Warum nimmt man Drogen?


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Zur Relevanz des Themas

2. Warum man mit Drogen anfängt

3. Warum man weitermacht

4. Warum man nicht aufhört

5. Fazit: Warum denn nun?

6. Literaturverzeichnis

1. Zur Relevanz des Themas

Drogen lassen sich auf verschiedenste Arten definieren. Da gibt es die in Deutschland legalen, in gewisser Weise gesellschaftlich anerkannten Drogen wie Alkohol und Nikotin. Auch Cannabis wird immer gesellschaftsfähiger, je nachdem, in welchen Kreisen man sich bewegt. Medikamente sind vielerorts zum täglichen Bedarf geworden, werden jedoch häufig nicht direkt mit Drogen assoziiert. Am bemühtesten verdrängt wird noch immer die Sucht nach illegalen chemischen Drogen wie Speed, Heroin, Crystal Meth, Crocodile oder Zombie (Härtel-Petri, Haupt 2014: 169). Mit dieser Art von Drogen in Zusammenhang mit der Sucht, die sich meistens auch auf andere Konsummittel und Lebensbereiche ausbreitet, beschäftige ich mich in dieser Arbeit. Sucht lässt sich definieren als das psychische und/oder physische unstillbare Verlangen nach Suchtstoffen, die der betroffenen Person scheinbar die Flucht aus dem realen Leben ermöglichen und eng mit einem langsamen Suizid verknüpft ist (Battegay 1982: 11 ff.). Manchmal ist dieser beabsichtigt, manchmal wollen die Betroffenen aber auch einfach abnehmen, ihre Leistung steigern oder intensive Gefühle spüren, und wissen dabei nicht um die Gefährlichkeit vieler Drogen (ebd.: 55 ff.). Die Drogenszene bezüglich der chemischen Drogen ist dennoch eine Parallelgesellschaft, deren Mitglieder im Alltagsleben nicht gern gesehen werden. Wer ein Außenseiter der Gesellschaft geworden ist, kommt kaum wieder hinein, da man selbst irgendwann weder in der Lage ist, am öffentlichen Leben teilzunehmen, noch die Chance dazu geboten bekommt, wie sich in der Arbeit zeigen wird. Durch die verallgemeinernden, vagen Vermutungen, die außerhalb der Parallelgesellschaften über die Drogenszene angestellt werden, vergisst man oft die Einzelschicksale, die daran hängen, die verlorenen Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde und Eheleute, die sich eine eigene Welt aufgebaut haben und darin oft ihr Grab finden. Warum fängt man an, solche harten Drogen zu konsumieren, warum macht man nach dem ersten Mal weiter und warum wird man meistens wahrscheinlich nie wieder damit aufhören? Was hat der Konsum für Gründe und was für Auswirkungen? Fragen, die für die Außenwelt oft unbeantwortet bleiben und in dieser Hausarbeit am realen Beispiel eines Betroffenen mit wissenschaftlichen Quellen verglichen, beantwortet und überdacht werden sollen, da sie durchaus sozialpolitische Fragen aufwerfen könnten.

2. Warum man mit Drogen anfängt

Warum hast du angefangen, Drogen zu nehmen? Das klingt nach einer ganz einfachen Frage, auf die man vielleicht mit „Ich war gestresst“, „Mir war langweilig“ oder „Aus Gruppenzwang“ antworten könnte. An die Antwort darauf möchte ich mich anhand eines realen Beispiels herantasten. Da er aufgrund unbeglichener Schulden und dem Austritt aus der Drogenmafia um Anonymisierung gebeten hat, wird der für die Arbeit Befragte Mario genannt werden, nach einem seiner beiden verstorbenen Meerschweinchen, die er damals Mario und Anna taufte.

