Die Rundfunkregulierung in Großbritannien

Geschichte, Akteure und Instrumente der Rundfunkpolitik


Bachelorarbeit, 2005
54 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Zielsetzung der Arbeit

3 Geschichtliche Entwicklung

4 Akteure der Rundfunkpolitik
4.1 Rundfunkveranstalter
4.2 Staat
4.3 Regulierungsbehörden
4.3.1 Board of Governors und BBC Trust
4.3.2 Ofcom
4.3.3 S4C Authority
4.3.4 British Film Institute
4.3.5 UK Film Council
4.4 Öffentlichkeit
4.5 Medienkonzerne

5 Instrumente der Rundfunkregulierung
5.1 Recht
5.1.1 Rundfunkgesetzgebung
5.1.2 Lizenzierung
5.1.3 Quotenregelung und Programmstandards
5.1.4 Konzentrationsregelung
5.2 Geld
5.2.1 Finanzierung des öffentlichen Rundfunks
5.2.2 Finanzierung des kommerziellen Rundfunks
5.2.3 Förderung der audiovisuellen Industrie
5.3 Selbstregulierung

6 Schlussbetrachtung: Der britische Rundfunk

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zuschaueranteile (Haushalte) in Prozent

1 Einleitung

Der Rundfunk gewann seit seinem Bestehen zunehmend an Bedeutung. Angesichts des immensen Potentials dieses Massenmediums verstärkte sich das Interesse aus Politik und Wirtschaft. Konsequenz war die Zulassung kommerzieller Kanäle, wodurch der Rundfunksektor den natürlichen Regulierungsmechanismen des Marktes ausgesetzt wurde. Dies birgt die Gefahr, dass publizistische Qualität und Meinungsvielfalt hinter politischen und ökonomischen Interessen zurückstehen.

In Großbritannien waren bereits frühzeitig Bestrebungen erkennbar, den Rundfunk als wichtiges Gut zu schützen. Als zentrales Element der britischen Rundfunkregulierung gilt seither der Public Service. Dieser sieht den Rundfunk als einen, der Öffentlichkeit verpflichteten Leistungsbringer. Um die Programmqualität zu wahren, soll bei der Verbreitung von Inhalten ein ausgewogenes Verhältnis der drei Komponenten Bildung, Information und Unterhaltung gewährleistet sein. Bei der BBC ist die Verpflichtung zum Public Service seit der Gründung gesetzlich verankert, wodurch diese bei der Einführung öffentlich-rechtlicher Sender in anderen Ländern als Vorbild fungierte. In Großbritannien selbst wurde diese Public Service-Verantwortung auf später eingeführte kommerzielle Sender übertragen.

Was die Gestaltung einer Medienordnung schwierig macht, ist die Notwendigkeit zur Berücksichtung verschiedener parallel laufender Entwicklungen in Politik, Technik, Gesellschaft und Wirtschaft. Werden alle Faktoren in die Rundfunkregulierung mit einbezogen, so ergeben sich deutlich kompliziertere Strukturen. Daher muss die Rundfunkregulierung immer neu an geänderte Umweltfaktoren angepasst werden, um durch ideale Rahmenbedingungen das System Rundfunk zu stärken. Die Steuerungspolitik im Rundfunk soll die Publizistik vor den Marktmechanismen schützen, ohne Einfluss auf die Inhalte des Mediums zu nehmen.[1] Nur so werden Programmqualität und Pluralismus erhalten.

2 Zielsetzung der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Rundfunkregulierung in Großbritannien zu geben, in den die Besonderheiten des Systems Eingang finden. Die zentralen Fragestellungen sind daher: Wie sind die Kompetenzen bei der Rundfunkregulierung verteilt? Welche Ziele verfolgen die Akteure und mit welchen Steuerungsinstrumenten wollen sie diese erreichen? Spezielles Augenmerk gilt dabei dem Public Service, der im britischen Rundfunk einen hohen Stellenwert einnimmt. Nach einer Beschreibung der Geschichte des britischen Rundfunks werden die wichtigsten Rundfunkakteure und ihre Regulierungsinstrumente untersucht. Ferner behandeln die Kapitel 3.3.4, 3.3.5 und 4.2.3 Akteure und Förderung der audiovisuellen Industrie. Ein kurzer Exkurs in diesen Bereich ist von Vorteil, um einen Zusammenhang zwischen Rundfunk und Filmförderung herzustellen. Abschließend werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst und interpretiert.

