Das Frühhelladikum in der Ägäis. Monumentale Architektur, Siegelpraxis und Keramikherstellung in der frühen Bronzezeit


Hausarbeit, 2019
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Frühhelladikum in der Ägäis
2.1 Chronologie
2.2 Überblick
2.3 Keramik

3. Wichtige Fundorte in der Ägäis
3.1 Das Haus der Ziegel in Lerna
3.2 Der Rundbau von Tiryns

4. Fazit

Literaturliste

1. Einleitung

Die bronzezeitliche Ägäis zeichnet sich besonders dadurch aus, dass die Menschen in dieser Periode erstmals nach höheren Dimensionen strebten. Die monumentale Architektur und Siegelpraxis begründen eine fundamentale Erkenntnis – denn das Denken in immer höheren Dimensionen ist bis heute eine unveränderliche Konstante in der Menschheitsgeschichte geblieben. Die archäologischen Funde geben Aufschluss über die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der frühhelladischen Gesellschaft.

Das Ziel dieser Arbeit ist herauszufinden, inwieweit die Keramik, die Siegelpraxis und die Architektur, die ägäische Gesellschaft in der Bronzezeit widerspiegeln. Erste bronzezeitliche Strukturen wurden geschaffen. Vielleicht wurden sie uns in den Monumentalbauten auch bewusst von den Menschen überliefert und von ihren direkten Nachfahren der mykenischen Palastzeit geprägt.

Zunächst soll durch die Chronologie die Wahl des Untersuchungszeitraums begründet werden. Verschiedene Funktionen und Theorien über die Keramik, die Architektur und die Siegelpraxis werden durch verschiedene Perspektiven erschlossen werden. Diese Arbeit ist zum Teil auch aufgrund fehlender Funde Beschränkungen unterworfen. Die Erforschung des Frühhelladikums stützt sich immer noch zum größten Teil auf Keramikfunde.

2. Das Frühhelladikum in der Ägäis

Die frühe Bronzezeit in der Ägäis war deshalb eine wichtige Periode,weil Neuerungen im Zuge kultureller Kontakte mit dem Nahen Osten eingeführt wurden. Die übernommenen Innovationen wurden nicht nur integriert sondern auch im Zuge ihrer Integration verändert und den Bedürfnissen der bronzezeitlichen Bewohner der Ägäis angepasst.1 Eine Gesellschaft, die so viele Neuerungen aufnahm und sich anpasste, in einer so kurzen Zeitspanne, da wurden auch zwangsläufig tiefgreifende Veränderungen sichtbar.2

2.1 Chronologie

Vor viertausend Jahren lagen die Siedlungen in Küstennähe. Aufgrund von tektonischen Verschiebungen findet man sie heute entweder im Inneren des Landes oder versunken im Meer. Der chronologische Rahmen basiert auf den Veränderungen des archäologischen Materials und der stratigraphischen Sequenzierung.3 Die Festlegung einer Keramiksequenz legte demnach eine relative Chronologie fest. Daraus entwickelten sich die Keramikstudien.4 Sie stützen sich nicht nur auf den Nachweis von Keramiksequenzen, sondern auf stilistische Analysen.5 Die Bronzezeit, die mit der Einführung der Metallurgie um 3100 v. Chr. begann, befindet sich zwischen der Steinzeit bzw., ihrer letzten Stufe der Jungsteinzeit und der Eisenzeit.6 Im zweiten Jahrtausend vor Christus endet die frühe Bronzezeit, die für diese Arbeit relevant ist. Das Three-Age-System geht auf Christian Thomson zurück. Die nächste Subunterteilung machte Carl Blegen.7 Dafür zog er seine Ausgrabungen in Korakou hinzu.8 Dort, westlich von Korinth, hatte er früh-, mittel- und späthelladische Tonarten entdeckt.9 Es entstanden drei selbständige Kulturen: die Minoische auf Kreta, die Kykladische, benannt nach der Inselgruppe im Mittelmeer und die helladische Kultur auf dem griechischen Festland. Das Chronologie-System der ägäischen Bronzezeit geht auf Sir Arthur Evans zurück, der den Palast von Knossos ausgrub. Am Anfang des 20. Jahrhunderts führte er eine drei-teilige Chronologie für die Minoische Kultur Kretas ein. Die drei Hauptperioden sind die Früh-, Mittel- und Spätminoische-Epoche. Sie entsprechen mehr oder weniger den drei zentralen historischen Perioden der ägyptischen Kultur, dem Alten, Mittleren und Neuen Reich. Die Traditionell-archäologische Methode funktioniert also nur auf der Grundlage der Synchronismen der ägäischen Kulturen, als mit den besser zu datierenden Kulturen Ägyptens und denen des Vorderen Orients.10 Das Problem, auch mit dieser traditionellen Methode gab es keine Einigung über die absolute Chronologie des Nahen Ostens.11 Die historische Zeitgeschichte Ägyptens ist reicher, auch teilweise schriftlich belegt, und deswegen spielen ihre Aufzeichnungen, bei dem Verständnis der Chronologie eine zentrale Rolle. Sie sind größtenteils mit den Ereignissen, die sie beschreiben, zeitgemäß. Sowohl die Ausgrabungen in Akrotiri auf Santroin an der Küste der Insel Thera, wie die Insel auch genannt wird, und die in Tell el-Dab´a (Avaris) zeigen spektakuläre Wandmalereien im minoischen Stil.12

