Was passiert beim Schreiben? Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower im Ablauf der Zeit


Seminararbeit, 2019
16 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Schreibprozess

3. Das Schreibprozessmodell von Hayes und Flower
3.1 Aufgabenumgebung
3.2 Langzeitgedächnis
3.3 Planung und Ausführung

4. Anklang und Kritik am Urmodell von Hayes und Flower
4.1 Anklang des Modells
4.2 Kritik am Modell von Hayes und Flower

5. Weiterentwicklungen des Modells
5.1 Modell von Hayes (1996) ..
5.2 Modell von Molitor-Lübbert (1991)

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Schreiben lernt man durch Schreiben, aber nur dann, wenn es reflektiertes Schreiben ist.“1

Auch im 21. Jahrhundert, ungefähr 40 Jahre nach Einstellung der „literacy crisis“ in den USA, in der eine zunehmende mangelhafte Schreibfertigkeit bei amerikanischen Schülern zu erkennen war, ist der Schreibprozess ein immer noch viel diskutiertes Thema. Die Fähigkeit des Schreibens hat einen großen Einfluss auf die studentische als auch auf die wissenschaftliche Karriere.2 Obwohl der Begriff des Schreibens auf den ersten Blick ein klar zu definierender Sachverhalt ist, lassen sich im wissenschaftlichen Diskurs verschiedene Begriffserklärungen finden. Es wurde eine Vielzahl von Modellen entwickelt, um den Schreibprozess darzustellen und die damit einhergehenden Fragestellungen zu beantworten. Das bekannteste Modell zur Darstellung des Schreibprozesses stellt dabei die Ausfertigungen von John Hayes und Linda Flower dar, welches auch heute noch als das maßgebliche Modell im Rahmen der kognitiven Sprachforschung gilt. Im Rahmen dieser Seminararbeit wird das Thema „Was passiert beim Schreiben – Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower im Ablauf der Zeit“ beleuchtet. Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser eine Antwort auf die Forschungsfrage „Inwiefern hat die Kritik am Model von Hayes und Flower die Entwicklung weiterer Schreibprozessmodelle beeinflusst?“ zu geben. Auf Grund der größeren Komplexität und der feineren Ausstrukturierung, aber auch wegen der höheren schreibwissenschaftlichen Bedeutung, wird das Hayes & Flower Modell einen wesentlichen Teil dieser Arbeit einnehmen. In den jüngsten Modellen, wie zum Beispiel die Arbeiten von Ludwig3 oder Molitor-Lübbert4, wurden die Annahmen des Modells von Hayes und Flower über die rein kognitiven Prozesse um zum Beispiel motorische Handlungen erweitert. Hierbei werde ich mich, aus Gründen der Übersichtlichkeit und besseren Einordnung, beispielhaft auf die Weiterentwicklung des Modells durch Molitor-Lübbert fokussieren. Um den Leser an die Thematik heranzuführen, erfolgt zunächst eine kurze Definition von Schreiben. Daran schließt sich eine Darstellung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower an. Dies soll zum klaren Verständnis, der durch die Kritiken angestoßene Weiterentwicklung des Modells von Hayes und Flower dienen. Daran schließt sich eine Gegenüberstellung der sowohl positiven als auch negativen Kritik an dem Modell an. Nach dieser Gegenüberstellung werden dem Leser, aufbauend auf der genannten Kritik, die Neuerungen anhand des Modells von Ludwig aufgezeigt. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse in einem Fazit zusammengefasst und ein kurzer Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung gegeben.

2. Definition von Schreibprozess

Im Rahmen des Allgemeinen Verständnisses zu dem Begriff Schreibprozess, scheint dieser leicht darstellbar. Allerdings werden in der Literatur je nach Autor differenzierte Blickwinkel herausgebildet. So sieht sich das Schreibprozessmodell von Hayes und Flower als ein Problemlösemodell.5 Ludwig hingegen erweitert den Umfang des Prozesses um die Vorbereitungshandlungen, welche seiner Meinung nach elementare Bestandteile sind. Bereits aus diesen beiden unterschiedlichen Ansichten lässt sich erkennen, wie umfangreich und vielschichtig die Tätigkeit des Schreibens ist.

3. Das Schreibprozessmodell von Hayes und Flower

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, stellt dieses Modell das wohl bekannteste Textproduktionsmodell dar und ist zugleich eins der Ausgangspunkte für die gesamte Schreibforschung. Dieses wurde von John Hayes und Linda Flower im Jahr 1980 entwickelt.6 Hayes und Flower beschreiben die Textproduktion als ein Gesamtprozess (writing process), welcher in sogenannte Teilprozesse (suprocesses) aufgespaltet wird.7 Viele der für Weiterentwicklungen folgender Schreibmodelle benötigten Impulse gingen von diesem Modell, auf das in der Schreibdidaktik häufig zurückgegriffen wird, aus.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Hayes und Flower Schreibprozessmodell In Anlehnung an „The Hayes-Flower model proposed in 1980“9

Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, besteht das Modell von Hayes und Flower aus drei Hauptelementen: dem Langzeitgedächtnis (Writer’s long term memory), der Aufgabenumgebung (Taks Environment) und der Planungs- und Ausführungskomponente. Dabei liegt der Kernaspekt in der Lossagung einer linearen Abfolge konkreter Phasen hin zu einer rekursiven Bearbeitung einzelner Teilprozesse.10 Die bis 1980 in der Schreibforschung geltenden Teilprozesse Planung, Übertragung und Prüfung wurden zwar von Hayes und Flower übernommen, allerdings eröffnet das Modell die Möglichkeit, dass der Schreiber in einen der bereits abgeschlossenen Teilprozesse zurückspringen und dort Veränderung vornehmen kann bzw. neu beginnen kann.11 Dieses rekursive Verhalten war ein charakteristisches Novum in den kognitiv orientierten Modellen.12 Allerdings darf die Rekursivität nicht als ständiger Wechsel zwischen den einzelnen Teilprozessen gesehen werden. Der Schreiber muss in der Lage sein einzelne Teilprozesse ordentlich und mit einer bewussten Strategie zu bewältigen.13

