In dieser Arbeit werden zwei Theorien zur organisatorischen Gestaltung von Unternehmensstrukturen vergleichend gegenüber gestellt, um die jeweiligen Vor- und Nachteile anhand der vorliegenden Literatur herauszuarbeiten. Die Arbeit fokussiert sich weitestgehend auf das Zusammenspiel und die Auswirkungen in börsennotierten Unternehmen.
Die Herausforderung der Arbeit liegt einerseits in der Unschärfe des Begriffs Corporate Governance und der Vielzahl an Ansätzen und Definitionen, die in diesem Kontext zu finden sind. Andererseits ist der Stewardship-Ansatz relativ neu, sodass der Vergleich mit dem Prinzipal-Agent-Ansatz durchaus eine Herausforderung darstellt. Die Zielsetzung liegt daher in der Gegenüberstellung des Prinzipal-Agent-Ansatzes und des Stewardship-Ansatzes im Kontext von Corporate Governance und der Vorteilsargumentation des Stewardship-Ansatzes. Dabei werden die populärsten Wirkungszusammenhänge und Argumentationsstrukturen dieses Ansatzes näher beleuchtet. Eine explizite Betrachtung erfährt die Kategorie "Vertrauen". Inwieweit weiterer Forschungsbedarf besteht, bildet ein abschließendes Ziel dieser Arbeit.
Für den heutigen, modernen Menschen ist es selbstverständlich, dass er eigenständige und verantwortungsvolle Entscheidungen trifft. Derartige Entscheidungen, insbesondere im Vorstand großer Unternehmen, aber auch durch angestellte Geschäftsführer in Familienunternehmen, sind mit vielfältigen Chancen und Risiken verbunden. Deren Konsequenzen sind für die Stakeholder (Mitarbeiter, Staat, Kunden) oft von dramatischer Bedeutung (zum Beispiel Arbeitsplatzverlust). Daher ist die organisatorische Gestaltung der Unternehmensstrukturen für die erfolgreiche Unternehmenssteuerung exorbitant wichtig. Dies beinhaltet auch implizit die Kontrolle der entsprechenden Organe. Inwieweit hier eher auf überwachende und kontrollierende Maßnahmen oder gezielt auf Vertrauen und Kooperation gesetzt werden soll, zeigt diese Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Relevanz verhaltenswissenschaftlicher Perspektiven in modernen Organisationen
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Problemstellung und Ziele dieser Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Abgrenzungen
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Corporate Governance – Ansatz und Begriffserklärung
2.2 Prinzipal-Agent-Ansatz im Rahmen der Neuen Institutionenökonomik
2.3 Grundannahmen des Stewardship-Ansatz
3. Die Stewardship-Perspektive – Wirkungszusammenhänge und Verhaltensannahmen
3.2 Vertrauen und Misstrauen als Verhaltensdeterminanten
3.3 Verantwortung und Macht
3.4 Stewardship-Ansatz und Corporate Governance – Implikation und Bedeutung
4. Fazit und Ausblick
4.1. Zusammenfassung
4.2. Limitationen und kritische Analyse der Arbeit
4.3. Weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Stewardship-Ansatz als innovative Organisationstheorie in den Kontext von Corporate Governance einzuordnen und ihn durch eine Gegenüberstellung mit dem dominierenden Prinzipal-Agent-Ansatz kritisch zu bewerten. Dabei werden die zugrundeliegenden Verhaltensannahmen, wie Vertrauen und intrinsische Motivation, analysiert, um aufzuzeigen, wie diese für eine nachhaltige Unternehmenssteuerung und das moderne Rollenverständnis von Aufsichtsgremien nutzbar gemacht werden können.
- Verhaltenswissenschaftliche Grundlagen moderner Organisationen
- Kritische Analyse des Prinzipal-Agent-Ansatzes
- Systematische Darstellung des Stewardship-Ansatzes
- Bedeutung von Vertrauen und Macht in Führungsstrukturen
- Implikationen für eine zukunftsorientierte Corporate Governance
Auszug aus dem Buch
3.2 Vertrauen und Misstrauen als Verhaltensdeterminanten
Zu den Begriffen „Misstrauen und Vertrauen“ gibt es in der Literatur keine einheitlichen Definitionen (vgl. Lewicki et al. 1998, S. 439-440; Rousseau et al. 1998, S. 393). Misstrauen ist die Erwartungshaltung einer Person, dass andere Personen nicht das gleiche Interesse verfolgen oder sich sogar kontraproduktiv verhalten (vgl. Lewicki et al. 1998, S. 439). Eine weitere Definition hebt die Abwesenheit von Vertrauen in andere Personen hervor. „MISTRUST [hervorgehoben im Original], an absence of faith in other people [...].“ (Ross et al. 2001, S. 568)
Vertrauen dagegen wird als „Trust is the „willingness to take risk,“ [hervorgehoben im Original] and the level of trust is an indication of the amount that one is willing to take.“ (Schoormann et al. 2007, S. 346) definiert. Des Weiteren als [...] “trust is a willingness to be vulnerable to another party.“ (ebd. 2007, S. 347) Vertrauen und Misstrauen können sowohl als entgegengesetzte Dimensionen, als auch als separate Dimensionen betrachtet werden (vgl. Lewicki et al. 1998, S. 448-450; Schoormann, 2007, S. 350). Die Dimensionen Vertrauen und Misstrauen werden in unterschiedlichem Kontext verwendet, insbesondere in der Psychologie, der Philosophie oder in der Wirtschaft (vgl. Schoorman et al. 2007, S. 344).
