Ist ein Schwangerschaftsabbruch ethisch vertretbar? Verschiedene ethische und religiöse Positionen


Hausarbeit, 2019
25 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Juristische Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs
2.1. Juristische Aspekte in Deutschland vor 1993
2.2. Juristische Aspekte in Deutschland nach
2.3. Juristische Aspekte in anderen Ländern

3. Die verschiedenen Methoden des Schwangerschaftsabbruchs
3.1. Methoden vor Vollendung der 12. Schwangerschaftswoche
3.2. Medizinische Methoden nach der 12. Schwangerschaftswoche
3.3. Illegale / gefährliche Vorgehensweisen

4. Mögliche Beweggründe für einen Abbruch

5. Folgen und Komplikationen nach einem Abbruch
5.1. Psychische Folgen
5.2. Physische Folgen
5.3. Positive Folgen der Entscheidung

6. Religiöse Positionen / Sichtweisen
6.1. Die christliche Sichtweise
6.2. Die jüdische Sichtweise
6.3. Die muslimische Sichtweise
6.4. Die buddhistische Sichtweise
6.5. Die hinduistische Sichtweise

7. Weitere ethische Aspekte

8. Schlussbemerkung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mein Bauch gehört mir“ verkündet die eine Seite. Die andere Seite vertritt die Ansicht: „Ungeborenes Leben muss geschützt werden“1 Diese zwei Parolen verdeutlichen eindrücklich, wie kontrovers die Problematik des Schwangerschaftsabbruchs auch in der heutigen Zeit diskutiert wird. „Wenn Abtreibung heute weithin als Möglichkeit akzeptiert ist, dann ist dies ein Zeichen dafür, daß [sic!] es an überzeugender geistiger Orientierung in grundlegenden Fragen unseres Menschseins fehlt. Das ist ein Problem der ganzen Gesellschaft, ja ein weltweites Problem, das uns alle angeht und zudem wir als Kirche nicht schweigen dürfen.“2 Nicht zuletzt durch die Involvierung der verschiedenen Glaubensgemeinschaften hat die Abtreibungsdebatte so große Kreise gezogen, dass man in der heutigen Zeit tatsächlich nicht umher kommt, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, seinen eigenen Standpunkt zu finden und diesen ggf. auch zu vertreten. Ich habe mich in meiner Seminararbeit bewusst für dieses Thema entschieden, da es zum einen mein Interesse geweckt hat und ich zum anderen der Meinung bin, dass eine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema durchaus die Sicht im Hinblick auf gewisse Dinge ändern kann. Die Fragestellung, welche ich am Ende der Seminararbeit versuche zu klären lautet: „Wann und unter welchen Bedingungen ist ein Schwangerschaftsabbruch ethisch vertretbar?“. Hierzu möchte ich zu Beginn die rechtliche Lage erläutern, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der jetzigen Zeit. Die Methoden des Schwangerschaftsabbruches können meiner Ansicht nach nicht außen vorgelassen werden, da diese einen Großteil dazu beitragen, welche Sicht man über den Schwangerschaftsabbruch teilt. Da die Seminararbeit die Betrachtungsweisen beider Parteien, Befürworter und Gegner, beleuchten soll, um zu einem möglichst objektiven Ergebnis zu gelangen, werden auch die Gründe, welche für einen Abbruch sprechen, aufgezeigt. Mögliche Folgen eines Abbruches sollen ebenso nicht unerwähnt bleiben. Das Herzstück dieser Seminararbeit sollen die verschiedenen religiösen und ethischen Positionen darstellen, wobei ich die katholische Sicht am intensivsten besprechen möchte. Um zu verdeutlichen, dass die Abtreibungsfrage keinesfalls ein Randphänomen darstellt, auch wenn die Statistiken glücklicherweise in den letzten Jahren einen drastischen Rückgang der Abbrüche aufweisen, habe ich an dieser Stelle die aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes eingefügt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten3

2. Juristische Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs

Ein Schwangerschaftsabbruch stellt eine vorzeitige Beendigung potenziellen Lebens dar, wodurch es nur schlüssig erscheint, dass ein Staat seine Bürger die Entscheidung darüber nicht arbiträr treffen lassen kann. In Deutschland wurde über den Schwangerschaftsabbruch reichlich debattiert und kontrovers diskutiert, wodurch das Gesetz einige Male überarbeitet wurde. Im juristischen Sinne wird von einem Schwangerschaftsabbruch gesprochen, sofern eine intakte Schwangerschaft künstlich beendet wird.4 Somit werden an dieser Stelle die Kontrazeption, sowie die postkoitale Kontrazeption, kategorisch ausgeschlossen.

