Infolge des zunehmenden Ausbaus der Grenze steigt auch die Gewalt an der Grenze und im Grenzgebiet an, wobei sich die entstandenen Gewaltphänomene vorrangig gegen mexikanische und zentralamerikanische Migranten auf dem Weg in die USA richten. Mit jenen Gewaltphänomenen und deren mögliche Ursachen beschäftigt sich diese Arbeit. Die von mir verwendete Literatur setzt sich vorrangig aus ethnologischen Texten, Büchern und Sammelwerken zusammen. Obwohl meine Recherche ein breites Spektrum an ethnologischen Autoren abgedeckt hat, wurde der Kurs meiner Arbeit maßgeblich durch Jason De Leóns‘ Buch "The Land of Open Graves" (2015) beeinflusst. Weitere erwähnenswerte Autoren sind Elwert (2002), Smith & Kuper (2013), Scheper-Hughes & Bourgois (2004), Schlee (2002), Maguire (2012) und Henderson (2011).
La linea, die amerikanisch-mexikanische Grenze, kontrastiert mit beeindruckender Anschaulichkeit multilaterale Gegensätze in Kategorien wie Macht, Wirtschaft und Lebensbedingungen. Dabei ist die Grenze nicht erst seit dem Wahlkampf und Amtsantritt des derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump eines der wichtigsten politischen Themen der USA und seines Nachbarlandes Mexiko. Die US-Regierung versucht seit geraumer Zeit erfolglos, der illegalen Einwanderung von mexikanischen und zentralamerikanischen Migranten, unter Einsatz verschiedenster politischer Strategien, einen Riegel vorzuschieben. Die phasenweise Öffnung und Schließung des Grenzgebietes ist unterdessen ein historisch wiederkehrendes politisches und gesellschaftliches Thema.
US-Präsident Donald J. Trump verspricht, wie schon andere Präsidenten vor ihm, mit dem Bau einer Mauer Gewalt, Drogenschmuggel und illegale Immigration zu beenden. Tatsächlich ist jedoch bereits etwa ein Drittel der Grenze mit Mauern und Zäunen bestückt, wobei sich der effektive Nutzen dieser Mauern als fragwürdig herausgestellt hat. Die sich ausdehnende physische und virtuelle Sicherung und Militarisierung der Grenze konnte keine längerfristigen Erfolge hervorbringen, da, wie so oft, nur die Symptome bekämpft wurden, anstatt an der Ursache illegaler Immigration in die USA zu arbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. THEORETISCHER RAHMEN
1.1. Ethnologische Theorien zur Gewalt
1.2. Ethnologie der Grenze
2. DIE AMERIKANISCH-MEXIKANISCHE GRENZE
2.1. Historisch-strukturelle Entwicklung beider Staaten
2.2. Technologien der Grenze
3. GRENZGEWALT GEGEN MIGRANTEN
3.1. Ökonomisch bedingte Gewalt
3.2. Politische bedingte Gewalt
3.2.1. Sicherheitspolitik
3.2.2. Transmigration in Mexiko
3.2.3. Prevention Through Deterrence
a. Invisible places
b. Hybrid collectif
c. Necroviolence und Necropolitics
3.3. Rassismus und Xenophobie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht ethnologische Perspektiven auf die Gewalt, die Migranten bei ihrem Versuch, die amerikanisch-mexikanische Grenze zu überqueren, erfahren. Ziel ist es, durch die Analyse theoretischer Gewaltkonzepte und der historischen sowie politischen Entwicklungen an dieser Grenze ein tiefgreifendes Verständnis für die strukturellen, ökonomischen und politischen Ursachen dieser Gewaltphänomene zu erlangen.
