Das Spiel in der Waldorfpädagogik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
22 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Methodische Hinweise

2. Geschichtliches
2.1 Rudolf Steiner: Leben und Werk
2.2 Entstehung der Waldorfschule und des Waldorfkindergartens

3. Grundlagen der Waldorfpädagogik
3.1. Anthroposophie
3.2. Der viergliedrige Mensch
3.3. Die Temperamentenlehre
3.4. Die Jahrsiebte
3.4.1. Das 1. Jahrsiebt – Nachahmung und Vorbild
3.4.2. Das 2. Jahrsiebt

4. Das Spiel im Waldorfkindergarten
4.1. Interview mit einer Waldorferzieherin
4.2. Das Freispiel
4.3. Die räumliche Umgebung
4.4. Rhythmus und Wiederholung
4.5 Das Spielzeug
4.5.1 Die Phantasie
4.5.2. Natürlichkeit und Echtheit
4.5.3. Das Verhältnis zwischen Kind und Erziehenden

5. Kritikpunkte und Diskussion

6. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

In unserer Zeit gilt die Kindheit längst als eine eigenständige Phase der menschlichen Entwicklung. Nach und nach werden die Rechte der Kinder in den Verfassungen der Länder verankert. Die besonderen Anforderungen des kindlichen Alters werden anerkannt, vor allem die Sinnhaftigkeit des kindlichen Spiels. „Spiel ist keine Spielerei“ (Krenz, 2018, S. 2), sondern eine absolute Voraussetzung für die gesunde Entwicklung von Kindern. Eine angemessene Erziehungskunst kann daher nur bedeuten, „dem heiligen Ernst des spielenden Kindes gerecht zu werden“ (Knabe, 2018, S. 5) und sich ernsthaft und intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Auch wenn sich Wissenschaftler und Pädagogen über den grundsätzlich hohen Stellenwert des Spiels einig sind, gibt es diverse verschiedene Ansätze, Konzepte und Theorien über das Spiel an sich, seine Bedeutung für das spielende Kind, die Rolle des Erwachsenen, die Arten von Spielen und Spielzeug und viele thematische Bereiche mehr.

Beispielweise ist für Fröbel das Spiel „der höchste Ausdruck menschlicher Entwicklung während der Kindheit, denn nur dieses ist ein freier Ausdruck der kindlichen Seele“ (Fröbel, 1968, S.36). Fröbel ist einer der Befürworter des Gartens und des Freispiels. Pestalozzis Erziehung ist ganzheitlich und integriert „Hand-Herz-Kopf“, während Maria Montessoris Spielideal deutlich weniger ans Freispiel gebunden ist und bereits als Fördermittel fungiert.

Aus der Vielfalt der pädagogischen Ansätze möchte diese Arbeit den Fokus auf die Waldorfpädagogik Rudolf Steiners legen und sich folgende Frage stellen:

- wie begegnet die Waldorfpädagogik des Kindergartens bzw. der Krippe dem kindlichen Spiel?

1.1 Methodische Hinweise

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Grundintention und die Grundlagen der Waldorfpädagogik zu bieten sowie über den Umgang des Waldorfkindergartens mit dem Spiel, dem spielenden Kind und dem Spielzeug. Ein narratives Interview mit einer Waldorferzieherin ermöglicht einen zusätzlichen Einblick in den Alltag eines Waldorfkindergartens.

Am Ende des zweiten Teiles werden Kritikpunkte angeführt und diskutiert. Abschließend soll zu Zwecken eines Gesamtüberblickes eine Zusammenfassung und ein kurzer Ausblick über die Umsetzbarkeit und Plausibilität der bald 100 Jahre alten Waldorfpädagogik in unserer modernen Gesellschaft erfolgen.

