Preisfindung auf Aktienmärkten. Technische Analyse


Seminararbeit, 2016
37 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Methoden der Aktienanalyse
2.1 Fundamentalanalyse
2.2 Technische Analyse

3 Indikatoren und Konzepte der modernen technischen Analyse
3.1 Trendfolgeindikatoren
3.2 Oszillatoren

4 Empirische Evidenz für und gegen den Erfolg der Methoden
4.1 Systematische Gestaltung bisheriger Studien
4.2 Exemplarische Ergebnisse ausgewählter Studien

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Bewertungskennzahlen der Fundamentalanalyse
Anhang 2: Chartdarstellungsformen und Trendrichtungen
Anhang 3: Trendwendeformationen
Anhang 4: Trendfolgeformationen
Anhang 5: Indikatoren-Analyse
Anhang 6: Aufteilung und Ergebnisse der Studien

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Methodenabgrenzung

Abbildung 2: Unterstützung und Widerstand

Abbildung 3: Kategorisierung

Abbildung 4: Bewertungskennzahlen der Fundamentalanalyse

Abbildung 5: Chartdarstellungsformen

Abbildung 6: Trendrichtungen

Abbildung 7: Trendwendeformationen

Abbildung 8: Trendfolgeformationen

Abbildung 9: Gleitende Durchschnitte

Abbildung 10: MACD

Abbildung 11: Stochastik

Abbildung 12: Anzahl an frühen und modernen Studien

Abbildung 13: Ergebnisse moderner Studien

Abbildung 14: Testergebnisse für den Future-Markt bis

Abbildung 15: Testergebnisse für den Devisenmarkt ab

Abbildung 16: Ergebnisse - gleitender Durchschnitt am Aktienmarkt

Abbildung 17: Ergebnisse - Unterstützungs- und Widerstandszone

Abbildung 18: Ergebnisse - Chartformationen am Aktienmarkt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

An der Börse ist alles möglich – auch das Gegenteil.“ 1 Dieses Zitat von André Kostolany beschreibt bis heute das unvorhersehbare Wesen der Aktienanalyse. In den letzten Jahren stiegen die Kurse der weltweit wichtigsten Indizes nahezu konstant an und somit die Beliebtheit der Aktie als Anlagemedium. Chancen stehen immer Risiken gegenüber, jedoch können mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden, wie bspw. der Fundamentalanalyse halbwegs zuverlässige Zukunftsprognosen getroffen und Risiken minimiert werden. Als Ergebnis dieser Methode erhält der Analyst u. a. den Hinweis, ob der Wert einer Aktie über- oder unterbewertet ist. Unberücksichtigt bleibt das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage bzw. die Information, ob eine Aktie steigt oder fällt.2 An dieser Stelle kommt die technische Analyse als weitere Methode zum Einsatz.

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht darin, die grundsätzliche Beschaffenheit der technischen Analyse zu erläutern, geeignete Indikatoren und Oszillatoren aufzuzeigen sowie eine empirische Untersuchung hinsichtlich Erfolg oder Misserfolg der Methoden.

Ausgehend von diesen Zielen werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit nachfolgende Forschungsfragen beantwortet:

1. Wie sehen die Grundlagen der technischen Analyse zur Unterstützung der Preisfindung auf den Aktienmärkten aus?
2. Was sind technische Indikatoren, welche Arten stehen dem Analysten zur Verfügung und wie tragen diese zur Vorhersage des Aktienkurses bei?
3. Gibt es einen wissenschaftlichen Beleg für den Erfolg oder Misserfolg der technischen Analyse?

Für eine hinreichende Beantwortung dieser Fragen wird zum aufbauenden Verständnis die Fundamental- und die technische Analyse erläutert und die bekannten Trendfolgeindikatoren sowie Oszillatoren analysiert. Anschließend werden im vierten Kapitel ausgewählte empirische Studien der technischen Analyse thematisch kategorisiert und exemplarisch ausgewertet. Abschließend werden im Fazit die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst, reflektiert und weitere Ansatzpunkte für den zukünftigen Forschungsbedarf aufgezeigt.

