Smart Sourcing. Strategischer Einkauf 4.0

Wie beeinflusst die 4. Industrielle Revolution den strategischen Einkauf und wie könnten strategische Einkaufprozesse zukünftig abgewickelt werden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
26 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

IV Abbildungsverzeichnis

V Glossar

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Zielsetzung

2. Begriffsdefinition
2.1 Digitalisierung
2.2 Industrie 4.0

3. Der Einkauf als Teil der Wertschöpfungskette
3.1 Definition Einkauf
3.2 Einkauf 4.0 – Der Einfluss von Industrie 4.0 auf den Einkauf

4. Strategischer Einkauf
4.1 Definition Strategischer Einkauf
4.2 Kernprozesse des Strategischen Einkaufs
4.2.1 Bedarfsanalyseprozess
4.2.2 Beschaffungsmarktanalyseprozess
4.2.3 Strategieentwicklungsprozess
4.2.4 Lieferantenmanagementprozess
4.2.5 Ausschreibungsprozess
4.2.6 Vertragsverhandlungprozess
4.2.7 Vertragsabschlussprozess

5. Smart Sourcing - Strategischer Einkauf 4.0
5.1 Die Entwicklung des strategischen Einkaufs von Industrie 2.0 zu 4.0
5.2 Chancen und Risiken von smart sourcing für Unternehmen und Beschäftigte
5.2.1 Chancen für Unternehmen und Mitarbeiter
5.2.2 Risiken für Unternehmen und Mitarbeiter

6. Praxisbeispiel zur smarten Lieferantenauswahl und Ausschreibung

7. Eigenes Fazit

Quellenverzeichnis

IV Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wirkungsbeziehung von Technologien auf den Einkauf

Abbildung 2: Kernprozesse des strategischen Einkaufs

Abbildung 3: Fragestellungen zur Bedarfsanalyse

Abbildung 4: Lieferantenmanagementprozess

V Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Im Geschäftsumfeld der Industrie 4.0 ergeben sich für den strategischen Einkauf zahlreiche neue Möglichkeiten seinen Stellenwert innerhalb eines Unternehmens zu demonstrieren und somit seine Rolle, als vertrauenswürdiger Berater und strategischer Partner zu etablieren. Höhere Produktivität und größere Einsparungen sind erwünschte und realisierbare Ziele (Deloitte, 2017). Des Weiteren hat der strategische Einkauf das Potenzial einen Quantensprung in der Schaffung neuer Geschäftsmodelle zu vollziehen. Um zu diese nächste Stufe zu erreichen, dürfen die Auswirkungen und Veränderungen der Industrie 4.0 nicht nur als störend betrachtet werden, sie müssen auch als Chance zur Entwicklung gesehen werden.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage wie die 4. Industrielle Revolution den strategischen Einkauf beeinflusst und wie strategische Einkaufprozesse im Sinne eines smart sourcings zukünftig abgewickelt werden können?

In allen Branchen werden immer schlankere Prozesse angestrebt, sie sollen agil und ansprechend, sowohl für den Kunden, als auch alle anderen Stakeholder sein. (Deloitte, 2017) Außerdem soll die Strategieentwicklung auf Daten und Analysen basieren. (Deloitte, 2017)

Die digitale Transformation des strategischen Einkaufs ist eine radikale Methode zur Optimierung der Beschaffungsprozesse. Durch eine umfassende und geführte digitale Transformation hat der strategische Einkauf das Potential Treiber für Innovation und Marktführerschaft im gesamten Unternehmen zu sein.

1.2 Zielsetzung

Wie sieht der Einfluss der Digitalisierung auf den strategischen Einkauf aus?

Ziel dieser Hausarbeit ist es herauszufinden, in wie weit die Industrie 4.0 und die damit verbundene Digitalisierung und Vernetzung bereits heute den strategischen Einkauf beeinflusst und verändert und zugleich noch weitere Potenziale aufzuzeigen. Im speziellen wird auf Smart Sourcing eingegangen, diese Methode erklärt und an Beispielen aufgezeigt.

