Die Eurokrise ist die schwerste ökonomische Krise, die der Euro und damit die Eurozone je zu bewältigen hatten. Gekennzeichnet durch historisch niedrige öffentliche Ausgaben sowie kaum vorhandenen Wirtschaftswachstum befindet sich der Euroraum bereits seit mehreren Jahren in einer schwierigen Situation, ohne dabei bedeutende Fortschritte zur Bekämpfung der ökonomischen Krise erzielt zu haben. Das Konzept des Euros als Währung gerät dabei zunehmend in der Kritik. So fordern bereits einige Ökonomen die Abschaffung des Euros. Die Europäische Zentralbank (EZB), dessen Aufgabe es ist den Euro stabil zu halten scheint mit der Implementierung ihrer Aufgaben überfordert zu sein. Dabei hat bereits der EZB Präsident Mario Draghi angekündigt den Euro um jeden Preis zu retten. Die als „Whatever it takes“ in die Geschichte eingegangene Rede verdeutlicht die aktuell schwierige Situation der Eurozone. Bereits eine Vielzahl von Ökonomen haben Lösungsvorschläge zur Bewältigung der aktuellen Situationen hervorgebracht. Darunter auch Mosler und Silipo. In einem Aufsatz von 2016 haben sie die geldpolitischen Instrumente der EZB als unzureichend für die Gewährleistung der Preisniveaustabilität befunden. Begründet wurde dies mit der starken Ausrichtung der geldpolitischen Instrumente an der Phillips-Kurve. Als Lösung für das Problem wird der Job-Guarantee (JG)-Ansatz vorgeschlagen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Eignung des JG-Konzepts als Lösungsvorschlag für die Euro-Krise und damit für die Gewährleistung der Preisniveaustabilität zu untersuchen, sowie Chancen und Risiken für die EZB herzuleiten. Dazu werden zunächst die theoretischen Grundlagen erarbeitet und kritisch gewürdigt. Anschließend wird das JG-Konzept näher erörtert und dabei mögliche Chancen und Risiken dargestellt. Während der Bearbeitung werden die Argumente von Mosler und Silipo kritisch gewürdigt. Anhand eines empirischen Modells werden die theoretisch erarbeiteten Aussagen in der Realität auf Gültigkeit untersucht. In der Schlussfolgerung wird die Fragestellung beantwortet sowie auf mögliche Entwicklungen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geldpolitik der EZB
2.1 Geldpolitische Instrumente
2.2 Das NAIRU Konzept
2.3 Kritische Würdigung
3 Der Job Guarantee Ansatz von Mosler und Silipo als Lößungsvorschlag
3.1 Das Konzept des Job Guarantee Ansatzes
3.2 Chancen und Risiken
3.3 Empirisches Modell
4 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung des Job-Guarantee-Ansatzes von Mosler und Silipo als alternative geldpolitische Strategie zur Sicherung der Preisniveaustabilität in der Eurozone, da die konventionellen geldpolitischen Instrumente der EZB aufgrund ihrer mangelnden Wirksamkeit auf realwirtschaftliche Variablen in der Eurokrise kritisch hinterfragt werden.
- Analyse der aktuellen geldpolitischen Instrumente der EZB
- Kritische Auseinandersetzung mit dem NAIRU-Konzept
- Evaluierung des Job-Guarantee-Konzepts als alternativer Lösungsansatz
- Empirische Überprüfung der Argumente mittels eines Vektorautoregressiven Modells (VAR)
- Diskussion von Chancen und Risiken bei einer Implementierung des JG-Ansatzes
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Konzept des Job Guarantee Ansatzes
Aufgrund der Nichtgewährleistung der Preisniveaustabilität, sowie der Stagnation der Kreditnachfrage bildet der JG-Ansatz eine Alternative für die EZB anhand dessen geldpolitische Entscheidungen getroffen werden können. Auf Basis dessen können Instrumente entwickelt werden, die realwirtschaftliche Faktoren besser beeinflussen. Basierend auf der ursprünglichen keynesianischen Idee hat der JG-Ansatz in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Weiterentwicklung erfahren. Von Hyman Minsky noch Employment of Last Resort genannt, wurde der JG-Ansatz von vielen Keynsianern bzw. Postkeynesianern wie Mosler, Mitchell und Tcherneva zeitgleich entwickelt und zusammengefasst.
