Was ist Glück?

Philosophischer Essay


Essay, 2019
14 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Was ist Glück? Philosophischer Essay

Was ist Glück überhaupt? Kann jeder Mensch glücklich sein? Kann ich mein persönliches Glück beeinflussen? Kann ich es messen? Wie entsteht Glück in meinem Körper und welchen Effekt hat es auf ihn?

Diese und noch viel mehr Fragen beschäftigen uns Menschen wohl am häufigsten. Schließlich streben wir doch in der Tiefe unserer Herzen alle nach Glück und Zufriedenheit oder? Aber was macht uns überhaupt glücklich und ist das für alle gleich oder individuell?

Zunächst möchte ich aber den Begriff Glück etwas näher beleuchten: Nun gibt es sehr verschiedene Auffassungsmöglichkeiten des Begriffs „Glück“. Zum einen spricht man von „Zufallsglück“ oder „Glück haben“. Das beschreibt dann Situationen, in denen meist mehrere besonders günstige Umstände aufeinandertreffen und eine Situation entsteht, die mir zum Beispiel einen unerwarteten Vorteil verschafft. Diese Art von Glück ist eher von zufälliger Natur, insofern man an Zufälle glauben möchte.

Meine Arbeit befasst sich aber mit der anderen Seite des Glücks. Laut deutschem Duden ist Folgendes die Definition dafür:

Eine angenehme, freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; oder auch ein Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung.1

Laut dieser Definition ensteht bei mir die Frage, ob man demnach nur glücklich sein kann, wenn man gewisse Dinge von außen bekommt. Ansonsten bleibt man für immer unglücklich? Studien beweisen, dass dem nicht so ist. Warum sollten denn sonst Menschen unter ärmlichen Umständen glücklich sein können während andere, die fast alles besitzen noch immer unglücklich sind und nach noch mehr Besitztümern streben um inneres Glück zu erreichen?

Ich persönlich denke, dass es zwar so ist, dass das menschliche Glück auch mit äußeren Umständen zusammenhängt, aber dass der größte Teil im Inneren, in uns selber entsteht. Solange unsere Grundbedürfnisse, so wie Essen, Trinken, schlafen, wohnen, soziale Sicherheit etc gedeckt sind, dann hat jeder von uns die Möglichkeit glücklich zu sein.

Glücklich sein hängt für mich auch stark mit Zufriedenheit zusammen.

Was nützt mir ein noch schnelleres, stylischeres, größeres Auto, wenn ich damit noch immer nicht zufrieden bin? Eigentlich gar nichts, weil das Unterbewusstsein immer auf der Suche nach mehr ist. Und wer auf der Suche nach etwas anderem ist, signalisiert sich selber doch, dass das was man gerade besitzt, lebt, erlebt noch nicht gut genug ist, sondern nur eine Notlösung quasi. Und wer von uns gibt sich denn gerne mit einer Notlösung zufrieden, wenn es auch ein „Ideal“ gäbe?

Die Frage ist nun, gibt es dieses Ideal? Ich denke nicht. Es geht auf jeden Fall immer anders aber ob dies besser oder schlechter ist, liegt immer noch in unserer subjektiven Bewertung dieser Situation. Deswegen müssen wir lernen, dass wir zufrieden sind mit dem was wir haben. Denn wer zufrieden ist, und sich selber regelmäßig die schönen und guten Dinge im Leben bewusst ist, oder es sich bewusst macht, der ist nicht ständig auf der Suche nach mehr. Wer immer auf der Suche nach mehr ist, der lebt auch nicht im hier und jetzt sondern irgendwo zwischen seiner Traumvorstellung und der verzweifelten Suche nach einem nicht vorhandenem Ideal.

Wir Menschen tendieren aber dazu, immer nur das zu sehen, was unser Leben noch besser machen könnte. Wir versuchen verzweifelt die 100% zu erreichen und obwohl wir uns schon bei 70% befinden sehen wir ständig nur diese 30% die uns noch fehlen. Anstatt einfach mal den Fokus auf die 70% zu legen, die wir ja schon haben, und 70% ist ja immerhin mehr als das doppelte als jene 30% die uns in dem Fall noch fehlen.

Der Fokus auf gewisse Dinge, früher war es das Wesentliche, das Überlebensnotwendige, kommt schon aus der Urzeit. Das Gehirn des Urmenschen musste Informationen aus der Umgebung gezielt und automatisch aussortieren. Unwichtiges unbeachtet lassen und das Wichtige hervorheben. Die Information, dass sich in unmittelbarer Nähe ein Wolf befindet war da klarerweise wichtiger als jene, dass die Blätter auf den Bäumen grün sind und im Wind rascheln. Beides wurde auf gleicher Ebene wahrgenommen aber das Gehirn entscheidet quasi was es für wichtig empfindet und dir deutlich bewusst macht. Diesen Vorgang nennt man selektive Wahrnehmung.