2. Begriffsdefinition

In diesem Kapitel werden grundlegende Informationen der Industrie 4.0 thematisiert. Hierfür werden zunächst die vier Stufen der industriellen Revolution erläutert und der Begriff Industrie 4.0 definiert. Anschließend erfolgt die Definition von Digitalisierung sowie deren Einordnung in den Kontext von Industrie 4.0.

2.1 Digitalisierung

Auf Grund der Komplexität der Thematik ist es bis heute noch nicht gelungen eine universell geltende und anerkannte Definition für den Begriff Digitalisierung zu bilden. In verschiedenen Bereichen wird der Begriff anders verstanden und interpretiert und auch von jedem Autor anders definiert. Ein Beispiel hierfür ist die Definition auf Wikipedia: „Der Begriff Digitalisierung bezeichnet im ursprünglichen Sinn das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate. Die so gewonnenen Daten lassen sich informationstechnisch verarbeiten, ein Prinzip, das allen Erscheinungsformen der Digitalen Revolution (die heute zumeist gemeint ist, wenn von Digitalisierung die Rede ist) im Wirtschafts-, Gesellschafts-, Arbeits- und Privatleben zugrunde liegt“ (Wikipedia, 2018, s.v. Digitalisierung). Eine weitere Definition von Plummer sagt aus: „A shift from traditional, analog processes to digital solutions (e.g. physical filing cabinets to digital file storage systems, brick and mortal record stores vs. streaming music services)“ (2014). Seine Aussage scheint verständlicher, jedoch offen für Interpretation. Sie führt zur Annahme, dass jede Handlung und jeder Prozess, der heute auf eine analoge Weise erfolgt, in Zukunft über eine digitale Lösung abläuft.

Gartner definiert Digitalisierung aus einer anderen Perspektive: „Digitalization is the use of digital technologies to change a business model and provide new revenue and value- producing opportunities; it is the process of moving to a digital business.” (Gartner, o.J.). Diese Definition konzentriert sich stärker auf den Einfluss der Digitalisierung auf das Geschäftsleben und Geschäftsbeziehungen im Allgemeinen.

Diese Beispiele zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich der Begriff und die Digitalisierung aufgefasst und verstanden wird.

2.2 Industrie 4.0

Der Begriff Industrie 4.0 bezeichnet die kommende 4. Industrielle Revolution. (Wikipedia, 2018)

Mit der Entwicklung der Dampfmaschine um das Jahr 1750 begann die 1. Industrielle Revolution. Dadurch konnte strukturell bedingte Hungersnot vermieden werden und die Bevölkerung stieg an. (B.Vogel-Heuser et al., 2017, S.1)

Die 2. Industrielle Revolution, die auch als bürgerliche Revolution bezeichnet werden kann, folgte um 1870. Gekennzeichnet durch die Entwicklung elektrischer Antriebsysteme und Verbrennungsmotoren, arbeitsteiliger Massenproduktion und der Fließbandfertigung nach Henry Ford. (B. Vogel-Heuser et al., 2017, S.2)

Anfang der 60er Jahre entstand die 3. Industriellen Revolution. Deutschland erlebte damals die Zeit des Wirtschaftswunders. Treiber dieser Revolution waren Elektronik, Informations- und Kommunikationstechnologien und das Internet. Wissen war durch das Internet weltweit verfügbar und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs konnte die Globalisierung fortschreiten. Dies führte zu einer weltweiten Arbeitsteilung, die heute nach wie vor zunimmt. (B.Vogel-Heuser et al., 2017, S.3)

Die 4. Industrielle Revolution, bekannt als Industrie 4.0 wurde das erste Mal 2011 auf der Messe Hannover als Zukunftsprojekt der Bundesregierung vorgestellt. (Artischewski F. 2014) Die Vision des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von Industrie 4.0 lautete damals: „Maschinen, die miteinander kommunizieren, sich gegenseitig über Fehler im Fertigungsprozess informieren, knappe Materialbestände identifizieren und nachbestellen – das ist eine intelligente Fabrik.“ (BMBF, 2018)

