Das Thema Gewalt ist in den letzten Jahren immer mehr in das öffentliche Interesse getreten. Nach Berichten von Massakern an amerikanischen Highschools, erfolgten auch in Deutschland Gewalttaten an Schulen. Eine traurige Tat war sicherlich am 26. April 2002 am Gutenberg Gymnasium in Erfurt. An dieser Schule tötete ein 19jähriger Schüler in einem Amoklauf 16 Schüler/innen und Lehrer/innen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es unvorstellbar, dass auch in Deutschland jemals so eine schrecklich Tat passieren könnte. Bereits kurz nach diesem Ereignis wurde in der Bevölkerung eine Diskussion entfacht, wie ein Jugendlicher so ein enormes Gewaltpotential entwickeln konnte. Eine Teilantwort war schnell gefunden. Der Einfluss von gewaltverherrlichenden Computerspielen und Filmen geriet in die Kritik. Sie galten als Möglichkeit negativer Beeinflussung von Jugendlichen auf ihr soziales Verhalten. Wurden Jugendliche früher hauptsächlich durch Medien wie Theater, Märchenbücher oder Jugendbücher geprägt, so geschieht dies heute vermehrt durch den Computer, Kino oder das Fernsehen.
In breiten Bevölkerungskreisen wird vermutet, dass sich der Einfluss von Medien verstärkend auf die Gewaltbereitschaft Jugendlicher auswirkt. Im Gegensatz dazu ist die Meinung der wissenschaftlichen Literatur nicht eindeutig. Auffällig ist jedoch, dass sich das Umsatzvolumen von Online-Rollenspielen von 81 Millionen US-Dollar im Jahre 2000 auf 3,7 Milliarden in 2005 gesteigert hat.1 Eine weitere interessante Frage ist auch, ob die Gewalt tatsächlich angestiegen ist oder ob es sich lediglich um ein subjektives Empfinden der Öffentlichkeit handelt, welches wiederum durch die Medien verursacht sein könnte. Diese Hausarbeit soll die Frage klären, inwieweit Medien die Gewaltbereitschaft Jugendlicher beeinflussen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Klärung
2.1 Gewalt
2.2 Aggression
2.3 Medien
3. Thesen der Gewaltwirkungsforschung
3.1 Katharsisthese
3.2 Frustrations-Aggressions-These
3.3 Vorsicht Bildschirm
3.4 Umgang mit Medien
4. Prävention
5. Fazit
6. Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht den Einfluss von Medienkonsum auf die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern Medien – insbesondere Fernsehen, Computer und Internet – das soziale Verhalten junger Menschen negativ prägen und aggressive Tendenzen fördern können.
- Theoretische Grundlagen zu den Begriffen Gewalt, Aggression und Medien
- Analyse wissenschaftlicher Thesen der Gewaltwirkungsforschung (Katharsis, Frustrations-Aggressions-These)
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Fernsehkonsum und Sozialverhalten
- Auswirkungen von Gewalt in Computer- und Internetspielen auf Jugendliche
- Rolle des Jugendschutzes und präventive Maßnahmen für Eltern und Pädagogen
Auszug aus dem Buch
3.1 Katharsisthese
In der wissenschaftlichen Forschung gibt es unterschiedlichen Thesen darüber, wie Gewalt oder Aggression entstehen können. Im Folgenden soll zunächst die Katharsisthese betrachtet werden, welche sich auf Aristoteles zurückführen lässt. Der Begriff Katharsis stammt aus dem griechischen und bedeutet Reinigung. Der Hauptverfechter der aristotelischen Katharsistheorie war der Psychologe Seymour Feshbach.
Die Theorie der Katharsisthese beruht auf den Trieb oder die Triebkraft der Aggression des Menschen. Das bedeutet, dass jeder Mensch in sich einen Speicher von Aggression hat. Beim Betrachten von Gewaltfilmen wird dieser Speicher entladen und verhilft dem Fernsehkonsumenten zu einer Entspannung. Durch das wahrnehmen einer Gewaltszene wird die persönliche Aggressivität abgebaut und so ein Aggressionsausbruch verhindert. Es kommt zu Entladung von Aggressionen.
