Diese Arbeit beschäftigt sich speziell mit dem christlichen Fundamentalismus und will ihn nicht von vornherein verurteilen sondern ihn ernst nehmen und ihm im Dialog entgegentreten. Daher wird sich im Folgenden unter Berücksichtigung der offenkundigen Grenzen mit den Potentialen christlichen Fundamentalismus und damit, was man von ihm lernen kann, beschäftigt. Das größte Potential des christlichen Fundamentalismus sehe ich darin, eine Gewissheit im eigenen Glauben zu haben, die sich als unerschütterlich erweist.
Das Thema christlicher Fundamentalismus ist aktueller denn je. Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 rief Expräsident George Bush gewissermaßen als Vorsänger vieler evangelikaler Christen in den USA zum heiligen Krieg gegen den Terror auf. Einer der derzeitigen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, plädiert für ein Einreiseverbot für Muslime in die USA, auch um Stimmen aus dem evangelikalen Lager zu
gewinnen. Nach von Stosch ist in allen Konfessionen des Christentums eine stärker werdende Zuwendung zu fundamentalistischen Positionen zu beobachten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Gedanken und Struktur der Arbeit
2 Begriffsannährung: Christlicher Fundamentalismus
2.1 Fundamentalismus allgemein
2.2 Christlicher Fundamentalismus
2.3 Ursprung und Verbreitung ders christlichen Fundamentalismus
2.3.1 Christlicher Fundamentalismus in den USA
2.3.2 Christlicher Fundamentalismus in Westeuropa, mit Augenmerk auf Deutschland
2.4 Unterschiedliche Spielarten des christlichen Fundamentalismus
3 Grundlagen der Sprachphilosophie nach Wittgenstein
3.1 Was ist ein Sprachspiel und was machen Sprachspiele aus?
3.2 Unterschiedliche Arten von Sätzen in Sprachspielen
3.2.1 Kognitiv- propositional bzw. enzyklopädische Sätze
3.2.2 Grammatische bzw. regulative Sätze
3.3 Das Weltbild und seine Dynamik
3.4 Weltbildinternen und –externe Begründungsfiguren
3.5 Verortung religiöser Überzeugungen – Eine erste Vorüber-legung
4 Das Gewissheitsmodell nach Heim
4.1 Glaubensgewissheit im einlinigem Gewissheitsmodell
4.2 Glaubensgewissheit im zweilinigem Gewissheitsmodell
5 Glaubensgewissheit im Einlinigen Gewissheitsmodell
5.1 Reformed Epistemology – Gewährter Glauben
5.1.1 Kritik an der natürlichen Theologie
5.1.2 Glaube an Gott als angemessener Weise basal
5.1.3 Einwände (Defeaters) und die Widerlegung der Einwände Defeaters Defeaters)
5.1.4 Gewährleisteter Glaube (warranted belief)
5.2 Parallelen und Einschränkungen durch die Spätphilosophie Wittgensteins
5.3 Ein interessanter Ansatz: Mit Wittgenstein glauben, mit Tillich zweifeln
6 Konkretisierung der vorher gewonnenen Ergebnisse
6.1 Das Gebet – Ein Beispiel für einen internen Zweifel
6.2 Ein Beispiel eines konkreten religiösen Glaubenssatzes
7 Resümee
8 Reflexion des eigenen Vorgehensweise
9 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potential und die Grenzen des christlichen Fundamentalismus, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse der spezifischen Glaubensgewissheit liegt. Ziel ist es, diese Gewissheit methodisch mittels der Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins und des Gewissheitsmodells nach Heim zu beleuchten, um zu einer fundierten theologischen Einordnung und einem dialogfähigen Verständnis zu gelangen.
- Analyse des Begriffs und der Phänomenologie des christlichen Fundamentalismus
- Anwendung der Sprachspiel-Philosophie Ludwig Wittgensteins auf religiöse Überzeugungen
- Untersuchung der Glaubensgewissheit im Rahmen der Reformed Epistemology
- Diskussion über das Verhältnis von Gewissheit und existenziellem Zweifel
Auszug aus dem Buch
3.1 Was ist ein Sprachspiel und was machen Sprachspiele aus?
Wittgenstein, durch den ‚Linguistic Turn‘ geprägt, geht davon aus, dass Sprechen immer zugleich ein Handeln ist. Er ist zudem der Auffassung, dass Sprachspiele überhaupt nur dann verstanden werden können, wenn man berücksichtigt, in welchen Zusammenhang von Tätigkeiten sie hineingehören, in welchen praktischen Kontext sie also eingebettet sind. Sprachspiele sind sozusagen selbst dieses interdependente Ineinander von Sprechen und Tätigkeit. Der Begriff bezeichnet bei Wittgenstein also immer ein organisches Miteinander von Sprache und Tun (vgl. von Stosch, 2001, S. 19f.).
