Diese Arbeit thematisiert das Verhältnis zwischen Macht und Gewalt in Staaten mit Todesstrafe. Sie behandelt die Frage, inwiefern Todesstrafe als Gewaltmittel die Aufrechterhaltung der Macht in Japan beeinflusst, während der Fokus auf der Studie von Hannah Arendt liegt.
Das Ziel der Arbeit ist die Studie von Hannah Arendt vorzustellen und am Beispiel von Todesstrafe in Japan näherzubringen, um schlussendlich die Forschungsfrage zu beantworten. Im ersten Kapitel wird die Abgrenzung von Macht und Gewalt analysiert, wobei auf den Begriff Gewalt näher eingegangen wird. Weiter folgt die Beeinflussung des öffentlichen Raums durch die totalitäre Herrschaft. Zudem wird der Zweck der Todesstrafe im Allgemeinen erläutert. Der letzte Abschnitt handelt von der Todesstrafe in Japan und von ihrem aktuellen Stand.
Einerseits sind Macht und Gewalt laut Hannah Arendt zwei Gegensätze und wo das eine herrscht kann das andere nicht herrschen, andererseits ist bis heute die Todesstrafe als Mittel zur Gewaltausübung in einigen Staaten erhalten geblieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abgrenzung von Macht und Gewalt laut Hannah Arendt
2.1. Gewalt im weiteren Sinne
3. Öffentlicher Raum unter der totalitären Herrschaft
4. Zwecke der Todesstrafe
4.1. Todesstrafe als Abschreckung
5. Todesstrafe in Japan
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, das theoretische Konzept von Hannah Arendt zur Unterscheidung von Macht und Gewalt zu erläutern und dieses auf die Praxis der Todesstrafe im heutigen Japan anzuwenden, um zu untersuchen, wie diese als Gewaltmittel zur Machtaufrechterhaltung fungiert.
- Grundlagen der Unterscheidung zwischen Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
- Die Rolle des öffentlichen Raums im Kontext totalitärer Herrschaftsstrukturen
- Philosophische und utilitaristische Begründungen der Todesstrafe
- Analyse der Todesstrafe als Instrument der staatlichen Ordnung in Japan
- Diskussion über das Verhältnis von Volkssouveränität, Rechtsstaatlichkeit und Hinrichtungspraxis
Auszug aus dem Buch
2. Abgrenzung von Macht und Gewalt laut Hannah Arendt
Zunächst möchte ich die zwei Begriffe Macht und Gewalt einzeln definieren. Gewalt hat einen menschlichen instrumentalen Charakter und dient als ein Mittel, womit Menschen versuchen über andere Menschen zu herrschen. Über Gewalt verfügt immer ein Einzelner. Die Funktion der Macht besteht mehr als nur in einem bloßen Herrschen über Menschen. Macht bezieht sich vielmehr auf Zusammenhalt einer Gruppe und auf ihre Fähigkeit gemeinsam zu handeln. Ein Einzelner besitzt niemals Macht und diese existiert nur, solange die Gruppe vereinigt ist (Arendt 1975:45, 47).
Laut Hannah Arendt stehen Macht und Gewalt im Gegensatz zueinander. Wenn man von Macht redet, meint man damit die Mehrheit. Die Mehrheit ist in der Lage ihre Meinung durchzusetzen und dabei die Meinung der Minderheit zu unterdrücken. Kein Ausüben der Gewalt ist dabei notwendig. Um der Mehrheit zu widerstehen, muss die Minderheit nach zusätzlichen Mitteln greifen. Zwar kann die Gewalt jede Macht zerstören, jedoch kann sie nicht durch Gewalt erzeugt werden (Arendt 1975: 43).
Am Beispiel eines Staates ist Macht als die Staatmacht definiert, die die Gesetze und Befehle im Staat reguliert. Gewalt ist dabei ein Instrument, das angewandt wird um den Staat sowohl innenpolitisch von Verbrechern als auch außenpolitisch von Feinden zu schützen. Zur Aufrechterhaltung der Macht wird Gewalt immer nur im Extremfall eingesetzt (Arendt 1975:48). Grundsätzlich verwendet kein Staat ausschließlich Gewalt zu seinem Schutz. Selbst im Nationalsozialismus, wo sich die Herrschaft auf Folter und Konzentrationslagern stützte, benötigte es eine überlegene Organisation von Geheimpolizei und einem Netz von Spionen, die miteinander kooperierten (Arendt 1975:51).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Japan als eine der wenigen Industrienationen weiterhin die Todesstrafe vollstreckt, und stellt das Ziel der Arbeit vor, diese Praxis mithilfe der Machttheorie von Hannah Arendt zu beleuchten.
