Interkulturelles Lernen mit Hilfe von Literatur


Hausarbeit, 2005
21 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interkulturelles Lernen – der Versuch einer Definition

3. Die gesellschaftliche Bedeutung interkultureller Erziehung
3.1 Multikulturalität in deutschen Schulen
3.2 Interkulturelle Bildung als Erziehungsauftrag an Schulen
3.3 Anforderungen an den modernen Fremdsprachenunterricht

4. Interkulturelles Lernen an Schulen
4.1 Ausgangslage des interkulturellen Lernens
4.2. Probleme interkultureller Verschiedenheiten in Gesprächssituationen
4.3. Probleme interkultureller Verschiedenheiten in Gesprächssituationen

5. Interkulturelles Lernen mit Hilfe von Literatur
5.1 Gründe für den Einsatz von Literatur zum interkulturellen Lernen
5.2 Kriterien zur Textauswahl
5.3 Die Ebenen des Fremdverstehens
5.4 Die Wichtigkeit von Literatur für das Fremdverstehen
5.5 Grobziele des interkulturellen Lernens mit Hilfe von Literatur

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten ein bevorzugtes Einwanderungsland der verschiedensten Menschen fremder Kulturkreise gewesen und ist dies immer noch. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wies das Ausländer-zentralregister am Jahresende 2004 rund 6,7 Millionen ausländische Personen in Deutschland nach. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Deutschland als eine multikulturelle Gesellschaft zu bezeichnen ist. Jeden Tag begegnen wir daher Personen mit uns fremden Wertvorstellungen und Normen, was zu Missverständnissen oder Konflikten führen kann. Da Schulen ein Spiegelbild unserer Gesellschaft darstellen, ist es notwendig, um dem modernen Bildungsauftrag folge zu leisten, die SchülerInnen zu Toleranz zu erziehen und ihnen die Vorteile einer vielschichtigen Gesellschaft vor Augen zu führen.

Ich möchte in meiner Hausarbeit zeigen, inwiefern interkulturelles Lernen zu den oben genannten Zielen betragen kann und inwiefern Literatur dies unterstützen kann.

Der erste Teil der Hausarbeit wird sich mit der Definitionsproblematik des interkulturellen Lernens beschäftigen. Im dann folgenden Abschnitt werde ich auf die gesellschaftliche Bedeutung interkultureller Erziehung eingehen, um dann anschließend auf interkulturelles Lernen im Detail eingehen zu können. Im letzten Teil der Hausarbeit werde ich beleuchten, inwiefern literarische Texte ein ideales Medium darstellen, um den SchülerInnen vor Augen zu führen, dass andersartige Wertvorstellung und fremde kulturelle Orientierungen zu achten sind.

2. Interkulturelles Lernen – der Versuch einer Definition

Der Begriff interkulturelles Lernen wird in der Fachliteratur recht kontrovers diskutiert. Professor Burwitz-Melzer spricht in diesem Zusammenhang von einem babylonischen Sprachgewirr, das mit dem Adjektiv „interkulturell“ verbunden sei. (vgl. Burwitz-Melzer 2003: 46). Lediglich die von Knapp und Knapp-Potthoff (1990: 76) sehr einfach formulierte Aussage, dass „kaum jemand […] so naiv [sei], in eine Interaktion mit einem Mitglied einer anderen Kultur einzutreten und anzunehmen, alles sei wie ‚zu Hause’ […]“ scheint in fachdidaktischen Kreisen unbestrittenen zu sein.

Interkulturelles Lernen zielt demnach auf bestimmte Wissensinhalte, Verhaltensweisen, Fähigkeiten und Einstellungen ab, die es den SchülerInnen ermöglichen sollen, sich bei Kommunikationen mit Angehörigen fremder Kulturkreise zu verständigen. Ziel ist der z.B. von Byram (1997: 21) so genannte intercultural speaker, der in Kommunikationssituationen Fähigkeiten zeigt, die weit über eine reine sprachlichen Kompetenz hinausgehen und in weiten Teilen im soziokulturellen und sozialen Bereich anzusiedeln sind.

So schwer es auch zu definieren ist, was genau die SchülerInnen lernen sollen, so ist es doch das Ziel des interkulturellen Lernens durch gefühlsbetonte Qualitäten wie Sensibilisierung und Empathiefähigkeit die Jugendlichen zu prägen. Diese affektiven Lernziele sind jedoch nur schwer oder sogar gar nicht zu messen.

