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Systemtheorie und neue soziale Bewegungen - Beiträge der Systemtheorie zur Bewegungsforschung

Title: Systemtheorie und neue soziale Bewegungen - Beiträge der Systemtheorie zur Bewegungsforschung

Term Paper , 2005 , 19 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Holger Bertsch (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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1.Einleitung, Ziel der Arbeit, Vorgehen
Angesichts massiver gesellschaftlicher Veränderungen, die sich vor allem in den Begriffen Globalisierung, Wertewandel, Enttraditionalisierung, Individualisierung und Risikogesellschaft widerspiegeln, scheint die Gesellschaft in einer Orientierungskrise zu stecken. Traditionelle Pflicht- und Gemeinschaftsorientierungen verblassen zunehmend und an ihre Stelle treten individuelle Freiheiten, der Drang oder auch Zwang nach Selbstverwirklichung und auch geistiger Wandel. Gleichzeitig treten virulente gesellschaftliche Probleme wie Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit auf und nicht zu vergessen, die Gefahr angesichts der ökologischen Zerstörung die Lebensgrundlage kommender Generationen aufs Spiel zu setzen. Die Bedrohung durch neue Kriege und das trotz des Endes des Kalten Krieges immer noch vorhandene Zerstörungspotential nuklearer, chemischer und biologischer Waffen, versetzt die Menschen in Besorgnis. All diese Risiken und Bedrohungen überfordern den Einzelnen zunehmend und so richten viele ihre Hoffnungen auf die Handlungsfähigkeit der Politik. Doch diese erweist sich angesichts der mannigfaltigen Probleme als überfordert und überlastet und so wird vieles auf die Zeitschiene gesetzt bzw. die eigene Ohnmacht mit bloßer Rhetorik kaschiert. Die Folgen davon lassen sich an der Verdrossenheit der Wähler ausdrücken und messen. Parallel zu diesen Entwicklungen entstehen Netzwerke und Bündnisse, die eine neue Form der Vergemeinschaftung jenseits der traditionellen Familie darstellen und die ein Solidaritäts- und Identifikationsangebot vorhalten, so dass viele bereit sind sich an diesen neuen Formen der Bewegung zu beteiligen und ein beträchtliches Maß an Engagement unter der Zielsetzung zu investieren, etwas an den gesellschaftlichen Zuständen und Problemen zu ändern. Die Rede ist von den neuen sozialen Bewegungen (künftig: NSB), wie etwa die der Globali-sierungskritiker von Attac, die Frauenbewegung, die Anti-AKW-Bewegung. Es scheint so, als seien sie die Hoffnungsträger vieler Menschen, in ihrem Kampf um Identität und Problembewältigung. Diese Umbruchsituation ist es auch, die mich momentan selbst beschäftigt und insofern wollte ich einen theoretischen Zugang zu diesem Phänomen gewinnen. Ich erhoffte mir vor allem von der Systemtheorie Antworten auf meine Fragen bezüglich der NSB, da sie ja den Anspruch vertritt eine universale Gesellschaftstheorie zu sein und insofern für alles Soziale Zuständigkeit zu reklamieren.
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Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG, ZIEL DER ARBEIT, VORGEHEN

1.1. Das Neue der NSB

1.2. Definition der NSB und Problematisierung

2. PARADIGMENVIELFALT DER BEWEGUNGSFORSCHUNG

3. DER GESELLSCHAFTSBEZUG DER NEUEN SOZIALEN BEWEGUNGEN

3.1. Die moderne Gesellschaft

3.2. Folgeprobleme funktionaler Differenzierung

3.3. Zusammenfassung

3.4. Funktionsbestimmung der neuen sozialen Bewegungen

3.4.1. Die Beobachtung der organisierten Unverantwortlichkeit durch die neuen sozialen Bewegungen

3.4.2. Einheitliche Selbstbeschreibung der Gesellschaft

3.4.3. NSB als Angebot der Identitätsstiftung

3.4.4. Neue soziale Bewegungen als Immunsystem der Gesellschaft

3.5. Zusammenfassung

3.6. NSB als soziale Systeme

3.6.1. Die Operationsweise der NSB

3.6.2. Das Zugleich von Geschlossenheit und Offenheit

3.6.3. NSB Interaktionssystem oder Organisation?

3.6.4. Die soziale Basis der NSB

4. SCHLUSSBEMERKUNGEN

4.1. Erfolg der NSB

4.2. Würdigung der systemtheoretischen Ansätze zu NSB

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der neuen sozialen Bewegungen (NSB) aus der Perspektive der systemtheoretischen Gesellschaftsanalyse. Ziel ist es, die NSB als autopoietische soziale Systeme zu beschreiben, ihre spezifischen Funktionen innerhalb einer funktional differenzierten Gesellschaft zu bestimmen und die Erfolgsaussichten ihres Protests kritisch zu würdigen.

