingsmoduls zur Vorbereitung auf interkulturelle Zusammenarbeiten. Die Besonderheit dieses Trainings liegt in der Zusammensetzung der Zielgruppe. Diese besteht aus deutschen und nicht-deutschen Fach- und Führungskräften, die in absehbarerer Zeit in multikulturellen Teams innerhalb Deutschlands zusammenarbeiten werden.
Schlagworte
Culture-Assimilator-Training, Aufbau, Kompetenz, Fach-, Führungskräfte, interkulturell, culture, Kultur, Training, Personalentwicklung
Arbeit zitieren
Doreen Frank (Autor), 2005, Culture-Assimilator-Training. Zum Aufbau interkultureller Kompetenz für Fach- und Führungskräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46439

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Culture-Assimilator-Training. Zum Aufbau interkultureller Kompetenz für Fach- und Führungskräfte


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden