In dieser Arbeit soll nur die rote Gentechnik genauer betrachtet werden, da sie meiner Meinung nach die weitreichendsten Folgen für die Menschheit haben kann und deshalb unbedingt ethisch diskutiert werden muss.
Einer der Bereiche, der in der roten Gentechnik am wenigsten umstritten ist, ist die Herstellung von Medikamenten durch gentechnologische Verfahren, wie zum Beispiel Insuline, Interferone und Impfstoffe. Kritischer betrachtet wird die pränatale Diagnostik, bei der das ungeborene Kind auf kranke Erbanlagen untersucht wird. Bei einem positiven Befund stellt sich dann den Eltern die Frage, ob sie ihr Kind trotz Krankheit aufziehen wollen und können oder ob sie sich gegen ihr Ungeborenes entscheiden.
Für manche Krankheiten, die mit herkömmlichen Methoden nicht mehr heilbar sind, da ein Gen geschädigt ist oder fehlt, konnten dank der Gentechnologie auch neue Therapien entwickelt werden. Eine dieser Therapiemöglichkeiten ist die Gentherapie. Dabei unterscheidet man zwischen der somatischen Gentherapie, bei der versucht wird, das neue intakte Gen in den Körper einzuschleusen, sowie der Keimbahntherapie. Diese ist allerdings bisher nicht zugelassen, da Veränderungen an Keimzellen (Ei- oder Samenzellen) vorgenommen werden, die auch an kommende Generationen vererbt werden. Bei einer fehlerhaften Veränderung der Keimzellen wird auch diese eine bleibende genetische Veränderung des gesamten Organismus der nächsten Generation zur Folge haben. Eine weitere Therapieform ist die Stammzelltransplantation, bei der noch nicht ausdifferenzierte Zellen in krankes Gewebe transplantiert werden, um es zu regenerieren. Diese Form wird etwa bei Leukämien angewendet .
Die Gendaten des Menschen veränderten sich im Laufe der Milliarden Jahre nach bestimmten Gesetzen (Mutation genannt). Selektion entschied darüber, welche Mutationen den Fortbestand der Menschheit unter veränderten Umweltbedingungen ermöglichten und welche nicht (Evolution genannt). Ist es nun ein abwegiger Gedanke zu sagen, dass der Mensch selber Einfluss auf seine Mutationen und damit auf die Selektion durch Gentherapie nehmen kann? Oder birgt diese Vorstellung zu viele Gefahren in sich?
Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Worte
2. Gentechnik in der Medizin
2.1. Hintergrund der roten Gentechnik
2.2. Bereits erfolgreich angewandte Technik
2.3. Gentherapie
2.3.1. Somatische Gentherapie
2.3.2. Keimbahntherapie
3. Ethische Betrachtung
3.1. Medizinethik
3.2. Gedanken von christlichen Theologen
3.3. Experimente am Embryo
3.4. Klonen
3.5. Der perfekte Mensch
4. Abschließende Worte
4.1. Bewertung der Ergebnisse
4.2. Diskussion der Ergebnisse
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und ethischen Herausforderungen der roten Gentechnik, insbesondere der Gentherapie, im modernen Gesundheitswesen. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit der medizinische Fortschritt moralisch vertretbar ist und welche gesellschaftlichen Auswirkungen die Manipulation menschlicher Erbanlagen haben könnte.
- Grundlagen der roten Gentechnik und deren Anwendung in der Medizin
- Differenzierung zwischen somatischer Gentherapie und Keimbahntherapie
- Ethische Debatten rund um Klonen und Experimente an Embryonen
- Risiken der genetischen Diskriminierung und der Wunsch nach dem „perfekten Menschen“
Auszug aus dem Buch
3.4. Klonen
Bereits 2003 gelang es Forscherinnen und Forschern sowohl Ei- als auch Samenzellen aus embryonalen Stammzellen der Maus im Labor zu züchten. Ihnen war es sogar möglich, diese Keimbahnzellen miteinander zu verschmelzen und auf diese Weise einen Embryo zu erzeugen. Lässt sich diese Methode auf menschliche Zellen übertragen, könnten sich die eben diskutierten ethischen Fragen in Kapitel 3.3. über das therapeutische Klonen von gesunden Erbinformations-Bausteinen erübrigen. Denn hierbei wird ein perfekter Mensch durch zwei perfekte Keimbahnzellen gezeugt und danach in die Gebärmutter einer Frau implantiert. Es könnten also defekte oder unerwünschte Gene mittels Keimzellzucht und gentechnischer Experimente dauerhaft aus dem Erbgut entfernt werden. Ebenso scheint es bald möglich zu sein, aus Keimbahnzellen Organe künstlich herzustellen. Dabei wird kein Tier mehr missbraucht, denn die Produktion geschieht im Labor aus den eigenen menschlichen Zellen. Dadurch wird auch das Risiko einer Abstoßung des neuen Organs minimiert.