Der Versuch, die Chronologie an die nicht symmetrisch ablaufende Kulturentwicklung anzupassen, ergab zusätzliche Subphasen. Problematisch dabei sind die Zäsuren der einzelnen Perioden, die in vielen Fällen nicht mit archäologisch greifbaren Ereignissen zusammen fallen. Somit können sie beliebig verschoben werden. Greifbare Ereignisse sind beispielsweise große Zerstörungen, die stattgefunden haben.13 Kurz gesagt stecken naturwissenschaftliche Datierungsverfahren den zeitlichen Rahmen ab, der mangels Schriftzeugnisse, historisch belegbar sind.14

2.2 Überblick

Die bronzezeitliche Ägäis war nur relativ spärlich besiedelt. Wenn man sich eine große Siedlung vorstellen möchte, dann sollte man sich, für das FH I, eine Größenordnung von drei bis fünf Hektar vorstellen. Zu Beginn des FH II gab es bereits ein ausgedehntes Handelsnetz.15 Renfrew geht von der Einführung einer Polykultur aus, bei der vor allem Getreide angebaute wurde. Olivenbäume wurden gepflanzt und Wein wurde hergestellt, den man mit Harz haltbar machte. Diese Epoche hat zu einer Verbesserung und Spezialisierung der Landwirtschaft geführt. Eine handelnde Elite entstand. Sie nutzte den Überschuss von Waren für den Lokalverbrauch oder Handel.16 Funde in Kolonna auf Aigina im saronischen Golf bezeugen erstmals die Existenz sozialer Eliten mit weitreichenden Kontakten.17 Der Austausch nahm zu. Die Bevölkerungszahlen wuchsen und die Ökonomie auch.18 Östliche Regionen leisteten einen großen Beitrag zu der Entwicklung der bronzezeitlichen Ägäis. Ägypten, die Levante, Mesopotamien und Anatolien trugen zu der Entwicklung der Ökonomie, der Kunst und der Gesellschaft bei.19

Das FH II endete mit der Zerstörung des Hauses der Ziegel in Lerna. Caskeys Theorie einer Invasion, die er an der veränderten Keramik und Architektur in Korinth zu erkennen glaubte, ist nicht länger haltbar. Shereldine widerlegt eine Invasion da es keine erkennbaren Zerstörungsmuster gibt. Architekturen, die man mit dem FH III verbindet, wie Apsidenhäuser und Tumuli, erscheinen zu verschiedenen Zeitpunkten ab dem FH II bis zum MH. Sicher ist, dass zwischen dem FH II und dem FH III eine deutliche Veränderung im Zusammenhang mit einem weltweiten Klimawandel verursacht worden war. Weiss macht diesen Klimawandel für den sozialen Zusammenbruch in Mesopotamien und auf dem griechischen Festland verantwortlich.20 Blegen sieht den kulturellen Bruch erst am Ende des FH III.21 In der Argolis war im Übergang von FH zu MH eine schwere Diskontinuität zu erkennen. Zerstörungen, Bevölkerungsrückgang und soziale Rückschritte machten sich bemerkbar. Ganze Siedlungen wurden aufgegeben und/oder zerstört. Die Anzahl und die Größe der Standorte nahmen ab. Aktuelle Studien gehen, wie erwähnt, auch von Umweltfaktoren als Ursache aus.22 Von diesem cultural break blieb Kreta während dieser Zeit verschont.

