Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit dem bürgerschaftlichen Engagement von Menschen mit Behinderung. Dieses wird vor dem Hintergrund von Inklusion und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft betrachtet.
Ziel ist es, die Rahmenbedingungen und Arbeitsweisen bereits bestehender Praxisprojekte, die Menschen mit Behinderung zum bürgerschaftlichen Engagement verhelfen und bei der Durchführung begleiten, mittels Experteninterviews zu evaluieren und darzustellen. Durch die gewonnenen Erkenntnisse sollen Handlungsempfehlungen für künftige Projektideen entstehen.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen deutlich, dass Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft und von der Wissenschaft noch nicht als bürgerschaftlich Engagierte gesehen und anerkannt werden. Zur Förderung von Inklusion und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft stellt das bürgerschaftliche Engagement ein wichtiges Instrument dar. Daher besteht ein weiterer, umfassender Handlungsbedarf, um Menschen mit Behinderung den vollen Zugang zu bürgerschaftlichem Engagement zu ermöglichen. Die Handlungsempfehlungen, die in dieser Arbeit auf Grundlage theoretischer Erkenntnisse und der durchgeführten empirischen Forschung entwickelt wurden, stellen eine Hilfestellung für künftige Praxisprojekte dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Bürgerschaftliches Engagement
2.1 Definition von bürgerschaftlichem Engagement
2.2 Bürgerschaftliches Engagement in Deutschland
2.2.1 Zahlen und Fakten zu bürgerschaftlichem Engagement in Deutschland
2.2.2 Motive für bürgerschaftliches Engagement
2.3 Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement
2.3.1 Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Bürgergesellschaft
2.3.2 Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für das Individuum
2.4 Zugänge zum bürgerschaftlichen Engagement
3 Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Behinderung
3.1 Definition von Behinderung
3.2 Teilhabe und Inklusion
3.3 Menschen mit Behinderung als bürgerschaftlich Engagierte
3.3.1 Bedeutung des Engagements von Menschen mit Behinderung
3.3.2 Stand der Forschung und Literatur
4 Qualitative Datenerhebung
4.1 Fragestellungen und Zielsetzung
4.2 Forschungsmethodik
4.3 Stichprobenauswahl
4.4 Durchführung der Experteninterviews
4.5 Datenauswertung
5 Projektübersicht
5.1 Selbstverständlich Freiwillig
5.2 Lebenshilfe Netphener Tisch
5.3 Aktiv für Andere
5.4 Perspektive Ehrenamt
5.5 Gemeinsam engagiert
6 Ergebnisse der Untersuchung
6.1 Beispiele für bürgerschaftliches Engagement in der Praxis
6.2 Auswertung der Leitfragen
6.3 Auswertung der erweiterten Fragen
6.3.1 Entstehung
6.3.2 Projektziele
6.3.3 Zielgruppe und Voraussetzungen
6.3.4 Akquirierung von bürgerschaftlich Engagierten
6.3.5 Einsatzbereiche
6.3.6 Vermittlung
6.4 Auswertung der konkreten Fragen
6.4.1 Chancen und Gewinn
6.4.2 Hemmnisse
6.4.3 Anerkennung
6.4.4 Assistenz und Begleitung
6.4.5 Schulungen und Fortbildungen
6.4.6 Kooperationspartner und Öffentlichkeitsarbeit
6.4.7 Wahrgenommene Veränderungen in Stadtteilen und Sozialräumen
6.5 Gütekriterien dieser Untersuchung
7 Handlungsempfehlungen
8 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit evaluiert bestehende Praxisprojekte, die Menschen mit Behinderung den Zugang zu bürgerschaftlichem Engagement ermöglichen, um deren Arbeitsweisen zu analysieren und Handlungsempfehlungen für zukünftige Projekte abzuleiten.
- Theoretische Grundlagen zu bürgerschaftlichem Engagement und Behinderung.
- Untersuchung von Inklusions- und Teilhabemöglichkeiten.
- Empirische Analyse ausgewählter Praxisbeispiele mittels Experteninterviews.
- Erfassung von Chancen, Hemmnissen und Gelingensbedingungen für engagierte Menschen mit Behinderung.
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für ein inklusives Freiwilligenmanagement.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemaufriss
In der Bundesrepublik Deutschland befindet sich jeder dritte Bundesbürger in einem bürgerschaftlichen Engagement und beteiligt sich damit freiwillig bzw. ehrenamtlich in Sportvereinen, Verbänden oder Kirchengemeinden (Reifenhäuser 2013b, S. 14). „Demokratie lebt von Beteiligung, das heißt, von vielfältigen Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen“ (Bürsch 2008, S. 7). Eine solidarische Bürgergesellschaft, die füreinander einsteht, ist die Lösung der drängenden Probleme unserer Gesellschaft und fördert eine neue Verantwortungsteilung zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft (ebd.).
