Wie können Kinder mit Asperger-Syndrom im Kita-Alltag gefördert werden?


Facharbeit (Schule), 2019
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

1. Einleitung

Stellen Sie sich vor, Sie kämen in eine Kindertagesstätte und träfen dort auf ein Kind, welches sich auf den ersten Blick in keiner Weise von seinen Altersgenossen unterschiede.

Bei genauerem Beobachten stellen Sie jedoch fest, dass es sich anders als die anderen verhält: Es steht allein herum, spielt nicht mit den anderen Kindern und scheint ganz und gar mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Auch ich habe schon ein solches Kind bei meinem Praktikum in der Krippe kennengelernt. Dieses Kind vermied jeglichen körperlichen und sozialen Kontakt zu den Erziehern. Als sich dieses Kind beispielsweise einmal verletzt hatte und eine pädagogische Fachkraft es trösten wollte, ist es vor ihr weggerannt. Überhaupt hielt es sich beim Spielen von den anderen Menschen fern und wollte auch keine der Erzieherinnen in sein Spiel miteinbeziehen, wodurch es bis jetzt keiner pädagogischen Fachkraft im Team gelungen ist, eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen.

Die Erzieherinnen in meinem Team stellten die Vermutung auf, dass dieses Kind das Asperger-Syndrom haben könne.

Heutzutage tritt diese Art von Entwicklungsstörung überall im Kita-Alltag auf. Dennoch kennen sich viele Erzieherinnen nur wenig mit ihr aus. Dadurch sind sich die meisten unsicher, wie sie mit Kindern, die vom Asperger-Syndrom betroffen sind, umgehen sollen und wie sie sie im Kita-Alltag fördern können.

Da ich mich für das Thema „Asperger-Syndrom“ interessiere, möchte ich mich mit dieser Art von Störung in meiner Facharbeit auseinandersetzen.

Mein Ziel ist es jedoch herauszufinden, wie Kinder mit diesem Syndrom im Kita-Alltag gefördert werden können.

Hierzu werde ich zunächst beschreiben, was Autismus allgemein ist. Danach werde ich auf das Asperger-Syndrom eingehen und darstellen durch welche Merkmale es sich kennzeichnet. Im Anschluss werde ich ein paar Strategien und Ideen für den praktischen Alltag in der Kita aufführen, wie man als Erzieherin Kinder, welche davon betroffen sind, fördern kann.

2. Autismus

Der Begriff „Autismus“ setzt sich aus dem griechischen Wort „autos“ (selbst) sowie der lateinischen Endung „-ismus“ zusammen1 und sagt aus, dass Betroffene „in sich gekehrt sind und wenig Interesse an anderen [Menschen] zeigen.“2

Dieser bezieht sich laut der Autorin Susan Dodd „auf mehrere neurologische Entwicklungsstörungen, die Teile des zentralen Nervensystems betreffen, insbesondere die Art und Weise, wie verbale und nonverbale Informationen verarbeitet werden.“3

In den Internationalen Klassifikationssystemen psychischer Störungen wird Autismus zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gezählt. Der Begriff „tiefgreifende Entwicklungsstörung“ steht für eine Gruppe von Störungen, „die durch qualitative Beeinträchtigungen in gegenseitigen Interaktionen und Kommunikationsmustern sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind''.4

Alles in allem ist Autismus also eine Entwicklungsstörung unterschiedlicher Bereiche des zentralen Nervensystems.5 Diese lässt sich an Symptomen, wie repetitivem Verhalten, Beeinträchtigung in sozialen Beziehungen und in der sozialen Kommunikation sowie einer sensorischen Beeinträchtigung erkennen.6 Diese vier Merkmale treten bei den Betroffenen in unterschiedlichen Schweregraden auf.7

Autismus wird entweder durch genetische Einflüsse oder pränatal sowie durch perinatal entstandene Hirnschäden ausgelöst.8

