Organspende aus christlicher und medizinischer Perspektive. Soll die Organspende zur Pflicht der Bürger werden?


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hirntod
2.1 Hirntod aus medizinischer Sicht
2.2 Bedenken gegenüber der Bedeutung des Hirntods
2.3 Argumente für den Hirntod als Todeskriterium
2.4 Erlanger Baby

3. Organspende
3.1 Kontra Organspende
3.2 Bericht einer Mutter, die ihren Sohn zur Organspende freigab
3.3 Pro Organspende

4. Organspende aus christlicher Perspektive

5. Gesetze zur Organspende
5.1 Aktuelle Rechtslage in Deutschland
5.2 Neue Regelungen

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

Soll die Organspende zur Pflicht der Bürger werden?

1. Einleitung

Die Organspende ist ein aktuelles und medial sehr präsentes Thema. In den vergangenen Jahren hat die Organspende in der Medizin eine große Bedeutung gewonnen. Vielen Menschen konnte durch ein neues Organ das Leben gerettet werden. Derzeit warten rund 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Im letzten Jahr erreichte die Organspende in Deutschland einen Tiefpunkt. Grund dafür können die Skandale sein, die in den Medien immer wieder berichtet werden. Familien zweifeln ihre Entscheidung nach der Organspende an und berichten von grauslichen Erfahrungen. Misstrauen haben viele gegenüber der Todesfeststellung. Um die Organe zu entnehmen, muss der Patient als hirntot erklärt werden. Doch ist ein Mensch, der als hirntot definiert wird tot? Gibt es keine Chancen mehr für ihn sein Leben weiterzuführen?

Damit mehr Menschen geholfen werden kann, möchte Gesundheitsminister Spahn mithilfe einer Widerspruchslösung die Zahl der Organspenden in Deutschland erhöhen. Dies würde bedeuten, dass jeder Verstorbene seine Organe spendet, es sei denn er hat vor seinem Tod widersprochen oder seine Familie wiederspricht nach dem Tod. Kann die Organspende zur Pflicht der Bürger werden?

Um auf diese Frage zu antworten, wird im Rahmen dieser Hausarbeit im ersten Teil das Hirntodkriterium behandelt. Im Fokus des zweiten Teils steht die Organspende und ihre pro und kontra Seiten und die Beurteilung der Organspende aus christlicher Perspektive. Abschließend wird die Regelung Spahns vorgestellt und bewertet.

2. Hirntod

2.1 Hirntod aus medizinischer Sicht

Aus medizinischer Sicht wird der Mensch als tot definiert, sobald der Hirntod eintritt. Beschrieben wir der Hirntot nach der Bundesärztekammer wie folgt: „Der Hirntod wird definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Dabei wird durch kontrollierte Beatmung die Herz- und Kreislauffunktion noch künstlich aufrechterhalten.“[1]

Grund für die Regelung der Bundesärztekammer sind die fehlenden Eigenschaften des Hirntoten. Diesem fehlen die Körperfunktionen, das gesamte Verhalten, die Selbstständigkeit, die zentrale Steuerung des Hormon- und Wasserhaushaltes, sowie des Blutdrucks und des Kreislaufes. Hinzukommt, dass der Patient nicht mehr eigenständig atmet, ihm einzelne Körperfunktionen und das menschliche Bewusstsein wie Empfinden, Wahrnehmen und Denken fehlen.[2]

Der Hirntod wird diagnostiziert durch eine akute Hirnschädigung des Patienten und die damit eintretenden Symptome wie Bewusstlosigkeit oder fehlende Reflexe. Wenn nach mindestens zwölf Stunden bei primärer Hirnschädigung und nach drei Tagen bei einer sekundären Hirnschädigung erneut die Irreversibilität des Hirnfunktionsausfalls durch zwei verschiedene unabhängige Ärzten, die an einer möglichen folgenden Organtransplantation nicht beteiligt sind, diagnostiziert werden kann, wird der Patient als Hirntod erklärt.[3]

2.2 Bedenken gegenüber der Bedeutung des Hirntods

Dass der Hirntot das ausschlaggebende Argument für den Tod des Menschen ist, wird von verschiedenen Positionen kritisiert.

Ein Argument der Kritiker ist, dass nach dem eingetretenen Hirntod der Mensch noch Reflexe ausüben und einzelne Bewegungen ausführen kann. Zudem können Hirntote mithilfe von Maschinen für längere Zeit am Leben gehalten werden, sodass Schwangerschaften weiter verlaufen, Kinder noch weiterwachsen und die Verdauung der Patienten noch funktioniert.[4] Die Schwangerschaft des Erlanger Babys, die trotz hirntoter Mutter fortgeführt werden konnte, wird im fortfolgenden Abschnitt näher beschrieben.