2 Methoden der Aktienanalyse

Mit Hilfe der Aktienanalyse wird der Wert der untersuchten Aktie bestimmt, eine verlässliche Zukunftsprognose ermöglicht und darauf basierend eine Anlageentscheidung abgeleitet. Für diese Zielerreichung existieren zwei unterschiedliche Methoden: die Fundamentalanalyse und die technische Analyse.3 In diesem Kapitel werden die Vorgehensweisen und Aufgaben, wie in Abbildung 1 zusammengefasst, dargestellt.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Methodenabgrenzung (Quelle: in Anlehnung an Cesar (1996): 5f.)

2.1 Fundamentalanalyse

Die Fundamentalanalyse, die derzeit in der Praxis die verbreitetste Methode ist, analysiert alle für das Unternehmen relevanten betrieblichen Daten sowie das ökonomische Umfeld, mit dem Ziel den "inneren"5 (fairen) Wert der Aktie zu ermitteln. Durch einen Abgleich mit dem an der Börse gehandelten Aktienkurs resultiert das fundamentale Votum: unterbewertet, angemessen bewertet oder überbewertet. Die kurzfristige Unter-/Überbewertung des Unternehmens ermöglicht eine Kursprognose mit abgeleiteter Handlungsempfehlung (Kauf-/Verkaufsempfehlung).6

Bei der Vorgehensweise der Fundamentalanalyse wird zwischen dem Top-Down- und dem Bottom-Up-Ansatz7 unterschieden. Nach dem Top-Down-Ansatz werden für die Ermittlung des inneren Wertes die Größen aus der Gesamtwirtschaft (Globalanalyse), der jeweiligen Branche (Branchenanalyse) und die des Unternehmens (Unternehmensanalyse) betrachtet.8

Zur Einschätzung der nationalen sowie internationalen Wirtschaftslage werden im Rahmen der Globalanalyse die Zins- und Währungsänderungen, schwankende Rohstoffpreise sowie volkswirtschaftliche Faktoren, wie bspw. Konjunkturdaten analysiert. Diese stehen im engen Zusammenhang mit dem zukünftigen Kursverlauf. Mit Hilfe von Indikatoren wie bspw. volle Auftragsbücher und niedrige Lagerbestände verfolgt die Branchenanalyse9 die Aufgabe, zukünftig attraktive Branchen zu identifizieren. Nachdem erfolgversprechende Wirtschaftszweige feststehen, werden innerhalb der jeweiligen Branche die Unternehmen ausgewählt, bei denen ein Investment die größten Gewinnaussichten bietet.10 Abschließend werden im Rahmen einer Unternehmensanalyse die aktienkursbezogenen Kennzahlen11 wie bspw. die Dividendenrendite oder das Kurz-Gewinn-Verhältnis ermittelt, bewertet und der innere Wert der Aktie abgeleitet.12

2.2 Technische Analyse

Während bei der Fundamentalanalyse die Differenz zwischen dem "inneren" Wert und dem gegenwärtigen Kurs analysiert wird, betrachtet die technische Analyse den Aktienkurs als Ergebnis des Zusammenwirkens von Angebot und Nachfrage. Ziel ist die rechtzeitige Erkennung von Kursverlaufsmustern13, von denen angenommen wird, dass sich diese in der Zukunft wiederholen.

Kursverläufe sind nicht nur ein Abbild der Preisentwicklung eines bestimmten Basiswertes, sondern gleichzeitig ein Psychogramm aller Marktteilnehmer, die sowohl rational14 als auch emotional handeln. Die Aktienkurse spiegeln somit nicht nur die fundamentalen Daten wider, sondern reflektieren die Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen aller Marktteilnehmer.

