Bildung und Zeit. Wie wirken Zeit und Psyche aufeinander?


Seminararbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1 Kurzzusammenfassung des Referats

2 Ergebnisprotokoll der Seminardiskussion

3 Einordnung der Erkenntnisse von Referat und Seminardiskussion in andere Referatsthemen und das Gesamtseminar

4 Persönliche Stellungnahme

5 Literatur

1 Kurzzusammenfassung des Referats

Im Rahmen der ersten Blockveranstaltung des Seminares hielt unsere Kleingruppe, bestehend aus vier Personen, ein interaktives Referat zum Thema „Fokus Psyche“. Eingebettet war es in den Themenblock „Grundlegende Aspekte des Zusammenhangs von Mensch und Zeit“ und es baute auf das am Tag zuvor ebenfalls von uns gehaltene Referat zum Thema „Fokus Körper“ auf.

Zum Einstieg wurde nach der Vorstellung unserer Personen die Frage an die Seminargruppe gestellt, wie Zeit und Psyche wohl aufeinander wirken. Dabei wurde anhand einiger Meldungen und Ergänzungen unsererseits herausgearbeitet, dass sich zeitbedingter Stress negativ auf die Psyche auswirkt, wie beispielsweise zu wenig Schlaf aufgrund von Zeitmangel zu Depressionen führen kann. Um den Zuhörern einen roten Faden zu bieten, an dem sie sich auch während des Referats thematisch orientieren konnten, wurde anschließend die auf einem Plakat erstellte Gliederung präsentiert, die wie folgt aufgebaut war:

1 Was ist Zeit? Wahrnehmung und Wechselwirkungen
2 Schulische Bildung und Zeit
3 Leben und Auswirkungen der Zeitenwende
4 Psychische Erkrankungen
5 Fazit
6 Diskussion: Welche positiven und negativen Auswirkungen der Beschleunigung des Lebens gibt es auf die Psyche?

Anschließend begannen wir mit dem Referieren, vorerst mit Punkt 1. Dabei wurde erläutert, dass sich Zeit in objektive, Erlebnis- und historische Zeit einordnen lässt, wozu ein Schaubild aus diversen bunten, beschrifteten und bemalten Blättern an die Tafel geklebt wurde, um die Zusammenhänge auch visuell darzustellen. Dabei wurde erläutert, dass es im Englischen den Ausdruck „to time“ gibt, der so im Deutschen nicht existiert und einige wichtige Aspekte beinhaltet: Dazu gehören das Verhältnis von Zeit und Handeln, das sich vor allem psychologisch im Bewusstsein des Menschen niederschlägt. Ebenso ist das Verhältnis zeitlicher Strukturen von Bedeutung, die physikalischen, biologischen, psychologischen, soziokulturellen sowie kulturhistorischen Ursprungs sein können. Hinzu kommt die Komplexität des menschlichen Zeitbewusstseins, die unter anderem die anfangs genannten Aspekte beinhaltet, sowie das Abstrakt der Uhrzeit. Diese ist nämlich keine natürlich vorgegebene Zeit, sondern vom Menschen geschaffen. Die biologischen und natürlichen Umstände dazu hatten wir bereits am Vortag in dem anderen Referat erläutert. Das menschliche Zeitbewusstsein besteht folglich aus der Wahrnehmung von Zeit, der Zeitperspektive (zeitliche Strukturierung von Ereignissen entlang von Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft), dem Wissen über Zeit (naive und wissenschaftliche Zeitkomponente) sowie dem Umgang mit Zeit. Diese vier Komponenten involvieren sowohl kognitive Prozesse wie Aufmerksamkeit und Erinnerung als auch motivationale und emotionale Prozesse. (Morgenroth 2012: 35 ff.)

Nun wurde noch einmal verdeutlicht, dass die Uhr in erster Linie ein Symbol der menschlich gemachten sozialen Ordnung darstellt und ein Indikator für das Tempo des sozialen Lebens ist (Morgenroth 2012: 36). Erst in Interaktion mit der Gesellschaft wird sie relevant, denn ob man beispielsweise zu Hause um 15 Uhr oder um 15.30 Uhr beginnt, alleine ein Buch zu lesen, hat in der Regel keine Auswirkungen auf das persönliche Umfeld. Hierzu wurde auch ein Beispiel aus dem Alten Rom angebracht, in dem es nur ziemlich ungenaue Sonnenuhren gab. Damals verabredete man sich zu Uhrzeiten wie „im Morgengrauen“ oder „um die Mittagszeit“. Mit Verspätungen von ein bis zwei Stunden war da zu rechnen, jedoch war dies normal, ein Teil der sozialen Ordnung und im - im Gegensatz zu heute entschleunigten Rom - kein dramatisches Ereignis. Um die Jahrhundertwende wurde Zeit dann als Sinn verstanden, es wurde auch das Sinnesorgan gesucht.