Eine große Herausforderung dieser Arbeit liegt darin, die rundfunkspezifischen Neuerungen der letzten Jahre in die Untersuchung mit aufzunehmen. Diese haben in die aktuell verfügbare Fachliteratur kaum Eingang gefunden. Daher beruht die folgende Arbeit zu einem großen Teil auf der Analyse von Primärquellen.

3 Geschichtliche Entwicklung

Mit Gründung der privatwirtschaftlich organisierten British Broadcasting Company begann im Oktober 1922 die Entwicklung des britischen Rundfunks. Zur Wahrung der nationalen und öffentlichen Interessen sollte diese schließlich in eine Anstalt des öffentlichen Rechts umgewandelt und somit dem ökonomischen Druck entzogen werden. Bereits 1925 wurde das Grundprinzip der BBC, die Verpflichtung zum Public Service, formuliert. Im Jahre 1927 wurde die British Broadcasting Company schließlich zur British Broadcasting Corporation (BBC) umstrukturiert. Der Sender erntete in kürzester Zeit internationales Ansehen und konnte sich auf dem britischen Markt etablieren.[2]

Jedoch verschärfte sich in den 50er Jahren die Kritik an Monopol, Meinungsmacht und Bürokratie der BBC. Nach dem Wahlsieg der Konservativen im Jahre 1952 kam es schließlich zur ersehnten Neustrukturierung der Fernsehlandschaft. Independent Television (ITV) wurde als neuer, privat-kommerzieller Fernsehanbieter geschaffen und auf diese Weise das Monopol der BBC gebrochen. Als Netzwerk aus 15 regionalen Anbietern ging ITV am 22.9.1955 erstmals auf Sendung.[3] Die entstehende Konkurrenz zwischen BBC und ITV beschränkte sich jedoch lediglich auf die Einschaltquoten, denn die unterschiedlichen Finanzierungsarten[4] verhinderten einen wirtschaftlichen Wettbewerb. Dies hatte eine hohe Programmqualität zur Folge. Als Ausgleich zu ihrem Werbemonopol verpflichteten sich die ITV-Gesellschaften dem Public Service. Ebenfalls aufgrund des Werbemonopols der ITV Gesellschaften erhielt die BBC die Erlaubnis, ein zweites Programm einzurichten. BBC 2 ging am 1. Juli 1967 erstmals auf Sendung.[5]

Zu Beginn der 70er Jahre wuchs die Kritik aus den Reihen der konservativen Regierung. Auslöser war der mangelnde Wettbewerb aufgrund des Duopols aus BBC und ITV. Um den Markt zu öffnen, wurde 1982 ein zweiter kommerzieller Kanal, Channel 4[6], gegründet.[7] Dennoch blieben die Bestrebungen der Regierung, den Rundfunk stärker den marktwirtschaftlichen Mechanismen auszusetzen, erfolglos. Mit dem Broadcasting Act 1990 sollten die eingefahrenen Strukturen des dualen Systems erneut gelöst werden. Folge dieses einschneidenden Gesetzes war eine Versteigerung der ITV-Gesellschaften. Es wurde ein Channel 3-System geschaffen, bestehend aus den ITV-Gesellschaften und der neuen Aufsichtsbehörde ITC. Die ehemalige Kontrollinstanz IBA war zugleich auch Rundfunkveranstalter. Diese Kompetenz ging als Folge der Umstrukturierung an die einzelnen ITV-Betreiber über, wodurch die ITC lediglich als Aufsichtsbehörde fungierte. Im Jahre 1997 ging mit Channel 5 schließlich ein weiterer kommerzieller Sender auf Sendung.[8]

4 Akteure der Rundfunkpolitik

Jeder Akteur wirkt einzeln und im Zusammenspiel mit anderen am Rundfunksystem in Großbritannien mit. Gliederungspunkt 4 beschreibt die Rundfunkakteure und deren Handlungskompetenzen näher. Thema sind die Rundfunkveranstalter, der Staat, die Regulierungsinstanzen für Rundfunk und Film, die Medienunternehmen sowie die Öffentlichkeit.