Die Idee des JG-Konzept ist, dass durch eine expansive Fiskal- oder Geldpolitik Arbeitsplätze mit einem Mindestlohnsatz in den öffentlichen Stellen geschaffen werden. Insbesondere nach exogenen Schocks, die zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit im privaten Sektor führen. Die entsprechende fiskal- oder geldpolitischen Maßnahmen fokussieren sich dabei ausschließlich auf die unmittelbare Schaffung der Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich nach dem exogenen Schock. So ist dementsprechend die Aufgabe des öffentlichen Sektors die Arbeitslosigkeit des privaten Sektors bis zu einem bestimmten Niveau zu absorbieren. Das Ziel des JG-Ansatzes ist die Vollbeschäftigung, indem neben den friktionell Arbeitslosen jeden Menschen, der gewillt und gesundheitlich in der Lage ist zu arbeiten ein Job im öffentlichen Sektor ermöglicht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Eurokrise ein und skizziert die Kritik an der EZB, um den Job-Guarantee-Ansatz als potenziellen Lösungsvorschlag vorzustellen.
2 Die Geldpolitik der EZB: Dieses Kapitel erläutert die geldpolitischen Instrumente der EZB, das NAIRU-Konzept sowie die kritische Würdigung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen angesichts stagnierender Kreditvolumina.
3 Der Job Guarantee Ansatz von Mosler und Silipo als Lößungsvorschlag: Das Kapitel führt das Konzept des Job Guarantee Ansatzes ein, diskutiert dessen Chancen und Risiken und prüft die Argumente mittels eines empirischen VAR-Modells.
4 Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass der Job-Guarantee-Ansatz als alternatives Instrument zur Preisstabilität dienen kann, wobei die Chancen die Risiken überwiegen.
Schlüsselwörter
Eurokrise, Europäische Zentralbank, Preisniveaustabilität, Job Guarantee, Vollbeschäftigung, Geldpolitik, NAIRU, Phillips-Kurve, Arbeitslosigkeit, Vektorautoregressives Modell, Transmissionsmechanismus, Fiskalpolitik, Geldmarkt, Kreditvergabe, Eurozone.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die geldpolitische Strategie der EZB während der Eurokrise und prüft, ob der Job-Guarantee-Ansatz eine effektive Alternative zur Gewährleistung der Preisstabilität darstellen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geldpolitik der EZB, der Kritik am NAIRU-Konzept, der theoretischen Herleitung des Job-Guarantee-Modells sowie der empirischen Untersuchung dieser Zusammenhänge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Eignung des Job-Guarantee-Konzepts als Lösungsvorschlag für die Euro-Krise zur Sicherung der Preisniveaustabilität zu untersuchen und dabei die Chancen und Risiken für die EZB abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Auswertung mittels eines Vektorautoregressiven Modells (VAR), basierend auf Quartalsdaten der Eurozone.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die geldpolitischen Instrumente, die Kritik an der NAIRU-Theorie, das Konzept des Job Guarantee sowie die empirische Validierung der Argumente von Mosler und Silipo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Eurokrise, EZB, Job Guarantee, Preisniveaustabilität, Geldpolitik, Vollbeschäftigung und NAIRU.
Warum wird die Wirksamkeit der EZB-Instrumente angezweifelt?
Die Arbeit argumentiert, dass die EZB aufgrund des Transmissionsmechanismus und der Giralgeldschöpfung nur einen geringen Einfluss auf die Realwirtschaft hat und das Inflationsziel von 2 % trotz expansiver Geldpolitik nicht erreichen konnte.
Welche Herausforderungen bestehen bei der Einführung eines Job Guarantee Ansatzes in der EU?
Herausforderungen umfassen potenzielle Konflikte mit der aktuellen EU-Gesetzgebung, Bedenken hinsichtlich der Souveränität der Mitgliedstaaten, bürokratische Hürden sowie hohe Implementierungskosten.
Konnte das VAR-Modell die Hypothesen zweifelsfrei bestätigen?
Nein, das Modell dient eher der Orientierung; es konnte die Notwendigkeit einer anderen Form der Geldpolitik unterstreichen, jedoch aufgrund von Datenbeschränkungen keinen abschließenden empirischen Beweis für den JG-Ansatz liefern.
- Quote paper
- Ngadhnjim Simnica (Author), 2017, Die Geldpolitik der EZB. Der Job Guarantee Ansatz von Mosler und Silipo als Lößungsvorschlag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465991