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'Spiegelgeschichte' von Ilse Aichinger. Eine Analyse

Title: 'Spiegelgeschichte' von Ilse Aichinger. Eine Analyse

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andrea Nagy (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Zunächst beginne ich mit einer klassischen Textanalyse, in der Erzählverhalten und Erzählhaltung untersucht werden sollen. Dabei möchte ich auf die besondere Sprechsituation eingehen, welche die „Spiegelgeschichte“ zur ungewöhnlichen und einzigartigen Erzählkunst macht. Um die Sprechsituation erschließen zu können, muss die Erzählung über die Textanalyse hinaus, in einen spezifischen literaturhistorischen Kontext gesetzt werden.

Ich möchte untersuchen, inwiefern Aichingers neue Erzählkunst, die den Kahlschlag ablöst, als kafkaesk bezeichnet werden kann und einem Muster folgt, das charakteristisch ist für die österreichische Sprachskepsistradition. Zur Annäherung an Aichingers transitorischen Ort des Poetischen möchte ich außerdem detailliert auf die Symbolik in „Spiegelgeschichte“ eingehen. Eine zentrale Bedeutung fällt dem Motiv des Spiegels zu, der nicht nur die biologische Ordnung auf den Kopf stellt, sondern auch die sprachliche. Es soll deutlich werden, dass der Spiegel als Schlüssel zur Eröffnung einer poetologischen Dimension dient. Neben dem Spiegel gibt es noch weitere wichtige Motive, deren Funktion ich ebenfalls erörtern möchte.

Mein weiterführendes Ziel ist es, die wichtigsten Voraussetzungen zu benennen, welche für Aichingers Dichtung gelten. Damit klärt sich die Frage, weshalb ein Großteil der intellektuellen Bevölkerung der westlichen Hemisphäre und der Literaturkritiker, ihr skeptisch gegenüberstehen und ihre Texte dennoch zum festen Bestandteil der heutigen Schullektüre gehören.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spiegelgeschichte

2.1 Eine Lebensgeschichte im Spiegel

2.2 Der Du-Erzähler

2.3 Erzählverhalten und Erzählhaltung

3 Symbolik

3.1 Der Spiegel

3.1.1 Der Spiegel - Die Infragestellung von Autorschaft

3.2 Kindtopos

3.3 Die Weiblichkeit

3.4 Das Meer

4 Zeitlichkeit und Glück - Zukunftsverhältnis

5 Schreiben zur Stunde Null

5.1 Sprache als Anarchie

5.2 Fremdwörter

5.3 Der Schriftsteller und die Wirklichkeit

5.4 Das Schreiben „vom Ende her“

5.5 Hinwendung zur Kurzprosa

6 Die absurde Prosa

6.1 Das Kafkaeske

7 Die Überwindung des klassischen Weltbildes

7.1 Der Glaube an die Gleichheit

7.2 Die negative Schöpfungstheorie

7.3 Wiener Empiriokritizismus

7.3.1 „Das Ich ist unrettbar“

8 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ilse Aichingers Erzählung „Spiegelgeschichte“ unter der zentralen Fragestellung, wie ein Schriftsteller eine Überwindungsstrategie für die Wirklichkeit entwickeln kann, wenn eine verbindliche Ordnung der Welt nicht mehr existiert. Dabei wird analysiert, wie Aichinger durch die Umkehrung der Zeit und die Loslösung von konventionellen Sprachmustern eine neue poetologische Dimension erschließt.

  • Analyse von Erzählverhalten und Sprechsituation
  • Symbolik und deren Funktion (Spiegel, Kindheit, Meer, Farben)
  • Zeitlichkeit und das Konzept des Erzählens „vom Ende her“
  • Die radikale Sprachreflexion als Überwindungsstrategie
  • Einordnung in die österreichische Sprachskepsistradition

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Spiegel

Beim Betrachten des Titels „Spiegelgeschichte“ kündigt sich schon die Auseinandersetzung mit einem Spiegelbild an. Dass der Spiegel jedoch als Figuration des Textes dient, überrascht den Leser. Was auf der Leinwand durch das Zurückspulen möglich ist, kann in einem Prosatext nur schwer umgesetzt werden. Die Bilder im Film sind vorgegeben, im Prosatext entstehen und leben sie in der Phantasie der Leser. Damit Texte auch rückwärts erzählt einen Sinn ergeben, darf die Kausalverkettung der Ereignisse nicht aufgehoben werden. Genau das hat Aichinger in „Spiegelgeschichte“ erreicht. In der Spiegelung des Lebens der Protagonistin entwirft die Autorin einen neuen, tiefgründigen Sinn. Die alten Kausalzusammenhänge werden durch neue ersetzt. Sie hält die Geschichte in einen „magischen Spiegel“ mit dem Ziel die verdorbenen Worte auf ihren ursprünglichen Sinn zurückzuführen.

