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Heiner Müllers Philoktet

Title: Heiner Müllers Philoktet

Term Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Heiko Wenzel (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Heiner Müllers „Philoktet“ entstand in den frühen 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts (nach eigenen Angaben zwischen 1958 und 1964 ). Zu eben dieser Zeit stieß der Autor zunehmend auf Widerstand der SED Regierung, weshalb er sich antiken Stoffen zuwandte, um die Aussagen seiner Werke zu tarnen; so zumindest die Erklärungsversuche westdeutscher Rezipienten.
Die Rahmenhandlung gestaltet Müller ähnlich der antiken Tragödie von Sophokles: Der Kampf um Troja hat nach bald zehn Jahren und unzähligen Opfern noch immer kein Ende gefunden. Als auch noch die Truppen des Philoktet zu desertieren drohen, scheint es kaum noch einen Ausweg zu geben. Die einzige Möglichkeit, den Kampf siegreich zu beenden, sehen die Achaier im unfehlbaren Bogen Philoktets. Dieser wurde jedoch vor Jahren schon durch Odysseus’ List auf der unbewohnten Insel Lemnos ausgesetzt. Grund war eine schwärende, niemals heilende Wunde, durch einen Schlangenbiss verursacht. Unerträglicher Gestank und ein beständiges Brüllen Philoktets ob der Schmerzen waren die Folgen.
Da auf Philoktet und dessen Bogen aber alle Hoffnungen ruhen, wird Odysseus, der Listenreiche, ausgesandt, den Feldherrn mit dem unfehlbaren Bogen aus der Verbannung zurück zu holen. Neoptolemos, Sohn des Achilles, wird als Begleiter gewählt. Sowohl Neoptolemos, als auch Philoktet, hassen Odysseus; der eine, weil ihm die Waffen und die Rüstung des getöteten Vaters vorenthalten wurden, der andere, weil er auf Odysseus’ Geheiß ausgesetzt worden war.
Müllers Stück beginnt wie das des Sophokles mit der Ankunft auf der Insel Lemnos. Neoptolemos folgt Odysseus nur widerstrebend – die Pflicht, seinem Volk zu dienen und zu helfen, ist der einzige Grund, weshalb er sich auf den Plan des Listenreichen einlässt: Neoptolemos soll sich das Vertrauen Philoktets erschleichen, indem er sich als Feind des Odysseus ausgibt. Hat er dieses Vertrauen, muß der Bogen entwendet werden, denn nur ohne diese Waffe kann Philoktet überwältigt und auf das Schiff nach Troja gezwungen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Heiner Müller – Biographie

2 Heiner Müllers „Philoktet“

2.2 Müllers „Philoktet“ und die sophokleische Vorlage

2.2.1 Neoptolemos

2.2.2 Odysseus

2.2.3 Philoktet

2.3 Die Identitätslosigkeit Philoktets

3 Schmerz und Schrei – der Bezug auf Laokoon

4 Die politische Deutung von Heiner Müllers „Philoktet“

5 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heiner Müllers Drama „Philoktet“ vor dem Hintergrund seiner literarischen Vorlage bei Sophokles sowie der politischen Rezeptionsgeschichte. Ziel ist es, die spezifische Umgestaltung der antiken Charaktere und den Einsatz von Schmerz und Identitätsverlust als Mittel der Entlarvung bürgerlicher Humanitätsideale kritisch zu analysieren.

  • Biographische Einordnung von Heiner Müller.
  • Vergleich der Figurenkonstellation zwischen Müller und Sophokles.
  • Analyse der Entmenschlichung und Identitätslosigkeit der Titelfigur.
  • Deutung des Dramas als Kritik an staatlicher Instrumentalisierung und Zweckdenken.
  • Bezugnahme auf die Laokoon-Debatte und das antike Ideal.

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Neoptolemos

Der junge Krieger Neoptolemos, Sohn des Achilleus, vertritt die Tugenden der Kriegerkaste par excellence: Wahrheit, Mut und Gerechtigkeit sind seine Maximen. So hat er auch nichts dagegen einzuwenden, Philoktet Gewalt anzutun, sollte dieser nicht freiwillig das Schiff nach Troja besteigen. Doch widerstrebt ihm der Gedanke, diese Vorhaben mit List und hinterrücks durchzuführen.

N: Zum Helfer bin ich hier, zum Lügner nicht.

O: Doch braucht es einen Helfer hier der lügt.

N: Vielleicht kann Wahrheit mehr.

Der sophokleische Neoptolemos reagiert ebenso, jedoch in einem viel längeren Dialog, was den Edelmut dieses Kriegers klar darlegt.