Er lässt sich in drei Arten unterteilen: den atypischen Autismus, den frühkindlichen Autismus und das Asperger-Syndrom. 9 Während der atypische Autismus in der Regel mit einer schweren geistigen Behinderung einhergeht, können Menschen mit frühkindlichem Autismus von einer geistigen Behinderung betroffen sein.10 Das Asperger-Syndrom kann als die leichteste Form des Autismus gesehen werden.11

Diese drei Formen des Autismus werden häufig in der Literatur auch als „Autismus- Spektrum-Störungen“ oder auch „Autistisches-Kontinuum“ bezeichnet.12 Dennoch können diese Arten des Öfteren nicht klar voneinander getrennt werden, da die Übergänge zwischen diesen Varianten fließend sind. 13 Auch ist zu erwähnen, dass Autismus in Kombination mit vielen anderen Erkrankungen auftreten kann, wie zum Beispiel mit dem hyperkinetischen Syndrom, der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.14

Im Folgenden wird nun auf das Asperger-Syndrom eingegangen:

3. Asperger Autismus

3.1. Definition und Bedeutung

Seit 1992 ist das Asperger-Syndrom im internationalen Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen zu finden.15

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das Asperger-Syndrom genau ist, schauen wir uns zunächst im Folgenden einmal an, wie die WHO diese Störung beschrieben hat. Laut der WHO ist das Asperger-Syndrom:

Eine Störung von unsicherer nosologischer Prägnanz, durch dieselbe Form qualitativer Beeinträchtigungen der gegenseitigen sozialen Interaktionen charakterisiert, die für den Autismus typisch ist, hinzu kommt ein Repertoire eingeschränkter, stereotyper sich wiederholenden Interessen und Aktivitäten. Die Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch das Fehlen einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung bzw. eines Entwicklungsrückstandes der Sprache oder der kognitiven Fähigkeiten. Die meisten Patienten besitzen eine normale allgemeine Intelligenz, sind jedoch üblicherweise motorisch auffällig ungeschickt; die Erkrankung tritt vorwiegend bei Jungen auf. […]. Die Auffälligkeiten haben eine starke Tendenz, bis in die Adoleszenz und ins Erwachsenen Alter zu persistieren. Es scheint, dass sie individuelle Charakteristika darstellen, die durch Umwelteinflüsse nicht besonders beeinflusst werden.16

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass das Asperger-Syndrom eine mildere Form des Autismus ist, welche zumeist bei Jungen auftritt. Häufig haben Betroffene Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen und somit auch in der Kommunikation, sind motorisch ungeschickt, haben spezielle Interessen und zeigen gleichbleibende Verhaltensmuster. Dennoch weisen sie keine Verzögerungen in der sprachlichen Entwicklung auf. In der Regel bleiben diese Symptome bis ins Erwachsenalter hinein bestehen.

Doch zeigen sie sich auch häufig schon bei Kindern im Kindergarten. Um in der Lage zu sein, Kinder mit diesen Symptomen zu fördern, ist es zunächst einmal notwendig zu wissen, was es genau für Symptome sind und wie diese sich äußern. Deshalb werden diese im nächsten Unterkapitel nun beschrieben und näher erläutert.

3.2. Symptome

Das Asperger-Syndrom ist erst nach dem 4.-6. Lebensjahr sowie bei Menschen im Erwachsenenalter an verschiedenen Anzeichen zu erkennen. 17 Eines dieser Anzeichen sind die Spezialinteressen bzw. stereotypen Verhaltensweisen.18