Nun ging es um die Wahrnehmung der Zeit, die zwei zentrale Funktionen hat, nämlich, sich an die Aspekte der Umwelt anzupassen, sowie unabhängig zu sein und Kontrolle über die Umwelt zu erhalten. Der Umgang mit der Zeit geschieht daher durch Tempo-, Struktur- sowie Kontrollorientierung, die anschließend näher erläutert und ebenfalls durch bunte Kärtchen an der Tafel visualisiert wurden. Jeder Mensch weist eine dieser Orientierungen besonders stark ausgeprägt auf. Bei der Tempoorientierung geht es dabei darum, alles möglichst schnell zu erledigen, relativ unabhängig vom Ergebnis und der Logik der Arbeitsteilung. Bei der Strukturorientierung ist das anders, hier steht vor allem ein zielbezogener und strukturierter Umgang mit der Zeit im Vordergrund. Der Strukturorientierte hat meist ganz eigene Ziele und will diese anhand einer persönlichen Struktur erreichen, beispielsweise ist ihm der Lerneffekt wichtiger als die Endnote. Kontrollorientierte Menschen legen viel Wert auf die erfolgreiche Bewältigung zeitlicher Vorgaben und Ziele. Sie sind sehr von außen gesteuert und wollen alles perfekt erledigen. Diese drei Ausprägungen wurden auch am Ende des Referates noch einmal ausführlich diskutiert und erläutert. Zeit beeinflusst uns jedoch nicht nur durch die ökonomische Rationalität, sondern auch durch das eigene Stresserleben, die Kommunikation in intergenerativen Beziehungen und die eigene Identitätsbildung. Zu Zweiterem wurde eine Studie präsentiert, in der man herausfand, dass 15-Jährige in Zeiten, die sie unvorhersehbar einschätzen, lieber mit Gleichaltrigen über soziale und persönliche Themen reden als mit Älteren. Dies liegt daran, dass die Wahrnehmung der Zeit das Kommunikationsverhalten beeinflusst, in diesem Fall so, dass die Jugendlichen glaubten, mit den Älteren keine gemeinsame zeitliche Basis zu haben, aufgrund derer sie mit ihnen kommunizieren hätten können. Auch die Identitätsbildung liegt in einer interaktiven Beziehung vor, da Menschen mit identitären Zielen vorausschauender handeln und im Gegensatz dazu es in einer unvorhersehbaren Zeit schwer ist, eine Identitätsbildung voranzutreiben. (Morgenroth 2012: 37 ff.)

Anschließend kamen wir zum Themenpunkt „Schulische Bildung und Zeit“. Auch hierzu wurde während des Referierens ein Tafelbild erstellt, diesmal mit Kreide als Zeichnung. Bildung hat ja unter Anderem zum Ziel, heranwachsenden Menschen Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, um sie zu befähigen, am politischen, ökonomischen und sozialen Leben teilzunehmen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Umgang mit Zeit ist folglich im privaten und beruflichen wie auch schulischen Leben unverzichtbar, sodass die Schule als Sozialisationsinstanz funktioniert, indem Pünktlichkeit und Zeitdisziplin gelehrt werden sollen. Dieser Ansatz ist jedoch nicht immer einfach umzusetzen, daher stellten wir an dieser Stelle die Frage an die Seminarteilnehmer, welche Probleme sie am deutschen Schulsystem sähen. Allzu tiefgreifend sollte diese Diskussion nicht werden, da dieses Thema in einem folgenden Referat noch einmal aufgegriffen werden würde, jedoch konnten einige zentrale Punkte gesammelt werden: Durch den regelmäßigen, streng strukturierten Tagesablauf, der auch tief in das Privatleben der Schüler eingreift, werden auch Kinder getroffen, für die dieses System aufgrund ihrer inneren Uhr und ihres Biorhythmus‘ nicht sinnvoll ist. Gerade über eine lange Schulzeit hinweg kann dies schwerwiegende psychische Probleme auslösen. Auch die Schulferien tragen hierbei nur geringfügig zur Entlastung bei, da sie unregelmäßig über unterschiedlich lange Zeiträume eine schnelle Umstellung des Biorhythmus‘ verlangen und das gerade im Kindesalter körperlich und psychisch problematisch sein kann. Zudem steigt das schulische Tempo immer weiter an, es wird mehr Stoff gelehrt und zugleich wird eine ständige Flexibilität schon im Kindesalter gefordert, wobei man zugleich schon teilweise im Alter von 15 Jahren einen Beruf wählen soll. (Morgenroth 2012: 42 ff.)

Als Folge solcher Änderungen, wurde nun weiter ausgeführt, wurde in den letzten Jahren eine stetig steigende Anzahl psychischer Erkrankungen, insbesondere von Depressionen und Angsterkrankungen festgestellt. Zurückzuführen ist dies wohl auf gestiegene Anforderungen an das Selbstmanagement sowie Erschöpfung, was oftmals im Erwachsenenalter zu Burnout führt. Heutzutage lockern sich Bindungen an Orte und Personen, es wird Flexibilität erwartet, man soll „alles“ wissen, aber gleichzeitig spezialisiert sein, wird individualisiert, aber auch verglichen. Die Erwartungen steigen, es gilt das Prinzip der Quantität statt der Qualität, aufgrund der Unstetigkeit entwickelt sich eine Unruhe. Ausbildungen werden abgebrochen, man ist nie sicher in seinem Job und wird ewig zur Weiterbildung gedrängt. Auch in psychischen Erkrankungen schlägt sich diese Thematik nieder: Bei psychischen Störungen hat man oftmals ein gestörtes Raum-Zeit-Empfinden, beispielsweise hat man bei einer Depression das Gefühl, die Zeit würde stillstehen, während man gleichzeitig keine Zukunftsperspektive hat. Dieses Empfinden kann auch in der Psychiatrie durch fest vorgeschriebene Behandlungsabläufe und zeitliche Strukturen schwer durchbrochen werden. (Bohleber 2009: 202 ff.)