3.1 Aufgabenumgebung

Die Aufgabenumgebung umfasst alle Informationen, die aus externer Seite auf den Schreibprozess einwirken und diesen auch beeinflussen.14 Diese Einflüsse sind zum Beispiel der Schreibauftrag oder auch die angenommenen Adressaten. Ebenso bezieht die Aufgabenumgebung auch den bereits produzierten Text mit ein, da dieser mit dem neu Geschriebenen auch verbunden werden muss.15

3.2 Langzeitgedächtnis

Zum Langzeitgedächtnis gehört das gesamte Wissen und Können, welches sich der Schreiber bis zum Zeitpunkt des Schreibens angeeignet hat und für die Produktion des Textes benötigt. Dies kann sich unter anderem auf die Sprachkompetenz, aber auch auf die Allgemeinbildung, beziehen.16 Darüber hinaus fällt unter den Aspekt des Langzeitgedächtnisses auch das Wissen über die Zuhörer. Damit ist das Wissen gemeint, welches der Schreiber bereits über den zukünftigen Adressatenkreis besitzt, aber auch Wissen über die Art und Weise den Adressaten wirksam thematisch abzuholen.

3.3 Planung und Ausführung

Dieser Faktor wird von Hayes und Flower nochmal in die aus der Abbildung 1 erkennbaren drei Phasen aufgeteilt. Im Rahmen der Planung und Ausführung kann bzw. muss der Schreiber in der jeweiligen Phase auch auf die beiden verbleibenden Phasen zurückgreifen.

Planungsphase

Unter der Planungsphase (planning) wird das Erarbeiten bzw. Generieren einer Schreibidee (idea generation) durch die Entwicklung neuer Gedanken, aber auch durch den Abruf vorhandenem Wissen, aus dem Langzeitgedächtnis verstanden. Mithilfe dieser erarbeiteten Idee werden angepasste Ziele (goal setting) gesetzt. Anschließend wird entsprechend des Schreibprozesses und im Hinblick auf die gesetzten Ziele eine Strukturierung (organizing) vorgenommen und ein Schreibplan entwickelt. Diese Schritte werden dabei von den jeweiligen Zielen des Schreibers geführt, sodass als Ergebnis des Teilprozesses Planen eine Rangliste verschiedener Pläne entsteht, die dann wiederum bereits den nächsten Schritt, den der Formulierungsphase, einleiten können.17

[...]


1 Vgl. Kruse, O., Keine Angst vor dem leeren Blatt: Ohne Schreibblockaden durchs Studium, 2007, S.7.

2 Vgl. Ebd. 2007, S.11.

3 Vgl. Günther, H./ Ludwig, O., Schrift und Schriftlichkeit, Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 1994, S.1008.

4 Vgl. Ebd., 1994, S.1008f.

5 Vgl. Hayes, J., A new framework for understanding cognition andaffect in writing, 2000, S.3.

6 Vgl. Hayes, J., A new framework for understanding cognition andaffect in writing, 2000, S.2.

7 Vgl. Ebd., 2000, S.3.

8 Vgl. Merz-Grötsch, J.: Schreiben als System, Band 1: Schreibforschung und Schreibdidaktik: Ein Überblick, Freiburg im Breisgau: Fillibach Verlag 2000, S.87.

9 Vgl. Hayes, J., A new framework for understanding cognition andaffect in writing, 2000, S.2.

10 Vgl. Jechle, Thomas: Kommunikatives Schreiben, Prozess und Entwicklung aus der Sicht kognitiver Schreibforschung, Tübingen: Gunter Narr Verlag 1992, S.6f.

11 Vgl. Merz-Grötsch, Jasmin: Schreiben als System, Band 1: Schreibforschung und Schreibdidaktik: Ein Überblick, Freiburg im Breisgau: Fillibach Verlag 2000, S.89.

12 Vgl. Eigler, Gunther, Thomas Jechle, Wissen und Textproduzieren, Tübingen: Gunter Narr Verlag,1990, S.7.

13 Vgl. Hayes, J., A new framework for understanding cognition andaffect in writing, 2000, S.18.

14 Vgl. Hayes, John R. und Linda S. Flower: Identifying the Organisation of Writing Processes. In: Cognitive Processes in Writing, Hrsg. von Lee W. Gregg und Erwin Steinberg. Hillsdale: Lawrence Erlbaum Associates, 1980, S.12.

15 Vgl. Hayes, J., A new framework for understanding cognition andaffect in writing, 2000, S.3.

16 Vgl. Hayes, J., A new framework for understanding cognition andaffect in writing, 2000, S.4.

17 Vgl. Wrobel, A., Schreiben als Handlung: Überlegungen und Untersuchungen zur Theorie der Textproduktion, 1995, S.459.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Was passiert beim Schreiben? Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower im Ablauf der Zeit
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V467904
ISBN (eBook)
9783668925274
ISBN (Buch)
9783668925281
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schreiben, entwicklung, schreibprozessmodells, hayes, flower, ablauf, zeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Was passiert beim Schreiben? Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower im Ablauf der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/467904

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