Dass sich die Geschichte an den Finanzmärkten immer wiederholt, nicht weil die Umstände dieselben sind, sondern weil sich das Verhalten der Menschen nicht verändert, dessen war sich Charles H. Dow, dem Begründer der technischen Analyse Anfang des 19. Jahrhunderts bewusst. Anhand des von Edward C. Jones und ihm entwickelten Dow-Jones-Index15, erkannte Dow wiederkehrende Kursbewegungen.16 Diese werden als Trends bezeichnet und können drei Ausprägungen annehmen, den Primär-, den Sekundär- und den Tertiärtrend.17

Der Primärtrend, der als Hausse- oder Baissephase bzw. als Bullen- oder Bärenmarkt18 gekennzeichnet wird, dauert nach der Dow-Theorie zwischen einem und mehreren Jahren an und wird von professionellen Großinvestoren bevorzugt gehandelt. Die Sekundärtrends verlaufen innerhalb der Hausse- und Baissephase und weisen einen Zeithorizont von mehreren Wochen bis zu einem Jahr auf. Innerhalb der Sekundärtrends bewegen sich die Tertiärtrends (wenige Tage bis zu einigen Wochen) die besonders für spekulative Anleger, zur Erreichung hoher Renditen, die Basis zur weiteren technischen Analyse darstellen.19

Eine Kursbewegung die über einen längeren Zeitraum in die gleiche Richtung verläuft wird als Trend bezeichnet. Der Trend kann aufwärts (sukzessive höhere Tiefs und höhere Hochs), seitwärts (Serie gleich tiefer Tiefs und gleich hoher Hoch) oder abwärts (sukzessive tiefere Tiefs und tiefere Hochs) verlaufen.20 Die Verbindung von markanten Hoch- oder Tiefpunkten im Kursverlauf wird als Trendlinie bezeichnet und kann sich über mehrere Jahre erstrecken.21

Mit Hilfe der Dow-Theorie und des Trendkonzeptes können Unterstützungen und Widerstände für den jeweiligen Anlagehorizont ermittelt werden. Diese sind essentiell für das Verständnis zahlreicher in der technischen Analyse angewandter Techniken und Methoden. Ein Widerstand markiert Hoch- und Tiefpunkte, an denen die Aufwärtsbewegung innerhalb des Trends ein oder mehrere Male gestoppt wurde.

Zu diesem Zeitpunkt übersteigt das Angebot die Nachfrage und der Kursanstieg kehrt um. Die Bedeutsamkeit der Widerstandslinie steigt bei einer wiederholten Kursumkehr. Der anschließende Durchbruch wird als Kaufsignal (Bildung einer Long-Position)22 interpretiert, das umso bedeutsamer zu werten ist, je stärker der Widerstand war.23 Anschließend erfolgt eine Funktionsumkehr und der Widerstand wird zur Unterstützung24, wie die nachfolgende Abbildung 2 verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Unterstützung und Widerstand (Quelle: Horntrich (2010): 46)

Neben Unterstützungen und Widerständen liefert die Chartformationsanalyse weitere Anhaltspunkte für eine Anlageentscheidung. Die Literatur unterscheidet zwischen Formationen, die eine Trendwende signalisieren (Kauf-/Verkaufssignale) und solcher die einen bestehenden Trend bestätigen.

Die Schulter-Kopf-Schulter - Formation (kurz: SKS-Formation) und deren Umkehrung sind eine der bedeutendsten Trendwendeformationen und liefern Aufschluss über einen beginnenden Abwärts-/Aufwärtstrend. Die Muster sind durch eine Abfolge von fünf aufeinanderfolgenden Punkten gekennzeichnet.25 Nach einem Kursanstieg (1) innerhalb des Aufwärtstrends fällt der Kurs bis zur Unterstützungszone und bildet ein Zwischentief (2). Nach Vollendung der Konsolidierungsphase erfolgt ein erneuter Kursanstieg und das vorherige Hoch wird übertroffen (3). Anschließend fällt der Kurs auf ein neues Zwischentief (4) und steigt erneut (5). Eine Verbindung der Zwischentiefs (2) und (4) bildet die Nackenlinie, die bei einer Unterschreitung (Überschreitung) von mindestens 3 % als Verkaufssignal (Kaufsignal) dient und eine Trendwende prognostiziert.26