2.1. Juristische Aspekte in Deutschland vor 1993

Die Gesetzeslage in Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch änderte sich in Deutschland mehrfach und teilweise auch sehr drastisch. Im Jahre 1871 wird der § 218 im Reichsgesetzbuch aufgenommen. Dieser besagt die Rechtswidrigkeit des Schwangerschaftsabbruchs sowie seine Konsequenzen, welche von Geldstrafen hinweg bis zum Zuchthaus reichten. Die Strafe wurde von Zuchthaus auf Gefängnis im Jahr 1926 minimiert. Ein Jahr später wurde die medizinische Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch als Grund für eine Straffreiheit angesehen. Sie beschränkte sich jedoch ausschließlich darauf, dass eine Lebensgefährdung für die Mutter des Ungeborenen nicht anders abzuwenden sei. Die Nationalsozialisten verabschiedeten das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses im Juli 1933. Es erlaubte die Zwangsterilisation von Menschen mit Behinderung, wodurch eine weitere perfide Exklusion dieser Zeit ermöglicht wurde. Bereits in den Jahren 1934 und 1935 tat die katholische Kirche mehrfach ihre Meinung kund, welche die eugenischen Indikation, wie man die Abtreibung behinderter Ungeborener in Fachkreisen nannte, unmissverständlich negierte. Dies sollte die Gesetzgebung jedoch nicht daran hindern, auch das Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch um die eugenische Indikation zu erweitern. Die Strafe für den Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische oder eugenische Indikation wurde jedoch auf die (bereits seit Jahrzehnten abgeschaffte) Todesstrafe heraufgesetzt. Mit dem Ende des Krieges 1945 trat der § 218 wieder in Kraft und wurde zudem um die kriminologische Indikation ergänzt, welche Schwangeren einen Abbruch gewährt, sofern die Schwangerschaft das Resultat einer Vergewaltigung oder eines sexuellen Missbrauchs sei. Auch hier äußerten sich die deutschen Bischöfe ablehnend und schlugen vor, Anstalten zu gründen, welche diese Kinder aufnehmen können. 1972 wurde in der DDR eine Fristenregelung im Gesetz verankert, welche den Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Schwangerschaftswochen unter Straffreiheit stellt. Im Jahr 1974 wurde die Fristenregelung auch in den alten Bundesländern eingeführt, jedoch erstmals mit einer Beratungspflicht laut § 218a, wie sie heute noch Bestand hat. Hierauf folgte ein zäher Prozess, indessen Einsprüche gegen und im Nachgang dann wieder für die neue Regelung eingelegt wurden, wodurch 1976 ein Schwangerschaftsabbruch nur noch aus medizinischer, eugenischer, kriminologischer oder sozialer Indikation für straffrei befunden wurde. Die soziale Indikation beschreibt die Unzumutbarkeit für die Schwangere, die Schwangerschaft aufgrund einer Notlage fortzuführen, welche nicht auf andere Art und Weise abgewandt werden kann. Die Fristenregelung mit Beratungspflicht, wie wir sie heute kennen, wurde 1992 verabschiedet. In der Fassung von 1992 wurde der Schwangerschaftsabbruch legalisiert, was jedoch vom Bundesverfassungsgericht 1993 so nicht akzeptiert wurde, der Schwangerschaftsabbruch solle weiterhin rechtswidrig und nur unter bestimmten Voraussetzungen als straffrei gelten, nicht legalisiert werden. 1995 wurde ein Kompromiss gefunden, welcher heute noch Bestand hat. 5

2.2. Juristische Aspekte in Deutschland nach 1993

Der 1995 beschlossene Kompromiss unterscheidet sich nicht gravierend von dem Entwurf von 1992. Die darin getroffene Änderung bezieht sich hauptsächlich darauf, dass nach dem neuen Gesetz ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig, unter bestimmten Bedingungen jedoch straffrei ist. Zu diesen Bedingungen gehört der Nachweis einer Schwangerschaftskonfliktberatung bei einer staatlich anerkannten Stelle. Dieser Nachweis muss zum Zeitpunkt des Abbruchs mindestens drei Tage alt sein, damit die Schwangere eine ausreichende Bedenkzeit hatte. Die staatlich anerkannten Stellen sind derzeit in Deutschland folgende: Arbeiterwohlfahrt (AWO), Caritas, der paritätische Wohlfahrtsverband, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Diakonie, donum vitae, pro familia und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF).6 „Ziel der Schwangerschaftskonfliktberatung ist der Schutz des Ungeborenen und die Ermutigung der Frau, das Kind auszutragen. Die Beratung ist aufgrund der Verantwortung der Frau jedoch ergebnisoffen zu führen.“7