2.3 Keramik

In Zentralgriechenland und der Peloponnes folgte am Ende des Neolithikums eine radikale Veränderung in der materiellen Kultur. Die kunstvoll bemalte Keramik geht zurück und es werden vermehrt große Gefäße hergestellt.23 Ein grober Überblick gibt Aufschluss darüber. Die Keramik aus dem FH I war poliert und mit Schlicker gefertigt. Die früheste Ware ist Rot und mit eingeritzter Dekoration. Im FH II hat die Ufirnis eine bessere Qualität und ist gelb gesprenkelt. Im FH III findet man oft dunkel auf hell und gelb gesprenkelte Töpferware. Die Mehrheit der Keramik ist aber einfach gehalten. Seit Blegens Keramikfundeinteilung hat sich nur wenig verändert. In Thrakien, Makedonien und Thessalien fand man hauptsächlich Lagerbehälter. Man geht deshalb auch von einem Agrarproduktüberschuss aus. Die Makedonische Keramik weist parallelen zu Troja I auf und Eutresis in Böotien. Die schwarz, glänzenden Schüsseln mit runden röhrenförmigen Henkeln sind Indizien dafür.24

Um diese feine Keramik herzustellen tauchte man die Gefäßoberfläche in den Schlicker oder man trug ihn mit einem Pinsel oder Tuch auf. Der Schlicker wird erst nach einer Politur glänzend. Einschnitte nahm man mit einem stumpfen Gegenstand vor. Man ritze tief und fein in die Oberfläche des Tons und manchmal füllte man die so entstandenen Rillen mit weißem Pigment.25

Die typische Form des FH II ist die Sauciere, von der man ausgeht, dass sie anatolischen oder kykladischen Ursprungs ist. Ihre Verwendung ist oft umstritten. Mylonas behauptet, es handele sich um eine Öllampe. Weinberg sieht in der Sauciere eine Ritualvase. Tsounta sieht ein Gefäß zur Käseherstellung und Müller, Renfrew und Televantou meinen es handele sich dabei um eine Gießgefäß oder einen Trinkbecher. Da der Auslauf solcher Saucieren manchmal unverhältnismäßig lang ist und es oft zwei oder drei Stück davon gibt, ist die Sauciere zum Trinken wohl ungeeignet.26

3. Wichtige Fundorte in der Ägäis

Das Haus der Ziegel in Lerna und der Rundbau sind die ältesten monumentalen Gebäude in Griechenland. Sie sind sie erste Beispiele einer Architektur mit der Absicht, Einfluss auf ihre Bewohner zu nehmen. Wenn jemand in der bronzezeitlichen Ägäis in die Bucht von Argos hinein segelte oder den Hafen wieder verließ, konnte er diese beiden architektonischen Machtsymbole in den beiden Hauptsiedlungen nicht übersehen. Auf der einen Seite der Bucht erhob sich auf dem höchsten topographischen Punkt das Haus der Ziegel und gegenüber der Rundbau.27 Die Architektur entspricht zwar nicht vorderasiatischen Vorbildern, aber Ideen und Praktiken wurden übernommen und zu eigenen Entwürfen umgewandelt.28 Der Rundbau und das Haus der Ziegel, als Korridorhaus, haben zwar verschiedene Formen aber eine ähnliche soziale Funktion. Bis vor kurzem dachte man, dass die Korridorhäuser Residenzen der Elite waren. Aber es sind vermutlich multifunktionale Gebäude, die verschiedenen sozialen Gruppen zugänglich waren.29 Die Erforschung eines Gebäudes kann wichtige Einblicke in die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Aspekte einer Kultur geben. Die Materialien, die man verwendete in der bronzezeitlichen Ägäis waren vorwiegend aus der Natur verfügbare Ressourcen.30 Im FH II B entwickelten sich die Korridorhäuser und die Architektur zu immer stärkerer Selbständigkeit.31

[...]