Neben vielen weiteren Definitionen beschreibt das Deutsche Institut für Normung Industrie 4.0 wie folgt: „Industrie 4.0 bedeutet die Vernetzung der realen mit der virtuellen Welt. Fertigungsprozesse verschmelzen mit Informationstechnologie. Disziplinen wie zum Beispiel Maschinenbau, Logistik und Dienstleistungen kommunizieren miteinander. Auf eine neue, intelligente Art. Das Internet der Dinge bedeutet für den gesamten industriellen Sektor einen großen Einschnitt – und für den Kunden neuen Nutzen: Produktionszyklen werden kürzer, Kundenbedürfnisse fließen in Echtzeit in die Produktion ein, Wartung und Instandhaltung regeln sich weitgehend eigenständig. Aufträge laufen automatisch in der richtigen Reihenfolge ab. Das Ergebnis ist die Smart Factory.“ (DIN, 2018)

Die zentrale Technologie für die Industrie 4.0 ist im Gegensatz zur 3. Industriellen Revolution nicht der Computer. Es sind cyber-physische Systeme und das Internet der Dinge (BMBF, 2018).

3. Der Einkauf als Teil der Wertschöpfungskette

Dieses Kapitel soll einen Überblick über unterschiedliche Definitionen des Begriffs Einkauf geben. Anschließend wird der Einfluss der Digitalisierung auf den Einkauf erläutert.

Laut einer europaweiten Studie liegen die Einkaufskosten eines Industrieunternehmens bei ca. 60% der Gesamtkosten. (Beschaffung-aktuell, 2002) Des Weiteren ist der Einkauf als Bindeglied zwischen Lieferanten und internen Stakeholdern zu betrachten und übernimmt häufig die Kommunikation zwischen den beiden Parteien (Lorenzen/Krokowski, 2018, S.5). Dies spiegelt die enorm wichtige Rolle des Einkaufs in einem Unternehmen wieder.

3.1 Definition Einkauf

In der Praxis als auch in der Literatur existieren einige Begrifflichkeiten die als Synonym für den Begriff Einkauf stehen. Beispielsweise Beschaffung, Versorgung, Materialwirtschaft (BME, 2017).

Gabler definiert den Begriff Einkauf wie folgt: „Summe aller operativen und strategischen Tätigkeiten eines privaten oder öffentlichen Unternehmens, die im Rahmen der Beschaffung von Werkstoffen, Waren, Betriebsmitteln und Dienstleistungen durchzuführen sind.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, o.J)

Die Aufgaben und Tätigkeiten eines Einkäufers und einer Einkaufsorganisation können somit entweder operativer oder strategischer Natur sein.

Eine andere Beschreibung der Kernaufgabe des Einkaufs ist: „die Versorgung eines Unternehmens mit benötigten, aber nicht selbst hergestellten Gütern. Dabei steht die rechtliche Güterbereitstellung (Verträge) im Vordergrund, während es Aufgabe der (Beschaffungs-)Logistik ist, die Versorgung auch physisch sicherzustellen (Transportkette und Wareneingangslager).“ (Kleemann/Glas, 2017)

Diese Definition bezieht sich bereits stärker auf die strategische Komponente des Einkaufs. Dies könnte daran liegen, dass die Erwartungen an die strategische Rolle des Einkaufs immer mehr wachsen und sich damit eine Neupositionierung des Einkaufs als Schnittstellenmanager anbahnt. (Weimar, 2017)

3.2 Einkauf 4.0 - Der Einfluss von Industrie 4.0 auf den Einkauf

Das nachfo1gende Schaubild zeigt die Wirkungsbeziehung von Techno1ogien auf die Einkaufsaufgaben und die Notwendigkeit eines Veriinderungsmanagements.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wirkungsbeziehung von Techno1ogien auf den Einkauf (K1eemann/G1as, 2017, S.14)

Dieses Schaubi1d soll den Kontext und die Wirkungsbeziehungen zwischen den Techno1ogien, den Kemeffekten der Industrie 4.0 und den Hauptaufgaben des Einkaufs herstellen und aufzeigen we1che Bereiche eines Untemehmens davon betroffen sind und daher die Notwendigkeit fiir ein Veranderungsmanagement vorliegt.