In einem Experiment wurden 6 bis 12 jährige Jungen vor dem schlafen gehen aggressive Filmszenen vorgeführt. Einige der Jungen, die weniger aggressive Bilder gesehen hatten, bekamen in der Nacht auch weniger intensive und aggressive Träume, als die Gruppe mit den stärkeren Gewaltszenen. Dieses Ergebnis wurde durch die Wissenschaftler als positiver Katharsiseffekt betrachtet.
Ein ähnlicher Versuch mit erwachsenen Probanden führte jedoch zu einem entgegengesetzten Ergebnis. Dieses wurde darauf zurück geführt, dass die Probanden „(...)relativ intellektuelle(...)“ Personen waren. Weitere Studien und Experimente, die die Katharsistheorie stützten sollten, brachten keinen endgültigen Beweis dieser These. Selbst Seymour Feshbach ist von seiner Ansicht abgerückt. Diese Theorie wird heute nur noch von wenigen Wissenschaftlern vertreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Relevanz medialer Gewalt in der öffentlichen Debatte, ausgelöst durch reale Gewalttaten an Schulen, und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Begriffliche Klärung: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Gewalt, Aggression und Medien definiert sowie ihre soziologische Bedeutung und Einordnung diskutiert.
3. Thesen der Gewaltwirkungsforschung: Das Kapitel analysiert verschiedene wissenschaftliche Theorien wie die Katharsisthese und die Frustrations-Aggressions-These auf ihre Gültigkeit im Kontext moderner Medien und diskutiert die Auswirkungen des Fernsehkonsums.
4. Prävention: Hier wird die Bedeutung des Jugendschutzes sowie die Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen durch Eltern und Erziehende zur Förderung der Medienkompetenz thematisiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer aktiven pädagogischen Begleitung, um den negativen Einfluss medialer Gewalt zu minimieren.
6. Ausblick: Der Ausblick betont die Wichtigkeit der Förderung von Medienkompetenz als präventive Maßnahme in einer immer komplexeren, mediengeprägten Welt für die junge Generation.
Schlüsselwörter
Medien, Gewalt, Aggression, Gewaltwirkungsforschung, Fernsehkonsum, Computer, Internet, Katharsisthese, Frustrations-Aggressions-These, Jugendmedienschutz, Medienpädagogik, Sozialverhalten, Amoklauf, Medienkompetenz, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss, den Medien wie Fernsehen, Internet und Computerspiele auf die Entwicklung und das Verhalten von Kindern und Jugendlichen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition von Gewalt und Aggression, die wissenschaftliche Diskussion um Gewaltwirkung, das Sozialverhalten von Jugendlichen sowie Ansätze des Jugendschutzes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit der Konsum von gewalthaltigen Medien die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen beeinflusst und welche Rolle dabei eine kritische Reflexion spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene empirische Studien und Ansätze der Gewaltwirkungsforschung gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine detaillierte Auseinandersetzung mit psychologischen und soziologischen Thesen sowie die Darstellung aktueller Herausforderungen durch neue Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Medienkompetenz, Jugendmedienschutz, Gewaltfaszination, Sozialisation und der pädagogische Umgang mit den neuen Medien.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von „Scream“ und anderen Filmen?
Der Autor führt reale Kriminalfälle an, um zu verdeutlichen, dass Gewaltdarstellungen in Filmen und Spielen als Vorbilder für tatsächliche Straftaten dienen können.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „alten“ und „neuen“ Medien eine Rolle?
Die Arbeit hebt hervor, dass „neue“ Medien wie Computer und Internet eine aktivere Form der Gewaltnutzung (Interaktivität) ermöglichen, die pädagogisch anders bewertet werden muss als das passive Fernsehen.
Welche konkrete Empfehlung gibt der Autor an Eltern?
Eltern sollten ihre Kinder nicht alleine lassen, gemeinsam Mediennutzungszeiten vereinbaren und den Inhalt der konsumierten Medien aktiv mit ihren Kindern besprechen.
- Quote paper
- Bodo Böke (Author), 2005, Der Zusammenhang von Medien und Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46587