Diese vorliegende Arbeit möchte untersuchen: „Was sind die theoretischen Überlegungen und Unterschiede in der Auslegung der Berufs- und der Allgemeinbildung zwischen Kerschensteiner und Spranger?“
Daher wird im ersten Schritt in Kapitel 2 auf die Historische Einbettung des Themengebietes eingegangen. In Kapitel 3 und 4 werden erst die theoretischen Überlegungen von Kerschensteiner und Spranger erörtert. Im 5. Kapitel sollen die eigentlich ähnlichen Theorieansätze nach Unterschieden untersucht werden. Im 6. Kapitel finden eine eigene Anmerkungen und eine Zusammenfassung statt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historische Einordnung
3 Kerschensteiner bildungstheoretische Ausführungen
4 Sprangers bildungstheoretische Ausführungen
5 Inhaltliche Divergenzen zwischen Kerschensteiner und Spranger
5.1 Berufsauswahl
5.2 Zeitliche Anordnung der Allgemeinbildung
5.3 Unterschiede in der theoretischen Auslegung der Allgemeinbildung
5.4 Lebenszentrum in den theoretischen Ausführungen
5.5 Berufsauswahl
6 Zusammenfassung und eigene Anmerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die theoretischen Überlegungen und Unterschiede in der Auslegung der Berufs- und Allgemeinbildung bei den Bildungstheoretikern Georg Kerschensteiner und Eduard Spranger vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts.
- Historische Einbettung der Industrialisierung und deren Einfluss auf die Berufsbildung.
- Analyse der bildungstheoretischen Grundgedanken von Kerschensteiner und Spranger.
- Gegenüberstellung der Konzepte von Berufs- und Allgemeinbildung.
- Identifikation inhaltlicher Divergenzen in Bezug auf Berufsauswahl und Bildungsziele.
- Reflexion der gesellschaftlichen Rolle des Individuums und des Staates.
Auszug aus dem Buch
3 Kerschensteiner bildungstheoretische Ausführungen
Die übliche handwerkliche Meisterlehre, die zu einem großen Auffangbecken der beruflichen Ausbildung der Schulentlassenen gehörte, war der Gefahr der Auflösung ausgesetzt. Wie oben bereits erwähnt, wurde der Gegenwind der Industrie, die sich erfolgreich als stetig mächtigere Konkurrenz gegen Ende des Jahrhunderts gegenüber dem Handwerk durchsetzte. Die jugendlichen Lehrlinge wurden als billige Arbeiter ausgenutzt. Von Erziehung und Ausbildung war kaum mehr die Rede. Dieser Umstand führte unmittelbar dazu, dass das Lehrverhältnis überhaupt nicht mehr als Erziehungsinstitution angesehen wurde, sondern nur noch als eine Art Arbeitsverhältnis eingestuft wurden ist.
Somit war der Zeitwandel der Industrialisierung der Auslöser gewesen, dass die Schulen als Erziehungsinstitution nicht mehr im Mittelpunkt standen. Gleichzeitig wurde die Industrialisierung ausschlaggebend für innovative Ideen und für revolutionäre Grundgedanken der Berufsbildung insbesondere für Georg Kerschensteiner.
Die konstruktiven Grundgedanken der Bildungstheorie Kerschensteiners werden in drei Kategorien eingeteilt. Die erste Kategorie beschreibt den Begriff der der Individualität. die zweite Kategorie den Begriff der „zeitlosen“ überindividuellen Werte und die dritte Kategorie schließlich den Begriff der Kulturgüter als den historisch erwachsenen Verwirklichungsform. Diese drei Begriffe bezeichnen gleichzeitig auch was allgemein als das „geistige Leben“ benannt wird.
Individualität ist die einzigartige Aktions,- und Reaktionsweise des einzelnen Menschen auf die Umwelt. Sie ist durch die Vererbung in ihrem Wesen bedingt und entwickelt sich durch die Lebensverhältnisse zu einer bestimmten Form. Die Individualität ist ein „ in sich geschlossenes Ganzen“, der die Grundlage bildet für die geistige Entwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Depression und die Notwendigkeit einer neuen Berufsbildungstheorie angesichts der Missstände der Industrialisierung.