2. Geschichtliches

2.1 Rudolf Steiner: Leben und Werk

Rudolf Joseph Lorenz Steiner wurde am 27. Feb. 1861 in Kraljevec an der ungarisch-kroatischen Grenze in bescheidenen Verhältnissen geboren. Seinen Vater beschreibt Steiner als einen temperamentvollen und gütigen Mann, Er war Angestellter einer Eisenbahngesellschaft. (vgl. Steiner, 2000, S.3). Über seine Mutter schreibt Steiner: „liebevolle Pflege ihrer Kinder und der kleinen Wirtschaft füllten ihre Tage aus.“ (Steiner, 2000, S.3)1879 maturiert Steiner mit Auszeichnung am naturwissenschaftlichen Gymnasium in Wiener Neustadt. Er nimmt das Studium der Mathematik, der Physik, der Biologie und der Chemie an der Technischen Universität Wien auf. Parallel dazu Studium der Philosophie, Literatur und Geschichte. Seinen Lebensunterhalt verdient er hauptsächlich als Privatlehrer. (vgl. Carlgren et. al., 2009, S. 9f)

1892 promoviert Rudolf Steiner zum Doktor der Philosophie an der Universität Rostock. Im Herbst 1894 erscheint sein philosophisches Hauptwerk: „Die Philosophie der Freiheit“. Sämtliche Werke und vor allem umfangreiche Vorträge werden folgen. 1899 kommt es zur Eheschließung mit Anna Eunike, einer Witwe und Mutter von fünf Kindern. Sie stirbt 1911. (vgl. Carlgren et. al., 2009, S. 9ff)

Im Oktober 1902 wird Steiner Generalsekretär der deutschen Sektion der 1875 von Helena Petrovna Blavatsky und Henry Steel Olcott begründeten Theosophischen Gesellschaft. 1912 trennt er sich davon und gründet die Anthroposophische Gesellschaft.1911 beginnt die Entwicklung einer neuen Bewegungskunst, der „Eurythmie“. 1914 heiratet er Maria von Sivers, die seit 1902 seine engste Mitarbeiterin ist. 1913-1919 Bau des Goetheanum, eines plastisch-organisch in Holz gestalteten Doppelkuppelbau in Dornach, Schweiz.

Am 30. März 1925 stirbt Rudolf Steiner in Dornach. (vgl. Carlgren et. al., 2009, S. 10ff)

Rudolf Steiner hinterließ ein umfangreiches, außergewöhnliches und -nicht nur aufgrund der anspruchsvollen Sprache- nicht leicht zugängliches Werk

2.2 Entstehung der Waldorfschule und des Waldorfkindergartens

Die erste freie Waldorfschule wird im Herbst 1919 in Stuttgart eröffnet. Es handelt sich um eine zwölfjährige Einheitsschule, die Volks- und Höhere Schule vereint und vor allem für jeden Schüler offensteht, unabhängig von seiner sozialen Schicht. (Carlgren et. al., 2009, S.18)

Die Schirmherrschaft liegt in den Händen des Direktors der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik Emil Molt, der an Steiner mit der Bitte herangetreten war, eine Schule für die Arbeiterkinder seiner Fabrik zu gründen. Rudolf Steiner nimmt die Leitung der Schule an und wird diese bis zu seinem Tod innehaben. In pädagogischen Kursen werden die Lehrer von ihm persönlich geschult. (vgl. Carlgren et. al., 2009, S.22)

Sieben Jahre nach der Schule entsteht in Stuttgart auch der erste Waldorfkindergarten.

Heute (Stand April 2018) gibt es weltweit 1.151 Waldorfschulen, davon 244 in Deutschland, sowie Waldorfkindergärten knapp 1.900 (davon ca. ein Drittel in der Bundesrepublik). (vgl. Bund der freien Waldorfschulen, 2018, S.1)

3. Grundlagen der Waldorfpädagogik

3.1. Anthroposophie

Die Anthroposophie (von altgriechisch ἄνθρωπος ánthrōpos „Mensch“ und σοφία sophίa „Weisheit“) beschreibt einen tief christlichen und universal menschlichen Entwicklungsweg. Sie ist der Versuch, den Menschen zu „erkunden“und daher eine „Menschenkunde“. Sie ist gleichzeitig ein Schulungsweg, um Erkenntnisse seelisch-geistiger Realitäten zu gewinnen. (vgl. Bund der freien Waldorfschulen, 2018, S.1)

Das prägnanteste Merkmal der Anthroposophie ist das Einbetten der sinnlichen, sichtbaren Welt in einem beseelten und vom Geist durchdrungenen Ganzen. Die Welt ist in der Lehre Steiners buchstäblich „in Weisheit gebaut“. Im Rahmen zahlreicher Inkarnationen verfolgt das einzelne Individuum sowie die Menschheit als Kollektiv, unabhängig von Rasse und Religion, das urchristliche Ziel der Menschenwerdung in Christus.