Eine Pflegerin, die hirntote Patienten für die Organspende vorbereitet berichtet von ihren Erfahrungen. Sie beschreibt: „Manchmal habe ich doch Bedenken, ob das wirklich so human ist, was wir da machen. Mir kommen dann doch wieder so Gedanken, stimmt das nun auch wirklich, dass der Hirntod eingetreten ist, weil dann bewegen die Patienten plötzlich die Köpfe und man weiß ja genau, dass es spinale Reflexe sind- aber es kommt immer mal wieder die Idee, ist das auch richtig was wir machen?“[5]

Ein Hirntoter Patient wird vom Pflegepersonal wie jeder andere Patient behandelt, sie werden versorgt, ernährt, gewaschen und gepflegt. Das führt dazu, dass sie nicht wie tot aussehen, zumal sie die durchschnittliche Körpertemperatur von 37 Grad halten: „Für mich lebt er bis er in den Operationssaal fährt“[6], beschreibt eine Pflegerin ihren Umgang mit den Patienten.

Kritisiert wird weiterhin, dass der Tod nur durch die Entwicklung der Organtransplantation definiert werden musste. Das Interesse an den Organen führt zu dieser pragmatischen Vereinbarung.[7]

Ein weiterer Punkt, der gegen den Hirntot als Todeskriterium spricht ist, dass der Mensch zu Beginn des Lebens als Embryo auch keine Bewusstseinsfähigkeit oder eine zentrale Steuerung von Körperfunktionen. Das Leben kann demnach auch nicht beendet werden, wenn der Mensch nicht mehr über diese Fähigkeiten verfügt.[8].

Der Mensch besitzt neben dem Hirn, noch weitere wichtige Organe. Der Tod eines Organs kann nach Meinung Vieler nicht für den Tod des ganzen Menschen zählen.[9]

2.3 Argumente für den Hirntod als Todeskriterium

Der Hirntod ist seit den 1980er Jahren das sichere Todeszeichen eines Menschen. Bedenken gegenüber der Regelung wurden bereits aufgeführt. Die Website organspende.info.de äußert sich zu den Bedenken der Menschen gegenüber der Organspende. Auf die Frage, ob ein hirntoter Mensch zurück ins Leben kehren könne, gehen sie ein und verdeutlichen, dass der Patient zu keinem Zeitpunkt mehr in der Lage sein wird ein Leben wie vor seinem Unfall führen zu können. Als Grund nennen sie dafür: „Auch, wenn unter künstlicher Beatmung das Herz-Kreislauf-System aufrechterhalten werden kann, wird beim Vorliegen des Hirntods das Hirngewebe nach und nach vollständig abgebaut“[10]. Auch auf die Frage wie eine Schwangere noch ein Kind austragen kann, obwohl sie tot ist, gehen sie ein. Ihre Erklärung lautet, dass alle Stoffwechselleistungen durch das Kind erfolgen. Die Plazenta sorgt dafür, dass die Schwangerschaft aufrechterhalten bleibt und nicht das Gehirn der Mutter.

Ob der Hirntod ein Sterbender oder ein Toter ist, äußert sich die Webseite wie folgt: „Der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) ist deshalb ein maßgebliches diagnostisches Zeichen für den bereits eingetretenen Tod, weil er eindeutig den unwiederbringlichen Verlust der zentralnervösen Steuerung der elementaren Lebensfunktionen und die Zerstörung der Einheit des Menschen als körperlich-geistiges Wesen markiert. In der Folge sterben nach und nach auch alle anderen Körperteile und Körperzellen ab.“[11]

Dass das Leben eines Kindes nicht an der Entwicklung des Gehirns festgelegt wird stimmt zwar, dennoch besitzt das Neugeborene schon Hirntätigkeiten, während dem Hirntoten diese Fähigkeiten nie wieder zu stehen.

Grundsätzlich lassen sich weitere Argumente, die die Kritiker des Hirntodkriteriums nennen widerlegen. Genannt wurde bereits die Argumentation, dass das Hirn nicht nur eines der wichtigen Organen darstellt und der Tod eines einzelnen Organs nicht der Tod für den Menschen bedeutet. Widerlegen lässt sich die Aussage, da es zwar noch weitere Organe gibt ohne die der Mensch nicht leben kann, dennoch funktionieren diese nicht ohne das Gehirn. „Mit dem endgültigen Verlust der integrativen und regulatorischen Funktion des Gehirns geht die zentrale Steuerung elementarer Lebensvorgänge zu einem übergeordneten ganzheitlichen Organismus verloren.“[12]

„Beim Menschen schließlich ist für sein Leben in dieser Welt, das Gehirn die notwendige und unersetzliche körperliche Grundlage für alles, was an ihm geistig ist.“[13] Geistig zählt hier als das Merkmal, das den Menschen von anderen Lebewesen grundsätzlich unterscheidet. Ohne Hirnfunktion kann dieser Geist nicht mehr in Kraft treten, sodass dem Menschen das entscheidende Merkmal fehlt. Der Mensch kann nie wieder denken, sich äußern, eine Entscheidung treffen, eine Bewegung spüren oder ausführen.[14]