Zu Beginn sind die vie1faltigen Technologien, welche die Industrie 4.0 mit sich bringt, genannt. Urn die hohen Datenmengen, die durch Echtzeit-Vemetzung entstehen verarbeiten zu konnen, sind 1eistungsHihigere Rechen- und Speichersysteme notwendig, dabei ist unter anderem auch die Rede von Big Data. Weiterhin ist der 3D-Druck ein Paradebeispiel fiir den Einsatz von E1ektronik und Robotik und die Moglichkeit, dass Produktionsmaschinen Arbeitsschritte immer effizienter abbilden konnen. Diese und weitere Technologien bewirken die Kerneffekte von Industrie 4.0. Diese wären Intelligente Systeme, Echtzeit-Kommunikation und die Digitale Vernetzung. Diese Effekte haben wiederum starke Auswirkungen auf sämtliche Einkaufsaufgaben. (Kleemann/Glas, 2017, S.14)

4. Strategischer Einkauf

Der Begriff Strategie umfasst im Wesentlichen einen Handlungsrahmen, der auf die Erreichung langfristiger Ziele ausgerichtet ist (Weigel/Rücker, 2014, S.24). So sind Strategien stets langfristig auszulegen, auf einen Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren, was nicht bedeutet, dass eine Strategie über diesen Zeitraum nicht verändert werden darf (Weigel/Rücker, 2014, S26). Mit zunehmender Bedeutung einkäuferischer Tätigkeiten haben sich vermehrt strategische Ansätze entwickelt. Eine ganzheitliche und langfristige Planung der Einkaufsaktivitäten ist notwendig. Lieferanten müssen zu strategischen Partnern entwickelt und Beschaffungsmärkte global erschlossen werden. Aus diesen Erkenntnissen hat sich der strategische Einkauf gebildet (Weigel/Rücker, 2014, S.16).

4.1 Definition Strategischer Einkauf

In der Literatur existiert, unter vielen anderen, folgende Definition des strategischen Einkaufs von dem Software Anbieter Orpheus GmbH: „Der strategische Einkauf unterscheidet sich vom operativen Einkauf dadurch, dass er eine Einkaufsstrategie definiert, die aus systematisch aufeinander abgestimmten Maßnahmen besteht, welche dem Unternehmen anschließend nachhaltigen Erfolg bringen. Die Einkaufsstrategie bzw. Beschaffungsstrategie, die vom strategischen Einkauf definiert wurde, wird mit der Gesamtstrategie des Unternehmens abgestimmt. Im Detail werden folgend Warengruppenstrategien und Lieferantenstrategien heruntergebrochen, die letztendlich im operativen Einkauf umgesetzt werden können.“ (Orpheus, 2018)

Diese Definition spiegelt die Rolle und Wichtigkeit des strategischen Einkaufs sehr gut wieder. Hier wird deutlich welchen ganzheitlichen Effekt eine Einkaufsabteilung auf das gesamte Unternehmen haben kann und welche Abgrenzungen es zwischen dem operativen und strategischen Einkauf es gibt.

Im Nachfolgenden wird auf die Kernprozesse des strategischen Einkaufs eingegangen.

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Smart Sourcing. Strategischer Einkauf 4.0
Untertitel
Wie beeinflusst die 4. Industrielle Revolution den strategischen Einkauf und wie könnten strategische Einkaufprozesse zukünftig abgewickelt werden?
Hochschule
Hochschule München
Note
2,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
26
Katalognummer
V465441
ISBN (eBook)
9783668963566
ISBN (Buch)
9783668963573
Sprache
Deutsch
Schlagworte
smart sourcing, Einkauf, Stategischer Einkauf, Procurement, Digitalisierung, smart, industrie 4.0
Arbeit zitieren
Oksana Pfeifer (Autor), 2018, Smart Sourcing. Strategischer Einkauf 4.0, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465441

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