Fast gleich beginnen viele Geschichten von den Ausgestoßenen, den verlorenen Kindern der Gesellschaft. „Straßenkinder“, so werden Kinder und Jugendliche genannt, die „Karriere“ auf der Straße machen, in Form von Drogen-, Gewalt- oder anderen Delikten. Sie sind stadt- und polizeibekannt und weisen alle ähnliche Vorgeschichten auf. Ihre Familien bestehen meist aus nur noch einem Elternteil oder es sind Patchworkfamilien, häufig sind sie zerstritten oder es finden gar gewalttätige oder sexuelle Übergriffe statt (Zink, Permien 1998: 211).1 Mario wuchs in einer nach außen hin intakten Familie auf, seine Mutter ist Kindergärtnerin, sein Vater Sicherheitschef bei der Bahn. Er war ein durchschnittliches Kind, sagt er, er spielte Fußball und trat später einem Billardverein bei. Bei näherer Betrachtung fallen jedoch Parallelen zu den typischen Familienverhältnissen seiner Schicksalsgenossen auf. Mit seiner kleinen Schwester kiffte er zusammen, zu seiner großen Schwester hatte er noch nie eine gute Beziehung. Drogen spielten demnach schon früh eine Rolle in Marios näherem Umfeld. Seit die kleinere Schwester weggezogen und Managerin bei einer großen Fast-Food-Kette ist, haben die beiden keinen Kontakt mehr. Das Verhältnis zu seinem Vater ist das schwierigste. Er war fast nie zu Hause, da die Familie nahe der tschechischen Grenze wohnt und der Vater in München arbeitet. Doch wenn er zu Hause war, beachtete er seinen Sohn ohnehin nicht, außer, er hatte etwas angestellt. Immer wieder versprach er ihm Unternehmungen, doch nie hielt er sie ein, meint Mario. Er war jähzornig und wurde bei Mario schnell wütend, während er dessen Schwestern Marios Aussage nach vergötterte. Das ist ein schwerwiegendes Problem, das dauerhafte Folgen hat (Sommer 1972: 71 ff.): Gerade Söhne brauchen die Anerkennung und die Aufmerksamkeit ihres Vaters und das vor allem in der Kindheit und Jugend. Minderwertigkeitskomplexe sind ein wahrer Nährboden für Süchte und ein wiederkehrendes Phänomen in den Biographien vieler Drogensüchtiger. Aus dem Minderwertigkeitsgefühl entsteht die Sehnsucht nach Anerkennung, die man sich bei seinen Bekannten durch Mutproben wie Prügeleien, Schmuggel und den Konsum immer härterer Drogen erkämpft. Auch eine erhöhte Aggressionsbereitschaft kann aus dem gestörten Verhältnis zwischen Vater und Sohn entstehen, besonders, wenn der Vater selbst bereits aggressive Tendenzen aufzeigt, wie das bei Marios Vater der Fall ist. Unbewusst übernimmt der Sohn die positiven wie auch negativen Eigenschaften seines Vaters in verstärkter Form und durch den Vater als sein Feindbild verliert er jegliches Autoritätsgefühl. So sind seiner Meinung nach Polizisten Waschlappen, Lehrer unnötig und Türsteher Prügelknaben (ebd.: 74 ff.). Auch bei Mario zeigen sich diese Verhaltensweisen sehr auffällig.

Seine Familie ist weder arm noch reich, ein typisches Kennzeichen späterer durchschnittlicher Straßenkinder, ebenso wie Gewalt auch außerhalb der Familie (ebd.: 212). In der Schule wurde er gemobbt, es war eine düstere Gegend mit tiefen sozialen Abgründen und Mario wurde als Streber gehänselt. Noch waren seine Noten gut. Als er sechs Jahre alt wurde, wurde er unter Prügel gezwungen, zu rauchen. Mit zehn Jahren war er schließlich abhängig – nun wurde er verprügelt, weil er rauchte, meint er. Gewalt prägte seine Kindheit, er fing das Streetfighten an und schloss sich Hooligans an. Als Mario wieder einmal verprügelt wurde, kam ihm einmal ein anderer Junge zu Hilfe und beschützte ihn ab diesem Zeitpunkt. Die beiden Männer verbindet noch heute eine tiefe Freundschaft, jedoch auch fast dasselbe Schicksal. Mario lernte neue Leute kennen und er baute Freundschaften auf. Eines Abends saßen er und ein Kumpel in einer Gartenlaube und der andere holte ein Tütchen Gras raus. Mario war neugierig, der am häufigsten selbst angegebene Grund für den ersten Drogenkonsum (Reuband 1994: 104 ff.). Sozialer Zwang, Schulprobleme, Langeweile oder Leistungssteigerung dagegen sind nur sehr selten Gründe, Drogen auszuprobieren, und eher solche, um weiterzumachen. Unterschwellig steckt jedoch meist viel mehr dahinter. Familien- und Schulprobleme gekoppelt mit häufigen Selbstmordversuchen zeichnen ein unruhiges Bild vom Leben der Drogenkonsumenten. Ebenfalls bezeichnend ist der erste Konsum in Gegenwart von Bekannten oder gar Freunden. Nur ein Prozent der Befragten einer Studie gaben an, den Erstkonsum allein vollzogen zu haben. Im Laufe der Drogenkarriere steigt jedoch die Anzahl der Male, wenn der Süchtige alleine konsumiert (ebd.). Mario rauchte das erste Mal einen Joint, als er elf Jahre alt war.

