Diese Hausarbeit möchte die aktuelle Debatte kultureller Begegnungen im Rahmen des Seminarthemas "Literaturdidaktische Vertiefung -- Literarisches Lernen im interkulturellen Kontext" aufgreifen. Grundidee dieses Themas ist der Liedtext von "Farbenspiel des Windes" aus dem Film Pocahontas.
Als erstes werden jedoch die historisch-realen Punkte, an denen Pocahontas/Rebecca in den wichtigsten Quellentexten des frühen 17. Jahrhunderts erscheint, genauer betrachtet. Zweitens werden die kulturellen Positionen diskutiert, für die sie in diesen Kontexten in Anspruch genommen wird. Drittens wird mit der fiktiven Disney-Verfilmung eine der neusten Inszenierungen der Figur vorgestellt und auf ihre popularisierende Strategie hinterfragt.
Im Anschluss werden diese verschiedenen Blickwinkel auf die aktuelle Debatte interkultureller Identitäten bewertet. Hierfür werden Thesen aus dem Buch "Es gibt keine kulturellen Identitäten" von Julien Francois herangezogen. Anschließend findet eine kritische Schlussbetrachtung statt.
Inhaltsverzeichnis
1. Grundlagentext
2. Einleitung
3. Die Geschichte Pocahontas
3.1 Historische Überlieferungen
3.2 Sozial-politische Rolle – Eine Figur zwischen den Fronten
3.3 Popularisierender Blickwinkel – mediale Beeinflussung
4. Kulturelle Identität?
5. Fazit
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Figur der Pocahontas/Rebecca als „Figur der/des Dritten“ in kulturellen Zwischenräumen und stellt diese der popularisierenden, medialen Darstellung im Disney-Film von 1995 gegenüber, um die Konstruktion interkultureller Identitäten kritisch zu hinterfragen.
- Analyse historischer Überlieferungen zur Biografie von Pocahontas
- Untersuchung der sozio-politischen Rolle als Vermittlerin zwischen Kulturen
- Kritische Reflexion der medialen Inszenierung durch die Disney-Filmindustrie
- Diskussion kultureller Identitäten im Kontext von Ressourcen statt starrer Kategorien
Auszug aus dem Buch
3.2 Sozial-politische Rolle – Eine Figur zwischen den Fronten
Die archivierten Spuren lassen sich so lesen, dass Pocahontas/Rebecca durch drei politische Berührungspunkte beeinflusst wird: Kolonie-Plantage-Theater.
In der Kolonie, dem Territorialbereich Virginia, fungiert Pocahontas als eine Art Vermittlerin. Nicht zuletzt baut sie eine enge Beziehung zu den englischen Soldaten auf, da sie diese durch die Zulieferung von Lebensmitteln vor dem Hungertot rettet. Außerdem leistet sie als eine wichtige Informantin strategische Organisationsarbeit bei der Erstellung der sogenannten „Smith Map“, welche die Umgebung kartographiert.
Ein weiterer charakteristischer Ort für das Handeln von Pocahontas/Rebecca ist die Plantage. Durch die Ehe mit John Rolfe entsteht eine Verbindung, die auf materieller Ebene das ökonomische Überleben der Kolonie sichert. Der Tabak wird zum Exportschlager und verändert das Wirtschaftsnetz gravierend. Damit hatte Pocahontas/Rebecca durch ihre Ehe eine wirtschaftliche Brücke nach England geschlagen und konnte so auch die Kolonie retten.
In der Rolle als ausländische Prinzessin und exotische, fremde Schönheit erhält sie eine Audienz am Königshof und diverse Auftritte an berühmten Orten. Zu dieser Zeit wird viel über die Ehe zwischen einem Engländer der höheren Gesellschaft und einer „Farbigen“ gesprochen und die Inszenierung der imperialen Macht immer wieder in den Vordergrund gerückt. Sie ist die Sensation und steht im Mittelpunkt des Interesses. Nicht zuletzt hat sie auch durch die Rettungsparabel die inszenierte Rolle einer Heldin angenommen, welche wichtige, politische Veränderungen in Kraft gesetzt hatte. Aus diesem Grund ist ein weiterer charakteristischer Ort symbolhaft das Theater, in dem Rebecca/Pocahontas auch eine wichtige politische Rolle einnimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Grundlagentext: Präsentiert den Liedtext „Das Farbenspiel des Winds“ als zentralen Ausgangspunkt der thematischen Auseinandersetzung.
2. Einleitung: Führt in die Problematik kultureller Fremdheitszuschreibungen ein und definiert die Forschungsfrage rund um die Figur der Pocahontas als „Dritte“.
3. Die Geschichte Pocahontas: Beleuchtet die Biografie der Protagonistin durch historische Quellen und analysiert ihre Rolle zwischen den Fronten sowie die filmische Popularisierung.
4. Kulturelle Identität?: Hinterfragt den Identitätsbegriff und argumentiert für ein Verständnis von Identität als dynamische Ressource statt als starre Kategorie.
5. Fazit: Führt die Analyse zusammen und verdeutlicht, dass Pocahontas keine stabile Identität besitzt, sondern Räume der Bewegung und Begegnung eröffnet.
6. Ausblick: Überträgt die gewonnenen Erkenntnisse auf die aktuelle gesellschaftliche Debatte und plädiert für einen bewussten Umgang mit dem interkulturellen Kontext.
Schlüsselwörter
Pocahontas, Rebecca, Kultur, Interkulturalität, Identität, Figur des Dritten, Medienkritik, Hybridität, Sozialisation, Literaturdidaktik, Geschichte, Ressourcen, Zwischenräume, Transformation, Leitkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die historische und mediale Figur der Pocahontas/Rebecca und untersucht, wie sie als „Figur des Dritten“ in kulturellen Zwischenräumen zwischen indigenen und kolonialen Fronten agiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft historische Biografik mit literaturdidaktischen Ansätzen sowie medienwissenschaftlicher Analyse von Popularisierungsprozessen und Theorien zur kulturellen Identität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der historischen Person und ihrer medialen Konstruktion im Disney-Film aufzuzeigen und dabei ein reflektiertes Verständnis von kultureller Identität als stetigen Prozess zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturdidaktische und kulturwissenschaftliche Perspektive, wobei sie Quellen analysiert, den Disney-Film kritisch dekonstruiert und Thesen des Philosophen Julien Francois zur Identitätsbildung anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Fakten, die sozio-politische Rolle von Pocahontas in den Bereichen Kolonie, Plantage und Theater sowie die mediale Beeinflussung und Verkürzung ihrer Figur im populären Spielfilm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Interkulturalität, die „Figur des Dritten“, kulturelle Zwischenräume, Identität als Ressource und die kritische Distanz gegenüber einer einseitigen Leitkultur.
Warum wird Pocahontas im Buch als „Figur des Dritten“ bezeichnet?
Sie nimmt eine Position ein, die weder rein indigen noch rein kolonial ist. Als Mittlerin und später getaufte „Rebecca“ befindet sie sich auf einer unsicheren Grenzlinie und überbrückt die kulturellen Fronten.
Welche Kritik übt die Arbeit am Disney-Film „Pocahontas“?
Der Film wird für seine vereinfachende Schwarz-Weiß-Malerei kritisiert. Er lässt historische Komplexität aus, konstruiert ein „Entweder-oder“-Schicksal und verhindert durch die Darstellung einer oberflächlichen Liebesgeschichte eine tiefere Reflexion des Zuschauers.
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- Vanessa Arlt (Author), 2018, Pocahontas. Eine Figur zwischen den Fronten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465429