1 Joseph Maran, Maria Kostoula: Athyrmata. Critical Essays of the Archaeology of the Eastern Mediterranean in honour of E. Susan Sherratt. Archaeopress and the individual authors 2014, S. 141.

2 Maran: Athyrmata, S. 152.

3 Eric H., Cline: The Oxford Handbook of the Bronze age Agean (ca. 3000 – 1000 B.C.) Oxford University Press. Oxford 2010, S. 53.

4 Cline: The Oxford Handbook, S. 4.

5 Oliver T. P. K., Dickinson: The Aegean Bronze Age. Cambridge u. a. Cambridge University Press 1994, S. 12

6 Thomas, Guttandin: Inseln der Winde. Die maritime Kultur der bronzezeitlichen Ägäis. 2. Auflage. Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg 2014, S. 30

7 Cline: The Oxoford Handbook, S. 11.

8 Cline: The Oxford Handbook, S. 53.

9 Cline: The Oxford Handbook, S. 6.

10 Guttarin: Inseln der Winde, S. 30f.

11 Dickinson: The Aegean Bronze Age, S. 17.

12 Cline: The Oxford Handbook, S. 7.

13 Guttarin: Inseln der Winde, S. 31.

14 Jeorjios, Beyer: Archäologie. Von der Schatzsuche zur Wissenschaft. Verlag Philip von Zabern. Mainz 2010, S. 124

15 Cline: The Oxford Handbook, S. 61.

16 Cline: The Oxford Handbook, S. 600.

17 Cline: The Oxford Handbook, S. 61.

18 Cline: The Oxford Handbook, S. 293f.

19 Cline: The Oxford Handbook, S. 292.

20 Sherlmerdine: The Aegean Bronze Age, S. 36.

21 Cline: The Oxford Handbook, S. 54.

22 Cline: The Oxford Handbook, S. 602.

23 Cline: The Oxford Handbook, S. 615.

24 Cline: The Oxford Handbook, S. 53f.

25 Michael B., Cosmopoulos: The early bronze 2 in the Agean. Studies in mediterranean archaeology Vol. XCVIII. Jonsered Sweden, Paul Aström Förlag 1991, S. 37

26 Cosmopoulos: The early bronze 2 in the Aegean, S. 40f.

27 Joseph Maran. The Persistence of Palace and Memory: The Case of the Early Helladic Rundbau and the Mycenaean Palatial Megara of Tiryns. In: Balrtelheim Martin, Barbara Horejs und Raiko Krauß, Hrsg. 2016. Von Baden bis Troia: Ressourcennutzung, Metallurgie und Wissenstransfer: Eine Jubiläumsschrift für Ernst Pernicka. Bd. volume 3. Oriental and European Archaeology. Rahden, Westf.: VML Verlag Marie Leidorf GmbH, S. 160.

28 Beyer: Archäologie, S. 128.

29 Maran: The Persistence of Palace and Memory, S. 154.

30 Cosmopoulos: The early bronze 2 in the Agean, S. 18.

31 Sherlmerdine: The Aegean Bronze Age, S. 31.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Frühhelladikum in der Ägäis. Monumentale Architektur, Siegelpraxis und Keramikherstellung in der frühen Bronzezeit
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Vertiefungskurs
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V465807
ISBN (eBook)
9783668939875
ISBN (Buch)
9783668939882
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühhelladikum, Ägäis, Bronzezeit, Ur- und Frühgeschichte, House of the Tiles, Rundbau, Tyrins, Lerna
Arbeit zitieren
Ira Dick (Autor), 2019, Das Frühhelladikum in der Ägäis. Monumentale Architektur, Siegelpraxis und Keramikherstellung in der frühen Bronzezeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465807

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