Diese selektive Wahrnehmung war also früher, in der Urzeit, überlebensnotwendig. Heute ist das nicht mehr so, aber unser Gehirn selektiert trotzdem brav weiter. So entstehen dann solche Situationen, dass eine schwangere Frau plötzlich überall nur mehr andere ebenfalls schwangere Frauen sieht. Und das liegt nicht daran, dass es davon plötzlich so viele in ihrer Umgebung gibt, sondern an der selektiven Wahrnehmung.

Diese selektive Wahrnehmung hängt also auch stark mit unserem Glück und unserer Zufriedenheit zusammen. Angenommen, wir wären jeden Tag so krass auf alles Gute in dieser Welt, in unserem Leben, fokussiert, dann kämen wir aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Denn unser Gehirn wäre so voll von Dankbarkeit all den schönen Dingen gegenüber, dass da gar kein Platz mehr frei wäre für die negatvien Dinge, oder den 30% die uns noch fehlen.

Also worauf der Mensch seinen Fokus legt, hängt intensiv mit unserem Befinden zusammen. Stichwort Glücks- oder Pechtag. Das sind im Grunde genau dieselben Tage, und der Ablauf ist an beiden Tagen relativ ähnlich, nur liegt am Glückstag der Fokus auf dem Positiven und beim Pechtag oder bei der Pechsträhne liegt er auf dem Negativen.

Also müsste das theoretisch bedeuten, dass wir Menschen dazu in der Lage sind unser Glück zu beeinflussen. Einerseits indem wir auf all das blicken, was wir bereits um uns haben oder besitzen und andererseits eine tiefe Dankbarkeit dafür zu entwickeln. Auch trägt es zu unserem Glück bei, dass wir in allen drei Lebensbereichen, das bedeutet privat, persönlich und arbeitstechnisch ein Leben leben, welches mit unseren Werten und Grundbedürfnissen übereinstimmt.

Unsere Glückshormone

Wie entsteht eigentlich Glück in unserem Körper?

Grundsätzlich hat unser Körper vier verschiedene Glückshormone zur Verfügung: Dopamin, Endorphin, Oxytocin und Serotonin. Jedes einzelne davon löst ein gutes aber jeweils anderes Gefühl bei uns aus.

Der Ursprung des Glücksgefühls liegt beim Menschen, wie alle anderen Gefühle auch, im limbischen System. Dort werden gewisse Substanzen ausgeschüttet um uns gewisse Dinge zu signalisieren. Wenn uns also etwas gutes widerfährt, dann werden im limbischen System diverse Glückshormone ausgeschüttet, damit wir uns künftig wieder in diesselbe Situation begeben, da sie uns ja gut tut. Auch diese Eigenschaft kommt noch aus der Urzeit, als es noch ums pure Überleben ging.

Dementsprechend motiviert jedes unserer Glückshormone eine andere Art des Überlebensverhalten:

Dopamin steht für die Motivation etwas zu bekommen auch wenn es Anstrengung und Energie kostet. Endorphin wird ausgeschüttet um den Schmerz zu mindern, damit der Mensch z.B trotz einer Verletzung in der Lage ist die Flucht zu ergreifen. Oxytocin wird ausgeschüttet wenn wir gesellschaftliche, soziale Bindungen eingehen, da ein Rudel früher auch bessere Überlebenschancen hatte. Das letzte der vier Glückshormone ist das bekannte Serotonin, welches dazu motiviert soziale Anerkennung zu suchen, was die Fortpflanzung und den Platz in der Rangordnung begünstigt.

In den folgenden Kapiteln möchte ich nun aber noch genauer auf die einzelnen Glückshormone eingehen.2

Dopamin

Wie vorhin schon kurz angeschnitten, sorgt Dopamin dafür, dass wir im richtigen Moment unsere Energie investieren können. Früher wurde die Energie während der Nahrungssuche gespart und wenn eine Beute in Sicht war wurde Dopamin ausgeschüttet und es galt „über die Beute herzufallen“.

Heutzutage müssen wir uns zwar nicht mehr unbedingt auf Nahrungssuche begeben, aber das menschliche Gehirn sucht trotzdem ständig nach möglichen Belohnungen. Und sobald solche potentiellen Belohnungen gefunden werden, wird Dopamin ausgeschüttet um dem Körper die nötige Energie und Motivation zu geben, um diese „Belohnung“ zu erhalten.In unserer Zeit gilt derselbe Effekt auch wenn es um unsere individuelle Zielsetzung geht. Gewisse Menschen die sich wichtige Ziele (also eine potentielle Belohnung) setzen, sind dank dem ausgeschütteten Dopamin zu unglaublichen Leistungen in der Lage.