2. Abgrenzung von Macht und Gewalt laut Hannah Arendt: Dieses Kapitel definiert Macht als kollektives Handeln und Gewalt als instrumentelles Mittel, wobei betont wird, dass beide Konzepte laut Arendt im fundamentalen Gegensatz zueinander stehen.
2.1. Gewalt im weiteren Sinne: Dieser Unterpunkt vertieft die Analyse, indem er die zerstörerische Wirkung von Gewalt auf individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten darstellt und den sogenannten Bumerangeffekt erläutert.
3. Öffentlicher Raum unter der totalitären Herrschaft: Das Kapitel beschreibt den öffentlichen Raum als notwendige Bedingung für Macht und analysiert, wie totalitäre Regime diesen Raum gezielt auflösen, um durch Terrorherrschaft absolute Kontrolle auszuüben.
4. Zwecke der Todesstrafe: Hier werden die philosophischen Legitimationsversuche der Todesstrafe, wie Vergeltungsgedanke, Prävention und symbolischer Machtanspruch, kritisch hinterfragt.
4.1. Todesstrafe als Abschreckung: Dieser Abschnitt beleuchtet die utilitaristische Argumentation, dass die Todesstrafe abschreckt, und stellt ihr entgegen, dass empirische Belege für diesen Effekt fehlen.
5. Todesstrafe in Japan: Das Kapitel bietet einen Einblick in die kontroverse Hinrichtungspraxis in Japan, beleuchtet die Rolle von Justizfehlern und die Unterstützung der Todesstrafe durch die japanische Bevölkerung.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Arendts strikte Trennung von Macht und Gewalt bei der Analyse Japans an Grenzen stößt, da das Land trotz Todesstrafe demokratisch organisiert ist und diese Praxis auf einem breiten Konsens in der Bevölkerung beruht.
Schlüsselwörter
Todesstrafe, Macht, Gewalt, Hannah Arendt, Japan, Politische Theorie, Totalitarismus, Öffentlicher Raum, Vergeltung, Abschreckung, Justiz, Menschenrechte, Staatlichkeit, Terrorherrschaft, Legitimität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Macht und Gewalt am Beispiel der Anwendung der Todesstrafe in Japan unter theoretischer Bezugnahme auf Hannah Arendt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die politische Theorie zur Macht und Gewalt, die Funktionsweise von totalitären Herrschaftsformen und die soziologische sowie rechtliche Praxis der Todesstrafe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Studie von Hannah Arendt zur Differenzierung von Macht und Gewalt vorzustellen und auf ihre Anwendbarkeit bei der Analyse der japanischen Hinrichtungspraxis hin zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der soziologische und politikwissenschaftliche Konzepte auf ein spezifisches aktuelles politisches Phänomen übertragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Macht und Gewalt, die Bedeutung des öffentlichen Raums, eine allgemeine Betrachtung der Todesstrafe und eine spezifische Fallbetrachtung Japans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Todesstrafe, Macht, Gewalt, Hannah Arendt, Japan und gesellschaftliche Legitimität.
Warum kommt Hannah Arendt in dieser Arbeit zum Einsatz?
Sie gilt als eine der bedeutendsten politischen Theoretikerinnen, deren Unterscheidung zwischen "Macht" als kollektives Handeln und "Gewalt" als instrumentelle Zerstörung einen theoretischen Rahmen bietet, um staatliches Handeln kritisch zu hinterfragen.
Wie erklärt sich der Widerspruch, den die Autorin im Fazit anspricht?
Die Autorin stellt fest, dass Arendts Theorie besagt, Macht und Gewalt könnten nicht gleichzeitig existieren. Da Japan aber sowohl ein funktionierendes, machtbasiertes demokratisches System als auch die gewaltbasierte Todesstrafe aufweist, sieht die Autorin einen Widerspruch zwischen Theorie und Realität.
Welche Rolle spielt die japanische Bevölkerung in der Debatte?
Die japanische Bevölkerung wird als zentraler Akteur dargestellt, der durch eine hohe Zustimmungsrate zur Todesstrafe der staatlichen Anwendung dieser Strafe eine demokratische Legitimität verleiht.
- Arbeit zitieren
- Andrea Tvrzicka (Autor:in), 2019, Die Todesstrafe in Japan. Ein Mittel zur Aufrechterhaltung der Macht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/467915