Neben den SKS-Formationen sind das Doppelhoch und Doppeltief weitere Trendwendeformationen und werden aufgrund des Kursverlaufs auch M-Formation und W-Formation genannt. Im Gegenzug zur SKS-Formation besteht das Doppelhoch (Doppeltief) aus zwei Hochs (Tiefs) die in etwa demselben Kursniveau entsprechen. Das Zwischentief (-hoch) bildet die Basislinie und sollte eine Differenz von mindestens 10 % zum jeweiligen Hoch (Tief) aufweisen. Bei einer Kursänderung unterhalb der Basislinie signalisiert das Doppelhoch einen Wechsel vom Aufwärts- zum Abwärtstrend (Verkaufssignal) und vice versa.27

Die zweite und neben den Trendwendeformationen bedeutsame Gruppe der Chartformationen sind die Trendfolger. Die Trendfolgeformationen28 vertreten die Gemeinsamkeit, dass die bisherige Kursentwicklung durch einen Konsolidierungsprozess unterbrochen wird. Zu dieser Gruppe gehört bspw. das Rechteck. Dieses repräsentiert eine Pause im Trend (i. d. R. 1-3 Monate), in denen sich die Kurse zwischen zwei horizontalen Linien (Widerstand und Unterstützung) seitwärts bewegen. Die Kursschwankungen innerhalb des Rechtecks sind gleichbleibend, während sich die Umsätze29 verringern. Nach Beendigung der Formation bricht der Kurs i. d. R. nach oben aus und wird von steigenden Umsätzen begleitet. Hierdurch wird ein Kaufsignal ausgelöst und die Trendfolge bestätigt. Sofern der Kurs den Widerstand nicht überwindet und unterhalb der Unterstützungszone fällt, bricht die Trendfolge ab und ein Verkaufssignal wird generiert.30

Unter den vielen verschiedenen Formationen gehört das auf-/absteigende Dreieck sowie das umgekehrte Dreieck zu den am einfachsten zu identifizierenden Mustern im Rahmen der Trendfolge. Diese bilden sich dadurch, dass sich die Schwankungsbreite des Kurses fortlaufend verringert (erhöht), bei gleichzeitig zunehmender Seitwärtsbewegung. Gebildet von einer unteren aufwärtsgerichteten Trendlinie und einer oberen parallel zur Zeitachse verlaufenden Widerstandslinie, signalisiert das aufsteigende Dreieck einen weiteren Kursanstieg und generiert bei Überschreitung der Trendlinie ein Kaufsignal.31 Bei dem umgekehrten Dreieck wird ein Durchbrechen der unteren (oberen) Dreieckslinie als Verkaufssignal (Kaufsignal) gewertet.

3 Indikatoren und Konzepte der modernen technischen Analyse

Im Gegensatz zu den Chartformationen, die subjektive Interpretationsspielräume bieten, basieren die Indikatoren auf mathematische und/oder statistische Berechnungen von Kurs- und/oder Volumenzeitreihen. Im Allgemeinen wird zwischen Trendfolgeindikatoren, die aktuelle Trends in Hausse- oder Baissephasen anzeigen und Oszillatoren, die mögliche Trendwechsel in ausgeprägten Seitwärtsphasen prognostizieren, unterschieden.32 Im Folgenden werden die wichtigsten und bekanntesten Indikatoren beider Gruppen analysiert.

3.1 Trendfolgeindikatoren

Als der vielseitigste und beliebteste technische Indikator der Trendfolge gilt der gleitende Durchschnitt, der aus einer fortgeführten Reihe von Mittelwerten aus einer bestimmten Anzahl fortlaufender Aktienkurse gebildet wird. Die grundlegende Aufgabe besteht darin, Ausreißer in den Kursbewegungen herauszufiltern, das Trendverhalten und die Trendrichtung zu analysieren sowie einen Trendwechsel rechtzeitig aufzuzeigen. Die Zeitperiode ist dabei frei wählbar.33

