Nach den curricularen Vorgaben der Sekundarstufe II sollen die Schülerinnen und Schüler (SuS) eine Methodenkompetenz entwickeln, zu der unter anderem gehört, dass sie Texte unter Berücksichtigung ausgewählter Schritte der historisch-kritischen Methode analysieren können. Das Studium der Katholischen Theologie auf Lehramt für Berufskollegs an der Technischen Universität Dortmund setzt im Rahmen der fachwissenschaftlichen Kompetenz konkret voraus, dass die Studierenden eine exegetisch-historische Kompetenz entwickeln. Es geht dabei um eine „vertiefte Kenntnis der biblischen Literatur und ausgewählter Traditionen des christlichen Glaubens mit Hilfe eines methodisch geübten und hermeneutisch reflektierten Zugangs.“ In diesem Zusammenhang wurde folgendes Learning-Outcome (LO)/AK formuliert: „Die SuS können identifizieren, ob es sich bei biblischen Texten um eine Wundererzählung handelt.“
Inhaltsverzeichnis
Teil 1: Projektdarstellung
1 Herleitung und Modellierung des Diagnoseauftrags
1.1 Semantische Analyse
1.2 Fachliche Analyse
1.3 Psychologische Analyse
2 Darlegung der Sachlogik
3 Diagnoseinstrument
4 Diagnostische Items
5 Datenerhebung
6 Rekonstruktion des Ergebnisses
7 Bestimmung des Förderziels und Lernimpuls
Teil 2: Projektreflexion
8 Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Kompetenz eines Schülers bei der Analyse biblischer Texte unter Anwendung wissenschaftlicher Kriterien zu diagnostizieren und entsprechende Lernfördermaßnahmen zu entwickeln. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie durch ein strukturiertes Diagnoseinstrument der Lernprozess hinsichtlich der Identifikation von Wundererzählungen im Neuen Testament abgebildet und bewertet werden kann.
- Methodik der Lernprozessdiagnostik
- Anwendung exegetisch-historischer Kompetenzmodelle
- Strukturierung biblischer Perikopen nach Gerd Theißen
- Entwicklung von Förderimpulsen zur kognitiven Aktivierung
- Reflexion der Beraterrolle angehender Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
1.1 Semantische Analyse
Nach den curricularen Vorgaben der Sekundarstufe II sollen die Schülerinnen und Schüler (SuS) eine Methodenkompetenz entwickeln, zu der unter anderem gehört, dass sie Texte unter Berücksichtigung ausgewählter Schritte der historisch-kritischen Methode analysieren können. Das Studium der Katholischen Theologie auf Lehramt für Berufskollegs an der Technischen Universität Dortmund setzt im Rahmen der fachwissenschaftlichen Kompetenz konkret voraus, dass die Studierenden eine exegetisch-historische Kompetenz entwickeln. Es geht dabei um eine „vertiefte Kenntnis der biblischen Literatur und ausgewählter Traditionen des christlichen Glaubens mit Hilfe eines methodisch geübten und hermeneutisch reflektierten Zugangs.“ In diesem Zusammenhang wurde folgendes Learning-Outcome (LO)/AK formuliert: „Die SuS können identifizieren, ob es sich bei biblischen Texten um eine Wundererzählung handelt.“
In diesem LO ist ein Verb der äußeren Sichtbarkeit („identifizieren“) vorhanden, wodurch sichergestellt wird, dass die Leistung des Probanden hinsichtlich des LO’s überprüfbar ist. Mit Blick auf die Vollständigkeit der Handlung sind folgende Prüfschritte zu nennen: Die SuS arbeiten mit biblischen Texten, sie wenden Untersuchungskriterien an und sie kommen zu einem Ergebnis. Um das genannte LO zu konkretisieren, werden dessen Leerstellen gefüllt: die biblischen Texte werden durch die Bibelstelle Mk 4,35-41 bestimmt. Somit lautet das vorläufige LO: „Die SuS können identifizieren, ob Mk 4,35-41 eine Wundererzählung ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Herleitung und Modellierung des Diagnoseauftrags: Dieses Kapitel begründet die fachliche Relevanz der Untersuchung und leitet das konkrete Learning-Outcome für die Analyse von Wundererzählungen ab.