2 Ergebnisprotokoll der Seminardiskussion

Zuletzt bestand die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen, jedoch war scheinbar alles klar und nach einer kurzen Zusammenfassung wurde die große Diskussion gestartet zu der Frage „Welche positiven und negativen Auswirkungen der Beschleunigung des Lebens gibt es auf die Psyche?“. Als Denkanstoß wurde das Selbstmanagement als Stichpunkt genannt. Im Folgenden werden angesprochene Aspekte aus der Diskussion kurz zusammengefasst.

Rückblickend auf den Film „Alphabet“, den wir zu Beginn des Seminares gesehen hatten, hatte eine Seminarteilnehmerin den Input, dass die Gesellschaft scheinbar keine Identität der Menschen mehr will, sondern Maschinen, die dem System dienen. Das Individuum funktioniert für die Gesellschaft, nicht die Gesellschaft für das Individuum. Das Problem dabei ist, dass man aus dem System der Gesellschaft und Wirtschaft nicht ohne Weiteres aussteigen kann. Ein weiterer Punkt war, man braucht die Zeit für verschiedene Rollen, Lebensphasen und Situationen, um herauszufinden, wer man selbst ist. Durch den konstanten Druck, der im Laufe der Zeit zu einem steigenden Druck wird, ist dies jedoch sehr schwierig und man hat das Gefühl, nicht hinterherzukommen, was schließlich zu Resignation führt und auch eine Depression verursachen kann. Durch die wenige Zeit entstehen Selbstzweifel, ob man alles noch schafft und das, was man tut, noch vertreten kann und gut genug dafür ist. Das „Vertreten können“ kann dabei durchaus auch eine moralische Komponente beinhalten, wenn man aufgrund von Zeitdruck nicht mehr genügend Zeit und erforderliche Mühe in Job oder Familie investieren kann. Gerade in Jobs wie beispielsweise bei Ärzten kann dies verheerende Folgen haben. Eine Seminarteilnehmerin erzählte von einem bekannten Arzt, der genau dieses Problem tatsächlich habe und aufgrund seines Zeitdrucks in der Arbeit kaum noch einen Patienten richtig und vollständig behandeln könnte. Im Rahmen der Globalisierung, die von uns noch eingeworfen wurde, hieß es, der Konkurrenzdruck sei zusätzlich gestiegen, da es jetzt mehr Möglichkeiten für mehr Anbieter gibt und man als Anbieter schneller im Wettbewerb zurückfällt. Auch die andauernde Erreichbarkeit durch die Digitalisierung führt dazu, dass man mit den Gedanken ständig beim Job ist und sich nicht auf sich selbst konzentrieren kann.

Doch auch positive Aspekte sollten diskutiert werden wie im Folgenden: Durch vorgegebene Strukturen muss man sich nicht viel Mühe geben, sich selbst zu finden, da man ein klares Ziel hat, hieß es. Durch die Möglichkeiten des schnellen Informationsflusses ist es auch nicht schwer, mal eben eine Information zu erhalten oder sich zu verabreden. Auch beim Fliegen mit dem Flugzeug ist es eine Sache der Einstellung, ob man dabei gestresst oder entspannt ist und dies hängt auch davon ab, ob man beruflich oder privat fliegt. Jedoch: Je schneller man sich bewegt, umso mehr Fremdenergie muss aufgewendet werden. Es wurde diskutiert, ob man sich an die schnelle Fortbewegung gewöhnen könnte, vielleicht sogar durch genetische Veränderung. Mit dem Auto- und Bahnverkehr hat das ja schon geklappt. Das Fazit dessen war, dass es scheinbar schon möglich wäre, aber dass man Zeit braucht, frei nach dem Motto „Zeit geben, Zeit lassen, Zeit nehmen“. Manche Menschen können schnell leben, andere können es lernen, wieder andere eben nicht. Praktiken, um sein Leben zu entschleunigen, wären beispielsweise Yoga, anderweitige Entspannung, Zeitmanagement oder zur Not ein Klinikaufenthalt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bildung und Zeit. Wie wirken Zeit und Psyche aufeinander?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V466047
ISBN (eBook)
9783668945982
ISBN (Buch)
9783668945999
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildung, zeit, psyche
Arbeit zitieren
Olivia Mantwill (Autor), 2018, Bildung und Zeit. Wie wirken Zeit und Psyche aufeinander?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/466047

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