4.1 Rundfunkveranstalter

Die Vielfalt an Sendern nahm in den letzten Jahren aufgrund der Entwicklung im Digital- und Satellitenfernsehen beträchtlich zu. Ungeachtet davon behandeln diese Ausführungen nur die wichtigsten Rundfunkanbieter.

BBC

Zentrales Merkmal der BBC ist die Unterteilung in einen Public Service (Home Service, World Service) und einen Commercial Service (BBC Worldwide).

Der Public Service-Bereich unterteilt sich in zwei analoge, terrestrische und drei digitale, terrestrische Kanäle. Allesamt finanzieren sich durch Rundfunkgebühren.[9]

Die wichtigsten Public Service Sender sind BBC 1 und BBC 2. BBC 1 zeichnet sich durch ein populär orientiertes Programm aus, dessen Inhalte ein breites Spektrum abdecken. Dieses umfasst neben Nachrichten und Dokumentationen ebenso Sport und Kinderprogramme. Im Gegensatz hierzu orientiert sich das Programm von BBC 2 an Minderheiten und beinhaltet innovative und experimentelle Sendungen. Zudem ergänzen Musik und Kunst das kulturorientierte Programmangebot von BBC 2.

Die Unternehmenssparte BBC Worldwide gilt als kommerzieller Arm der BBC und wird rechtlich dem privaten Fernsehen zugeordnet. BBC Worldwide soll dem Sender neue Einnahmequellen erschließen und ihn national wie international konkurrenzfähig machen. Alle wirtschaftlichen Aktivitäten sind streng vom Public Service der BBC getrennt, um eine Quersubventionierung kommerzieller Dienste durch Rundfunkgebühren zu verhindern.

Channel 3 / ITV

Die Programminhalte des kommerziellen Senders Channel 3 / ITV sind aufgrund der früheren Public Service-Verpflichtung mit dem Angebot von BBC 1 vergleichbar. Ursprünglich bestand der Sender aus einigen ITV-Gesellschaften, die jeweils ein regionales Gebiet bedienten und dort eine Monopolstellung einnahmen. Nach Versteigerung der Sendelizenzen zu Beginn der 90er Jahre und der Umwandlung zum Channel 3-System wuchs die Konkurrenz zwischen den Betreibern. Seitdem ist Channel 3 nicht mehr an den Public Service gekoppelt und eine leichte Abkehr hin zu massenattraktiven Programminhalten ist erkennbar.[10]

Aktuell existieren mehrere regionale und nationale ITV Programme, wie beispielsweise ITV 1, ITV 2 und ITV 3. Der in dieser Arbeit genannte Sender Channel 3 entspricht ITV 1.

Channel 4 / S4C

Als Pendant zu BBC 2 strahlt Channel 4 gemäß dem Public Service-Gedanken innovative, erzieherische sowie informative Sendungen aus, die sich vor allem an Minderheiten richten.

Obwohl der Sender eine gemeinnützige Stiftung mit öffentlichem Auftrag ist, finanziert er sich dennoch durch den Verkauf von Werbeplätzen. Für den Fall sinkender finanzieller Mittel wurden dem Sender Mindesteinnahmen garantiert.[11]

Da Channel 4 vor allem externe Produktionen sendet, wurde der Sender sehr wichtig für Produktionsfirmen und somit für die britische Filmindustrie.

In Wales wird Channel 4 als Sonderform S4C (Sianel Fedwar Cymru) ausgestrahlt. Der Sender übernimmt einen Großteil des Programms von Channel 4 und ist zusätzlich dazu verpflichtet, einen gewissen Mindestanteil an walisisch-sprachigem Programm auszustrahlen.[12]

Channel 5 (Five)

Der kommerzielle Sender Channel 5 war als Alternative zum eher populär orientierten Channel 3 konzipiert und sendet folglich ein massenkompatibles Programm. Informationen hingegen bietet Channel 5 nur am Rande. Mittlerweile trägt der Sender den Namen Five[13].

