Deutsch-tschechische Beziehungen. Die politische und wirtschaftliche Veränderung Tschechiens seit dem zweiten Weltkrieg


Seminararbeit, 2019
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in die Seminararbeit

2. Zusammenfassung der tschechischen Geschichte

3. Tschechien während des 2. Weltkriegs

4. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen Tschechiens nach dem Ende des zweiten Weltkrieges bis heute

5. Tschechien und die Deutschen – früher und heute

6. Quellen

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

1. Einführung in die Seminararbeit

Im Rahmen des Moduls „European Business“ wird sich in der vorliegenden Seminararbeit hauptsächlich mit der Entwicklung von Tschechien nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Um dieses Land und seine Menschen jedoch verstehen zu können, wird der Leser mit Inhalten zur allgemeinen Historie Tschechiens und Tschechien während des 2. Weltkrieges zum Hauptthema hingeführt. Die Historie von Deutschen auf tschechischem Gebiet rundet das Thema ab.

2. Zusammenfassung der tschechischen Geschichte

Bereits im 1. Jahrhundert nach Christus wanderten germanische Gruppen in die Gegend um Prag ein. Der slawische Stamm der Tschechen siedelte sich ab dem 4. Jahrhundert im gleichen Gebiet an. Vor allem Migranten aus Bayern, Sachsen und Franken kamen im 12. Jahrhundert in das tschechische Siedlungsgebiet Böhmen und Mähren um dort zu arbeiten und zu leben (vgl. Kerlein 2005: 2.1 Die Deutschen in Tschechien vor Hitler). Bevor die Böhmischen Länder Mitte des 16. Jahrhunderts Bestandteil der Habsburger Monarchie wurden, bildeten sie im Mittelalter einige Jahrhunderte lang ein eigenes Königreich. Unter der Herrschaft des Habsburger Kaisers ging es den Tschechen im österreichischen Teil des Reiches um einiges besser als ihren „Leidensgenossen“, den Slowaken im ungarischen Teil. So wurden die Slowaken und alles was mit ihrer Kultur in Verbindung stand, im 19. Jahrhundert unterdrückt und verboten.

Bereits 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach, begannen einige Tschechen zusammen mit den Slowaken, für die Schaffung eines unabhängigen Staates zu kämpfen. Im Jahre 1915 wurde daraufhin im amerikanischen Cleveland ein Abkommen zur Deklarierung des gemeinsamen Ziels, der Bildung eines künftig tschecho-slowakischen föderativen Staates, unterzeichnet (vgl. Bock Karin: Die Geschichte der Tschechoslowakei und ihre Teilung vor 10 Jahren in: www.radio.cz (07.12.2002)).

Von 1918 bis 1990 bildete die tschechische Republik zusammen mit der Slowakei, die Tschecho-Slowakische Sozialistische Republik (CSSR). Jedoch wurde sie am 23. April 1990 zur Tschechischen und Slowakischen Förderativen Republik (CSFR) umbenannt. Am 1. Januar 1993 führten innere Differenzen zur einvernehmlichen und friedlichen Trennung der CSFR. Seither ist die Tschechische Republik ein unabhängiger Staat. Bevor am 1. Februar 1995 ein Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft trat, trat sie am 30. Juni 1993 dem Europarat bei. Außerdem wurde Tschechien zusammen mit Polen und Ungarn am 12. März 1999 in die NATO aufgenommen (vgl. Schley u.a. 2004:361).

3. Tschechien während des 2. Weltkriegs

Hitlers Wehrmacht marschiert am 15. März 1939 in Tschechien ein. Der Einmarsch der Soldaten nach einer „Niederlage ohne Krieg“, wie der Münchner Historiker Martin Schulze Wessel später sagt, stimmte viele Einwohner Tschechiens fassungslos. Die Tragödie begann im September 1938. Frankreich und Großbritannien hatten auf der Münchner Konferenz Adolf Hitler die deutschsprachigen Sudetengebiete zugestanden (vgl. Bahlcke 2014: 102), „In der Hoffnung, durch Zugeständnisse einen großen europäischen Krieg zu vermeiden und die Krise zu begrenzen (…)“ (vgl. ebd.: 102).

