„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG) Doch was passiert, wenn die Eltern nicht mehr in der Lage sind, diese Pflicht zu erfüllen? Wer entscheidet, was mit dem Kind passiert, wenn sich die Eltern nicht mehr darum kümmern können? An wen kann man sich wenden, wenn Probleme mit der Erziehung seiner Kinder auftreten?
Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich der erste Teil dieser Arbeit, welcher die Hilfen zur Erziehung zunächst allgemein und dann detailliert darstellt. Dazu werde ich zunächst auf die gesetzlichen Grundlagen eingehen, welche vor allem im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt sind. Im Anschluss wird definiert, worum es sich bei den Hilfen zur Erziehung im Allgemeinen handelt, danach gehe ich neben der Hilfeplanung kurz auf die einzelnen Hilfen ein.
Im zweiten Teil meiner Hausarbeit beschäftige ich mich detailliert mit der Erziehungsberatung als Hilfe zur Erziehung. Nach der allgemeinen Definition des Begriffs gehe ich auf Geschichte und Trägerschaft der Erziehungsberatung ein. Daraufhin erwähne ich kurz die häufigsten Anlässe, aus denen die Klienten in die Beratungsstelle kommen und erläutere den Prozess der Beratung. Zum Abschluss des theoretischen Teils werden noch verschiedene Anwendungsbereiche der Erziehungsberatung aufgezählt. Auf die netzwerkorientierte Trennungs- und Scheidungsberatung und auf Probleme mit unruhigen Kindern wird dabei genauer eingegangen.
Am 15.10.2007 begann ich mein Praktikum in der Erziehungsberatungsstelle des städtischen Jugendamtes. Dort habe ich viele interessante Einblicke in die Praxis sammeln können, welche ich zum Abschluss dieser Arbeit darlegen werde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
3 Hilfen zur Erziehung
3.1 Hilfeplanung nach § 36
3.2 Soziale Gruppenarbeit § 29
3.3 Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer § 30
3.4 Sozialpädagogische Familienhilfe §31
3.5 Tagesgruppe, § 32
3.6 Vollzeitpflege, § 33
3.7 Heimerziehung, betreute Wohnform § 34
3.8 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung, § 35
4 Erziehungsberatung
4.1 Allgemein
4.2 Geschichte
4.3 Trägerschaft
4.4 Beratungsanlässe
4.5 Der Beratungsprozess
4.5.1 Einstieg in die Beratung
4.5.2 Intervention
4.5.3 Methoden
4.6 Anwendungsbereiche
4.6.1 Netzwerkorientierte Trennungs- und Scheidungsberatung
4.6.2 Probleme mit unruhigen Kindern
4.7 Praxiserfahrungen
4.7.1 Das Erstgespräch
4.7.2 Tests
4.7.3 Arbeitskreise
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spektrum der Hilfen zur Erziehung gemäß dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, mit einem spezifischen Fokus auf die Erziehungsberatung als freiwilliges Unterstützungsangebot für Familien in Krisensituationen.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe
- Differenzierung verschiedener Hilfeformen nach § 28-35 SGB VIII
- Der institutionelle Ablauf der Erziehungsberatung von der Aufnahme bis zur Intervention
- Methodische Ansätze in der Beratungsarbeit
- Praktische Einblicke in den Alltag einer Erziehungsberatungsstelle
Auszug aus dem Buch
4.5.3.3 Systemische Beratung
Die letzte Methode, die ich erläutern möchte, ist die systemische Beratung. Dabei geht es um die „Erlebniswelten von Menschen in ihren sozialen Bezügen“ (Rössel und Schütz 2007, S.5). Wenn ein Problem in einem sozialen System (z.B. Familie) auftritt, interagieren verschiedene Menschen miteinander und sind darin verwickelt. In einem solchen Bezugssystem hat jede Person verschiedene Ansichten zu verschiedenen Dingen, welche durch Kommunikation mitgeteilt werden. Wenn nun dieser kommunikative Austausch festgefahren ist, in starre Muster übergeht und jeder zu wissen glaubt, wie der andere ist und was er erwartet, kann es zu Problemen innerhalb dieses sozialen Gefüges kommen. Dies ist ein Fall für systemische Beratung, bei der alle Betroffenen des Bezugssystems und ihre Perspektiven mit einbezogen werden. Dabei haben die Ressourcen, die zur Verfügung stehen und die Ziele die angestrebt werden Vorrang vor Gesprächen über das, was nicht funktioniert. Das Ziel dieser Art der Beratung ist es, eingefahrene kommunikative Muster aufzubrechen und Phantasien sowie konstruierte Wirklichkeiten bewusst zu machen. Den Beteiligten werden Lösungen angeboten, bei denen alle einen Gewinn davon tragen. Es gibt drei Methoden der systemischen Beratung: Das zirkuläre Fragen, Familienskulpturen und ein reflektierendes Team. (vgl. Rössel und Schütz 2007, S.5-6)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kinder- und Jugendhilfe ein und umreißt den Aufbau der Arbeit sowie den praktischen Bezug des Autors.
