Die politische Ökonomie bietet einen interessanten Ansatz, um politische Prozesse erklärbar und somit nachvollziehbar zu machen. In dieser Arbeit werden die politisch- ökonomischen Erklärungsansätze auf einen essentiell wichtigen Teil im Prozess des Regierens angewendet: Die Koalitionsbildung. Zunächst werden die unterschiedlichen Ansätze der politischen Ökonomie leicht verständlich erklärt, um sie sodann an einem konkreten Fallbeispiel – dem Koalitionsbildungsprozess nach der Landtagswahl in Sachsen 2004 – an der sozialen Wirklichkeit zu testen. Durch diesen empirischen Test wird deutlich, welcher Teil der sozialen Wirklichkeit unter Anwendung der politikwissenschaftlichen Koalitionstheorien plausibel erklärt werden kann und wo diese Theorien ihre blinden Flecken haben bzw. die soziale Wirklichkeit nur sehr unvollkommen abbilden.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1. Fallbeispiel Sachsen
II Hauptteil
2. Grundbegriffe und Grundannahmen der ökonomischen Theorie der Politik
3. Die politikwissenschaftlichen Koalitionstheorien
3.1. Minimal winning und minimum size coalitions
3.1.1. Fallbeispiel Sachsen
3.1.2. Bewertung
3.2. Minimal range und minimal connected winning coalitions
3.2.1. Fallbeispiel Sachsen
3.2.2. Bewertung
3.3. Weiterentwickelte Ansätze
III Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Prozess der Koalitionsbildung nach der Landtagswahl in Sachsen im Jahr 2004 mithilfe politikwissenschaftlicher Koalitionstheorien. Ziel ist es, die Erklärungskraft dieser Theorien für konkrete Regierungskonstellationen zu bewerten und deren Grenzen bei der Abbildung sozialer Realität aufzuzeigen.
- Grundlagen der ökonomischen Theorie der Politik und rationales Handeln
- Analyse spieltheoretischer Modelle zur Koalitionsbildung
- Anwendung von Koalitionsmodellen auf das Fallbeispiel Sachsen
- Kritische Bewertung der Modellannahmen in Bezug auf Parteimotivationen
Auszug aus dem Buch
3. Die politikwissenschaftlichen Koalitionstheorien
Im wesentlichen lassen sich in der politikwissenschaftlichen Koalitionsforschung zwei unterschiedliche Forschungsrichtungen erkennen. Auf der einen Seite ist dies die spieltheoretisch fundierte Koalitionsforschung (game theoretic tradition) und andererseits die aus der Parteienforschung stammende und spieltheoretische Annahmen teilweise integrierende Koalitionsanalyse, die auch als European politics tradition bezeichnet wird. Erstere ist prinzipiell stark an einer Modellbildung (deduktives Vorgehen) zu Fragen der Koalitionsbildung, der Koalitionsstabilität und den Ursachen der Koalitionsauflösung interessiert. Letztere zwar auch, allerdings wird in dieser Forschungsrichtung mehr Wert auf Empirienähe (induktives Vorgehen), vor allem auf empirische Überprüfbarkeit und noch mehr auf empirische Haltbarkeit, gelegt.
Wie lässt sich der Begriff der Koalition definieren? Aus spieltheoretischer Sicht wird eine Koalition definiert als „a group of players that have decided to coordinate their choices into a common strategy in order to maximize their joint payoff“. Damit wird angenommen, dass der einzelne Akteur nur dann zur Kooperation bereit ist, wenn sein individueller Nutzen die Kosten der Koalitionsbildung übersteigt, also sein pay off mindestens genau so groß ist, als wenn er allein agieren würde. Das Spiel, also der Prozess der Koalitionsbildung, ist allerdings so angelegt, dass keine Alternative existiert, welche die Gewinne aller beteiligten Spieler maximieren würde. Häufig existiert auch kein Spieler, der den Ausgang des Spiels kontrollieren könnte, im Sinne der Spieltheorie ein so genannter Diktator, denn dann wäre eine Koalitionsbildung unnötig.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung führt in die spezifische politische Situation nach der sächsischen Landtagswahl 2004 ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der zu erwartenden Regierungskonstellation.
II Hauptteil: Dieser Teil legt zunächst die theoretischen Grundlagen der ökonomischen Theorie der Politik dar, bevor er verschiedene Koalitionstheorien vorstellt, diese auf das Fallbeispiel Sachsen anwendet und kritisch bewertet.
III Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die angewandten Koalitionstheorien aufgrund komplexer politischer Realitäten nur begrenzt zur präzisen Prognose von Koalitionen geeignet sind.
Schlüsselwörter
Koalitionstheorien, Politisch-ökonomische Analyse, Rationale Wahl, Fallbeispiel Sachsen, Koalitionsbildung, Parteienwettbewerb, Spieltheorie, Office-seeking, Policy-orientierung, Minimal winning coalitions, Parteiensystem, Rationalitätsprinzip, Landtagswahl, Regierungsbildung, Politische Distanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert mit Hilfe von politisch-ökonomischen Zugängen den Prozess der Regierungsbildung am Beispiel der sächsischen Landtagswahl von 2004.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die politikwissenschaftlichen Koalitionstheorien, die ökonomische Theorie der Politik, das Rationalitätsprinzip sowie die Anwendung dieser Konzepte auf reale Regierungskonstellationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die primäre Fragestellung ist, welche Regierungskonstellation nach der Wahl zum Vierten Sächsischen Landtag im September 2004 mit Hilfe der vorhandenen Koalitionstheorien prognostiziert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den komparatistischen Ansatz der ökonomischen Theorie der Politik sowie spieltheoretische Modelle, um durch die Anwendung verschiedener Kriterien (wie z.B. Minimal winning oder Minimal range) Prognosen für Koalitionsbildungen zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert die Grundlagen des rationalen Handelns und der sozialen Austauschtheorie, stellt dann verschiedene Koalitionsmodelle vor und bewertet deren Erklärungskraft anhand des sächsischen Fallbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Koalitionstheorien, Rationale Wahl, Office-seeking, Policy-orientierung, spieltheoretische Ansätze und die Parteienkonkurrenz.
Warum wird das "Minimal winning" Kriterium als unspezifisch kritisiert?
Es wird als unspezifisch bewertet, da es im Falle Sachsens vier verschiedene mögliche Koalitionsoptionen als theoretisch plausibel vorhersagt und somit keine klare Eingrenzung bietet.
Inwiefern beeinflussen externe Faktoren die theoretischen Prognosen?
Externe Faktoren wie der Ausschluss bestimmter Koalitionspartner durch Parteien vor der Wahl oder die Weigerung, Regierungsverantwortung zu übernehmen, sind wichtige politische Realitäten, die in den mathematischen Modellen der Koalitionstheorien nicht abgebildet werden können.
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- Stephan Fischer (Author), 2004, Politisch- ökonomische Zugänge zum Prozess des Regierens. Die politikwissenschaftlichen Koalitionstheorien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46573