Die vorliegende Seminararbeit soll sich mit den Körperlichen Inszenierungen von Emotionen in der vormodernen Literatur beschäftigen. Es werden anhand Textnahen Analysen diverse Beispiele von den Romanen „Iwein“ und der „Nibelungenklage“ skizziert und in Bezug auf die literarische Emotionsforschung kommentiert. Die Darstellung verschiedener emotionalen Definitionen wie Freude, Angst, Mut, Wut, Eifersucht, Neid werden in dieser Seminararbeit anhand den Vorgegebenen Texten in soziologischer, psychologischer und literarischer Hinsicht ausgearbeitet.
Ferner werden folgende Punkte in der Seminararbeit bearbeitet: Für den Anfang sollen alle notwendigen Erklärungen gegeben werden, die zum besseren Verständnis dieser Arbeit dienen sollen. Um die Emotionen der mittelalterlichen Dichtung besser verstehen zu können werden verschiedene
Definitionen aufgezählt und detailliert erläutert. Definiert werden hier die Performativität und Codierungen von Emotionen, Emotion und Rezeption, Darstellung von Emotionen, die Macht des Körpers durch Emotionen usw..
Abschließend wird sich die Seminararbeit mit der Trauer Laudine´s im Iwein um ihren ersten Mann, Kriemhilds Klage um den Toten Siegfried im „Nibelungenlied“ und um die Darstellung der Trauer König Etzels in der Nibelungenklage befassen. Die Fragestellung fokussiert sich einerseits darauf, ob die Klage und der Jammer genderspezifische Unterscheidungen aufweisen
und wie das Volk diese Klage aufnimmt, andererseits kümmert sich die Fragestellung darum, ob es sich bei den Emotionen speziell um die Trauer des Todes der Figuren handelt, oder, ob es dabei um die eigene Existenz der Figuren handelt, die um den Tod Trauern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionen
3.Performativität, Codierung und Darstellung von Emotionen
4. Wie werden Emotionen aufgenommen?
5. Der Einfluss des Körpers
6. Trauer in literarischer Dichtung
7. Inszenierung der Trauer König Etzels
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht körperliche Inszenierungen von Emotionen in der vormodernen Literatur, insbesondere anhand der Romane "Iwein" und der "Nibelungenklage". Ziel ist es, die Darstellung emotionaler Zustände wie Trauer zu analysieren und zu hinterfragen, ob geschlechtsspezifische Unterschiede in der Emotionswahrnehmung und -darstellung bestehen oder ob diese eher durch den sozialen Status und die funktionale Rolle innerhalb der höfischen Gemeinschaft bestimmt sind.
- Literarische Emotionsforschung in der Vormoderne
- Performativität und Codierung von Emotionen
- Die Rolle des Körpers bei der Inszenierung von Trauer
- Vergleich von Trauerszenen in "Iwein" und der "Nibelungenklage"
- Interaktion zwischen emotionalem Ausdruck und gesellschaftlichem Status
Auszug aus dem Buch
Inszenierung der Trauer König Etzels
In der Nibelungenklage, die in fast allen Nibelungenlied-Handschriften zusammen überliefert ist wird die Handlung am Ende des Romans aufgegriffen und zum Teil werden Einzelheiten und wichtige Schwerpunkte wiedererzählt, kommentiert und fortgesetzt. Hierbei handelt es sich um die Schlacht am Hofe des Hunnenkönigs Etzels, bei der nicht nur die Nibelungenkrieger und Helden sterben, sondern noch sehr viele andere Krieger und Helden, um die, die Figuren trauern. Am Anfang wird die Trauer und der Jammer auf dem Schlachtfeld geschildert später werden durch die Boten Etzels die Trauer auch in die Heimatstädter der gefallenen getragen, wo die Botschaft eine große Trauer verursacht.