Ferner finden sich in Großbritannien diverse kommerzielle Kabel- und Satellitenanbieter, allen voran der Satellitensender BSkyB.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die prozentualen Zuschaueranteile der wichtigsten Programmanbieter. Diese Rangordnung spiegelt das Macht- bzw. Einflusspotential der Sender wider.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1:Zuschaueranteile (Haushalte) in Prozent[14]

Den Großteil der BBC-Gruppe nimmt der Sender BBC 1 mit 24,4 Prozent des Zuschaueranteils ein. Zweitstärkster Sender ist BBC 2 mit 9,6 Prozent.[15] Diese Zahlen verdeutlichen die wichtige Stellung der BBC im britischen Rundfunksystem. Auf dieser medialen Reichweite beruht auch die immense öffentliche Wirkung der BBC. Der geringe Prozentsatz von BBC 2 und Channel 4 ist auf die Zielgruppenspezialisierung zurückzuführen.

4.2 Staat

Der Staat nimmt bei der Regulierung eine Schlüsselstellung ein. Er setzt die Rahmenbedingungen für den Rundfunk und begrenzt somit den Handlungsspielraum der Akteure. Es liegt also im Ermessen der Regierung, wie stark das jeweilige System reguliert wird. Zusätzlich müssen unabhängige Regulierungsbehörden eingerichtet werden, welche die Rahmengesetzgebung kontrollieren.

Zentrales Anliegen der britischen Regierung ist der Schutz des Public Service und die Wahrung eines fairen Wettbewerbs. Innerhalb des britischen Regierungsapparates ist der Rundfunk ministeriell an das Department for Culture, Media and Sport (DCMS) angebunden.[16] Das Ministerium wurde im Jahr 1992 gegründet und wirkte die ersten fünf Jahre seines Bestehens unter dem Namen Department of National Heritage. Im Jahre 1997 wurde es nach dem Einzug der Labour-Partei ins Parlament schließlich in DCMS umbenannt.[17]

Hauptaufgaben des Ministeriums sind die Förderung des britischen Rundfunks und die Standardsicherung[18] zu Gunsten der Rezipienten.[19] Im Zuge dieser Verantwortung ist das Ministerium mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet. So obliegt es dem DCMS, die Höhe der Rundfunkgebühren festzusetzen.[20] Dadurch erhält das Ministerium großes Machtpotential über die BBC, denn immerhin stellt die so genannte Licence Fee deren Hauptfinanzierungsquelle dar. Zudem erarbeitet das DCMS als Vertragspartner der BBC das Royal Charter Agreement, die Lizenz des Senders. Es handelt sich hierbei um eine Ergänzung und Konkretisierung der Royal Charter.[21] Auf diese Weise hat das Ministerium die Macht, der BBC die Sendelizenz zu entziehen. Ferner muss das DCMS neue Dienste des Public sowie des Commercial Service der BBC genehmigen.[22]

Doch die Befugnisse des DCMS erfassen ebenfalls den kommerziellen Rundfunk. Das Ministerium setzt beispielsweise die Leitungsgremien der Regulierungsbehörden ein.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das DCMS umfangreiche Steuerungsmöglichkeiten zur Einflussnahme im Rundfunksektor besitzt. Dennoch verfolgt das DCMS das Prinzip einer unbeteiligten Regierung, was sich durch „Großbritanniens Tradition des schwachen Staates – liberal, marktorientiert und nicht-intervenierend […]“ [23] - begründen lässt. Zudem gebietet ein Konsens der politischen Parteien die Enthaltung der Regierung und garantiert so die Unabhängigkeit des Rundfunks.[24] Auch der Public Service verhindert die Einflussnahme des Staates auf Programminhalte, denn die Sender sind gesetzlich zu unabhängiger und ausgewogener Berichterstattung verpflichtet.

4.3 Regulierungsbehörden

Die Rundfunkkontrolle in Großbritannien lässt sich analog zum Rundfunksystem in zwei große Teilbereiche aufgliedern. Die Aufsicht über das öffentliche Fernsehen nimmt das Board of Governors wahr, eine senderinterne Regulierungsbehörde der BBC. Die kommerziellen Sender Großbritanniens hingegen werden durch eine externe Regulierungsbehörde überwacht, dem Office of Communications (Ofcom).