Am einfachsten aufgebaut ist der einfache gleitende Durchschnitt (engl. "Simple Moving Average", kurz: SMA). Dieser wird fortlaufend durch die Summe der Schlussnotierungen einer bestimmten Zeitperiode und der anschließenden Division dieser Zeitperiode ermittelt. Alle Tage innerhalb der Zeitperiode sind gleich gewichtet. Der gewichtete lineare Durchschnitt (engl. "Weighted Moving Average", kurz: WMA) verändert die Gewichtungsfaktoren, sodass dem aktuellen Kurs die höchste und dem ältesten Kurs die niedrigste Gewichtung zugrunde liegt. Dadurch verläuft der WMA geglättet und näher am Kurs als der SMA.34 Die dritte Kategorie35 der gleitenden Durchschnitte bildet der exponentiell gleitende Durchschnitt (engl. "Exponential Moving Average", kurz: EMA). Der EMA gewichtet die aktuellen Kurse stärker als der WMA, indem zu dem Wert des gestrigen Durchschnitts ein gewichteter Anteil des heutigen Schlusskurses fortlaufend addiert wird. Je länger die Kurse zurückliegen, umso stärker strebt deren Gewichtung gegen Null.36

Mit Hilfe der drei Indikatoren (SMA/WMA/EMA) werden unabhängig der Zeitperiode und der Kategorie, Kauf-/Verkaufssignale generiert, sofern der Schlusskurs den gleitenden Durchschnitt um mindestens 3 % nach oben/unten durchstoßen hat. Hierbei gilt, je kürzer die ausgewählte Zeitperiode, desto häufiger treten Signale auf, die wiederum zu erhöhten Fehlereinschätzungen führen, sofern sich der Trend vor einer Umkehr befindet. Viele Analysten legen deshalb mehrere Durchschnittslinien37 übereinander, aus deren Schnittpunkten wiederum Kauf- und Verkaufsempfehlungen erfolgen.38 Hierzu existiert in der Literatur kein allgemeingültiger Ansatz, sodass jeder Analyst eigene Vorgehensweisen verfolgt.

Eine Weiterentwicklung der gleitenden Durchschnitte ist der "Moving Average Convergence Divergence", kurz: MACD.39 Der von Gerald Appel Ende der siebziger Jahre entwickelte um eine Nulllinie schwankende Indikator basiert aus drei EMA’s die mit Hilfe von zwei Linien dargestellt werden, der MACD-Linie und der Signallinie. Während die MACD-Linie sich aus der Differenz des kürzeren 12-Tages-EMA und des längeren 26-Tages-EMA berechnet, dient der 9-Tages-EMA als Signallinie.40 Die im Histogramm dargestellten beiden Linien schwanken in einer bestimmten Bandbreite zueinander. Bei einer zunehmenden Entfernung beider Linien wird von einer Divergenz gesprochen, die ein Momentumzuwachs bzw. eine Erhöhung der Trendstärke zufolge hat. Umgekehrt suggeriert die Konvergenz einen sich annähernden Verlauf und deutet auf einen Momentumverlust bzw. eine Trendabschwächung hin. Der MACD-Indikator besitzt neben der Trendfolgefunktion auch die Eigenschaft eines Oszillators, da beide Linien um die Nulllinie herum verlaufen.41 Je weiter sich die Linien von der Nulllinie entfernen, desto stärker ist der zugrundeliegende Trend.

Eine möglichst zuverlässige Kauf-/Verkaufsprognose wird generiert, wenn die MACD-Linie die Signallinie von unten nach oben/oben nach unten schneidet, bei einem gleichzeitig überverkauften/überkauften Markt. Dieser tritt laut Fachexperten dann ein, wenn die MACD-Linie bis zur unteren/oberen Begrenzungslinie des Histogramms verläuft.42

3.2 Oszillatoren

Das Gegenstück zu den vorgestellten Trendfolgeindikatoren stellen antizyklische Handelssysteme, sogenannte Oszillatoren dar, die eine abnehmende Trenddynamik, bzw. eine Reduzierung des Momentums in trendintensiven Phasen signalisieren. Die Oszillatoren schwanken zwischen einer eingezeichneten Mittellinie innerhalb zwei Extremzonen bzw. Begrenzungslinien unterhalb des dargestellten Kursdiagramms und sollten nie als alleingültiges Instrument, sondern in Verbindung mit weiteren technischen Chartformationen angewendet werden.43