Ebenso gilt weiterhin eine Fristenregelung, welche auf 12 Wochen nach Beginn der Schwangerschaft gelegt wurde. Zudem muss der Abbruch von einem Arzt durchgeführt oder begleitet werden.8 Die medizinische und die kriminologische Indikation sind weiterhin im Gesetz verankert, zudem wurde bei der medizinischen Indikation die Grenze der Schwangerschaftswochen aufgehoben, was eine Spätabtreibung bis kurz vor der Geburt ermöglicht.9 Bei der kriminologischen Indikation besteht die Fristenregelung weiterhin, es kann unter diesen Umständen jedoch auf die Beratung verzichtet werden.10 Somit sind alle relevanten Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch in den § 218 – 219 Strafgesetzbuch (StGB) und im Schwangerschaftskonfliktgesetz § 1 – 25 (SchKG) geregelt.11

2.3. Juristische Aspekte in anderen Ländern

Die Gesetzesregelung unterscheidet sich in den unterschiedlichen Ländern der Welt enorm. Um nicht über den Rahmen der Arbeit hinauszugehen, möchte ich an dieser Stelle nur einige Länder nennen, in denen ein Totalverbot des Schwangerschaftsabbruchs besteht, mit der einzigen Ausnahme, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Dies erscheint mir als existenziell für weitere Betrachtungen und die eigene Positionierung in dieser Frage. Zu diesen Ländern gehören beispielsweise Ägypten, Irak, Libanon, Indonesien, Kenia, Mauritius und viele weitere. In den Ländern Nicaragua, Andorra, Malta und San Marino ist der Schwangerschaftsabbruch in keinem denkbaren Fall erlaubt.12

3. Die verschiedenen Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

Obwohl einige Autoren, unter anderem auch Schindler, die Methoden zum Schwangerschaftsabbruch durch die postkoitale Kontrazeption oder die präovulatorische Gabe von Hormonen zur Verhinderung einer Schwangerschaft komplettieren,13 soll an dieser Stelle bewusst darauf verzichtet werden, da zum Zeitpunkt der Verabreichung der entsprechenden Hormone eine Schwangerschaft weder belegt, noch ausgeschlossen werden kann. Somit lassen sich hieraus keine relevanten Daten für die vorliegende Hausarbeit herleiten. In den folgenden Kapiteln werden Methoden erläutert, wozu eine Schwangerschaft bereits -ärztlich bestätigt- bestehen muss. Ebenso werden spontane Fehlgeburten, Fehlgeburten nach ärztlichen Maßnahmen, welche nicht dem Abbruch der Schwangerschaft dienen sollten (z.B. die Fruchtwasserpunktion) und das Entfernen eines bereits abgestorbenen Fötus / Embryo nicht zu den Methoden des Schwangerschaftsabbruchs hinzugezählt.

3.1. Methoden vor Vollendung der 12. Schwangerschaftswoche

Die Methodenwahl ist vom Gestationsalter abhängig. Bis zum Abschluss der 12. Schwangerschaftswoche kommen hauptsächlich vier Methoden zum Einsatz:

- Die Saugkürettage / Vakuumaspiration
- Die chirurgische Kürettage
- Das Medikament “Mifegyne / Mifepriston”
- Anderweitiger medikamentöser Abbruch