Doch um der Pflicht gegenüber der allgemeinen Sache willen – dem Sieg der Achaier über Troja – stellt er seine Scham zurück, lässt sich von Odysseus überreden, zu lügen. Wie selbstlos sich Neoptolemos der „gemeinsamen“ Sache unterordnet, ist bei Müller noch intensiver dargestellt, da Achills Sohn hier sogar seinen unbändigen Hass auf Odysseus unterdrücken muß, der bei Sophokles so nicht zur Geltung kommt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Heiner Müller – Biographie: Ein kurzer Überblick über das Leben des Autors, geprägt von politischer Verfolgung, seiner Arbeit als Journalist und Regisseur sowie seinem künstlerischen Wirken in der DDR.

2 Heiner Müllers „Philoktet“: Einführung in die Rahmenhandlung des Stücks und die Abweichungen zur antiken Vorlage hinsichtlich der Figurenkonstellation und der moralischen Zielsetzung.

2.2 Müllers „Philoktet“ und die sophokleische Vorlage: Untersuchung der strukturellen Unterschiede zum Drama von Sophokles, insbesondere der Elimination des göttlich-mystischen Elements.

2.2.1 Neoptolemos: Darstellung des inneren Konflikts des jungen Kriegers zwischen seinen moralischen Maximen und der geforderten Pflicht gegenüber der „Sache“.

2.2.2 Odysseus: Analyse der Rolle des Ithakers als machtpolitischer Akteur und seiner Instrumentalisierung anderer Figuren für ein übergeordnetes Ziel.

2.2.3 Philoktet: Betrachtung der Titelfigur nicht als tragische Heldenfigur, sondern als funktionalisiertes „Opfer des Systems“.

2.3 Die Identitätslosigkeit Philoktets: Erörterung der Entmenschlichung und des Identitätsverlusts durch Einsamkeit, Schmerz und Isolation.

3 Schmerz und Schrei – der Bezug auf Laokoon: Analyse der bewussten Zerstörung des bürgerlichen Ideals vom leidenden Helden unter Rückgriff auf die Laokoon-Debatte.

4 Die politische Deutung von Heiner Müllers „Philoktet“: Auseinandersetzung mit der Kritik an realsozialistischen Strukturen und der Entlarvung des Humanismus als theoretisches Konstrukt.

5 Zusammenfassung: Abschließende Würdigung des Dramas als zeitlose Parabel über den Konflikt zwischen Individuum, Macht und staatlichem Zweckdenken.

Schlüsselwörter

Heiner Müller, Philoktet, Sophokles, Laokoon, Neoptolemos, Odysseus, DDR, Humanismus, Identitätsverlust, Entmenschlichung, Instrumentalisierung, Machtpolitik, Sozialismus, Parabel, Antikrezeption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Drama „Philoktet“ von Heiner Müller und dessen Auseinandersetzung mit antiken Stoffen in einem modernen, politisch-kritischen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Dekonstruktion antiker Heldenbilder, das Spannungsfeld zwischen individueller Moral und staatlicher Zweckökonomie sowie die Instrumentalisierung des Menschen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Müller durch die Abweichung von der sophokleischen Vorlage den klassischen Humanismus entlarvt und das Drama als Parabel auf menschenverachtende politische Systeme nutzt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf dem Vergleich der Primärquelle (Müllers Stück) mit der antiken Vorlage und der Einbeziehung zeitgenössischer Rezeptionsgeschichte basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Charakterisierung der drei Protagonisten, den Identitätsverlust Philoktets, den Bezug zur Laokoon-Debatte sowie die verschiedenen politischen Deutungsmuster des Stücks.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Antikrezeption, Entmenschlichung, Zweckdenken, Instrumentalisierung und Parabel.

Warum spielt der „Schrei“ bei Müller eine so entscheidende Rolle?

Der Schrei dient Müller als Mittel zur „Zerstörung statuarischer Heldenbilder“; er markiert den Moment, in dem die ästhetisierte moralische Größe der Antike durch rohe, ungeschönte Realität ersetzt wird.

Wie unterscheidet sich Müllers Philoktet von dem bei Sophokles?

Während bei Sophokles göttliche Fügung und eine moralische Entwicklung im Vordergrund stehen, eliminiert Müller diese metaphysischen Elemente und zeichnet ein Bild des Menschen als bloßes, austauschbares Funktionsobjekt innerhalb eines politischen Systems.

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Details

Title
Heiner Müllers Philoktet
College
University of Tubingen
Grade
2,0
Author
Heiko Wenzel (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V46663
ISBN (eBook)
9783638438087
Language
German
Tags
Heiner Müllers Philoktet
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heiko Wenzel (Author), 2005, Heiner Müllers Philoktet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46663
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