Peter GRUSS, ehemaliger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, spricht sich jedoch gegen das Klonen von Menschen aus: „Bereits aus rein naturwissenschaftlichen Fakten also ergeben sich unmittelbar ethische Ablehnungsgründe, da das Klonen sowohl für die Mutter als auch für das Kind (Klon) unzumutbare gesundheitliche Schäden und Gefahren birgt. Natürlich gibt es auch bei geschlechtlicher Vermehrung kein Recht und keine Sicherheit auf ein gesundes Kind, aber das verbleibende Risiko ist naturgebunden und nicht menschlich verursacht. Damit nähern wir uns dem eigentlichen ethischen Ablehnungsgrund: Jeder Mensch ist in seiner genetischen Anlage zufällig entstanden. Das trifft auch auf eineiige Zwillinge zu. Niemand hat bisher einen Menschen in seiner Anlage vorbestimmt. Daraus erwächst unser menschliches Selbstverständnis von Einzigartigkeit und Selbstbestimmung. Durch das Klonen würde eine beispiellose Kontrolle über die genetische Disposition eines anderen Individuums ausgeübt. Diese Kontrolle unterscheidet sich maßgeblich von der Kontrolle, die Eltern ausüben, wenn sie geschlechtlich ein Kind zeugen, denn die genetische Zusammensetzung des Erbgutes des Kinds ist nicht vorhersehbar. […] Gewollt ist nicht Uniformität, sondern die Einzigartigkeit der Individuen […].“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Worte: Diese Einleitung führt in die historische Entschlüsselung des menschlichen Genoms ein und skizziert die kontroverse Bedeutung der Gentechnik für die heutige Gesellschaft.
2. Gentechnik in der Medizin: Dieses Kapitel erläutert die technischen Grundlagen der roten Gentechnik sowie bereits etablierte Verfahren wie die Herstellung rekombinanter Medikamente.
2.1. Hintergrund der roten Gentechnik: Hier werden die biologischen Grundlagen der DNA und die Entwicklung der biotechnologischen Modifikationsmethoden beschrieben.
2.2. Bereits erfolgreich angewandte Technik: Dieser Abschnitt behandelt den Nutzen der Gentechnik bei der Insulinherstellung, Impfstoffproduktion und der modernen Krebsforschung.
2.3. Gentherapie: Ein Überblick über therapeutische Ansätze, die darauf abzielen, genetische Defekte durch gezielte Eingriffe zu korrigieren.
2.3.1. Somatische Gentherapie: Beschreibung des Verfahrens, intakte Gene in Körperzellen einzuschleusen, um Krankheiten zu heilen, ohne die Keimbahn zu verändern.
2.3.2. Keimbahntherapie: Diskussion der theoretischen Möglichkeiten und hohen Risiken dauerhafter genetischer Veränderungen, die an künftige Generationen weitergegeben würden.
3. Ethische Betrachtung: Eine Analyse der moralischen Implikationen der Gentechnik unter Einbeziehung von Bioethik und christlichen Standpunkten.
3.1. Medizinethik: Untersuchung der ärztlichen Ethik und der vier Prinzipien nach Beauchamp und Childress im Kontext der modernen Gentechnologie.
3.2. Gedanken von christlichen Theologen: Darstellung der kirchlichen Sichtweise, die Heilung befürwortet, aber die totale Planung und Manipulation des Menschen ablehnt.
3.3. Experimente am Embryo: Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Lebensbeginn und den ethischen Grenzen der Forschung an menschlichen Embryonen.
3.4. Klonen: Kritische Beleuchtung des therapeutischen Klonens und der Gefahr einer beispiellosen Kontrolle über die genetische Identität.
3.5. Der perfekte Mensch: Diskussion der sozialen und gesundheitlichen Risiken, die mit dem Streben nach genetischer Optimierung einhergehen.
4. Abschließende Worte: Zusammenführung der Ergebnisse mit einer kritischen Reflexion über die zentrale Forschungsfrage.
4.1. Bewertung der Ergebnisse: Gegenüberstellung von Pro-Argumenten wie der frühzeitigen Krankheitserkennung und Contra-Argumenten wie der drohenden genetischen Klassengesellschaft.
4.2. Diskussion der Ergebnisse: Ein persönliches Resümee über die Gefahren der Keimbahntherapie und die möglichen Folgen für den Arbeitsmarkt und das Gesundheitswesen.
Schlüsselwörter
Gentechnik, Rote Gentechnik, Gentherapie, Somatische Gentherapie, Keimbahntherapie, Medizinethik, Embryonenschutz, Klonen, Präimplantationsdiagnostik, Genom, Stammzelltransplantation, Genetische Klassengesellschaft, Bioethik, DNA-Analyse, Biotechnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und ethischen Bedenken der modernen Gentechnik, insbesondere mit deren Einsatzbereichen in der Medizin.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die verschiedenen Verfahren der Gentherapie, die ethische Debatte über den Umgang mit Embryonen sowie die gesellschaftlichen Gefahren durch eine genetische Optimierung des Menschen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung: „Gentherapie – Fluch oder Segen im Gesundheitswesen?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur, ethischen Grundsätzen der Medizinethik und gesetzlichen Rahmenbedingungen basiert.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in technische Grundlagen der roten Gentechnik, eine detaillierte Erörterung von Gentherapieformen sowie eine tiefgehende ethische Reflexion über Klonen und Embryonenforschung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gentechnik, Gentherapie, Medizinethik, Keimbahntherapie und der „perfekte Mensch“.
Wie unterscheidet der Autor zwischen somatischer Gentherapie und Keimbahntherapie?
Die somatische Gentherapie zielt auf die Heilung von Körperzellen ab, während die Keimbahntherapie eine dauerhafte, vererbbare Veränderung der genetischen Information in Ei- oder Samenzellen anstrebt.
Welche Bedenken äußert der Autor hinsichtlich der Zukunft der Arbeitswelt?
Es wird befürchtet, dass Arbeitgeber oder Versicherer genetische Informationen nutzen könnten, um Arbeitnehmer aufgrund ihrer gesundheitlichen Veranlagung auszusortieren oder Beitragsstrukturen zu diskriminieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Rote Gentechnik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465727