Die Saugkürettage, umgangssprachlich als “Absaugung” bekannt, ist die mit 81 % am Häufigsten gewählte Methode.14 Immerhin 11 % der schwangeren Frauen lassen den Schwangerschaftsabbruch jedoch durch Nutzung der chirurgischen Kürettage, umgangssprachlich „Ausschabung”, durchführen. Die unterschiedliche Häufigkeit der Verwendung wird unter anderem der über doppelt so hohen Komplikationsrate bei der chirurgischen Kürettage gegenüber der Saugkürettage geschuldet sein.15 Beide Methoden werden mittels Öffnung des Muttermundes durch dünne Metallstifte, sogenannte “Hegarstife” durchgeführt. Bei der Saugkürettage wird ein Röhrchen eingeführt, welches den Embryo / Fötus und schwangerschaftsbedingtes Gewebe absaugt.16 Hierbei werden durch den starken Sog oftmals die Extremitäten abgerissen und der Kopf des Embryos / Fötus mittels einer Geburtszange zersplittert, da er an einem Stück zu groß für den Sauger wäre. Bei Anwendung der chirurgischen Kürettage wird der Embryo / Fötus durch ein löffelartiges Instrument in Scheiben abgetragen. Ähnlich rabiat erfolgen auch die medikamentösen Methoden, durch welche die Versorgung des Embryos / Fötus zum mütterlichen Kreislauf unterbrochen wird, wodurch es erstickt, verhungert oder verdurstet. Mifegyne darf in Deutschland nur bis zum 63. Tag der Schwangerschaft angewendet werden. Im Nachgang wird je nach Gestationsalter ein prostaglandinhaltiges Medikament verabreicht, um den Abgang der Frucht sicherzustellen.17 Prostaglandin wird hochdosiert auch nach der 12. Schwangerschaftswoche zum gewollten Abort eingesetzt.

3.2. Medizinische Methoden nach der 12. Schwangerschaftswoche

Der als “Fetozid” benannte Abbruch der Schwangerschaft nach der 12. Schwangerschaftswoche kann mittels der eben erwähnten Prostaglandine, Kalium-Chlorid-Injektionen, der Partial-Birth-Abortion, Rivanol oder der abdominalen Hysterektomie erfolgen.18 Das Hormon Prostaglandine sorgt für die Auslösung der Wehen, welche zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft oft ausreichend für das Absterben des Fötus sind. Die Kalium-Chlorid-Injektion stellt das Absterben sicher, indem mit Hilfe eines Ultraschalls eine Nadel mit der Lösung direkt in das Herz des Fötus injiziert wird. Die Partial-Birth-Abortion wird glücklicherweise selten angewandt. Hierbei wird der Fötus mit einer Zange hervorgezogen, es wird ein Loch in den freiliegenden Kopf gebohrt und dann das Hirn abgesaugt. In gleicher Weise unmenschlich wirkt die Methode des Rivanols. Das Desinfektionsmittel zerstört die empfindliche Haut des Fötus und somit seine Zellen. Die abdominale Hysterektomie benennt den Kaiserschnitt und wird oftmals in Verbindung mit einer Kalium-Chlorid-Injektion durchgeführt.19

3.3. Illegale / gefährliche Vorgehensweisen

Es gibt unzählige illegale Vorgehensweise der Selbstabtreibung. Die harmloseste und wohl sicherste Variante bildet dabei der „Abtreibungstourismus“, welcher den Grenzübertritt in ein Land, in welchem der Schwangerschaftsabbruch legal ist beschreibt, um dort den Abbruch vornehmen zu lassen. Weitere Methoden sollen hier nur diffus dargestellt werden, eine empirisch belegte Quelle ist in diesem Zusammenhang schwer ausfindig zu machen. Zu den Methoden gehören unter anderen: Das Heben schwerer Gewichte, die Einnahme gewisser Medikamente, das Springen von einem hohen Gebäude, das Einführen von spitzen Gegenständen in die Gebärmutter (Stricknadel, Kleiderbügel, etc.), verschiedene Flüssigkeiten in den Muttermund einführen oder schwere / heiße Gegenstände auf den Bauch legen.20 Hierbei stirbt ein Großteil der Schwangeren an den Folgen der Verletzungen oder an Infektionen durch den versuchten Abbruch.