Zu den am häufigsten verwendeten Oszillatoren zählt die Stochastik 44 , die besonders in Seitwärtsphasen zuverlässige Handelssignale liefert. Hinter der Stochastik steht die Annahme, dass die Schlusskurse in einem Aufwärtstrend näher am oberen Ende und die Schlusskurse in einem Abwärtstrend näher am unteren Ende der Extremzone liegen.45 Die Kursschwankungsbreite pendelt um die Mittellinie von 50 % zwischen den Werten 0 % und 100 % und bezieht sich auf den jeweiligen Betrachtungszeitraum, der individuell nach Präferenz ausgewählt wird. Visuell betrachtet besteht die Stochastik aus zwei Linien, die als "%K" und "%D" bezeichnet werden. Die %K-Linie gibt an, auf welcher Höhe sich der aktuelle Schlusskurs in Relation zu der Bandbreite des gewählten Betrachtungszeitraums befindet. Die %D-Linie wird als geglätteter Durchschnitt der %K-Linie berechnet und erweist sich als weniger reagibel gegenüber Kursbewegungen.46

Ähnlich wie bei dem MACD-Indikator entstehen Kauf- und Verkaufssignale bei der Stochastik immer dann, wenn sich die %K- und %D-Linie im überverkauften /überkauften Markt schneiden. In der Literatur gilt ein Niveau von unter 30 % als überverkauft und ein Niveau von über 70 % als überkauft. Bei jeder Oszillator-Interpretation ist das Trendverhalten aus dem Kapitel 2.2 übergeordnet zu betrachten. In Haussephasen bspw. kann sich die Stochastik mehrere Monate in der oberen Extremzone aufhalten und liefert im Falle einer einseitigen Betrachtungsweise Fehlsignale.47 Gleiches gilt für Phasen mit einer geringen Kursspanne, da kleine Kursänderungen große Bewegungen im Oszillator erzeugen und somit zu falschen Einstiegssignalen führen.

[...]


1 Esser (2002): 94.

2 Vgl. Ruppert (2013):12.

3 Vgl. Cesar (1996): 5.

4 Anzumerken ist, dass sich diese Arbeit primär mit der technischen Analyse befasst, wodurch die fundamentalen Aspekte inhaltlich ungleich gewichtet sind.

5 Guserl und Pernsteiner bspw. definieren den inneren Wert als ein theoretischer Wert eines über sämtliche Informationen verfügenden Finanzexperten. Vgl. Guserl/Pernsteiner (2015): 23.

6 Vgl. Müller (2005): 13f.

7 Die Durchführung nach dem Bottom-Up-Ansatz erfolgt vice versa.

8 Vgl. Priermeier (2006) :11f.

9 Die Branchenanalyse kann z. B. mit dem Fünf-Kräfte-Modell (engl. five-forces) von Porter durchgeführt werden. Ausführlich dazu siehe Porter (2013): 35ff.

10 Vgl. Prätsch/Schikorra/Ludwig (2012): 56f.

11 Für eine detaillierte Beschreibung und Ermittlung der relevanten Kennzahlen siehe Anhang 1.

12 Eine genaue Ableitung des inneren Wertes sowie weitere in der Praxis angewandte Methoden wie bspw. das Substanz-/Ertragswertverfahren und das Discounted Cash Flow Verfahren werden im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt. Hier wird das Studium der weiterführenden Literatur empfohlen.

13 Die Anwendung der technischen Analyse ist nicht auf den Aktienbereich beschränkt, vielmehr lassen sich alle Anlageklassen (Anleihen, Futures, Rohstoffe usw.) deren Kursverlauf aufge-zeichnet wird bewerten. Vgl. Steiner/Bruns (2007): 272.

14 Bei einem ausschließlich rationalen Handeln der Marktteilnehmer, liefert die fundamentale Analyse zu jeder Zeit die richtige Prognose. Vgl. Cesar (1996): 80.

15 Der Dow Jones Industrial Average (kurz: Dow-Jones-Index) ist der wichtigste und älteste noch bestehende Aktienindex Nordamerikas und umfasst die 30 größten der dort ansässigen Unternehmen. Vgl. Heese (2014): 41.

16 Die Kursbewegungen werden in Chartdarstellungsformen bestehend aus Diagrammen, die auf der Abszisse eine zeitliche Einteilung und auf der Ordinate eine Kursskala der Handelsobjekte aufweisen, wiedergeben. Die drei häufigsten Formen werden im Anhang 2 dargestellt.