In den Worten Ludwig Wittgensteins wird dies so beschrieben: „Wieviele Arten der Sätze gibt es aber? Etwa Behauptung, Frage und Befehl? – Es gibt unzählige solcher Arten: unzählige verschiedene Arten der Verwendung alles dessen, was wir „Zeichen“, „Worte“, „Sätze“, nennen. Und diese Mannigfaltigkeit ist nichts Festes, ein für allemal gegebenes; sondern neue Typen der Sprache, neue Sprachspiele, wie wir sagen können, entstehen und andre veralten und werden vergessen. […] Das Wort Sprachspiel soll hier hervorheben, daß das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform“ (Wittgenstein, 1971, §23). Dieses Zitat zeigt über die oben genannte not-wendige Aufeinanderbezogenheit von Sprachspiel und Praxis hinaus, dass Sprachspiele ebenso einer Aktualtitätsdimension unterworfen sind. So wie Praxis unumgänglich dynamisch und veränderlich ist, entwickeln sich logischerweise auch neue Sprachspiele, wo andere obsolet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Gedanken und Struktur der Arbeit: Einführung in die Thematik des christlichen Fundamentalismus und Darlegung des Forschungsanliegens.
2 Begriffsannährung: Christlicher Fundamentalismus: Begriffsbestimmung des Fundamentalismus und Kategorisierung verschiedener Ausprägungen des christlichen Fundamentalismus weltweit.
3 Grundlagen der Sprachphilosophie nach Wittgenstein: Erläuterung der zentralen Konzepte wie Sprachspiel, Arten von Sätzen und Weltbild zur methodischen Vorbereitung.
4 Das Gewissheitsmodell nach Heim: Differenzierung zwischen einlinigen und zweilinigen Modellen zur Einordnung von Glaubensgewissheit.
5 Glaubensgewissheit im Einlinigen Gewissheitsmodell: Analyse der epistemischen Basalität und Begründung von Glaubenssätzen im Rahmen der Reformed Epistemology.
6 Konkretisierung der vorher gewonnenen Ergebnisse: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf das Gebet und einen konkreten religiösen Glaubenssatz.
7 Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Reflexion der Glaubensgewissheit.
8 Reflexion des eigenen Vorgehensweise: Persönliche Auseinandersetzung des Autors mit dem methodischen Vorgehen und den eigenen Erfahrungen.
9 Ausblick: Überlegungen zu weiteren Forschungsfeldern und Möglichkeiten des Dialogs mit fundamentalistischen Strömungen.
Schlüsselwörter
Christlicher Fundamentalismus, Glaubensgewissheit, Ludwig Wittgenstein, Sprachphilosophie, Reformed Epistemology, existentieller Zweifel, Weltbild, Einlinienmodell, Gebet, Sprachspiel, epistemische Basalität, Alvin Plantinga, christlicher Glaube, Dialog, Theodizee.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem christlichen Fundamentalismus und der Frage, wie man dessen größte Stärke – die Glaubensgewissheit – theologisch und philosophisch rechtfertigen und verstehen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis religiöser Sprache, die Epistemologie des Glaubens, die Abgrenzung zwischen Wissensansprüchen und Glaubenssätzen sowie der konstruktive Umgang mit Zweifeln im Glauben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den christlichen Fundamentalismus nicht vorschnell zu verurteilen, sondern ihn als Dialogpartner ernst zu nehmen, um durch Wittgenstein und Plantinga ein tieferes Verständnis für die Kraft religiöser Überzeugungen zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Spätphilosophie von Ludwig Wittgenstein (Sprachspiel-Theorie, Weltbild-Konzept) sowie das Gewissheitsmodell von Heim, um religiöse Glaubenssätze analytisch zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Glaubensgewissheit im einlinigen Modell, integriert die Reformed Epistemology (Plantinga) und prüft, inwiefern religiöse Überzeugungen als „epistemisch basal“ gelten können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Glaubensgewissheit, christlicher Fundamentalismus, Sprachspiel, Weltbild und religiöse Erfahrung.
Warum wird das Gebet als Beispiel gewählt?
Das Gebet wird als Ort der Wahrheit und der performativen Erfahrung betrachtet, an dem der interne Zweifel gegenüber Gott geäußert werden kann, ohne den Glauben als Ganzes aufzugeben.
Was bedeutet die "Flussbettmetapher" nach Wittgenstein in diesem Kontext?
Sie verdeutlicht, dass die Unterscheidung zwischen festen Überzeugungen (Grammatik) und wandelbaren Sätzen dynamisch ist; das heißt, auch als sicher geltende Grundüberzeugungen können in Bewegung geraten.
Wie unterscheidet sich der "einlinige" vom "zweilinigen" Gewissheitsmodell nach Heim?
Im einlinigen Modell gibt es innerhalb der Glaubensgewissheit keinen Raum für Zweifel, während im zweilinigen Modell der Zweifel ein produktiver und notwendiger Teil der Reflexion ist.
Warum ist das Verständnis von Sprachspielen für den Dialog mit Fundamentalisten wichtig?
Das Verständnis der je eigenen Sprachspiele ermöglicht eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der man erkennt, dass beide Seiten – Fundamentalisten wie Nicht-Fundamentalisten – auf der Suche nach Halt und Sinn sind.
- Arbeit zitieren
- Christian Janßen (Autor:in), 2016, Potentiale und Grenzen des christlichen Fundamentalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465593