Blockchain in der Post-trade Finanzmarktinfrastruktur


Seminararbeit, 2018
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Blockchain-Technologie in der Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur
2.1 Bestehende Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur
2.2 Perspektive für den Einsatz der Blockchain-Technologie
2.3 Disruption der bestehenden Post-Trade-Infrastruktur?

3 Fazit

4 Anhang

5 Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1 - Anwendung der Blockchain-Technologie in der Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Aufgrund der teils veralteten technologischen Infrastruktur innerhalb des Finanzsektors sind auf der Blockchain basierende Innovationen in den jüngsten Jahren in den Fokus der Marktakteure gerückt.[1] Experten prognostizieren, dass sich das Investitionsvolumen in Blockchain-Anwendungen im Jahr 2018 verdoppeln wird. Während die Investitionen im Jahr 2017 noch 945 Millionen US-Dollar betrugen, wird damit gerechnet, dass die Ausgaben im Jahr 2018 2,1 Milliarden US-Dollar erreichen werden.[2] Ziel dieser Arbeit ist es, die bestehende Literatur bezüglich der Perspektive der Blockchain-Technologie innerhalb der Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur zu untersuchen. Nachdem die derzeitigen Aufgaben der Intermediäre in der Finanzmarktinfrastruktur erläutert werden, wird gezeigt, dass durch die Distributed-Ledger-Technologie Abwicklungsprozesse vereinfacht, die Datenintegrität erhöht und Kosten gesenkt werden können. Zudem werden die aus Blockchain-Anwendungen resultierenden Risiken erläutert. Im letzten Abschnitt wird erläutert, wieso es trotz der Vorteile der Distributed-Ledger-Technologie voraussichtlich nicht zu einer disruptiven Veränderung der Infrastruktur kommen wird und wieso zentrale Institutionen weiterhin notwendig sind.

2 Blockchain-Technologie in der Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur

Während sich die technologische Innovation auf der Überholspur befindet, findet die Anpassung der Finanzmarktinfrastruktur im Schritttempo statt.[3] Obwohl globaler Informationsaustausch heute in Echtzeit möglich ist, dauert die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen auf den Finanzmärkten noch bis zu zwei Tage.[4] Experten sind sich einig, dass unter den derzeitigen technologischen Innovationen die Blockchain-Technologie das größte Potential besitzt, um eine strukturelle Veränderung der Finanzmarktinfrastruktur auszulösen.[5] Aus diesem Grund analysiert der Großteil der Finanzindustrie derzeit verschiedene Ausgestaltungsformen der Blockchain und ihr Potential, um Ineffizienzen innerhalb ihrer Infrastruktur zu reduzieren.[6]

Ziel dieser Arbeit ist es, die Perspektive für den Einsatz der Blockchain-Technologie innerhalb der Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur zu durchleuchten. Es soll untersucht werden, ob die Technologie der Blockchain zukünftig innerhalb der bestehenden Infrastruktur eingesetzt werden sollte oder diese Infrastruktur sogar ersetzen könnte.

2.1 Bestehende Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur

Nachdem zwei Parteien an der Börse Einigung über eine Transaktion erzielt haben, sind bestimmte Prozesse notwendig, um den geschlossenen Vertrag zu erfüllen.[7] Bei dem Vertragsinhalt handelt es sich in der Regel um die Übertragung von Wertpapieren gegen die Zahlung eines Kaufpreises.[8] Die erforderlichen Prozesse werden nach Clearing und Settlement unterschieden und werden von zentralen Institutionen ausgeführt, die intermediär zwischen dem Käufer und dem Verkäufer einer Transaktion wirken.[9]

Ziel des Clearings ist die Ermittlung der Verpflichtungen der beteiligten Parteien, um die Übertragungen zum Erfüllungsdatum abzuschließen. Die zur Erfüllung notwendigen Verbindlichkeiten werden entweder individuell für jede Transaktion (Bruttoclearing) oder durch die Saldierung aller Forderungen und Verbindlichkeiten der beteiligten Parteien bestimmt (Nettoclearing).[10] Im Handel von Derivaten nimmt die zur Durchführung des Clearings designierte Institution zusätzlich häufig die Rolle der Gegenpartei des Käufers bzw. des Verkäufers ein und beseitigt damit das Ausfallrisiko des ursprünglichen Kontrahenten.[11]