3.2.1 Spezialinteresse und stereotype Verhaltensweisen

Kinder mit Asperger-Syndrom bringen häufig Spezialinteressen mit. Diese spezifischen Interessen umfassen häufig Themen, welche sich von den Interessen anderer Kinder im gleichen Alter unterscheiden. So kann es vorkommen, dass Betroffene sich eher weniger mit Spielsachen beschäftigen möchten und stattdessen ihren Fokus lieber auf Dinge wie zum Beispiel, Bierdeckel oder Waschmaschinen oder Themengebiete, wie Dinosaurier oder Schraubenschlüssel richten.19 Häufig nehmen diese „Spezialinteressen“ einen sehr großen Raum im Leben der Kinder ein. Dies führt dazu, dass die Kinder ein breites Wissen in dem Interessensgebiet erwerben oder sich Fähigkeiten aneignen, die weit über die Fähigkeiten anderer Kinder ihres Alters hinausgehen.20

Ähnlich wie mit den Spezialinteressen, welchen Kinder mit dem Asperger-Syndrom regelmäßig nachgehen möchten, wollen auch diese Kinder, dass bestimmte Rituale oder Gewohnheiten in ihrem Alltag eingehalten werden. 21 Wenn beispielsweise ein Kind mit Asperger-Syndrom regelmäßig in den Kindergarten gebracht wird und die Eltern dabei immer dieselbe Strecke fahren, möchte das Kind auch weiterhin über diese Strecke in den Kindergarten gelangen. Ist dies eines Tages nicht der Fall, da die Eltern beispielsweise eine Abkürzung nehmen möchten, kann das betroffene Kind in Angst und Panik geraten.22 Die Ursache dafür ist, dass derartige Veränderungen die Ordnung und die Struktur stören, die dem Kind mit dieser Routine gegeben werden. Das Kind verspürt Unsicherheit, da nun auf einmal das Leben ungewiss und unvorhersehbar wird.23

[...]


1 Vgl. Dodd, Susan (2007): Autismus. Was Betreuer und Eltern wissen müssen. 1. Auflage. München: Elvesier GmbH, S. 1.

2 Ebd., S. 1

3 Ebd., S. 7

4 Remschmidt Helmut (2000): Autismus. Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen. München: Verlag C. H. BECK, S. 14.

5 Vgl. Dodd (2007): S. 7.

6 Vgl. ebd., S. 19.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Remschmidt (2000): S. 57f.

9 Vgl. Franke, Sven (2018): Asperger Kinder erkennen und (ein wenig) verstehen lernen. Ein kleiner Ratgeber für Eltern von Kindern mit Asperger-Syndrom, Nordstedt: Books on Demand gGmbH, S. 2.

10 Vgl. Franke (2018): S. 2

11 Vgl. ebd., S. 2

12 Vgl. Amlang, Maud (2011): Autismus. Verstehen und Helfen. Tübingen: dgvt-Verlag, S. 17.

13 Vgl. Franke (2018): S. 2.

14 Vgl. Remschmidt (2000): S. 26.

15 Vgl. Jorgensen, Ole, Sylvester(2002): Asperger Syndrom zwischen Autismus und Normalität. Diagnostik und Heilungschancen, 6. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 12.

16 Jorgensen, Ole, Sylvester (1998): Autismus oder Asperger. Differenzierung eines Phänomens, 2. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 20.

17 Vgl. ebd., S. 38.

18 Vgl. ebd., S. 38

19 Vgl. Franke (2018): S. 53.

20 Vgl. Jorgensen (1998): S. 41.

21 Vgl. Atwood, Tony (2000): Das Asperger Syndrom: Ein Ratgeber für Eltern, Georg Thieme

Verlag, 1. Auflage. Talheim: S. 102.

22 Ebd., S.102

23 Vgl. Attwood (2000): S. 107.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie können Kinder mit Asperger-Syndrom im Kita-Alltag gefördert werden?
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V464395
ISBN (eBook)
9783668945807
ISBN (Buch)
9783668945814
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinder, asperger-syndrom, kita-alltag
Arbeit zitieren
Lisa Zajonz (Autor), 2019, Wie können Kinder mit Asperger-Syndrom im Kita-Alltag gefördert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464395

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