Eine weitere Schwierigkeit trägt der bloße Begriff des interkulturellen Lernens mit sich, wurde dieser doch in den fachdidaktischen Diskussionen an für sich schon recht ungenau formuliert. So liest man in der entsprechenden Fachliteratur neben dem Begriff des interkulturellen Lernens auch Bezeichnungen wie interkulturelle oder transnationale Kommunikationsfähigkeit, interkulturelle Kompetenz, interkulturelles Verstehen, cultural awareness usw., die sich in ihren Bedeutungen zwar nicht unbedingt widersprechen, jedoch jeweils verschiedene Aspekte beleuchten. Die unterschiedlichen Bezeichnungen werden häufig an Stelle des Begriffes interkulturelles Lernen verwendet, scheinen allerdings vielmehr Oberbegriffe möglicher Lernziele des Konzepts zu repräsentieren. Dies scheint in erster Linie Folge der uneinheitlichen begrifflichen Diskussion zu sein.

Bereits 1990 schrieben Knapp und Knapp-Potthoff (1990: 82): „Ein inflationärer Gebrauch dieses Begriffs [hier: interkulturelle Kommunikationen], der mit dem Verlust an präziser Konstruierung einhergeht, zeichnet sich übrigens bereits ab.“

Zahlreiche Fachdidaktiker beginnen in ihren Arbeiten oft damit, eine für die folgenden Thesen relevante Definition des Begriffes des interkulturellen Lernens darzubieten, was dazu führt, dass sich bereits an diesem Punkt die Geister scheiden.

Wie auch immer die Begriffsbestimmung ausfällt, gemeinsam haben alle, dass sie über eine bloße elementare Beherrschung einer Fremdsprache in Wort und Schrift hinausgehen. Immer scheint es darum zu gehen, ethnische/kulturelle Unterschiede zwischen Kommunikationspartnern zu minimieren, um so Kommunikationsprobleme zu vermeiden. Knapp und Knapp-Potthoff (1990: 68ff) schreiben dazu:

Kommunikation ist immer mit dem Risiko des Nichtverstehens, Mißverstehens und dem völligen Scheitern ausgesetzt. In der IKK [Interkulturellen Kommunikation] ist dieses Risiko besonders groß, weil unerkannte Kulturunterschiede zusätzliche Verstehens- und Verständigungsprobleme verursachen. Solche Probleme können entstehen aus Kulturunterschieden, die vor dem Vorgang der IKK existieren und als solche von den Kommunikationspartnern in die Interaktion eingebracht werden. (Knapp und Knapp-Potthoff 1990: 68ff)

Trotz der vielfältigen Ansätze und begrifflichen Uneinigkeit, die die Diskussion der letzten Jahre charakterisiert, begründet ein Großteil der Autoren ihre Beschäftigung mit dieser Thematik sowohl mit der Internationalisierung des heutigen Lebens, als auch mit Aspekten wie Lernautonomie, lebenslangem Lernen und Authentizität.

Interkulturelles Lernen ist, wie bereits ausgeführt, ein vielschichtiges Konzept.

Auf das Allgemeine reduziert könnten die Ziele des interkulturellen Lernens wie folgt zusammengefasst werden: Interkulturelles Lernen zielt darauf ab, es den Schülern zu ermöglichen, sich in kulturell bedingte Grundsätze im weiteren Sinne hineinzuversetzen. Dies bezieht sich sowohl auf fremde als auch auf die eigene Kultur, so dass die kritische Reflexion und Sensibilität zentrale Bestandteile des Lernzieles sind.

3. Die gesellschaftliche Bedeutung interkultureller Erziehung

3.1 Multikulturalität in deutschen Schulen

Der Begriff Multikulturalität bezeichnet eine Situation, in der zahlreiche verschiedene Kulturen zusammen oder nebeneinander leben. Jede einzelne Kultur zeichnet sich durch unterschiedliches Aussehen, unterschiedliche Sprachen, Religionen und Wertvorstellungen aus. Seit Beginn der 50er Jahre haben die Einwanderungsbewegungen nach Deutschland zugenommen, was zu Folge hat, dass in Deutschland viele Familien mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen leben und deren Kinder deutsche Schule besuchen. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung lag am Jahresende 2004, so das Statistische Bundesamt, bei rund 6,7 Millionen Menschen. Hessen liegt im bundesweiten Vergleich mit einem Ausländeranteil von 12,1% an vierter Stelle[1]. Dies bedeutet für deutsche Schulen nicht nur, dass mehr und mehr ethnisch gemischte Schulklassen mit unterschiedlichen Erst- und Zweitsprachen entstanden sind, sondern auch, dass die Kinder der Einwanderer in einer Umgebung aufwachsen, die einerseits durch die Kultur des Elternhauses, andererseits durch die in Deutschland vorherrschenden Wertvorstellungen geprägt sind. Dieser Umstand erfordert von Schulen einen bewussten, zielgerichteten und verantwortungsvollen Umgang.