17 Vgl. Steiner/Bruns (2007): 277f.

18 Der Bullenmarkt beschreibt über einen längeren Zeitraum steigende Kurse, während bei einem Bärenmarkt die Kurse über einen längeren Zeitraum fallen. Vgl. Wierichs/Smets (2001): 116.

19 Vgl. Cesar (1996): 85.

20 Zur Vereinfachung werden die drei Trendrichtungen im Anhang 2 visuell dargestellt.

21 Vgl. BörseGo AG (2016): 10.

22 Bei einer Long-Position werden unterbewertete Aktien gekauft und bei einer Short-Position überbewertete Aktien leer verkauft. Vgl. Busack/Kaiser (2006): 8.

23 Vgl. Möller (1998): 155ff.

24 Der Durchbruch einer Unterstützungszone wird als Verkaufssignal (Aufbau einer Short-Position) interpretiert. Vgl. Möller (1998): 155ff.

25 Bei der umgekehrten SKS-Formation verlaufen die nachfolgend beschriebenen Punkte spiegel-verkehrt. Beide Trendwendeformationen werden im Anhang 3 visuell dargestellt.

26 Vgl. Frei/Schlienkamp (1997): 310f.

27 Vgl. Cesar (1996): 105.

28 Die hier beschriebenen Trendfolgeformationen werden im Anhang 4 visuell dargestellt.

29 Bei dem Doppelhoch hingegen nehmen die Umsätze nach der Bildung des zweiten Hochs deutlich zu und lassen sich somit voneinander abgrenzen. Vgl. Horntrich (2010): 97.

30 Vgl. Steiner/Bruns (2007): 292f. und Frei/Schlienkamp (1997): 317.

31 Die Regeln für das absteigende Dreieck gelten entsprechend spiegelbildlich. Ausführlich dazu vgl. Frei/Schlienkamp (1997): 314f.

32 Vgl. Roller (2016): 155 sowie Müller (2013): 45 und Bauer (2012): 161.

33 Für die Analyse langfristiger Trends werden in der Praxis häufig 200-Tage-, für mittelfristige Trends zwischen 50- und 90-Tage- und für kurzfristige Trends zwischen 10- und 30-Tage-Linien dargestellt. Vgl. Cesar (1996): 152.

34 Vgl. Rose (2006): 377.

35 Für die Berechnung und Visualisierung der gleitenden Durchschnitte siehe Anhang 5.

36 Vgl. Appel (2015):185f.

37 Ausführlich zur Double-/Triple-Crossover-Methode siehe Murphy (1999): 202ff.

38 Vgl. Frei/Schlienkamp (1997): 302.

39 Neben den gleitenden Durchschnitten und den MACD-Indikator, gehören die Bollinger-Bänder und das On-Balance-Volumen zu den bekanntesten Trendfolgeindikatoren. Für tiefere Einblicke wird das Studium der weiterführenden Literatur empfohlen.

40 Vgl. Fernández-Blanco et al. (2008): 1852f.

41 Der Aufbau des MACD-Indikator wird im Anhang 5 dargestellt.

42 Vgl. Aigner/Bilger (2012): 130ff.

43 Vgl. Kirkpatrick/Dahlquist (2011): 437ff.

44 Neben der Stochastik gehören der Relative-Stärke-Index und das Momentum zu den bekanntest-en Oszillatoren. Für tiefere Einblicke siehe weiterführende Literatur.

45 Für die Berechnung und Visualisierung des Stochastik-Indikators siehe Anhang 5.

46 Vgl. Cesar (1996): 174f.

47 Vgl. Hilpold/Kaiser (2010): 39f. und Horntrich (2010): 160f.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Preisfindung auf Aktienmärkten. Technische Analyse
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Mercator School of Management)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V465151
ISBN (eBook)
9783668937055
ISBN (Buch)
9783668937062
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aktienanalyse, Technische Analyse, Technische Indikatoren, Oszillatoren, Charttechnik, Fundamentalanalyse, Methoden zur Aktienanalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Preisfindung auf Aktienmärkten. Technische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465151

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