Da es keinesfalls von subjektiven Meinungen oder Entscheidungen abhängen darf, ob man mittels Verhaltensmodifikation versucht, das Verhalten eines jungen Menschen zu ändern, bietet diese Vorgehensweise eine Möglichkeit, nur dann einzugreifen, wenn es "richtig" und vertretbar ist. Sowohl zum Schutze der betroffenen Person, als auch als Hilfe für der Erzieher oder Therapeuten stellt das im folgenden beschriebene Modell eine Alternative dar, die weder zu kompliziert ist, noch viele Fragen zur Vorgehensweise offen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Wann liegt auffälliges Verhalten vor?
2. Die fünf Schritte der Legitimationsprüfung
- Operationale Beschreibung des auffälligen Verhaltens
- Vorurteilsfreies Beobachten
- Überprüfung der eigenen Normen
- Klärung der Folgen
- Operationale Beschreibung des erwünschten Verhaltens
3. Beispiel einer Legitimationsprüfung
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethische und pädagogische Berechtigung für Verhaltensmodifikationen im schulischen Kontext. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, unter welchen Voraussetzungen ein Lehrer dazu berechtigt ist, ein als auffällig wahrgenommenes Schülerverhalten gezielt zu verändern.
- Grundlagen zur Definition von auffälligem Verhalten
- Einführung in das Konzept der fünfstufigen Legitimationsprüfung nach Adameit, Heidrich und Sommer
- Bedeutung von Normen und Rollenerwartungen in sozialen Systemen
- Reflexion der Lehrerrolle und Vermeidung von Machtmissbrauch
- Praktische Anwendung des Modells anhand eines Fallbeispiels
Auszug aus dem Buch
1. Schritt: Operationale Beschreibung des auffälligen Verhaltens
Im ersten Schritt der Legitimationsprüfung geht es darum, eindeutig zu beschreiben, was getan wird, wer beteiligt ist, wann Verhalten auftritt und in welchem sozialen Kontext. Operationalisieren bedeutet das Beobachtete in „eindeutig beschriebene Verhaltenselemente aufgliedern“. Zwei Punkte werden innerhalb dieser Prozessphase vorausgesetzt. Zum einen die „genaue Angabe des Verhaltens“ und zum anderen die „nähere Bestimmung der Situation, in der das Verhalten gezeigt wird“. Diese sollen ausschließlich beobachtet und keinesfalls interpretiert werden. Das gezeigte Verhalten muss singulär betrachtet und von anderen Verhaltensweisen unterschieden werden, um es konkret zu beschreiben.
Beispiel: Schüler X schlägt Schüler Y während der Gruppenarbeit in der Vertretungsstunde. Was tut der Schüler X genau? Er schlägt jemanden. Wer sind die Beteiligten an der auffälligen Verhaltensweise? Schüler X und Schüler Y. Wann wird das Verhalten gezeigt? In der Vertretungsstunde. Wie ist die jeweilige Situation? Es findet eine Gruppenarbeit statt.
Mehrere Aspekte der Situation spielen eine Rolle für die Betrachtung des auffälligen Verhaltens (Adameit u.a. 1978, S.83).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wann liegt auffälliges Verhalten vor?: Das Kapitel erläutert, dass Verhalten stets vor dem Hintergrund sozialer Normen und Rollenerwartungen bewertet wird, wobei Abweichungen hiervon als auffällig definiert werden.
2. Die fünf Schritte der Legitimationsprüfung: Dieser Abschnitt beschreibt ein systematisches Verfahren zur Entscheidungsfindung, welches von der operationalen Beschreibung über die Selbstreflexion des Lehrers bis hin zur Klärung der Auswirkungen reicht.
3. Beispiel einer Legitimationsprüfung: Anhand des Schülers Paul wird der Prozess der Legitimationsprüfung praktisch durchgespielt, um die Anwendung der theoretischen Schritte zu veranschaulichen.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Verhaltensmodifikation nur bei positivem Durchlaufen aller Schritte legitim ist und andernfalls eine Selbstreflexion des Erziehenden erfolgen sollte.
Schlüsselwörter
Verhaltensmodifikation, Legitimationsprüfung, Auffälliges Verhalten, Pädagogik, Schule, Normen, Rolle, Symbolischer Interaktionismus, Erziehung, Selbstreflexion, Lehrerverhalten, Sozialisation, Problemverhalten, Beobachtung, Verhaltensänderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und wann pädagogische Fachkräfte berechtigt sind, das Verhalten von Schülern aktiv zu verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Der Fokus liegt auf der Legitimationsprüfung nach Adameit, Heidrich und Sommer sowie auf der psychologischen Reflexion von Normen und Beobachtungsprozessen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine methodische Entscheidungshilfe für Lehrer zu bieten, um zwischen notwendiger Verhaltensmodifikation beim Schüler und der Notwendigkeit einer Selbstmodifikation beim Lehrer zu differenzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Konzepten der pädagogischen Psychologie und der Anwendung dieser Modelle auf ein praktisches Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von auffälligem Verhalten, die schrittweise Vorstellung des Legitimationsmodells und die beispielhafte Anwendung dieses Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Verhaltensmodifikation, Legitimationsprüfung, pädagogische Normen und Reflexion der Lehrerrolle.
Was ist mit dem "Pygmalion-Effekt" gemeint?
Es beschreibt das Phänomen, dass Erwartungen des Lehrers das Leistungsverhalten von Schülern tatsächlich positiv oder negativ beeinflussen können, was eine neutrale Beobachtung erschwert.
Was passiert, wenn die Legitimationsprüfung negativ ausfällt?
Wenn die Beobachtung nicht vorurteilsfrei war oder die Normen nicht angemessen erscheinen, sollte laut Arbeit von einer direkten Verhaltensmodifikation beim Schüler abgesehen und stattdessen eine Selbstmodifikation angestrebt werden.
- Quote paper
- Christina Menge (Author), 2005, Vorgehen bei einer Verhaltensmodifikation. Wann ist man berechtigt, ein auffälliges Verhalten zu verändern?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46686