2 Darlegung der Sachlogik: Hier wird die biblische Textstelle Mk 4,35-41 anhand des Motivarsenals nach Gerd Theißen in eine fachwissenschaftliche Struktur überführt.
3 Diagnoseinstrument: Es wird ein Instrument der Lernprozessdiagnostik vorgestellt, welches einen Normweg der Aufgabenbearbeitung definiert, um Leistungen und Abweichungen des Probanden analysierbar zu machen.
4 Diagnostische Items: Das Kapitel erläutert die konkrete Aufgabenstellung für den 17-jährigen Schüler sowie die theoretischen Anforderungen an Objektivität, Reliabilität und Validität.
5 Datenerhebung: Dokumentation der Durchführung der Diagnose, inklusive der Beobachtung des Schülers beim Bearbeitungsprozess und aufkommender Rückfragen.
6 Rekonstruktion des Ergebnisses: Die erhobenen Daten werden systematisch ausgewertet, wobei der tatsächliche Bearbeitungsweg des Schülers dem theoretischen Normweg gegenübergestellt wird.
7 Bestimmung des Förderziels und Lernimpuls: Aus den erkannten Schwierigkeiten wird ein zielgerichteter Förderimpuls abgeleitet, der eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Text ermöglichen soll.
8 Reflexion: Der Autor reflektiert kritisch den Planungsprozess, die methodische Passung des Diagnoseinstruments sowie die eigene Rolle als angehende Lehrkraft.
Schlüsselwörter
Lernprozessdiagnostik, Wundererzählungen, Gerd Theißen, Katholische Theologie, Kompetenzmodellierung, Markusevangelium, biblische Exegese, fachdidaktische Analyse, Unterrichtsplanung, Lernberatung, Sekundarstufe II, Gütekriterien, Motivarsenal, empirische Bildungsforschung, Religionspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert einen Forschungsbericht zur Lernprozessdiagnostik, in dem untersucht wird, wie ein Schüler biblische Wundererzählungen unter Nutzung exegetischer Fachmodelle identifiziert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen fachwissenschaftlicher Exegese, lernprozessorientierter Diagnostik und der reflexiven Praxis angehender Religionslehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist die Überprüfung der Kompetenz eines Schülers, das „Motivarsenal einer Wundererzählung“ nach Gerd Theißen auf eine spezifische Textstelle des Markusevangeliums anzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Lernprozessdiagnostik durchgeführt, die durch ein selbst entwickeltes Bearbeitungsmodell (Normweg versus Abweichungen) das Vorgehen des Probanden messbar und analysierbar macht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Modellierung, die Erstellung diagnostischer Items, die empirische Datenerhebung im Rahmen einer Schülerausarbeitung sowie die anschließende Rekonstruktion und kritische Evaluation der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lernprozessdiagnostik, Wundererzählungen, Motivarsenal, biblische Exegese und fachdidaktische Reflexion.
Warum wurde die Bibelstelle Mk 4,35-41 für die Diagnose gewählt?
Der Text eignet sich aufgrund seiner deutlichen Struktur als Wundererzählung besonders gut, um zu prüfen, ob Schüler die Gattungsmerkmale nach Gerd Theißen systematisch identifizieren und zuordnen können.
Welche Schwachstelle wurde in der Bearbeitungsstruktur identifiziert?
Der Autor reflektiert, dass das Modell bei einer abweichenden, aber dennoch plausiblen Zuordnung der Motive durch den Schüler an Trennschärfe verliert, was eine differenziertere Bewertungslogik erforderlich macht.
Welche Bedeutung kommt dem Lernimpuls für die Förderung zu?
Der Lernimpuls dient dazu, den Fokus des Schülers verstärkt auf das inhaltliche Textverständnis vor der formalen Merkmalszuordnung zu legen, um die Verinnerlichung der Gattungsstruktur zu fördern.
Wie bewertet der Autor die eigene Beraterrolle?
Die Reflexion verdeutlicht die Notwendigkeit, im Voraus klarer zu definieren, wie und in welcher Form auf Schülerfragen reagiert wird, um die Objektivität des Diagnoseprozesses zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Sandra Knierbein (Autor:in), 2016, Diagnose und Lernberatung zum individuellen religiösen Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464991