Besonders die Anschläge und tätigen Angriffe auf ausländische Mitbürger und deren Unterkünfte Mitte der 90er Jahren zeigten deutlich ein mangelndes Verständnis für deren „Andersartigkeit“ unter Teilen der deutschen Bevölkerung. Dass der Förderung des Fremdverstehens eine immer größere Rolle in der Bildungspolitik zukommt, resultiert nicht nur aus der Tatsache, dass eine multikulturelle Gesellschaft in Deutschland zur alltäglichen Realität gehört, sondern auch, dass im Zuge der Globalisierung nationale Grenzen immer mehr verschwinden. Nicht nur der Massentourismus, die Nutzung des World Wide Webs und die zunehmende Internationalisierung von Wirtschaft und Medien lassen bei Jugendlichen ein natürliches Interesse an anderen Kulturen und Lebensformen entstehen, die es im Unterricht zu fördern gilt. Die verschiedenen ethnischen Gruppen sollen zu einem Austausch animiert werden, damit sich aus dem Nebeneinander in unserer Gesellschaft ein Miteinander entwickeln kann, um so die Grundlage für ein tolerantes und bewusstes Zusammenleben zu schaffen. Interkulturelles Lernen in der Schule kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

3.2 Interkulturelle Bildung als Erziehungsauftrag an Schulen

Bereits 1978 setzte sich die Kultusministerkonferenz mit dem Beschluss „Europa im Unterricht“, den sie 1990 erneuerte, das Ziel, die europäische Dimension im Bildungswesen zu fördern, um so „durch die Bereitschaft zur Verständigung [...]und zur kulturübergreifenden Aufgeschlossenheit“[2] Vorurteile abzubauen.

Ziel der Kultusministerkonferenz vom Jahre 1996 ist die SchülerInnen bei einer Entwicklung von Einstellungen und Verhaltensweisen zu fördern, die den ethnischen Grundsätzen der Menschlichkeit und denen von Freiheit und Verantwortung entsprechen. Dabei sollen Fremdverstehen und Toleranz für andere gefördert werden. Auf dieser Grundlage sollen die Schüler und Schülerinnen über andere Kulturkreise Kenntnisse erwerben, sich kultureller Lebenszusammenhänge bewusst werden, Offenheit und Verständnis für fremde kulturelle Prägungen entwickeln und Vorurteile gegenüber Fremden wahrnehmen und verstehen. Weiterhin sollen sie fremden Kulturen begegnen, sich mit ihnen auseinandersetzen uns dabei entstehende Ängste aushalten. Sie sollen das Anderssein von Menschen anderer Kulturkreise respektieren und ihren eigenen Standpunkt reflektieren, um so ein Verständnis für andere Meinungen zu entwickeln. Weitere Ziele sind das Entwickeln gemeinsamer Grundlagen für ein friedvolles Miteinander in unserer Gesellschaft und das Entstehen der Fähigkeit, Konflikte, die aufgrund von unterschiedlicher kultureller und religiöser Zugehörigkeit entstehen können, friedlich zu lösen (vgl. Beschluss der Kultusministerkonferenz 1996: 5).

Dieser Beschluss ist zwar recht allgemein gehalten, zeigt jedoch deutlich, dass Schulen ihren gesellschaftlichen Auftrag ernst nehmen müssen, damit kulturelle Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung gesehen wird.

[...]


[1] Quelle: http://www.bpb.de/popup/popup_bild.html?guid=JX1E7T

[2] Quelle: http://www.kmk.org/doc/beschl/671-1_Interkulturelle%20Bildung.pdf

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Lernen mit Hilfe von Literatur
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Anglistik)
Veranstaltung
Literature and Cultural Studies
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V46496
ISBN (eBook)
9783638436793
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit beschreibt, wie mit Hilfe von Literatur Fremdverstehen ermöglicht werden kann und wie fremdkulturelle Lebenswelten Schülern näher gebracht werden können. Zudem bemüht sich die Hausarbeit um eine Definition der Begriffes "interkulturelles Lernen".
Schlagworte
Interkulturelles, Lernen, Hilfe, Literatur, Literature, Cultural, Studies
Arbeit zitieren
Anna Stüwe (Autor), 2005, Interkulturelles Lernen mit Hilfe von Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46496

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