Die Ehe im Alten Testament und das Ehebruchsverbot im Dekalog


Hausarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ehe im AT
2.1 Rechtliche Bestimmungen
2.2 Heirat
2.3 Ehevertrag
2.4 Brautgeld
2.5 Mitgift
2.6 Partnerwahl

3. Ehescheidung

4. Ehebruch
4.1 Rechtsfall
3.2 Folgen
4.3 Ehebruchsverbot im Dekalog

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Dekalog – Bereits im Kindesalter oder aber spätestens im Religionsunterricht lernen wir die Zehn Gebote des Alten Testaments kennen. Sie bilden die Grundlage der christlichen Ethik und sind deshalb im Christentum von zentraler Bedeutung. Die Gebote regeln die Haltung des Menschen zu Gott und zu seinen Mitmenschen.1 Nach der biblischen Überlieferung wurden die Zehn Gebote dem Propheten Mose auf dem Berg Sinai von Gott auf zwei Tafeln übergeben. An dieser Stelle sei bereits erwähnt, dass im Alten Testament weder Eheideale noch ethische Normen bzw. Moralprinzipien bezeugt werden, genauso wenig wie ein systematisches Eherecht. Die Texte des Alten Testaments liefern viel mehr Beispiele öffentlicher Regelungen gesellschaftlich relevanter Ehekonflikte.2

Die Ehe wird unter anderem im Dekalog thematisiert. Ein Gebot des Dekalogs lautet „Du sollst nicht ehebrechen.“ Obwohl es eines der bekanntesten Gebote ist, verliert das Gebot in der heutigen Zeit immer mehr an Stellenwert – Ehebruch zieht keinerlei rechtliche Folgen mehr mit sich und auch ethisch scheinen die Menschen anders darüber zu denken, als früher im Alten Orient. Doch wie sah eine Ehe im Alten Testament aus und wie wurde das Ehebruchsverbot des Dekalogs befolgt und umgesetzt? Mit dieser Frage soll sich im Folgenden diese Hausarbeit näher beschäftigen.

Dazu wird zunächst allgemein auf die Ehe im Alten Testament eingegangen, wobei zunächst der Begriff „Ehe“ sowie die rechtlichen Bestimmungen näher erläutert werden. Anschließend werden mehrere Faktoren, die in der Ehe im Alten Orient eine Rolle spielten, thematisiert: Mitgift, Ehevertrag, Brautgeld sowie die Partnerwahl. Schlussendlich wird ein kurzer Überblick über die Ehescheidung gegeben und ein genauerer Blick auf das Ehebruchsverbot im Dekalog geworfen.

2. Ehe im AT

Eine Ehe wird im Folgenden als eine auf Dauer angelegte Bindung zwischen einem Mann und einer Frau definiert. Gerade in der Antike waren interfamiliäre Bindungen keine Seltenheit, weshalb die Ehe auch als „relationship contracted between families“3 bezeichnet wurde. Bei einer Ehe handelte es sich außerdem um einen privatrechtlichen Vertrag, der sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen konnte, und im Alten Orient speziell für die Frau einen neuen Status zur Folge hatte. Des Weiteren regelten rechtliche Bestimmungen den Beginn sowie das Ende einer Ehe.4 Sie beginnt mit der Heirat und endet durch Scheidung, Nichtigerklärung oder Tod des Ehepartners.5

Der Ehemann galt als Vorsteher der Familie, die Ehefrau wechselte in die Familie des Mannes. Außerdem wurden Kinder aus einer Ehe als Nachkommen des Vaters gerechnet. Im Gegensatz zur Frau konnte der Mann mehrere Ehefrauen haben, weshalb die Ehe polygyn war.6 Die Ehe hatte vor allem die Funktion, eine bestimmte legitime Erblinie abzusichern.7

2.1 Rechtliche Bestimmungen

Die rechtlichen Grundlagen beruhen vor allem auf Gewohnheitsrecht sowie auf Bräuchen der Sippen und kodifiziertem Recht. Allgemein lässt sich sagen, dass das alttestamentliche Eherecht den Regelungen der altorientalischen Rechtsammlung entspricht. Das kodifizierte Recht des Alten Testaments behandelt nur Teilbereiche des Eherechts, welches nicht systematisch entwickelt wird.8

Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob diese Regelungen tatsächlich in der Praxis umgesetzt wurden. Vieles erfahren wir durch erzählende Literatur, wobei man allerdings beachten muss, dass sicherlich fiktionale Elemente dazu genommen wurden. Primärquellen aus dieser Zeit sind beispielsweise Eheverträge aus Elephantine in Ägypten aus dem Jahr 5 v. Chr. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die Verträge möglicherweise eine andere Situation als in Israel/ Juda in alttestamentlicher Zeit widerspiegeln.9