Obwohl es damals viele Demonstrationen von der Bevölkerung dagegen gab, akzeptierte die tschechoslowakische Regierung unter Protest das Münchner Abkommen. Daher kam es 1938 noch nicht zum Krieg. Jedoch war es das Ende der multiethnischen Tschechoslowakei. Im Oktober 1938 kam dann die Anweisung Hitlers, die „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ zu planen. Am 16. März 1939 war es dann so weit. Deutsche Truppen besetzten das restliche Staatsgebiet der Tschecho- Slowakischen Republik.

Das hochindustrialisierte Tschechien war für das nationalsozialistische Regime äußerst wichtig. So sollten die tschechischen Betriebe, neben dem Ruhrgebiet, im Krieg die wichtigste Waffenschmiede der Deutschen werden.

Nach der Eroberung Tschechiens, setzte Hitler Reinhardt Heydrich von 1941 an als stellvertretenden Reichsprotektor ein. Dieser sogenannte „Henker von Prag“ verfolgte eine brutale Linie gegenüber der tschechischen Bevölkerung. Tausende wurden auf seinen Befehl hin verhaftet und Hunderte wurden hingerichtet. Zudem wurden tschechische Juden in Konzentrationslager deportiert. Heydrich jedoch wurde 1942 bei einem Attentat tschechischer Widerstandskämpfer tödlich verletzt. Daraufhin folgten erneut Mord und Verhaftungswellen welche als Bestrafung für die tschechische Bevölkerung dienen sollten.

Nach dem Abzug der Wehrmacht am 8. Mai 1945 kam es dann beim „Prager Aufstand“ zu Massakern an der deutschstämmigen Gesellschaft. Bis zum Ende der „wilden Vertreibungen“ wurden allein etwa 750 000 Sudetendeutsche aus Tschechien verjagt. Am 9. Mai 1945 zog dann die Rote Armee in die befreite Stadt ein (vgl. Oliver Das Gupta: Deutscher Einmarsch in Prag in: www.Süddeutsche- Zeitung.de (15.03.2014)).

4. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen Tschechiens nach dem Ende des zweiten Weltkrieges bis heute

Nach der Niederlage Deutschlands im zweiten Weltkrieg gründeten die Tschechen wieder in Verbund mit den Slowaken einen erneut eigenständigen Staat. Wirklich unabhängig blieb die Tschechoslowakei jedoch nur kurz. 1948 kamen die Kommunisten an die Macht und gestalteten das Land nach sowjetischem Vorbild um. Vor allem in den 1950er Jahren wurde die politische Atmosphäre geprägt durch Unterdrückung und propagandistischen Schauprozessen (vgl. Johannes Eberhorn: Mitteleuropa-Geschichte Tschechiens in: www.Planet-Wissen.de (24.08.2016)).

Der sogenannte „Prager Frühling“, ist eigentlich die Bezeichnung für ein Musikfestival in Prag, das nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Jedoch wurde der Name auch für einen politischen Liberalisierungsprozess verwendet, welcher 1968 zwischen Januar und August stattfand. Dieser wurde allerdings am 21. August durch eine militärische Intervention von den fünf Staaten Polen, Ungarn, Bulgarien, DDR und Sowjetunion des Warschauer Pakts brutal beendet (vgl. Segert 2013: 109).

„Zur Vorgeschichte des ‚Prager Frühlings‘ gehören Reformbemühungen, die Anfang der 1960er Jahre begannen. Entstalinisierung, Wirtschaftsreform und politische Reformen waren dabei drei miteinander verflochtene Prozesse“ (vgl. Segert 2013: 109).

