Warum und wie entwickelt sich Sprache?


Essay, 2017

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Herders Theorie

3. Entwicklung der Sprache

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll im Rahmen des Seminars zur Kulturphilosophie die Entwicklung der Sprache als Grundlage der Kultur erläutert werden, da diese ein wichtiger Grundstein der Kultur des Menschen ist und ihn als Gegensatz zur Natur laut Johann Gottfried Herder maßgeblich vom Tier unterscheidet (Herder 1966: 16 f.). Anhand seines Werks „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ soll daher erarbeitet werden, warum und wie sich die menschliche Sprache im Lauf der Zeit entwickelt. Dabei wird sowohl die allgemeingültige Entwicklung betrachtet als auch einige Einflüsse der heutigen Zeit, des 21. Jahrhunderts.

Herder geht von einer dualistischen Anthropologie aus, also von der Annahme, dass der Mensch einen Mangel an Instinkt hat und im Gegensatz zum Tier durch den Gewinn an Besonnenheit, Reflexion und als Folge dessen der Sprache diesen Mangel wettmachen kann und muss (Herder 1966: 20 ff.). Dadurch entsteht ein doppeltes Bildungspotenzial: die Bildung der Sprache und die Bildung der Kultur durch Erziehung. Die Erziehung ist daher notwendig für das nahezu instinktlose Überleben des Menschen und zugleich der Grundstein der Sprache und der Weiterentwicklung des Menschen. Sie findet in der Familie und durch das Individuum, die Nation und die Gattung statt (Herder 1966: 20 ff.). Der Mensch ist folglich sowohl der Produzent als auch das Produkt seiner eigenen Kultur. Die Sprache bringt dabei Gedanken zum Ausdruck, in denen sich die menschliche Seele widerspiegelt. Sie dient der Verständigung und daher dem Überleben. Sprache und Kultur sind folglich eng miteinander verknüpft sowie voneinander abhängig und aufeinander aufbauend. Daher ist die Sprache stark beeinflussbar von der gegenwärtigen Kultur des Menschen, ebenso wie sie selbst diese mit beeinflusst und prägt. Dies sieht man besonders an den schnellen Entwicklungen der Menschheit und ihrer Kultur, beispielsweise der Digitalisierung. Wie hat sich Sprache bisher entwickelt, wovon wird sie aktuell beeinflusst und was beeinflusst sie kulturell selbst?

Die in dieser Arbeit vertretene These lautet, dass sich Sprache bisher durch die fortschreitende Entwicklung der Menschheit immer schneller in immer mehr Richtungen entwickelt hat. Sie baut darauf auf, dass die Entwicklung der menschlichen Kultur in oben genanntem Muster voranschreitet und dabei die Sprache mitnimmt und von ihr mitgenommen wird. In den folgenden Absätzen wird daher zuerst Herders Theorie zur Sprache und anschließend eine Schlussfolgerung daraus zur Entwicklung der Sprache erläutert, um zuletzt ein darauf aufbauendes Fazit zu ziehen, in dem die These begründet und durch die zuvor erarbeiteten Argumente untermauert wird.

2. Herders Theorie

Herders Theorie der Sprache wird mit einem Zitat begonnen: “Schon als Tier hat der Mensch Sprache.“ (Herder 1966: 5) Damit wird dargestellt, dass Tiere und auch Menschen Laute aus einem Drang heraus erzeugen, der auf Leidenschaften oder starken Empfindungen wie beispielsweise Schmerzen beruht. Der Unterschied ist dabei, dass Tiere diese Laute ohne Verstand und Absicht erzeugen, also aus Reflexen und Instinkten heraus, während der Mensch meist auch etwas bezweckt mit dem Äußern von Lauten, etwa eine Reaktion seines Gegenübers. Tiere sind also eingeschränkt in der Wahrnehmung der Welt und können infolge dessen auch nur eingeschränkte Reaktionen hervorrufen mit ihren Lauten wie etwa das Zuhilfekommen anderer Tiere, haben aber keine ausgearbeitete Lautsprache, mit der sie mit ihren Artgenossen ganze Gespräche führen können wie der Mensch. Er hat dagegen keine festgelegten Laute, die anderen Personen automatisch mitteilen, was er braucht, sondern nur Laute aus Reflexen heraus. Stattdessen besitzt er jedoch die Fähigkeit, ohne Gebrauch von festgelegten Lauten eine eigene Sprache zu entwickeln, mit der er diese Mängel wieder wettmacht und sogar übertrumpft. Auch die Laute der Tiere bezeichnet Herder als „Sprache der Empfindung“ (Herder 1966: 6), relativiert jedoch zugleich die Bezeichnung als Sprache und zeigt auf, dass auch der Mensch Teile dieser Sprache versteht und dass er gleichzeitig in Situationen starker Gefühle auf diese Lautsprache zurückfällt, da sie noch immer ein Teil der menschlichen Sprache ist. Diese Natursprache ist also allen Wesen gemein, aber der Mensch hat die Sprache seiner Gattung aufgrund seines mangelnden Instinktes noch weitergebildet (Herder 1966: 7). Dies ist die erste Entwicklungsstufe und der Grundstein der menschlichen Sprache.