2.2 Heirat

Anders als in der heutigen Zeit war Liebe damals keine notwendige Voraussetzung für eine Ehe. Allerdings konnte sie sich durchaus während der Ehe entwickeln, Ausgangspunkt für eine Brautwerbung sein oder aber die Entscheidung des Brautvaters beeinflussen. Es war allerdings eher üblich, dass die Ehen schon im Kindesalter durch die Familienoberhäupter arrangiert wurden. Meistens waren dies die Väter der zukünftigen Braut und des Bräutigams. Seltener kam es vor, dass dies unter Mitsprache der Beteiligten zu einem späteren Zeitpunkt geschah. Der Heiratsantrag konnte aber auch durch den Bräutigam oder aber dessen Repräsentanten an den Vater der Braut gestellt werden. Der Vater musste also der Heirat zustimmen, dies galt auch, wenn die Frau bereits verwitwet und rechtlich selbstständig gewesen ist.10

Die entscheidende Eheformel geht aus den Verträgen aus Elephantine hervor, die im Namen des Ehemanns verfasst sind. Demnach spricht der Ehemann folgende Worte: „Sie ist meine Frau, und ich bin ihr Mann von heute an für immer.“ Die Frau gibt dabei keine Erklärung ab, dies ist ausschließlich dem Mann vorbehalten.11

Der Ablauf einer Heirat erfolgte in zwei Schritten: Zuerst muss das Brautgeld übergeben werden, im zweiten Schritt wird die Braut in das Haus des Bräutigams überführt. Die Ehe gilt erst dann als vollgültig geschlossen, wenn beide Schritte vollzogen wurden.12

Der Einzug der Braut in das Haus ihres Ehegatten ist gleichzeitig die wichtigste Zeremonie. Das Alte Testament beschreibt, dass die Gattin von ihrem Bräutigam abgeholt wird, begleitet von Musik. Die Braut ist reich bekleidet, trägt wertvollen Schmuck sowie einen Schleier, der erst im Hochzeitsgemach gelüftet wird.13

2.3 Ehevertrag

Im Alten Israel wurde der Ehevertrag meist zwischen dem Bräutigam und dem Vater der Braut ausgehandelt. Dieser Vertrag kann schriftlich abgefasst werden, weshalb er einfach Ketubba heißt, was „Schriftstück“ bedeutet.14 Die älteste Ketubba, die vermutlich aus dem Jahr 440 v. Chr. stammt, wurde in Elephantine gefunden.15

Die Ketubba hält fest, dass der Ehemann zum ständigen Unterhalt seiner Frau verpflichtet ist. Des Weiteren muss er ihr im Falle einer Scheidung einen festgelegten Betrag zahlen.16

Außerdem wird im Ehevertrag festgehalten, wie hoch das eigene Einkommen sowie die von der Braut mit in die Ehe gebrachte Mitgift ist. Aber auch das vom Bräutigam zu entrichtende Brautgeld (Mohar) wird genau dokumentiert. Der Ehevertrag hatte vor allem die Funktion, der Ehefrau eine gewisse Rechtssicherheit zu geben, damit sie im Falle der Scheidung nicht mittelos ist und ihr eigenes Vermögen nur an ihre eigenen Kinder vererbt wird, wenn der Mann weitere Nachkommen mit anderen Ehefrauen hat. Bei besonders wohlhabenden Familien war es wohl außerdem möglich dem Ehemann zu verbieten, weitere Ehen einzugehen, damit erst keine Konflikte mit weiteren Erben wegen Besitzansprüchen entstehen.17

In der Ketubba werden auch weitere Rechten und Pflichten der Eheleute festgehalten. Beispielsweise hat die Frau einen Anspruch auf sexuelle Versorgung, während der Ehemann einen Anspruch darauf hat, dass die Frau „die Angelegenheiten des gemeinsamen Haushaltes besorgt und Sittsamkeit wahrt“18.19

2.4 Brautgeld

Das Brautgeld, auch Mohar genannt, bezeichnet eine Gabe bzw. Leistung vom Bräutigam oder seiner Familie an die Familie der Braut. Der Vater der Braut verlangt die Entrichtung des Mohars, wobei dieser aus Geld-, Sach- oder Dienstleistungen bestehen kann.20 Es gab allgemein gültige Tarife, wonach die Höhe des Brautgeldes festgelegt wurde, eine Jungfrau erzielte einen höheren Preis. Des Weiteren wird in Ex 22,15-16 deutlich, dass ein Mann, der mit einer Jungfrau schläft, den entsprechenden Preis an den Vater der Frau zahlen und sie zur Frau nehmen muss. Bei ärmeren Familien konnte auf die Gabe des Brautgeldes verzichtet werden.21

Eine weitere Möglichkeit bestand darin, die Zahlung des Mohar durch Arbeitsleistung zu ersetzen. Dies war beispielsweise bei den Ehen Jakobs der Fall (vgl. Gen 29,15-30). Auch eine auferlegte Arbeitsleistung war möglich.22