Bürgerschaftliches Engagement muss viele und unterschiedliche Gruppen ansprechen und teilhaben lassen (Wagner 2014, S. 147). Lange Zeit waren Menschen in schwierigen sozialen Situationen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, fast ausnahmslos die Empfänger von Hilfeleistungen durch andere bürgerschaftlich engagierte Menschen der Mittelschicht. Doch inzwischen scheint sich hier ein Perspektivwechsel anzukündigen (Embacher/Fuchs/Hub 2015, S. 82). Im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention und der Teilhabe- und Inklusionsdebatte rückt das bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit Behinderungen in den Fokus. „Eine inklusive Gesellschaft macht es selbstverständlich, dass auch Menschen mit Behinderung Freiwillige sein können“ (Wagner 2014, S. 147). Denn: der „normale“ Engagierte existiert nicht. „Jung oder alt, Frau oder Mann, eingesessen oder eingewandert, behindert oder nicht. Ehrenamtlich Tätige sind so vielfältig wie die Vielfalt der Gesellschaft“ (ebd.). Bürgerschaftliches Engagement ist ein Instrument zur Förderung von Teilhabe und Inklusion, so die Aussage der Bundesregierung aus dem Jahr 2010. „Eine moderne Engagementpolitik fördert dieses Engagement und bietet auch bislang engagementfernen Menschen Möglichkeiten zum Engagement [...]“ (Bundesregierung 2010, S. 6). Im Grunde geht es um bürgerschaftliches Engagement als Teil von Ebenbürtigkeit (Embacher/Fuchs/Hub 2015, S. 82).
Doch die Realität sieht, trotz vieler guter Ansätze und Ideen, noch zum größten Teil so aus, dass bildungsarme, partizipationsferne und sozial benachteiligte Gruppen, wozu auch Menschen mit Behinderung gezählt werden können, noch immer weitestgehend von bürgerschaftlichem Engagement ausgeschlossen sind (Schenkel 2008, S. 180f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz von bürgerschaftlichem Engagement für die Inklusion und definiert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Bürgerschaftliches Engagement: Erläutert theoretische Grundlagen, Motive, Bedeutung für Gesellschaft und Individuum sowie Zugangswege zum Engagement in Deutschland.
3 Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Behinderung: Diskutiert Behinderung, Inklusion und Teilhabe und beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zum Engagement dieser Personengruppe.
4 Qualitative Datenerhebung: Legt das methodische Vorgehen, die Fragestellung und die Auswahl der Experteninterviews dar.
5 Projektübersicht: Bietet einen steckbriefartigen Überblick zu fünf untersuchten Praxisprojekten.
6 Ergebnisse der Untersuchung: Analysiert die gewonnenen Daten aus den Experteninterviews hinsichtlich Entstehung, Zielen, Chancen und Hemmnissen des Engagements.
7 Handlungsempfehlungen: Formuliert fundierte Empfehlungen für die Planung und Umsetzung inklusiver Engagement-Projekte.
8 Schlussbetrachtung: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und zieht ein abschließendes Fazit.
Schlüsselwörter
Bürgerschaftliches Engagement, Menschen mit Behinderung, Inklusion, Teilhabe, Partizipation, Ehrenamt, Sozialraumorientierung, Freiwilligenmanagement, Experteninterviews, Praxisprojekte, Empowerment, Barrierefreiheit, Netzwerkarbeit, Selbstwirksamkeit, Zivilgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung und Evaluation von Praxisprojekten, die Menschen mit Behinderung Möglichkeiten zu bürgerschaftlichem Engagement eröffnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind bürgerschaftliches Engagement, Inklusion, Teilhabe, Barrieren im sozialen Raum und die Förderung ehrenamtlicher Tätigkeiten von Menschen mit Behinderung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, eine Situationsbeschreibung zum Engagement von Menschen mit Behinderung zu erstellen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung solcher Projekte abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Sozialforschung und führt Experteninterviews mit Leitern und Mitarbeitern von fünf ausgewählten Praxisprojekten durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Vorstellung der Praxisprojekte, die Auswertung der Experteninterviews zu verschiedenen Kategorien (z. B. Chancen, Hemmnisse, Anerkennung) und konkrete Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, Teilhabe, bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligenmanagement charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Assistenz bei dem Engagement von Menschen mit Behinderung?
Die Assistenz ist ein kritischer Erfolgsfaktor, da sie die Teilhabe erst ermöglicht, bisher aber rechtlich oft nicht ausreichend im Rahmen von bürgerschaftlichem Engagement verankert ist.
Welche Rolle spielen Freiwilligenagenturen?
Sie fungieren als wichtige Kooperationspartner und Vermittlungsstellen, die durch die untersuchten Projekte befähigt werden sollen, Menschen mit Behinderung professionell in Engagementbereiche zu vermitteln.
- Quote paper
- Sarah-Tamara Rind (Author), 2015, Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465483