3. Warum man weitermacht

Mario wollte es mal probieren, hatte es so gar nicht geplant. Aber er merkte, dass es ihm half zu vergessen, es war ein schönes Gefühl. Er hatte eine Clique gefunden, bei der er sich wohlfühlte, und dort war so etwas normal. Mit der Zeit brachten seine Freude auch andere Sachen mit und alles musste mal ausprobiert werden. Mario wollte nicht mehr in die Schule gehen, woanders war es schöner. Also steckte er das Telefonkabel aus und verließ das Haus unter der Angabe, die Schule zu besuchen, damit seine Eltern keinen Verdacht schöpften. Mario lebte nun in seiner eigenen Welt. Drogen sind die Tür in die große weite Welt, sie sind aufregend, bringen Bekanntschaften hervor, stehen in Zusammenhang mit großen Partys und langen Nächten. Warum sollte man aufhören? Es ist doch schön so, wie es ist, es macht Spaß. Das ist das typische erste Bild, das Konsumenten von Drogen haben (Zink, Permien 1998: 218 f.).

Im Gegensatz zu vielen anderen konsumierenden Kindern ließ Marios Schulleistung unter Drogenkonsum erst mit der Zeit nach und nicht schon davor (Sommer 1972: 94 f.). Nach einer Studie mit Heroinabhängigen hatten 20 Prozent der Probanden gar keinen Schulabschluss und drei Prozent die Sonderschule, 61 Prozent die Hauptschule, 13 Prozent die Realschule und vier Prozent das Gymnasium abgeschlossen. Der größte Teil bestand also aus Schulabbrechern oder ehemaligen Hauptschülern. Lediglich 25 Prozent der männlichen sowie 40 Prozent der weiblichen Teilnehmer hatten eine abgeschlossene Lehre (Kreuzer et al. 1981: 401). Auch Mario wurde vom Musterschüler zum Schulschwänzer – nicht weil ihm die Schule je schwer gefallen wäre, sagt er, sondern weil sie langweilig war und wohl auch wegen seiner prügelnden Schulkameraden. Lieber war er irgendwo draußen unterwegs, auf der Suche nach neuem Zeug, einem anderen Trip, einer besseren Party. Gemobbt wurde er irgendwann nicht mehr, denn sein neuer bester Freund und er beschützten sich gegenseitig. Vom Gymnasium wechselte er wegen zu schlechter Noten und fast dauerhafter Abwesenheit in der neunten Klasse auf die Realschule. Auch die musste er nach einem halben Jahr verlassen und ging dann auf die Hauptschule. Sein Abschluss war mittelprächtig und ein halbes Jahr danach begann er einen Grundausbildungslehrgang im Fachbereich Koch. Nach weniger als einem halben Jahr kam die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, zu dem er sich nach eigenen Worten nie beworben hatte. Er zog von zu Hause aus nach Erfurt, um da eine Lehre zum staatlich anerkannten Koch zu beginnen. Wirklich wichtig war ihm diese Lehre nicht. Schon an seiner Schulkarriere konnte man erkennen, wie sein Arbeitsleben sich später gestalten würde, typisch für Drogenabhängige (Henkel 2001: 19 f.).

[...]


1 Natürlich sollte man an dieser Stelle nicht von Patchworkfamilien oder Alleinerziehenden auf kaputte Familienverhältnisse schließen.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Warum nimmt man Drogen?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V466040
ISBN (eBook)
9783668938939
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, drogen
Arbeit zitieren
Olivia Mantwill (Autor), 2016, Warum nimmt man Drogen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/466040

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