Im Allgemeinen wird Vertrauen als fundamentale Voraussetzung für eine kooperative und erfolgreiche Zusammenarbeit angesehen (vgl. Luhmann, 1989, S. 1 und 78-85; Schoormann et al. 2007, S. 345). Vertrauen wird dann zu einem entscheidenden Faktor (vgl. Eberl, 2004, S. 268). Der Stewardship-Ansatz basiert auf gegenseitigem Vertrauen und den bereits angesprochenen intrinsischen Motivationsfaktoren. Vertrauen impliziert auch die Bereitschaft Risiken einzugehen (vgl. Schoorman et al. 2007, S. 346).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Relevanz verhaltenswissenschaftlicher Perspektiven in modernen Organisationen: Das Kapitel führt in die Notwendigkeit verhaltenswissenschaftlicher Ansätze zur Lösung aktueller Unternehmenskrisen ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden der etablierte Prinzipal-Agent-Ansatz sowie der Stewardship-Ansatz erläutert und in den Kontext von Corporate Governance gestellt.
3. Die Stewardship-Perspektive – Wirkungszusammenhänge und Verhaltensannahmen: Dieser Teil analysiert die psychologischen Faktoren, insbesondere Vertrauen, Verantwortung und intrinsische Motivation, innerhalb der Stewardship-Beziehung.
4. Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Limitationen der Arbeit und zeigt auf, dass weiterer Forschungsbedarf besteht.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Stewardship-Ansatz, Prinzipal-Agent-Ansatz, Vertrauen, Misstrauen, Neue Institutionenökonomik, Unternehmensführung, intrinsische Motivation, Verhaltenswissenschaft, Unternehmenserfolg, Kontrolle, Stakeholder, Shareholder, Organisationstheorie, Managementkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie moderne Organisationen durch alternative Ansätze zur Unternehmenssteuerung, insbesondere den Stewardship-Ansatz, effektiver geführt werden können als durch klassische Kontrollmechanismen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind Corporate Governance, die Gegenüberstellung von Prinzipal-Agent-Theorie und Stewardship-Theorie sowie die Bedeutung psychologischer Faktoren wie Vertrauen in Organisationen.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Gegenüberstellung des Prinzipal-Agent-Ansatzes und des Stewardship-Ansatzes im Kontext von Corporate Governance, um die Vorteilsargumentation des Stewardship-Ansatzes auf Basis der Literatur herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, vergleichende Analyse bestehender Organisationstheorien, ohne dabei neue Modelle zu formulieren oder empirische Daten selbst zu erheben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Analyse der Stewardship-Perspektive (inkl. Vertrauen, Verantwortung und Macht) sowie eine Untersuchung der Implikationen für die Corporate Governance.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Stewardship-Ansatz, Corporate Governance, Vertrauen, Kontrolle und intrinsische Motivation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Steward vom Agenten laut der Arbeit?
Während der Agent laut Prinzipal-Agent-Ansatz primär eigennützig handelt, motiviert durch extrinsische Anreize, orientiert sich der Steward an kollektiven Unternehmenszielen und wird durch intrinsische Faktoren wie Selbstverwirklichung angetrieben.
Warum wird der Prinzipal-Agent-Ansatz kritisch hinterfragt?
Die Autorin/der Autor hinterfragt ihn, da er auf einem negativen Menschenbild basiert, hohen Kontrollaufwand verursacht und dennoch Unternehmensskandale nicht verhindern konnte.
Welche Rolle spielt „Vertrauen“ konkret im Stewardship-Modell?
Vertrauen ist die fundamentale Basis der Stewardship-Beziehung. Es ersetzt aufwendige Kontrollinstrumente durch eine einbindungsorientierte Führungsphilosophie, was die Effektivität steigern und Transaktionskosten senken kann.
- Arbeit zitieren
- Thomas Lambach (Autor:in), 2019, Innovative Organisationstheorien für Unternehmensstrukturen. Eine Gegenüberstellung der Stewardship-Theorie und des Prinzipal-Agent-Ansatzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468245