„Die Nibelungenklage gibt also Zeugnis davon, dass eine Geschichte, wie sie das Nibelungenlied erzählt, von unausweichlich scheinender Eskalation, die sich nicht von höfischen Normen und Werten verhindern lässt und in einem Ausbruch tödlicher Gewalt während eines höfischen Festes gipfelt, bereits bei zeitgenössischen Rezipienten Irritation und vielleicht sogar Trauer hervorgerufen zu haben scheint.“ (Clare 2013, 59)
Unter dieser Beachtung soll im Folgenden untersucht werden, wie die Trauer König Etzels und den anderen beteiligten Figuren der Nibelungenklage geschildert werden und in welchem erzählenden Kontext die Funktionen zueinanderstehen. Hierbei ist speziell darauf einzugehen, ob die Trauer sich bei Frauen und Männer unterscheidet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der körperlichen Inszenierung von Emotionen in der vormodernen Literatur ein und stellt die methodische Vorgehensweise sowie die primären Fragestellungen vor.
2. Emotionen: Dieses Kapitel erläutert die evolutionäre und psychologische Basis von Emotionen als komplexe Verhaltensmuster und diskutiert deren Bedeutung für die zwischenmenschliche Kommunikation.
3.Performativität, Codierung und Darstellung von Emotionen: Es wird die theoretische Grundlage der Performativität nach Austin sowie das Konzept der Codierung von Emotionen als Zeichensysteme in der Literatur erörtert.
4. Wie werden Emotionen aufgenommen?: Hier wird die rezeptionsästhetische Perspektive beleuchtet, insbesondere das Wechselspiel von Produktion und Rezeption bei der Vermittlung von Gefühlen durch literarische Texte.
5. Der Einfluss des Körpers: Das Kapitel thematisiert den Körper als zentrale Phasengrenze zwischen Natur und Kultur und dessen Bedeutung bei der Realisierung von Emotionen.
6. Trauer in literarischer Dichtung: Es wird der Wandel der Todes- und Trauerdarstellung von der Vormoderne zur Moderne analysiert und die Rolle der Totenklage im höfischen Roman untersucht.
7. Inszenierung der Trauer König Etzels: Der Fokus liegt auf der Analyse der Trauerbewältigung bei König Etzel sowie dem Vergleich zwischen männlichen und weiblichen Trauer-Verhaltensweisen in der "Nibelungenklage".
8. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Geschlechterdifferenzierung bei Emotionen im untersuchten Kontext weniger eine Rolle spielt als die soziale Funktionsrolle der Figuren.
Schlüsselwörter
Körperliche Inszenierung, Vormoderne Literatur, Emotionen, Iwein, Nibelungenklage, Performativität, Codierung, Trauer, Totenklage, Geschlechterrollen, Höfische Gesellschaft, Emotionsforschung, Literaturanalyse, Mittelalter, Affekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Art und Weise, wie Emotionen, insbesondere Trauer, körperlich in der Literatur des Mittelalters dargestellt und inszeniert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Performativität von Emotionen, die Funktion von Körpercodes in der Literatur sowie die Analyse spezifischer Trauerszenen in mittelalterlichen Epen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob es geschlechtsspezifische Muster bei der Trauerdarstellung gibt oder ob diese durch den gesellschaftlichen Status und die höfische Rolle der Figuren determiniert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch eine eingehende Literaturrecherche zu den theoretischen Grundlagen der historischen Emotionsforschung gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Analyse der Trauer von Laudine in "Iwein" sowie der Trauer König Etzels und der höfischen Gemeinschaft in der "Nibelungenklage".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Schlagworte sind Körperliche Inszenierung, Mittelalterliche Literatur, Emotion, Codierung, Performativität, Trauer und höfische Identität.
Wie unterscheidet sich die mittelalterliche von der modernen Trauerdarstellung laut Autor?
Der Autor argumentiert, dass die Trauerdarstellung im Mittelalter stark ritualisiert und funktional in das gesellschaftliche Gefüge eingebunden war, während sie in der modernen Dichtung oft weniger durch soziale Normen bestimmt ist.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Geschlechterrollen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die erwartete Differenzierung zwischen "weiblich-emotional" und "männlich-rational" in den untersuchten Romanen nicht haltbar ist, da die Handlungsweisen primär durch den sozialen Status und die funktionale Rolle am Hof definiert werden.
- Arbeit zitieren
- Seyhmus Coskun (Autor:in), 2017, Körperliche Inszenierung von Emotionen in der Vormodernen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464921