Unter Settlement wird die anschließende Abrechnung und Erfüllung der aus dem Clearing entstandenen Zahlungs- und Lieferungsverpflichtungen mit schuldbefreiender Wirkung verstanden. Am Beispiel einer Aktientransaktion erfolgt die Erfüllung der Verpflichtungen durch Übertragung der Aktie auf den Käufer und die Übertragung der Geldmittel an den Verkäufer.[12]

Nach der Abwicklung einer Transaktion erfolgt die Aktualisierung der Wertpapierkonten durch die Intermediäre. Die relevanten Veränderungen werden an alle interessierten Parteien auf verschiedenen Ebenen der Post-Trade-Infrastruktur kommuniziert, um diesen einen Abgleich mit ihren eigenen Konten zu erlauben. Da die Kommunikation zwischen den Intermediären und der Abgleich der Datenbanken eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, liegen zwischen dem Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses und der Abwicklung häufig einige Tage.[13] Für Transaktionen, die an europäischen Handelsplätzen ausgeführt werden, ist der Abwicklungstag spätestens der zweite Geschäftstag nach Abschluss des entsprechenden Geschäfts.[14]

Eine weitere Rolle im Zusammenhang mit der Transaktionsabwicklung nimmt der Zentralverwahrer ein. Dieser verwahrt die im Umlauf befindlichen Wertpapiere und führt ein Datenbuch über die Eigentümer der deponierten Wertpapiere. Infolgedessen werden das Clearing und Settlement beschleunigt, da die Änderung der Eigentumsverhältnisse im Zuge einer Transaktion durch Eintragungen in den Konten vorgenommen wird, anstatt die Wertpapiere physisch zu übertragen. Zudem übernimmt der Zentralverwahrer eine notarielle Funktion, da ein Verzeichnis über alle verwahrten Wertpapiere geführt wird und der betrügerische Handel mit inexistenten Wertpapieren verhindert wird.[15] Der Aufbau der heutigen Post-Trade-Finanzmarktinfrastruktur wird modellhaft im Anhang 1 dargestellt.

2.2 Perspektive für den Einsatz der Blockchain-Technologie

Derzeit erfolgt die Abwicklung der notwendigen Post-Trade-Prozesse durch designierte Institutionen, die intermediär zwischen den Transaktionspartnern auftreten. Die Existenzgrundlage der Intermediäre ist dabei das Vertrauen der Marktteilnehmer in die ordnungsgemäße Abwicklung der Transaktionen. Dieses Vertrauen wird in der Infrastruktur durch die staatliche Akkreditierung der Institutionen und durch die Bildung einer Marke erzeugt.[16]

Die Blockchain-Technologie ermöglicht die Führung eines dezentral verwalteten Datenbuchs, in dem Informationen über die Eigentumsverhältnisse der gehandelten Wertpapiere gespeichert werden und die anschließende Übertragung der Eigentumsrechte erfolgt.[17] Bei Anwendung der Distributed-Ledger-Technologie (nachfolgend als DLT abgekürzt) zur Abwicklung der Transaktionen wird das notwendige Vertrauen durch die Technologie und das Netzwerk der Datenbank erzeugt und die Notwendigkeit von Intermediären mithin in Frage gestellt.[18]

In diesem Kapitel werden die wichtigsten Punkte herausgearbeitet, an denen die heutige Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Es wird analysiert, ob die Effizienz der Post-Trade-Infrastruktur durch den Einsatz einer dezentralen Datenbank erhöht werden kann.

Abwicklungsgeschwindigkeit

Während die Abwicklung von Transaktionen auf den Kapitalmärkten derzeit in der Regel zwei Tage in Anspruch nimmt, erfolgt die Ausführung der notwendigen Post-Trade-Prozesse durch die DLT in nahezu Echtzeit.[19] Sobald zwei Parteien Einigung über den Austausch ihrer Vermögenswerte erzielt haben und die gewünschte Transaktion von dem Konsensmechanismus der Blockchain autorisiert wurde, wird die Information über die Eigentumsveränderungen in einem neuen Block an die bestehende Datenkette gehängt und die Transaktion damit abgewickelt. Unmittelbar wird ein Update der Blockchain an alle Netzwerkteilnehmer verbreitet und die Veränderungen der Eigentumsverhältnisse zugänglich gemacht.[20]