2 Historische Einordnung: Dieses Kapitel erläutert den Einfluss des gesellschaftlichen Wandels durch die Erfindung der Dampfmaschine und die damit verbundene wirtschaftliche Umwälzung auf das Handwerk.
3 Kerschensteiner bildungstheoretische Ausführungen: Es werden Kerschensteiners Begriffe von Individualität, überindividuellen Werten und Kulturgütern im Kontext seiner Berufsbildungstheorie dargestellt.
4 Sprangers bildungstheoretische Ausführungen: Dieses Kapitel beschreibt Sprangers bildungstheoretischen Dreischritt und seine vehemente Ablehnung einer rein zweckgerichteten Dressur in Berufsschulen.
5 Inhaltliche Divergenzen zwischen Kerschensteiner und Spranger: Ein Vergleich der beiden Theoretiker hinsichtlich Berufsauswahl, zeitlicher Anordnung der Allgemeinbildung und der Bedeutung des Lebenszentrums.
6 Zusammenfassung und eigene Anmerkungen: Abschließende Reflexion über die Bedeutung der Reformpädagogen für die heutigen Berufsschulen und kritische Anmerkungen zur historischen Perspektive.
Schlüsselwörter
Berufsbildung, Allgemeinbildung, Kerschensteiner, Spranger, Industrialisierung, Bildungsreform, Berufsauswahl, Brauchbarer Mensch, Lebenszentrum, Neuhumanismus, Berufsschule, Pädagogik, Individualität, Staat, Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Ansätzen zur Berufs- und Allgemeinbildung von Georg Kerschensteiner und Eduard Spranger und deren Reaktion auf die industrielle Revolution.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Berufsbildung, das Menschenbild in der Industriezeit sowie die unterschiedliche Gewichtung von Persönlichkeitsbildung und ökonomischem Nutzen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und vor allem die massiven inhaltlichen Unterschiede in den Theorien von Kerschensteiner und Spranger herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf Literaturrecherche und dem Vergleich bildungstheoretischer Schriften der beiden Autoren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Theorien beider Pädagogen einzeln dargelegt, gefolgt von einer vergleichenden Analyse spezifischer Aspekte wie der Berufsauswahl und dem Konzept der Allgemeinbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Berufsbildung, Allgemeinbildung, Kerschensteiner, Spranger, Industrialisierung und Bildungsreform.
Wie definiert Kerschensteiner den Begriff des „brauchbaren Menschen“?
Für Kerschensteiner ist der brauchbare Mensch ein Individuum, das durch seine Arbeit Einsicht und Kraft schöpft, zur Gemeinschaft beiträgt und somit den Staat unterstützt.
Warum lehnte Spranger die frühe berufliche Spezialisierung ab?
Spranger betrachtete die frühe Dressur auf bestimmte Tätigkeiten in Berufsschulen als eine Form der „Sklaverei“ und forderte, dass die allgemeine Bildung den Fachmann ergänzen muss.
Was versteht Spranger unter dem „Lebenszentrum“?
Das Lebenszentrum ist ein zentrales Element in Sprangers Dreistufenmodell, das durch die Berufswahl definiert wird und als Anker für die weitere Persönlichkeitsbildung dient.
Welche persönliche Einschätzung gibt der Autor zur Allgemeinbildung in dieser Ära?
Der Autor kritisiert die historische Begrenzung der Allgemeinbildung auf privilegierte Schichten und hinterfragt die nationalistischen Tendenzen in Kerschensteiners Schriften.
- Arbeit zitieren
- Ismail Hüseyin (Autor:in), 2017, Was sind die theoretischen Überlegungen und Unterschiede in der Auslegung der Berufs- und der Allgemeinbildung zwischen Kerschensteiner und Spranger?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465324