Sämtliche Regulierungsbehörden werden im Folgenden untersucht. Ferner befassen sich die Kapitel 3.3.4 und 3.3.5 mit den Kontrollinstanzen aus dem Bereich Film.

4.3.1 Board of Governors und BBC Trust

Die Aufsichtsinstanz der BBC ist das so genannte Board of Governors. Dieses hat eine Doppelfunktion inne, denn „[…] einerseits ist es die Aufsichtsbehörde der BBC, andererseits ist es zugleich auch Teil der BBC selbst und legt ihre Strategie fest.“ [25] Für das Tagesgeschäft und somit die konkrete Umsetzung der vom Board vorgegebenen strategischen Ausrichtung ist die von den Governors eingesetzte Geschäftsführung, das Executive Committee[26], verantwortlich. Basis aller Aktivitäten der Governors ist das Bestreben, den Public Service und die Unabhängigkeit des Senders zu schützen. Die konkreten Aufgaben des Boards sind unter Absatz 7 der aktuellen Royal Charter aufgeführt.[27]

Die Governors formulieren Zielvorgaben und Richtlinien für sämtliche Aktivitäten der BBC. In jährlich veröffentlichten Berichten wird schließlich evaluiert, inwiefern die festgesetzten Ziele erreicht wurden. Das Board überwacht außerdem die Finanzen des Senders und achtet speziell in diesem Bereich auf eine strikte Trennung des Public Service von den kommerziellen Diensten. Die Aufsichtsinstanz der BBC hat ferner die Befugnis, den Generaldirektor einzusetzen. Dieser hat die tatsächliche Geschäftsgewalt inne, muss jedoch den Governors gegenüber Rechenschaft ablegen.

Das Board setzt sich aus zwölf Mitgliedern zusammen. Diese Personen aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens werden nach Absprache mit der Opposition und der BBC von der Regierung ernannt und von der Queen offiziell eingesetzt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, die Governors können für maximal zwei Perioden ernannt werden.[28] Zwar müssen die angehenden Governors ihre Unabhängigkeit nachweisen, eine ideologische Nähe einzelner Mitglieder zu bestimmten Parteien ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, da Opposition und Regierung eigene Vorschläge zur Besetzung abgeben.

Durch die Gebührenfinanzierung der Rezipienten sind die Governors der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig. Aus diesem Grund wurden so genannte Advisory Bodies eingerichtet. Sie repräsentieren verschiedene Zuschauergruppen und werden regelmäßig zu Entscheidungsfindungen der BBC herangezogen. Zu diesen Einrichtungen zählen: Broadcasting Council for Northern Ireland (for Scotland, for Wales), Central Religious Advisory Committee oder English Regions Accountability Network.[29]

Aufgrund weitreichender Befugnisse ist es dem Board möglich, großen Einfluss auf die BBC auszuüben. Doch die Existenz des Board of Governors als zuständige Aufsichtsinstanz der BBC scheint für die Zukunft nicht gesichert zu sein. Im März 2005 veröffentlichte die Regierung das Green Paper „Review of the BBC’s Royal Charter“.[30] Diese Gesetzesvorlage enthält Vorschläge über die Zukunft der BBC und sieht unter anderem vor, das Board of Governors durch einen BBC Trust zu ersetzen. Durch diese Reform will die Blair-Regierung in erster Linie der Doppelfunktion des Boards in Management- und Aufsichtsaufgaben entgegenwirken. Der Trust wird eine unabhängige Stellung fern des Managements einnehmen. Das Tagesgeschäft und die Bereitstellung der BBC Services sollen auf ein separat eingesetztes Executive Board übertragen werden.[31] Durch diese eindeutige Funktionsteilung wären die unterschiedlichen Verantwortlichkeitsbereiche klar voneinander getrennt.

Ein offensichtliches Ziel dieser Reform ist die Erhöhung der Transparenz und der Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit, vor allem den Gebührenzahlern.[32] Dies war bisher nicht möglich, da im Aufgabenbereich der Governors die Repräsentation des öffentlichen Interesses und die Exekutive der BBC zusammengefasst waren.