Die Konsolidierung der Datenmengen in einem dezentralen Netzwerk hat zum Ergebnis, dass die Friktion innerhalb des Informationsaustauschs zwischen Netzwerkteilnehmern vermindert wird, wodurch weitere Prozesse vereinfacht und beschleunigt werden.[21]

Durch das Real-Time-Settlement in einer Blockchain-basierten Post-Trade-Infrastruktur wird das Kontrahentenrisiko signifikant reduziert. Da das Settlement in Echtzeit das Vorhandensein der auszutauschenden Güter zum Zeitpunkt der Durchführung voraussetzt, kann das Risiko der Nichtausführung nahezu ausgeschlossen werden. Die näherungsweise Eliminierung des Ausführungsrisikos führt zur Freigabe von gestellten Sicherheiten und damit zur Erhöhung der Kapitaleffizienz der Marktteilnehmer.[22]

Allerdings wird von Investoren mit einem hohen Transaktionsvolumen argumentiert, dass eine gewisse Periode für die Verrechnung von anfallenden Transaktionen vorteilhafter ist als die individuelle Abrechnung aller Transaktionen und Übertragung der Wertpapiere in Echtzeit. Sie begründen den Nutzen einer längeren Settlement-Periode durch die Generierung signifikanter Effizienzen im Liquiditätsmanagement.[23] Durch die Saldierung aller Käufe und Verkäufe am Ende einer Verrechnungsperiode werden die Liquiditätsanforderungen an die Marktakteure auf ein Bruchteil dessen reduziert, was diesen im Falle einer einzelnen Abrechnung aller Geschäfte bereitstehen müsste.[24] Falls kurzfristige Positionen eingenommen werden, verringert die Verrechnung der Transkationen am Ende einer Periode die Häufigkeit, in der Vermögenswerte tatsächlich übertragen werden müssen. Damit hat die Wahl der Verrechnungsperiode einen Einfluss auf die Durchführung von Leerverkäufen und anderen Hedging-Mechanismen von großen Marktakteuren.[25]

Aufgrund der zwiegespaltenen Meinungen führt eine Anwendung der DLT nicht notwendig zu einer standardisierten Verrechnungsperiode für Wertpapiertransaktionen. Eine kurzfristige Wende hin zum Settlement in Echtzeit erscheint unwahrscheinlich, da zuerst rechtliche und technische Hürden genommen werden müssen. Erst in den vergangenen Jahren wurde die Settlement-Periode an vielen Handelsplätzen auf zwei Werktage verkürzt, wobei jeweils eine lange Vorlaufzeit sowie hoher Beratungs- und Koordinationsbedarf in der Industrie notwendig war. In Anbetracht dieser Erfahrung ist es wahrscheinlicher, dass die Anwendung der Echtzeit-Verrechnung schrittweise erfolgt.[26]

Datenabgleich und Transparenz

Auf den verschiedenen Ebenen der Post-Trade-Infrastruktur verwenden intermediäre Institutionen häufig verschiedene Formate für ihre Datenspeicherung und -verwaltung. Um ihre internen Aufzeichnungen mit relevanten Parteien abzustimmen, ist daher ein aufwendiger und zeitintensiver Prozess notwendig. Mithilfe der DLT kann eine dezentrale Datenbank erzeugt werden, um den Informationsaustausch in einem homogenen Datenformat zu gewährleisten. Heute notwendige Verwaltungsaufgaben für den Datenabgleich werden obsolet und der Prozess der Datenabstimmung beschleunigt.[27]