Die genaue Funktion des Mohar ist nicht ganz klar, meistens wird sie allerdings als Kaufpreis, als Versicherung der Tochter oder aber als Entschädigung für die Familie der Braut gedeutet. Die Deutung als Kaufpreis ist irreführend, da die Ehe keine Kaufehe war und die Braut in dem Sinne nicht gekauft werden konnte.23 Der Mohar ist also weniger als ein Kaufpreis anzusehen als ein Kompensationsgeld an die Familie. Die Frau ist in dieser Hinsicht also keine Ware.24 Lediglich das Recht auf die Heirat und die damit verbundenen Ansprüche wurden mit dem Mohar erworben. Dies zeigt sich vor allem im Alten Testament, wonach Eltern ihre Kinder in die Schuldsklaverei verkaufen konnten, ein Mann aber nicht seine Frau. An dieser Stelle lässt sich also festhalten, dass die Frau nicht als Eigentum des Mannes galt, sie ihm aber dennoch zugerechnet wird, wie dies in den Begehrungsverbot des Dekalogs deutlich wird.25

Im heutigen Palästina hat sich ein ähnlicher Brauch erhalten, dessen Name sogar recht ähnlich ist: Der Mahr. Der Bräutigam entrichtet diesen den Eltern seiner zukünftigen Ehefrau.26

2.5 Mitgift

Unter einer Mitgift bezeichnet man eine Leistung von Seiten der Familie der Braut, genauer gesagt des Brautvaters. Die Bedeutung sowie rechtliche Funktion der Mitgift bleibt im Alten Testament unklar, da eine einheitliche Terminologie fehlt. In Elephantine besteht die Mitgift aus Geld, Naturalien und verschiedenen anderen Waren. Die Mitgift versteht sich nicht als ein Geschenk für den Ehemann, allerdings stand ihm diese als Nießbrauch zu. Kam es zur Scheidung, musste der Ehemann seiner Frau die Mitgift wieder übergeben. Altorientalische Texte zeigen, dass die Mitgift einer Frau ausschließlich ihren leiblichen Kindern vererbt wurde.27

2.6 Partnerwahl

Das Alte Testament gibt keinerlei Auskunft darüber, in welchem Alter die Mädchen üblicherweise heiraten. Allerdings liegt es nahe, dass die Mädchen in einem sehr frühen Alter verheirateten wurden. Gleiches galt wohl auch für die jungen Männer. Des Weiteren ist es wahrscheinlich, dass der Brauch, zuerst die älteste Tochter zu verheiraten, nicht allgemein gültig war.28

Im alten Israel hatten die Menschen ein großes Interesse an sippenendogamen Heiratsverhalten, wie die uns überlieferten Texte bezeugen. Es wurden vor allem Ehepartner aus der eigenen Verwandtschaft bevorzugt. So konnten die verwandtschaftlichen Beziehungen gestärkt werden. Gerade in den Vätergeschichten des Alten Testaments wird dies deutlich. In Gen 24,3f. befiehlt Abraham dem Seniorknecht, eine Frau für Isaak aus seinem Land und seiner Verwandtschaft zu nehmen. Als bevorzugte Ehepartner galt die nächst mögliche Verwandtschaft, was auch Gen 11,29 widerspiegelt. Dort heißt es, dass Nachor die Tochter seines Bruders zur Frau genommen habe.29

[...]


1 Vgl. EKD, Die Zehn Gebote, URL: https://archiv.ekd.de/glauben/zehn_gebote.html (Stand: 29.11.2017).

2 Vgl. Groß, Die Ehe im Spiegel biblischer und kulturgeschichtlicher Überlieferungen, S.82.

3 Hanson, The Herodians and Mediterranean Kinship, zit. n. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 02.11.2017).

4 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 02.11.2017).

5 Vgl. Crüsemann, Ehe, S.91.

6 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 02.11.2017).

7 Vgl. Crüsemann, Ehe, S.91.

8 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 02.11.2017).

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. De Vaux, Lebensordnungen des AT, S. 66.

12 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 15.11.2017).

13 Vgl. De Vaux, Lebensordnungen des AT, S. 67.

14 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 15.11.2017).

15 Vgl. Crüsemann, Ehe, S. 92.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 17.11.2017).

18 Crüsemann, Ehe, S. 92.

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 17.11.2017).

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. De Vaux, Lebensordnungen des AT, S.56.

23 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 17.11.2017).

24 Vgl. De Vaux, Lebensordnungen des AT, S. 56.

25 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 17.11.2017).

26 Vgl. De Vaux, Lebensordnungen des AT, S.57.

27 Vgl. Dyma, Ehe (AT), URL: https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/16896/ (Stand: 17.11.2017).

28 Vgl. De Vaux, Lebensordnungen des AT, S.60.

29 Vgl. Crüsemann, Ehe, S.94.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Ehe im Alten Testament und das Ehebruchsverbot im Dekalog
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V467902
ISBN (eBook)
9783668935822
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alten, testament, ehebruchsverbot, dekalog
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Ehe im Alten Testament und das Ehebruchsverbot im Dekalog, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/467902

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