- Analyse ethnologischer Theorien zu Gewalt und Grenzen
- Untersuchung der historisch-strukturellen Entwicklung der amerikanisch-mexikanischen Grenze
- Beleuchtung der ökonomischen und politischen Hintergründe von Grenzgewalt
- Kritische Auseinandersetzung mit Sicherheitsstrategien wie "Prevention Through Deterrence"
- Erforschung der Rolle von Rassismus, Xenophobie und staatlicher Diskurse
Auszug aus dem Buch
b. Hybrid collectif
Jenes hybrid collectif ist ein Ort an dem die Kontrollen und Garantien der Rechtsordnung aufgehoben werden können. Ein Gebiet, wo die Gewalt von Agambens state of exception für die Aufrechterhaltung eines Staates als nötig erachtet wird. Die souveräne Gewalt produziert Migranten als ausgeschlossene Subjekte, die mit Gewalt ferngehalten werden müssen, währenddessen gleichzeitig die Möglichkeit zur Gegenwehr und zum Protest der Migranten genommen wird. Im Zuge dessen nutzt der Staat die Umwelt und ihre potenziellen Gefahren zur Abwehr ungewollter Migranten, was die Tätigkeiten von sozialen und politischen Mächten maskiert.
Voraussetzung für das hybrid collectif ist der von Callon und Law geprägte Begriff der agency. Als agency bezeichnet De León eine Vielzahl von Komponenten, wie Menschen oder Objekte, die stets in komplexer Beziehung und Interaktion zu einander auftreten und so zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort materielle oder immaterielle Objekte kreieren oder möglich machen. „An actant never really acts alone. Its efficacy or agency always depends on the collaboration, cooperation and interactive interference of many bodies and forces“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. THEORETISCHER RAHMEN: Das Kapitel führt zentrale ethnologische Theorien zu Gewalt und Grenzen ein, um das Fundament für die anschließende Analyse zu bilden.
2. DIE AMERIKANISCH-MEXIKANISCHE GRENZE: Hier werden die historische Entwicklung, strukturelle Unterschiede und die technologische Aufrüstung der Grenze als Basis für die Untersuchung der Gewaltphänomene dargestellt.
3. GRENZGEWALT GEGEN MIGRANTEN: Dieses Kapitel analysiert detailliert die verschiedenen Formen ökonomisch und politisch bedingter Gewalt sowie die Rolle von Rassismus, Xenophobie und spezifischer Grenzstrategien.
Schlüsselwörter
Grenzgewalt, Ethnologie, Migration, Strukturelle Gewalt, Mexiko-USA Grenze, Prevention Through Deterrence, Biopolitik, Hybrid collectif, Necroviolence, Rassismus, Xenophobie, Grenzsicherung, Migrationspolitik, Identitätskonstruktion, Sicherheitsdispositiv.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert aus ethnologischer Sicht die Gewalt gegen Migranten an der amerikanisch-mexikanischen Grenze und untersucht die zugrunde liegenden politischen und strukturellen Ursachen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind ethnologische Theorien zur Gewalt, die Entwicklung der amerikanisch-mexikanischen Grenze, staatliche Grenzpolitik, Migrationsphänomene sowie die Rolle von Rassismus und Xenophobie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Bedeutungen und Wechselwirkungen von Gewalt gegen Migranten an dieser Grenze zu schaffen, indem Theorie und Fakten synthetisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte ethnologische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Anwendung ethnologischer Gewaltkonzepte auf die reale Grenzsituation basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung, eine historische Analyse der Grenzregion und eine tiefgehende Untersuchung verschiedener Formen von Grenzgewalt, einschließlich ökonomischer und politischer Faktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Grenzgewalt, Strukturelle Gewalt, Prevention Through Deterrence, Biopolitik, Hybrid collectif, Necroviolence sowie die soziale Konstruktion von Grenzen.
Was genau versteht der Autor unter dem Konzept "Hybrid collectif"?
Es beschreibt die Grenze als ein hybrides System aus Mensch, Natur und Technik, bei dem Umwelteinflüsse bewusst zur Schwächung und Kontrolle von Migranten genutzt werden.
Inwiefern spielt der "Cultural turn" eine Rolle für das Verständnis der Grenze?
Der Autor nutzt den "Cultural turn", um von einem starren Kultur-Territorium-Verständnis zu einem dynamischeren, prozesshaften Bild von Identität und Grenzüberschreitung zu gelangen.
- Arbeit zitieren
- Ludwig Bode (Autor:in), 2018, Gewalt der Grenze. Ethnologische Perspektiven zur Gewalt gegen Migranten an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465877