Unser Gehirn entscheidet also permanent was uns die Anstrengung wert ist und wann es besser ist unsere Energie für irgendwas anderes aufzusparen. Und diese Entscheidung wird uns durch die Ausschüttung von Dopamin signalisiert: „Jetzt heißt es Einsatz zu bringen!“

Wann wird Dopamin ausgeschüttet?

Untersuchungen an Menschenaffen zeigen, dass dann Dopamin ausgeschüttet wird, wenn sie sich Belohnungen nähern. Also sobald der Affe eine Frucht sieht, die er erreichen könnte, wird Dopamin ausgeschüttet. Beim Marathonläufer wird Dopamin ausgeschüttet sobald er die Ziellinie sieht. Man kennt dieses Gefühl vermutlich selber vom wandern zum Beispiel, sobald einem bewusst ist, es ist nicht mehr weit bis zum Gipfel, dann bekommt man meistens noch so einen Schub an Motivation und das letzte Stück wird gar nicht mehr als anstrengend wahrgenommen. Deshalb geht es beim Sportmentaltraining oft darum gewisse Zielbilder intensiv zu visualisieren um denselben Effekt wie der Blick auf das tatsächliche Ziel zu ermöglichen.

In welchen Situationen unser Körper Dopamin ausschüttet, also in welchen Situationen der Körper eine potentielle Belohnung erkennt, hängt von unseren bereits gemachten Erfahrungen zusammen. Im Gehirn des Menschenaffen wird demnach erst Dopamin ausgeschüttet wenn er eine Frucht sieht, und diese schon mal zuvor gegessen hat und gemerkt hat „die schmeckt mir, die tut mir gut und spendet Energie“. Erst nach so einer positiven Erfahrung entsteht im Gehirn eine neuronale Verindung und diese Frucht wird als Belohnung abgespeichert.

Dazu kommt noch, dass unser Gehirn zwischen seltenen und häufigen Belohnungen unterscheidet. Unser Gehirn findet, dass eine leicht erhältliche Belohnung nicht so viel Energie wert ist, wie eine schwer erhältliche Belohnung. Somit wird bei dem Anblick der leicht erhältlichen Belohnung nur wenig Dopamin ausgeschüttet, während bei der schwer erhältlichen Belohnung weit aus mehr Energie nötig ist, um diese zu erreichen, also wird in solchen Situationen dann dementsprechend mehr Dopamin ausgeschüttet. Dadurch ist es Menschen in extremen Notsituationen möglich extreme Dinge zu tun. Zum Beispiel eine Mutter, der es möglich ist ein Auto anzuheben, weil ihr Kind in Lebensgefahr ist. Um so etwas überhaupt zu ermöglichen sind natürlich Unmengen an Dopamin erforderlich, die der Frau in dem Moment die Energie und die Kraft geben ein Auto anzuheben.

Forscher führten folgendes Experiment an Menschenaffen durch und machten somit eine für die Glücksforschung wesentliche Entdeckung:

Die Tiere wurden darauf trainiert gewisse Aufgaben zu erledigen und wurden danach belohnt. In den ersten Tagen wurden sie mit Spinat belohnt. Ein paar Tage später wurden sie dann statt mit Spinat mit Saft belohnt, was für die Affen eine unerwartet größere Belohnung war, deshalb ging ihr Dopaminspielgel in die Höhe. Als sie die folgenden Tage immer wieder mit dem Saft belohnt wurden, fiel der Dopaminspiegel der Affen schon bald wieder zurück auf null. Das heißt die Affen nahmen den Saft als selbstverständlich war, was wiederum bedeutet, dass keine Notwendigkeit an Dopamin besteht, wenn es keine neuen Informationen gibt. Interessant war auch, dass als die Forscher ein paar Tage später die Belohnung wieder auf Spinat umstellten, die Affen anfingen zu kreischen und protestieren. Sie waren besseres gewohnt und der Spinat machte sie nun nicht mehr „glücklich“. 3

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Was ist Glück?
Untertitel
Philosophischer Essay
Veranstaltung
Mentaltraining - Ausbildungslehrgang Dipl. Mentailtrainer/In
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V465811
ISBN (eBook)
9783668938519
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glück, philosophischer, essay
Arbeit zitieren
Sarah Sabukoschek (Autor), 2019, Was ist Glück?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465811

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