„Spiegelgeschichte“ meint im wortwörtlichen Sinne eine gespiegelte Geschichte, in der auf der einen Seite die Wirklichkeit steht, auf der anderen die rückwärtslaufende Spiegelung im Bewusstsein der Sterbenden. Spiegelungspunkt und Auslöser ist der Tod. Die Sterbende entwickelt im Spiegel eigene Kräfte, selbst innerhalb von Schranken und Fesseln des Todes. „Blind“ ist der Spiegel, weil er nicht nur einfach widerspiegelt und rückwärts erzählt, sondern vielfach verzerrt, indem er [mit magischer Kraft] die realen Ordnungen der Welt und Sprache verfremdet. Er stellt die biologische Ordnung völlig auf den Kopf und lässt die junge Frau verlangen, was noch keine zuvor verlangt hat: „Mach es lebendig, sonst stoß ich deine gelben Blumen um…“ Die Engelmacherin erfüllt ihren Wunsch und pflanzt ihr das ungeborene Leben wieder ein. Die Spiegelung der Abtreibung zeigt eine „unbefleckte“ Empfängnis.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung verortet Aichingers Werk in der Nachkriegsliteratur und legt das Ziel fest, anhand von „Spiegelgeschichte“ die Überwindungsstrategien der Autorin gegenüber einer verlorenen Wirklichkeit zu analysieren.

2 Spiegelgeschichte: Dieses Kapitel untersucht die grundlegende Erzählstruktur, die Rolle des Du-Erzählers sowie das spezielle Erzählverhalten und die Haltung des Erzählers gegenüber der Protagonistin.

3 Symbolik: Hier werden zentrale Motive wie der Spiegel, der Kindtopos, die Weiblichkeit und das Meer als poetologische Elemente analysiert, die zur Entfremdung und Neuordnung der Welt beitragen.

4 Zeitlichkeit und Glück - Zukunftsverhältnis: Das Kapitel beleuchtet den Rücklauf der Zeit als Versuch der Sterbenden, ihr Schicksal zu ändern und eine „unausgelebte Erwartung“ zu erfüllen.

5 Schreiben zur Stunde Null: Es wird die Auseinandersetzung mit der Sprache diskutiert, wobei Themen wie Sprachanarchie, Fremdwörter und das Schreiben „vom Ende her“ im Vordergrund stehen.

6 Die absurde Prosa: Dieses Kapitel erörtert die Zuschreibung des „Kafkaesken“ und reflektiert das Verhältnis Aichingers zur literarischen Moderne sowie ihre radikale Sprachkritik.

7 Die Überwindung des klassischen Weltbildes: Es wird analysiert, wie Aichinger durch die Ablehnung biblischer Motive und die Anlehnung an den Wiener Empiriokritizismus eine eigene, kritische Weltsicht entwirft.

8 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Aichinger bewusst auf eine „Prosa des Wissens“ verzichtet und stattdessen eine „Poetik des Schweigens“ praktiziert, um die Sprache von Korruption zu befreien.

Schlüsselwörter

Spiegelgeschichte, Ilse Aichinger, Gruppe 47, Sprachskepsis, Literatur nach 1945, Erzählen vom Ende her, Spiegelmetaphorik, Kindtopos, Kafkaeske, Wiener Empiriokritizismus, Poetik des Schweigens, Wirklichkeitsverlust, Traumexistenz, Autorschaft, Sprachphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzähltechnik und poetologische Strategien von Ilse Aichingers „Spiegelgeschichte“ im Kontext der deutschen Nachkriegsliteratur.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Sprachskepsis, die Umkehrung der Zeit, die Funktion von Symbolik, die Infragestellung von Autorschaft und die kindliche Perspektive als Mittel der Gesellschaftskritik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu beantworten, wie Aichinger durch eine spezifische Erzählweise (vom Ende her) eine Überwindungsstrategie für eine als verloren wahrgenommene Wirklichkeit findet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet primär eine klassische Textanalyse, ergänzt durch die Einbettung in literaturhistorische Kontexte und philosophische Denkweisen wie den Empiriokritizismus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Erzählverhalten, den „Kindtopos“, das Motiv des Meeres und der Farben sowie die Auseinandersetzung der Autorin mit der Sprache als anarchistisches Medium.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spiegelgeschichte, Sprachskepsis, Nachkriegsliteratur, Zeitumkehr und Sprachphilosophie definiert.

Warum wird der Spiegel als zentrales Symbol betrachtet?

Der Spiegel fungiert als Figuration, die den Prozess der Selbsterkenntnis einleitet und es ermöglicht, die Kausalität des Lebens durch die Umkehrung zum Tod hin neu zu bewerten.

Wie unterscheidet sich Aichingers Kindtopos von einer naiven Sichtweise?

Für Aichinger ist die kindliche Perspektive eine bewusste Wahl, um die Willkür der Erwachsenenwelt als korrupt und unmenschlich aufzudecken, ohne dabei die Glaubwürdigkeit der Darstellung zu verlieren.

Welche Bedeutung hat das „Schreiben vom Ende her“?

Es bezeichnet eine Technik, bei der das Erzählen nicht einer chronologischen Ordnung folgt, sondern durch die Rückschau aus dem Tod neue, tiefere Sinnzusammenhänge ermöglicht.

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Details

Title
'Spiegelgeschichte' von Ilse Aichinger. Eine Analyse
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Neuere Germanistik)
Course
Hauptseminar
Grade
1,0
Author
Andrea Nagy (Author)
Publication Year
2004
Pages
31
Catalog Number
V46674
ISBN (eBook)
9783638438162
ISBN (Book)
9783640738014
Language
German
Tags
Spiegelgeschichte Ilse Aichinger Hauptseminar Gruppe 47 Motiv des Spiegels Stunde Null Sprachskepsis Spiegel negative Schöpfungstheorie Ilse Aichinger
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Nagy (Author), 2004, 'Spiegelgeschichte' von Ilse Aichinger. Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46674
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