Die Entscheidung für unsere Semesterarbeit ein Thema zu wählen, das sich mit „Raum“ auseinandersetzt war angesichts der Tatsache, dass wir Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur studieren, eine einfache und nahe liegende. Nach einigen Diskussionen über „Raum“ stellte sich rasch heraus, dass jeder von uns seine eigene, im Laufe seines Lebens angeeignete Vorstellung davon hatte was Raum denn nun eigentlich sei. Anfangs diskutierten wir über Räume in der Form, in der sie uns am „augenscheinlichsten“, täglich bewusst werden, nämlich klar definierte, abgegrenzte Räume wie Hörsäle, Cafés, Restaurants, Parks, Spielplätze, usw.
Es wurde uns jedoch rasch klar, dass es sehr viel mehr „Arten“ von Räumen gibt die sich nicht, über offenbar statische Strukturen wie Wände und Zäune definieren lassen. Diese sind zum Beispiel Zeiträume, Gedankenräume, Atmosphärenräume, virtuelle Räume, Kommunikationsräume und viele mehr.
Unser Interesse bestand nun darin herauszufinden was „Raum“ eigentlich ist, wie uns Raum begegnen kann, welche Rolle der Mensch im Raum spielt und wie Ra um entsteht bzw. wie er geschaffen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unterschiedliche Ausprägungen von Raum
2.1.Der absolute (euklidische) Raum
2.2.Der relative (relationale) Raum
2.3.Der Zeit-Raum
2.4.Der Kommunikationsraum
2.5.Der virtuelle Raum
3. Die Rolle des Menschen als Teil des Raumes
3.1.Der Begriff des „Habitus“
3.2.Der Begriff des „sozialen Raumes“
3.3.Der Begriff des „sozialen Feldes“
3.4.Die bourdieu’sche Raumtheorie
4. Die Entstehung von Raum
4.1.Die Bausteine des Raumes
4.2.Wie Raum entsteht
5. Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Wesen des Raumes jenseits einer rein euklidischen Betrachtungsweise, um dessen Bedeutung für die Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur neu zu definieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Raum durch den Menschen konstituiert wird und welche sozialen Dynamiken dabei eine Rolle spielen.
- Differenzierung verschiedener Raumkonzepte (absolut, relativ, virtuell, Zeit-Raum)
- Analyse der Rolle des Menschen bei der Konstruktion von Raum
- Integration der Bourdieuschen Konzepte (Habitus, soziale Felder)
- Theoretische Fundierung der Raumkonstitution nach Martina Löw
- Übertragung soziologischer Erkenntnisse auf planerische Aufgaben
Auszug aus dem Buch
2.2. Der relative (relationale) Raum
Im Gegensatz zur euklidischen Raumvorstellung existieren im relativen Raum keine absoluten Maße. Die räumlichen Dimensionen werden permanent verzerrt. Diese Verzerrung der räumlichen Dimensionen hängen zu einem großen Teil vom empfinden des Individuums ab. Abhängig von der Art der Fortbewegung empfindet man zum Beispiel die gleiche, absolute Distanz unterschiedlich lang. Die gleiche Strecke mit der Straßenbahn kann bei 30°C und Überfüllung unendlich lang erscheinen und bei angenehmen 20°C und einem interessanten Gespräch „wie im Flug vergehen“.
Aus dieser kurzen Definition der Begriffe absoluter und relativer Raum kann geschlussfolgert werden, dass der westlich geprägte Mensch Raum (bewusst) absolut denkt ihn jedoch relativ „lebt bzw. erlebt“.
Das relative Raumempfinden wird durch die seit den 70er Jahren immer stärker und schneller zunehmende physische Mobilisierung, aber auch durch die Beschleunigung und Entmaterialisierung (Brief/e-Mail) der Kommunikation immer stärker ausgebildet. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass es immer wichtiger wird sich exakt, euklidisch ausdrücken und mitteilen zu können um sich abseits der bekannten Orte orientieren oder sich an einem Ort treffen zu können. Würde man die Information zu einem Treffpunkt in relativer Form weitergeben würde der andere Mensch den Ort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autoren motivieren ihre Themenwahl aus der Disziplin der Landschaftsplanung heraus und skizzieren das Ziel, ein erweitertes Raumverständnis jenseits statischer Strukturen zu entwickeln.
2. Unterschiedliche Ausprägungen von Raum: Dieses Kapitel stellt verschiedene Raumkonzepte vor, vom klassischen euklidischen bis hin zu modernen, dynamischen Formen wie Zeit-, Kommunikations- und virtuellen Räumen.
3. Die Rolle des Menschen als Teil des Raumes: Hier wird der Mensch als aktiver Konstrukteur von Raum durch die Brille soziologischer Theorien von Pierre Bourdieu (Habitus, sozialer Raum, soziale Felder) betrachtet.
4. Die Entstehung von Raum: Anhand der Theorie von Martina Löw wird erläutert, wie durch Spacing und Syntheseleistung aus sozialen Gütern und Menschen Räume konstituiert werden.
5. Persönliche Stellungnahme: Die Autoren reflektieren den Erkenntnisgewinn durch die theoretische Auseinandersetzung und ziehen Konsequenzen für ihre zukünftige planerische Tätigkeit.
Schlüsselwörter
Raumsoziologie, Landschaftsplanung, Euklidischer Raum, Relationaler Raum, Martina Löw, Pierre Bourdieu, Habitus, Sozialer Raum, Soziales Feld, Raumkonstitution, Spacing, Syntheseleistung, Soziale Güter, Lebensstil, Distinktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Semesterarbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Dimension des Raumes im Kontext der Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Es werden verschiedene Raumkonzepte, die Rolle des Menschen als Raumkonstrukteur und die theoretischen Ansätze von Martina Löw und Pierre Bourdieu diskutiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis von Raum zu erlangen, das über die rein geometrische (euklidische) Vorstellung hinausgeht und Raum als dynamischen Prozess begreift.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit soziologischen Raumtheorien.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Differenzierung von Raumausprägungen, die Rolle des Habitus im sozialen Raum und die Entstehung von Raum durch menschliches Handeln.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Raumsoziologie, Spacing, Syntheseleistung, Habitus und die Verknüpfung von sozialen Gütern beschreiben.
Wie unterscheidet sich der absolute vom relativen Raum laut den Autoren?
Während der absolute Raum durch geometrische Maße wie Länge, Breite und Höhe definiert ist, basiert der relative Raum auf der individuellen Erfahrung, Wahrnehmung und sozialen Bedeutung.
Warum ist das Verständnis von "Raumkonstitution" für Landschaftsplaner wichtig?
Weil es die Sichtweise weg von statischen, dinglichen Objekten hin zu einem prozesshaften Verständnis von Aktion, Reaktion und Interpretation lenkt.
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- Roland Barthofer (Author), 2005, Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46555