Der seit 1957 amtierende Partei- und Staatschef Antonín NovotnÝ hatte sein Land durch vorsichtige Wirtschaftsreformen in die „erste Liga“ der COMECON (Wirtschaftsorganisation der Ostblockstaaten) gebracht. Zudem wurden durch ihn Anfang der 1960er Jahre Stalinisten ausgeschaltet und er stand für Liberalisierung und Meinungsfreiheit. Vor allem aber sympathisierte er 1964 als einziger Ostblockführer nicht mit der Absetzung Chruschtschows durch Leonid Breschnew. Nachdem sich NovotnÝ 1967 gegen die Stationierung sowjetischer Raketenbasen stellte und sich in der CSSR Unzufriedenheit breit machte, wurde die Absetzung NovotnÝ’s während eines „Urlaubsbesuches“ des sowjetischen Parteichefs beschlossen. Der Rücktritt NovotnÝ’s vom Posten des Ersten Sekretärs der KPC und der Einsatz des slowakischen KP Chefs Alexander Dubcek für diese Machtposition markierte damit den Beginn des „Prager Frühlings“ (vgl. Stefan Karner: Die 68er Bewegung- Der Prager Frühling in: www.bpb.de (09.05.2008)). Aber auch das vom Schriftsteller Ludvík Vaculík verfasste „Manifest der zweitausend Worte“, welches am 27. Juni 1968 in der kulturpolitischen Zeitschrift Literárni listy erschien und schonungslos die Methoden totalitärer Machtausübung schilderte, sowie die Irrtümer des Sozialismus anprangerte, erzielte in der Bevölkerung große Wirkung (vgl. Bahlcke 2014:111).

Eine zunächst von der Parteispitze verordnete Reform des sozialistischen Modells, wurde dann sehr schnell von breiten Bevölkerungsschichten übernommen. Obwohl der Idealist Dubcek in sowjetischen Partei- und Kaderschmiede geschult wurde, entfernte er sich mit seiner Vision, dem „Sozialismus mit menschlichen Antlitz“, immer weiter von den Vorgaben aus Moskau. Aus diesem Grund musste er sich dem politischen Druck zweier Seiten stellen. Einerseits von den Kreml Hardlinern und den KP-Chefs Walter Ulbricht und Wladyslaw Gomulka und andererseits von den restaurativen orthodoxen Kräften in der Tschechoslowakei (vgl. Stefan Karner: Die 68er Bewegung- Der Prager Frühling in: www.bpb.de (09.05.2008)). Somit wurde Dubcek Mitte April 1969, nach einer unbefristeten Stationierung der sowjetischen Truppen auf dem Territorium der CSSR im Oktober 1968, abgewählt und durch Gustáv Husák ersetzt. Dieser unterstützte von nun an tatkräftig die Linie Moskaus. Durch ihn wurden mit der Zeit alle Reformer aus Partei- und Staatsämtern entfernt. Zehtausende Tschechen und Slowaken, darunter eine Vielzahl an Schriftstellern, Journalisten, Künstlern und Wissenschaftlern, entschieden sich nun für eine Emigration in den Westen. Von einstigen Reformideen blieb nur noch die Föderalisierung des Staates übrig. Diese wurde am 28.Oktober 1968 von Gustáv Husák in Pressburg verkündet. Laut dem am 1. Januar 1969 in Kraft getretenen „Verfassungsgesetz über die Tschechoslowakische Föderation“, bestand der immer noch als CSSR bezeichnete Bundestaat aus zwei gleichberechtigten Nationalstaaten. Die neue Bundesversammlung setzte sich nun aus der Volkskammer und der paritätisch mit tschechischen und slowakischen Abgeordneten besetzten Nationalitätenkammer zusammen. Außerdem gab es künftig für Tschechen und Slowaken je einen Nationalrat, eine Landesregierung und einen Obersten Gerichtshof. In den 1970er Jahren mündete die Rücknahme der Reformmaßnahmen in einer Politik massiver Repression. Zudem wurden nach der „Wiederherstellung der Einheit der Partei“ vom Regime alle von der Parteilinie abweichenden Äußerungen konsequent unterbunden. In der Tschechoslowakei war von nun an die Dichte an informeller Bespitzelung mit der in der DDR vergleichbar.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Deutsch-tschechische Beziehungen. Die politische und wirtschaftliche Veränderung Tschechiens seit dem zweiten Weltkrieg
Hochschule
Hochschule Ansbach - Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Ansbach
Note
2,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V468460
ISBN (eBook)
9783668946583
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tschechien nach dem zweiten Weltkrieg
Arbeit zitieren
Heinrich Wammetsberger (Autor), 2019, Deutsch-tschechische Beziehungen. Die politische und wirtschaftliche Veränderung Tschechiens seit dem zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468460

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