4.3.2 Ofcom

In den 50er Jahren wurde das private Fernsehen aus Angst vor Qualitätsverlust einer stärkeren Kontrolle durch die zuständige IBA unterworfen. Unter der Regierung Thatcher folgte eine Phase der Deregulierung. Im Zuge dieser Reformen wurde die IBA von der ITC abgelöst. Diese praktizierte fortan eine gemäßigte Rundfunkregulierung.[33] Infolge des Communications Act 2003 wurde die Verantwortung für die Steuerung des privat-kommerziellen Rundfunks auf die neu geschaffene Regulierungsbehörde Ofcom übertragen.[34]

In dieser Institution sind die bis dahin bestehenden Regulierungsbehörden des Rundfunk- und Telekommunikationssektors zusammengefasst. Die ITC war lange Zeit die Aufsichtsbehörde des privaten Rundfunks. Für das private Radio waren die Radio Authority und das Radiocommunications Agency zuständig. Ebenfalls in Ofcom integriert wurden die Beschwerdeinstanz BSC sowie das für Telekommunikation zuständige Oftel.[35]

Die große Anzahl an Regulierern führte in der Vergangenheit vor allem bei den Rezipienten häufig zu einer Unübersichtlichkeit bezüglich der Zuständigkeitsbereiche. Der Zusammenschluss zu einer Kontrollinstanz stützt zudem die These einer Konvergenz der Bereiche Rundfunk und Telekommunikation. Die Existenz mehrerer Aufsichtsinstanzen war jedoch nicht als Überregulierung zu verstehen, vielmehr konnten Fehler und Versäumnisse gegenseitig ausgeglichen werden.

Das Ofcom muss durch seine Handlungen die Nutzerinteressen schützen sowie die Programmqualität und -vielfalt erhalten.[36] Ferner ist das Ofcom für kartellrechtliche Regelungen zuständig und sorgt somit für fairen Wettbewerb auf dem Rundfunkmarkt.

Auch die BBC liegt teilweise im Zuständigkeitsbereich des Ofcom.[37] So kontrolliert dieses den kommerziellen Bereich des Senders und darüber hinaus auch einige Programmstandards[38], Produktionsquoten und wettbewerbsrechtliche Fragen. Die von Ofcom aufgestellten Richtlinien bezüglich Television Access Services[39] muss die BBC ebenfalls erfüllen. Zur Kontrolle der Vorschriften verfügt das Ofcom über Sanktionsmöglichkeiten gegenüber dem Sender. Zum einen kann sie eine Geldstrafe bis zu 250.000 Pfund verhängen, zum anderen die BBC zur Ausstrahlung einer Gegendarstellung oder zur Einstellung von Programmen verpflichten.

Durch die Einführung des Ofcom musste das Board of Governors erstmals eine Beschneidung der Regulierungskompetenzen hinnehmen. Doch führt dieser Trend schließlich dazu, dass die Governors nur noch als Beschützer der BBC-Werte fungieren und ihre Macht vermehrt an externe Regulierer abgeben? Diese These wird durch die neuesten Reformbestrebungen gestützt, denn ein BBC Trust soll künftig das Board of Governors ersetzen. Die tatsächlichen Auswirkungen dieser Neuordnungen bleiben jedoch abzuwarten.

4.3.3 S4C Authority

Dem Sender S4C kommt als walisisch-sprachigem Äquivalent zu Channel 4 eine Sonderstellung in der britischen Medienlandschaft zu. Rundfunkgesellschaft und zugleich unabhängige Regulierungsbehörde ist die S4C Authority.[40] Die Kombination beider Aufgaben birgt jedoch ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential in sich. Beide Bereiche sind folglich strikt voneinander getrennt und die jeweiligen Aufgaben eindeutig festgelegt. In ihrer Funktion als Broadcaster ist die S4C Authority dem Public Service-Gedanken verpflichtet und übernimmt die Verantwortung für das von S4C gesendete Programm.[41]

In der Rolle als Rundfunkregulierer nimmt die S4C Authority folgende Pflichten wahr: Erlass von Richtlinien, Formulierung der Programmstrategie, ex post Kontrolle der Programme und Zuschauerforschung. Zur Ausübung dieser Aufgaben darf die Authority unterstützende Beratergremien einrichten.[42]

[...]