Darüber hinaus ermöglicht eine konsolidierte dezentrale Datenbank den Informationsaustausch unter interessierten Akteuren und führt zu einem hohen Maß an Transparenz. Diese Datenbank beinhaltet die gesamte Historie aller in dem Netzwerk stattgefundenen Transaktionen und kann von allen Netzwerkteilnehmern eingesehen werden.[28] Durch die erzeugte Transparenz unterliegt die Datenmenge der Aufsicht aller Teilnehmer des Netzwerks und das notwendige Vertrauen in eine Kontrolle durch Intermediäre wird reduziert. Streitigkeiten zwischen Marktakteuren können durch die Offenlegung direkt ausgeräumt werden.[29] Ferner kann die Historie der Transaktionen neben Netzwerkteilnehmern auch anderen interessierten Parteien ohne das Einschalten weiterer Vermittler zugänglich gemacht werden. Der Zugang zum Datenbuch erleichtert Aufsichtsbehörden die Erfüllung ihrer Kontrollfunktion und die Bewertung von systematischen Risiken.[30] Falls ein privates Netzwerk genutzt wird und die Informationen nur den Teilnehmern innerhalb des Netzwerkes zugänglich gemacht werden, entsteht allerdings eine für den Gesamtmarkt schädliche Informationsasymmetrie gegenüber Nichtteilnehmern des Netzwerkes.[31]

Datenintegrität

Die ausführenden Institutionen in der Post-Trade-Infrastruktur unterliegen rechtlichen Anforderungen, um Strafbestände wie Geldwäsche und die Finanzierung illegaler Aktivitäten zu verhindern. Um diesen Compliance-Anforderungen gerecht zu werden, ist die Integrität der verwalteten Daten essentiell. Daher ist die Nachvollziehbarkeit der Transaktionen unabhängig von der zugrundeliegenden Technologie der Infrastruktur von großer Bedeutung. Das setzt voraus, dass die Datenmengen weder gelöscht noch manipuliert oder beschädigt werden können.[32] Der Vorteil einer Blockchain-basierten Datenbank gegenüber der heutigen Infrastruktur liegt darin, dass die Datenmengen nicht dem Risiko einer Manipulation durch eine zentrale Institution unterliegen.[33] Zudem ist es aufgrund der Mechanismen der Blockchain nicht möglich, eine einseitige retrospektive Änderung einer Transaktion vorzunehmen.[34]

[...]


[1] Vgl. Walch (2015), S. 850.

[2] Vgl. International Data Corporation (2018).

[3] Vgl. Bullmann/Pinna (2016), S. 38 - 39.

[4] Vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 12; vgl. Collomb/Sok (2016), S. 103.

[5] Vgl. Bullmann/Pinna (2016), S. 39.

[6] Vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 12.; vgl. Workie/Jain (2017), S. 348.

[7] Vgl. Loader (2014), S. 1.

[8] Vgl. Board of Governors of the Federal Reserve System (2016), S. 6.

[9] Vgl. Loader (2014), S. 17.

[10] Vgl. Board of Governors of the Federal Reserve System (2016), S. 6.

[11] Vgl. Loader (2014), S. 17.

[12] Vgl. Board of Governors of the Federal Reserve System (2016), S. 6.

[13] Vgl. Pinna/Ruttenberg (2016), S.19 - 20.

[14] Vgl. European Central Securities Depositories Association (2014).

[15] Vgl. Benos/Garratt/Gurrola-Perez (2017), S. 3.

[16] Vgl. Ploom (2016), S. 100.

[17] Vgl. Workie/Jain (2017), S. 353.

[18] Vgl. Ploom (2016), S. 101.

[19] Vgl. Euroclear/Oliver Wyman (2016), S. 8; vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 30.

[20] Vgl. Euroclear/Oliver Wyman (2016), S. 7; vgl. McKinsey & Company (2015), S. 8.

[21] Vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 12.

[22] Vgl. Workie/Jain (2017), S. 352; vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 34.

[23] Vgl. Workie/Jain (2017), S. 352.

[24] Vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 34.

[25] Vgl. Workie/Jain (2017), S. 352.

[26] Vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 33.

[27] Vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 13.

[28] Vgl. Workie/Jain (2017), S. 352; vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 13.

[29] Vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 31.

[30] Vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 31; vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 13.

[31] Vgl. Workie/Jain (2017), S. 352.

[32] Vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 17.

[33] Vgl. Manning/Sutton/Zhu (2016), S. 31.

[34] Vgl. Bank for International Settlements (2017), S. 18.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Blockchain in der Post-trade Finanzmarktinfrastruktur
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V465888
ISBN (eBook)
9783668941113
ISBN (Buch)
9783668941120
Sprache
Deutsch
Schlagworte
blockchain, post-trade, finanzmarktinfrastruktur
Arbeit zitieren
Simon Kröger (Autor), 2018, Blockchain in der Post-trade Finanzmarktinfrastruktur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465888

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