Der Hirntote ist ohne die Maschinen, an die er angeschlossen nicht mehr fähig zu atmen. Ihm fehlen alle mentalen und bewussten Eigenschaften und er ist nicht mehr in der Lage sich selbst zu erleben.[15]

Zeichen, dass der Hirntod zum Tod des gesamten Organismus führt, ist die Drucksteigerung und der Blutmangel im Hirn. Der Ausfall des Gehirns führt zur Bewusstlosigkeit, den fehlenden spontanen Bewegungen, sowie der fehlenden Steuerung von Stoffwechselvorgängen und der Atemantrieb.[16]

Dass Hirntote noch Reflexe an den Armen und Beinen ausüben können, sehen viele als Grund an, dass der Mensch noch nicht tot ist. Zwar sind einige Patienten in der Lage Arme hochzuheben oder Beine zu bewegen, dennoch sind diese Bewegungen nicht bewusst ausgeführt. Da die hemmenden Neurone durch den Hirntot ausfallen, kann ein Sauerstoffmangel dazu führen, dass die Neurone im Rückenmark gereizt werden und so die Extremitäten bewegt werden.[17]

Dass der Leichnam noch lebendig aussieht, beschreiben viele Verwandte die den Hirntoten sehen. Nach Abstellen der Beatmungsgeräte, an die der Patient noch angeschlossen ist, würden die üblichen Zeichen eines Leichnams zu erkennen sein.

2.4 Erlanger Baby

Bei einem Verkehrsunfall erlitt die 19-jährige Marion eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung und wurde wenige Tage später für tot erklärt. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass sie sich in der 15. Schwangerschaftswoche befand. Da sich Marion zu Lebzeiten gegen eine Organspende äußerte, beschlossen die Ärzte sie weiterhin an den Beatmungsgeräten anzuschließen, sodass die Schwangerschaft aufrechterhalten werden konnte. Nach fünf Wochen stieg Marions Fieber, sodass ihre Lunge infiziert wurde und es zum Spontanabgang in der Leibesfrucht kam. Das ungeborene Kind starb. Dieser Vorfall wird häufig von Gegner des Hirntodkriteriums geschildert, da die Schwangerschaft trotz hirntoter Mutter fortgeführt werden konnte. Zu beachten an der Tatsache, dass die Schwangerschaft fortgeführt werden konnte ist, dass der Fötus bereits eigene Hormone produziert hatte und somit nicht mehr auf die Hormonregulation der Mutter angewiesen war. Der Fieberanstieg der jungen Frau ist damit zu erklären, dass die produzierte Wärme nicht mehr abgegeben werden konnte, da der Hypothalamus, der die für die Temperaturregulation zuständig ist, durch den Hirntod nicht mehr funktioniert. Die Schwangerschaft konnte zudem nur fortgeführt werden, da die junge Frau von den Ärzten mit Sauerstoff versorgt wurde.[18] Ansonsten wäre das Kind ebenfalls nach kurzer Zeit gestorben. Ethisch ist dieser Vorgang natürlich sehr kritisch zu beurteilen, da die tote Mutter als Brutkasten für ihr Kind genutzt wurde.

[...]


[1] Bundesärztekammer, 1998.

[2] Vgl. S.12 (Niederschlag & Proft (Hg.), 2014).

[3] vgl. Bundesärztekammer, 1998.

[4] S.29, Bondolfi, Kostka, & Seelmann, 2003.

[5] S.145, Bondolfi, Kostka und Seelmann.

[6] S.141, Bondolfi, Kostka und Seelmann.

[7] S.36, Hoff 1994.

[8] S.38, Hoff.

[9] S.31, Bondolfi, Kostka und Seelmann.

[10] BZgA.

[11] BZgA.

[12] S.42, Oduncu.

[13] S.44, Hof.f

[14] Vgl. S. 45, Hoff.

[15] S.19, Niederschlag und Proft (Hg.).

[16] S.29, Bondolfi, Kostka und Seelmann.

[17] Vgl. S. 01, Oduncu.

[18] Vgl. S.94, Oduncu.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Organspende aus christlicher und medizinischer Perspektive. Soll die Organspende zur Pflicht der Bürger werden?
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V465867
ISBN (eBook)
9783668942295
ISBN (Buch)
9783668942301
Sprache
Deutsch
Schlagworte
organspende, perspektive, soll, pflicht, bürger
Arbeit zitieren
Sina Schäfer (Autor), 2019, Organspende aus christlicher und medizinischer Perspektive. Soll die Organspende zur Pflicht der Bürger werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465867

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