[1] Vgl. Jarren et al. (2002), S. 26

[2] Vgl. Keusen (1997), S. 55

[3] Vgl. BpB (1999), S. 44

[4] Die Finanzierungsgrundlage der BBC ist eine Rundfunkgebühr; ITV finanziert sich durch den Verkauf von Werbezeiten;

[5] Vgl. Keusen (1997), S. 59ff.

[6] Channel 4 zählt zwar aufgrund der Finanzierungsart zu den kommerziellen Sendern, ist aber im Gegensatz zu ITV eine öffentliche Einrichtung.

[7] Vgl. Keusen (1997), S. 65f.

[8] Vgl. Franklin (2001), S 61f.

[9] Vgl. Jarren et al. (2002), S. 123

[10] Vgl. Parker(2002), S. 136

[11] Vgl. Held et al. (2000), S. 124f.

[12] Vgl. Keusen (1997), S. 67f.

[13] Da alle Regelungen, die diesen Sender betreffen, unter dem Namen Channel 5 laufen, wird dieser in der Arbeit auch weiterhin Channel 5 genannt.

[14] Zahlen entnommen aus: Annual Report and Accounts 2004/2005, S. 138, Table 2

[15] Zahlen entnommen aus: ebd.

[16] Vgl. Donges (2002), S. 200; näheres zum Ministerium auf folgender Website: www.culture.gov.uk

[17] Vgl. Jarren et al. (2002), S. 126

[18] Hierbei sind die Faktoren Programmstandards und Programmqualität inbegriffen

[19] Vgl. Government URL 1

[20] Vgl. Jarren et al. (2002), S. 126

[21] Vgl. Donges, (2002), S. 200; mehr Informationen zur Royal Charter und zum Agreement in Kapitel 5.1.1.1

[22] Vgl. Donges, (2002), S. 200

[23] Kopper und Mancini (1997), S. 29

[24] Vgl. Henle (1998), S. 97

[25] Jarren et al. (2002), S. 126

[26] Vgl. ebd.

[27] Die Royal Charter ist abrufbar unter: http://www.bbc.co.uk/info/policies/charter/pdf/charter.pdf

[28] Vgl. Jarren et al. (2002), S. 127

[29] Vgl. BBC URL 1

[30] Die BBC’s Royal Charter Review ist abrufbar unter http://www.bbccharterreview.org.uk/have_your_say/green_paper/bbc_cr_greenpaper.pdf

[31] Vgl. Charter Review, Kapitel 5, S. 64

[32] Vgl. ebd., S. 6

[33] Vgl. ebd., S. 94f.

[34] Communications Act 2003 abrufbar unter: http://www.opsi.gov.uk/acts/acts2003/20030021.htm

[35] Vgl. BBC URL 2

[36] Vgl. Ofcom URL 1

[37] Geregelt durch das Amendment to the BBC Agreement, Communications Act 2003 und den Office of Communications Act 2002

[38] Zu diesen Programmstandards zählen beispielsweise der Schutz Minderjähriger und religiöse Inhalte

[39] Diese Richtlinien beinhalten Regelungen zu Themen wie beispielsweise Zeichensprache oder Untertitelung

[40] Vgl. Jarren et al. (2002), S. 128

[41] Vgl. S4C (2005), S, 4, Absatz 1.3.

[42] Vgl. Jarren (2002), S. 128

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Die Rundfunkregulierung in Großbritannien
Untertitel
Geschichte, Akteure und Instrumente der Rundfunkpolitik
Hochschule
Universität Augsburg  (Kommunikationswissenschaften)
Note
1,4
Autor
Jahr
2005
Seiten
54
Katalognummer
V468188
ISBN (eBook)
9783668943162
ISBN (Buch)
9783668943179
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rundfunk, Rundfunkregulierung, Großbritannien, BBC, Medien
Arbeit zitieren
Alexandra den Ouden-Rauscher (Autor), 2005, Die Rundfunkregulierung in Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468188

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