3.2. Der viergliedrige Mensch

Nach der anthroposophischen Menschenkunde besteht der Mensch nicht nur aus dem sichtbaren, physischen Körper, sondern aus drei weiteren „Leibern“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Den Physischen Leib hat der Mensch gemeinsam mit der mineralischen Welt. Er ist die Summe von chemischen und physischen Gesetzen und drückt sich in den Sinnes- organen aus. (vgl. Steiner, 1985, S.17)

Der Ätherleib ist bereits für das bloße Auge unsichtbar. Untrennbar mit dem physischen Leib bis zum Tode verbunden, stellt der Ätherleib den Bildner des physischen Leibes dar. Er gibt die Form und trägt in sich die Kräfte des Wachstums. Diesen hat der Mensch gemeinsam mit dem Pflanzenreich und drückt sich im Drüsensystem aus. (vgl. Steiner, 1985, S.18)

Den Astralleib hat der Mensch gemeinsam mit den Tieren. Dieser ist der Träger der menschlichen Empfindungen und Vorstellungen. Hier findet Lust und Leid statt, Freude und Schmerz. Physisch-sinnlicher Ausdruck des Astralleibes ist das Nervensystem. (vgl. Steiner, 1985, S.18)

Den letzten Leib, „wodurch der Mensch die Krone der Schöpfung ist auf unserer Erde“ (Steiner, 1985, S. 18), hat der Mensch für sich allein. Dieser ist der Träger des menschlichen Ichs, das ihm die Kraft des Selbstbewusstseins gibt. Seinen Ausdruck und eigentlichen Träger findet das Ich im Blut. (vgl. Steiner, 1985, S.18f)

3.3. Die Temperamentenlehre

Nach Steiner stammen die ersten beiden Leiber aus der Vererbungslinie, während der Astralleib und das Ich vielmehr an dem individuellen Wesenskern des Menschen gebunden sind. Durch die Wechselwirkungen dieser vier Glieder und vor allem „durch das Ineinander schießen der zwei Strömungen“, dieser aus der Vererbungslinie und jener aus dem individuellen Wesenskern des Menschen, „treten in der menschlichen Natur die Temperamente auf“. (vgl. Steiner, 1985, S.19)

Herrscht das Ich vor, so entsteht das cholerische Temperament. Herrscht der Astralleib vor, so entsteht ein sanguinisches Temperament. Bei einem Überschuss des Ätherleibes entsteht das phlegmatische Temperament und beim Vorherrschen des physischen Leibes das melancholische Temperament. (vgl. Steiner, 1985, S.20)

Eine wesentliche Grundlage der Waldorfpädagogik ist nach wie vor die Bemühung um Ausgleich im Falle eines überschüssigen Temperaments. Jedes Temperament kann für seinen Träger ein Hindernis werden. So werden in der Waldorfpädagogik Interventionen vorgenommen, denen die Temperamentenlehre zugrunde liegt.

Beispielweise werden Kinder des gleichen Temperaments zu Gruppen zusammengeführt, die eine Spiegelfunktion für das jeweilige Kind erfüllen. Durch die Spiegelung des Ähnliche und den Überschuss an Kontakt mit den Temperamenteigenschaften soll der innere Ausgleich der vier Glieder gefördert werden.

Auch ist einem sanguinischen Kind ganz anders zu begegnen als einem melancholischen oder einem cholerischen Kind. Der Zugang zu einem cholerischen Kind erfolgt naturgemäß ebenfalls anders als zu einem beispielweise zu Phlegma geneigten Kind. Das Temperament der Kinder zu erkennen, gehört daher unabdingbar zu einer angewandten Waldorfpädagogik.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Spiel in der Waldorfpädagogik
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
2.3
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V465016
ISBN (eBook)
9783668933330
ISBN (Buch)
9783668933347
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waldorfpädagogik, Spiel in der Kita
Arbeit zitieren
Dipl.- Ing. Marina Mandilara (Autor), 2018, Das Spiel in der Waldorfpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465016

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