  • Systemtheoretische Analyse der neuen sozialen Bewegungen
  • Folgeprobleme funktionaler Differenzierung und die Risikogesellschaft
  • Identitätsstiftung und autopoietische Operationsweisen
  • Wechselverhältnis von Medium (Milieu) und Form (Bewegung)
  • Kritische Würdigung der systemtheoretischen Ansätze (Luhmann, Japp, Ahlemeyer, Hellmann)

Auszug aus dem Buch

3.4.4. Neue soziale Bewegungen als Immunsystem der Gesellschaft

Die Metapher vom Immunsystem legt nahe, dass NSB funktionale Äquivalente zum menschlichen Immunsystem darstellen. Und in der Tat kommt ihnen die Funktion zu, auf Störungen und Irritationen der normalen Kommunikation wie Kontrollorgane zu reagieren, einzugreifen und zu versuchen die adäquate Antwort zu finden. Sie tun dies indem sie über den Widerspruch den sie formulieren, zu einem Teil eines eigenen Konfliktsystems werden. Ein Konflikt liegt vor, wenn es zum Widerspruch kommt. Ein Widerspruch wiederum liegt vor, wenn der „Erwartungsannahmezumutung“ (Luhmann 1985, S.548) einer Kommunikation nicht entsprochen wird, sie also explizit abgelehnt oder verweigert wird. Entscheidend ist die Alarmfunktion von Widersprüchen: Widersprüche machen auf Erwartungsunsicherheiten und inkonsistente Erwartungsstrukturen aufmerksam und da sie zumeist eine Alternative einfordern, machen sie das System auf seine Kontingenzen aufmerksam, die sonst innerhalb des Systems eher latent gehalten werden.

Insofern verunsichern und destabilisieren sie das System. Sie stellen damit die vorher als unproblematisch empfundene Situationseinschätzung in Frage und sorgen dafür, dass die Kontingenzen der jeweiligen Entscheidungen manifest werden, woraufhin all die nicht aktualisierten Möglichkeiten, die durch die Reduktion von Komplexität innerhalb weiter latent fortbestanden, wieder sichtbar werden. „ Man sieht so auch deutlich, wie der Widerspruch eigentlich seine warnende, alarmierende Funktion erfüllt. „Er zerstört für einen Augenblick die Gesamtprätention des Systems: geordnete, reduzierte Komplexität zu sein. Für einen Augenblick ist dann unbestimmte Komplexität wiederhergestellt und alles möglich.“ (Luhmann 1985, S. 508)

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG, ZIEL DER ARBEIT, VORGEHEN: Die Arbeit führt in die Relevanz der neuen sozialen Bewegungen angesichts gesellschaftlicher Krisen ein und formuliert das Ziel einer systemtheoretischen Rekonstruktion.

2. PARADIGMENVIELFALT DER BEWEGUNGSFORSCHUNG: Dieser Abschnitt skizziert den theoretischen „Albtraum“ der bisherigen Bewegungsforschung und die Notwendigkeit, bestehende Ansätze synthetisierend zu ergänzen.

3. DER GESELLSCHAFTSBEZUG DER NEUEN SOZIALEN BEWEGUNGEN: Hier wird der Zusammenhang zwischen der funktionalen Differenzierung der modernen Gesellschaft und den aus ihr resultierenden Problemen für die NSB erörtert.

4. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Das Kapitel zieht ein Resümee über die Erfolgsaussichten der NSB und würdigt die vorgestellten systemtheoretischen Analyseansätze kritisch.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, neue soziale Bewegungen, funktionale Differenzierung, Risikogesellschaft, Autopoiesis, Identität, Protest, Mobilisierung, Selbstverwirklichungsmilieu, Gesellschaft, Widerspruch, Immunsystem, Medium, Form, Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert neue soziale Bewegungen (NSB) aus der Perspektive der soziologischen Systemtheorie nach Niklas Luhmann und anderen Autoren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Gesellschaftsbezug der Bewegungen, ihrer Funktion in einer funktional differenzierten Gesellschaft und ihrer internen Funktionsweise als autopoietische Systeme.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine vertiefte theoretische Untersuchung, ob und wie NSB als autopoietische Systeme beschrieben werden können, die auf systemische Folgeprobleme reagieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der systemtheoretischen Rekonstruktion und einer kritischen Würdigung verschiedener Autoren basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die moderne Gesellschaft, die Folgeprobleme funktionaler Differenzierung, die Funktionsbestimmung der NSB (u.a. als Immunsystem) und ihre interne Organisation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Systemtheorie, funktionale Differenzierung, Risikogesellschaft, Identität, Protest und Autopoiesis.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von Hellmann von anderen Modellen?

Hellmanns Ansatz wird als fortgeschritten bewertet, da er über die Unterscheidung von Medium (Milieu) und Form (Bewegung) die Latenzphasen der NSB erklären kann.

Warum werden NSB in dieser Arbeit als "Immunsystem der Gesellschaft" bezeichnet?

Die Metapher verdeutlicht, dass NSB auf Störungen reagieren und durch Widerspruch, Alarm und Protest die Systeme auf ihre "blind" gewordenen Problembereiche aufmerksam machen.

Welche Rolle spielt das Selbstverwirklichungsmilieu bei der Entstehung von NSB?

Es dient laut Hellmann als Medium, welches das System NSB mit Sinn versorgt und den Protest als Form ermöglicht, um auf den strukturellen Autonomieverlust in der Gesellschaft zu reagieren.

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Details

Title
Systemtheorie und neue soziale Bewegungen - Beiträge der Systemtheorie zur Bewegungsforschung
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,6
Author
Holger Bertsch (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V46737
ISBN (eBook)
9783638438728
ISBN (Book)
9783640859801
Language
German
Tags
Systemtheorie Bewegungen Beiträge Systemtheorie Bewegungsforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Holger Bertsch (Author), 2005, Systemtheorie und neue soziale Bewegungen - Beiträge der Systemtheorie zur Bewegungsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46737
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