Um diese Fortentwicklung der Sprache zu ermöglichen, musste der Menschaußer der Instinktlosigkeit auch weitere Voraussetzungen erfüllen. Er ist besonnen, er kann reflektieren und Sprache entwickeln (Herder 1966: 20 ff.). Das bedeutet, dass er ein Objekt durch virtuelle Abgrenzung und die Lenkung der Aufmerksamkeit darauf von seiner Umwelt trennen kann, sodass er Merkmale feststellen, diese verknüpfen und das Objekt als solches anerkennen kann. Er erkennt beispielsweise einen Ball als Objekt aus einem bestimmten Material in einer gewissen Form zu einem festgelegten Zweck, während ein Tier ein unbekanntes Objekt wahrnimmt, das es nicht fressen kann oder das ein Feind sein könnte. Das Tier reagiert auf Basis seines Instinktes, während der Mensch die Information weiterverarbeitet und Schlüsse daraus zieht, mit denen er anschließend weiterarbeiten kann. Diese Reflektion und Besonnenheit erzielt er durch die oben genannte Erziehung und Bildung (Herder 1966: 20 ff.). Der Mensch wird damit sowohl zum Produkt seiner Kultur durch die Bildung der Sprache als auch zu ihrem Produzent, indem er sie immer weiterentwickelt. Je nachdem, wie sich die Kultur entwickelt, so entwickelt sich auch die Sprache mit ihr.

Das lässt darauf schließen, dass die Sprachentwicklung stark durch die Kulturentwicklung geprägt wird und man dadurch das Muster einer Sprachentwicklung herausarbeiten kann.

Hier zeigt sich, dass es Tieren genügt, Objekte in Feinde, Harmloses und Futter einteilen zu können, und sie dies auch einwandfrei beherrschen, während der Mensch dies nicht fehlerfrei kann und stattdessen eine differenzierte Wahrnehmung seiner kompletten Umwelt beherrscht. Je mehr Fähigkeiten ein Tier hat, umso weniger ausgeprägt sind diese, ebenso beim Mensch: Er ist vielseitig und kann gut sehen, hören und riechen – aber er kann es nicht außergewöhnlich gut und ist damit mittelmäßig instinktlos, aber vielseitiger (Herder 1966: 20 ff.). Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht für diese Fähigkeiten andere Menschen, um sich selbst und die Sprache fortzubilden. Die Fortbildung der Sprache nennt Herder daher „natürlich, wesentlich, notwendig“ (Herder 1966: 95) und betont damit das essentielle Gewicht der Sprache in der menschlichen Kultur. Der Mensch sei schwach, weil er dadurch lernbegierig wird, und benötigt daraus rührend wiederum Erziehung und Bildung (Herder 1966: 98). Der Unterricht durch die Familie und das engere Umfeld fördert die Fortbildung der Sprache in Formen des Dialekts, Slangs, bestimmter Fachbegriffe und anderer Ausprägungen. In der Vielfalt der Sprache drückt sich dabei die Mentalität aus und fördert im Austausch zwischen verschiedenen Mentalitäten das Verständnis der eigenen Kultur und anderer (menschlicher) Kulturen. Sprachbarrieren stellen dabei keine Hindernisse dar, da die Kommunikation auf der gemeinsamen Basis des Menschseins stattfindet und auf einem sich überschneidenden Kulturverständnis beruht. Daher kann sich die Sprache in so viele scheinbar verschiedene Richtungen weiterentwickeln, ohne dass Kommunikationsprobleme entstehen und die Entwicklung ins Stocken gerät oder aufhört. Das zeigt sich am Beispiel der Globalisierung, durch die die Kommunikation weltweit eher leichter geworden ist als schwerer. Durch die weltweite Entwicklung der menschlichen Kultur wurde auch die Sprachentwicklung beeinflusst. Sprachbarrieren werden abgebaut, die Sprachen selbst vereinfacht. Gleichzeitig werden verschiedene Sprachen miteinander verknüpft und verschmolzen, was immer mehr Ausprägungen ihrer selbst hervorbringt. Die Sprachen werden immer vielseitiger.

Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier gestaltet sich dagegen wesentlich schwieriger. Tiere werden von der Natur unterrichtet, meist ebenfalls von ihren Elterntieren, was bei ihnen jedoch einerseits kürzer dauert als beim Menschen und andererseits auch eine andere Bedeutung hat: Die meisten Tiere haben von Geburt an einen angeborenen Instinkt und lernen von ihren Eltern nur noch wenig. Menschen dagegen sind komplett abhängig von ihren Eltern und lernen fast alles neu, immer wieder und dauerhaft. Die Weiterentwicklung der Sprache und die Unterscheidung zur Lautsprache der Tiere sind notwendig.

3. Entwicklung der Sprache

Sprache entwickelt sich also, wie im vorherigen Kapitel gezeigt wurde, familienintern, aber auch je nach Individuum, Gruppe, Nationalität und anderen Faktoren unterschiedlich weiter. Abhängig davon, in welchem Land, welcher Region dieses Landes, welcher Gesellschaftsschicht mit welchen Kontakten nach außen und später in welchem Berufsfeld man aufwächst und sich freizeitlich bewegt, sind die verschiedenen Variationen der Sprache verschieden ausgeprägt und werden vielfältig miteinander verknüpft. Dadurch bilden sich individuelle, gruppeninterne und sich durchsetzende weitergreifende Sprachvariationen heraus, die immer wieder viele neue Ausprägungen entwickeln. Einige davon halten sich länger, andere verschmelzen miteinander, wieder andere verschwinden ganz. Der Wortschatz wächst durch das Wissen der Menschheit in jedem Fachbereich, einige Wörter finden dagegen keine Verwendung mehr, und das alles geschieht immer schneller, da sich die Menschheit durch die globale Vernetzung und Mobilität, ihr Wissen und ihre Entwicklung immer differenzierter und genauer austauschen, vergleichen und darauf aufbauen kann. Wie genau läuft das ab?

[...]

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Details

Titel
Warum und wie entwickelt sich Sprache?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V466038
ISBN (eBook)
9783668942189
ISBN (Buch)
9783668942196
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, sprache
Arbeit zitieren
Olivia Mantwill (Autor), 2017, Warum und wie entwickelt sich Sprache?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/466038

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