2 Grundlagen: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen im Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie das Wächteramt des Staates erläutert.
3 Hilfen zur Erziehung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die verschiedenen ambulanten, teilstationären und stationären Hilfeformen des SGB VIII.
4 Erziehungsberatung: Dieser zentrale Abschnitt beleuchtet die Definition, Geschichte, Struktur sowie den Prozess und die Methoden der Erziehungsberatung.
5 Schluss: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse aus der Theorie und der praktischen Erfahrung im Praktikum und benennt kritische Punkte wie Finanzierung und öffentliche Aufklärung.
Schlüsselwörter
Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungsberatung, Hilfe zur Erziehung, KJHG, SGB VIII, Hilfeplanung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Systemische Beratung, Psychoanalytische Beratung, Verhaltensmodifikation, Trennungsberatung, Kindeswohl, Jugendamt, Familienhilfe, Praxiserfahrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem System der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, insbesondere mit den rechtlichen und praktischen Aspekten der Hilfen zur Erziehung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die gesetzliche Verankerung der Jugendhilfe, die Vorstellung verschiedener Hilfsangebote und ein detaillierter Blick auf die Erziehungsberatung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise der Hilfen zur Erziehung darzustellen und die Rolle der Erziehungsberatung als freiwilliges und entlastendes Angebot für Familien zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse relevanter Gesetzestexte und Fachliteratur sowie auf der Verknüpfung dieser Theorie mit eigenen Beobachtungen aus einem Praktikum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die gesetzlichen Grundlagen und verschiedene Hilfemaßnahmen (wie Familienhilfe oder Heimerziehung) erläutert, gefolgt von einer fundierten Analyse des Beratungsprozesses und spezieller Anwendungsbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungsberatung, Hilfe zur Erziehung, Jugendamt und Sozialpädagogik.
Wie unterscheidet sich die systemische Beratung von anderen Ansätzen?
Der Fokus liegt hierbei nicht auf dem Einzelindividuum, sondern auf der Kommunikation und den Mustern innerhalb des gesamten sozialen Bezugssystems (z. B. der Familie).
Welchen Stellenwert nimmt die Trennungs- und Scheidungsberatung ein?
Sie ist ein wesentlicher Anwendungsbereich, der darauf abzielt, Eltern bei der Wahrnehmung der elterlichen Sorge zu unterstützen und das Kindeswohl durch Mediation zu sichern.
Was sind laut der Arbeit die größten Hindernisse für Familien?
Die Autorin identifiziert mangelnde öffentliche Aufklärung über Hilfsangebote und die Stigmatisierung von Inanspruchnahme als "Strafe" als zentrale Probleme.
Was zeichnet die Erziehungsberatung nach Ansicht der Autorin aus?
Sie wird als geeignete erste Anlaufstelle beschrieben, die durch Beratung und objektive Situationsanalyse den Druck von Familien nimmt, auch wenn sie nicht alle Probleme direkt lösen kann.
- Arbeit zitieren
- Lydia Rössel (Autor:in), 2007, Die Kinder- und Jugendhilfe mit besonderer Berücksichtigung der Erziehungsberatung als freiwillige Hilfe zur Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465958