4. Mögliche Beweggründe für einen Abbruch

Nachdem ich mich der Frage nach dem „Wie“ gewidmet habe, möchte ich an dieser Stelle die Frage nach dem „Warum“ nicht außer Acht lassen. Jede Frau hat ihre individuellen Gründe für einen Abbruch, weshalb hier nur ein Überblick umrissen werden kann. Zu den am häufigsten genannten Gründen gehören: Die Schwangerschaft ist ein Resultat einer nicht funktionierenden Verhütungsmethode, die Schwangere ist in Sorge, wie stark ein Baby ihr Leben verändern wird, das Alter der Mutter ist unpassend (zu jung oder zu alt), finanzielle Aspekte, Beziehungsprobleme und die Angst davor, alleinerziehend zu sein, Angst vor der Verantwortung,21 und berufliche Unsicherheiten (Schulabschluss, Ausbildung oder Studium noch nicht beendet).22 Des Weiteren sind in diesem Zusammenhang selbstverständlich die medizinische und kriminologische Indikation zu nennen. Sofern eine Frau die Schwangerschaft abbricht, weil das Ungeborene aus einem Sexualdelikt entstanden ist oder der Schwangeren mitgeteilt wird, dass ihr Leben und ihre Gesundheit, oder die Gesundheit des Ungeborenen nicht gewährt werden können sind dies ebenfalls erwähnenswerte Indikationen für einen Abbruch. An dieser Stelle darf der fundamentale Konflikt, welchem eine Schwangere ausgesetzt ist sobald eine medizinische Indikation vorliegt, nicht verdrängt werden. Oftmals wünschen sich diese Frauen ein Kind, müssen jedoch bereits in der Schwangerschaft die volle Verantwortung für das ungeborene Leben übernehmen. Sollte der Arzt die Diagnose stellen, das Ungeborene habe eine „schwerwiegende, mit dem Leben nicht vereinbare Behinderung“23, entscheiden Schwangere nicht ausschließlich in Eigeninteresse, sondern primär für das Wohl ihres Ungeborenen. Jedoch kann man trotz einer Behinderung in den meisten Fällen ein behütetes Leben führen, sofern der notwendige Rückhalt gewährt ist. „Viele Paare würden sich zu einem Kind mit Behinderung bekennen, wenn sie wüssten, dass morgen keiner kommt und sie wegen eines vermeintlich verantwortungslosen Verhaltens anprangert. Was die Bevölkerung über Paare denkt, die sich bewusst für ein behindertes Kind entscheiden […] hängt nicht zuletzt von den politischen Signalen ab. Wenn die Politik so tut, als wäre es fortschrittlich, sich die Kinder auszusuchen, fördert sie damit die weitere Ausmusterung ungeborenen Lebens.“24 Aus eigener Erfahrung kann ich an dieser Stelle sagen, dass es auch Paare gibt, die sich bewusst gegen gewissen Untersuchungen der Pränataldiagnostik entscheiden, da sich für diese Paare die Frage danach, wann ein Leben als lebenswert gilt, nicht stellt und sie sich in jedem Falle für das Ungeborene entscheiden würden.

[...]


1 https://www.focus.de/politik/deutschland/margarete-van-ackerens-berliner-woche-mein-bauch-gehoert-mir-oder-meinungsstreit-beim-thema-abtreibung-droht-zu-eskalieren_id_10328566.html abgerufen am 06.03.2019 um 11:45 Uhr

2 https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/deutsche-bischoefe/DB57.PDF abgerufen am 06.03.2019 um 11:16 Uhr

3 https://www-genesis.destatis.de/genesis/online/data;sid=C254EA33851C396377B1401315E3D762.GO_2_1?levelindex=2&levelid=1551618346631&downloadname=23311-0001&operation=ergebnistabelleDiagramm&option=diagramm abgerufen am 03.03.2019 um 14:09 Uhr

4 Hirsch, Hans A.: Sterilisation und Schwangerschaftsabbruch, S. 80

5 http://www.donumvitae-bw.de/download/chronik_p218-donum_vitae.pdf abgerufen am 02.03.2019 um 15:40 Uhr

6 https://www.familienplanung.de/beratung/wer-beraet-mich/die-wohlfahrtsverbaende/ abgerufen am 03.03.2019 um 11:24 Uhr

7 Hoffmann, Petra: Schwangerschaftsabbruch, S. 21

8 https://www.anwalt.org/abtreibung/ abgerufen am 03.03.2019 um 10:43

9 http://www.donumvitae-bw.de/download/chronik_p218-donum_vitae.pdf abgerufen am 03.03.2019 um 10:53 Uhr

10 https://www.anwalt.org/abtreibung/ abgerufen am 03.03.2019 um 11:08 Uhr

11 Hoffmann, Petra: a.a.O., S. 41 ff.

12 https://www.svss-uspda.ch/world-list/ abgerufen am 03.03.2019 um 11:35 Uhr

13 Hirsch, Hans A.: a.a.O. S. 80 ff.

14 Hoffmann, Petra: a.a.O., S. 29

15 Eser, Albin und Hirsch, Hans A.: a.a.O., S. 87 ff.

16 https://www.abtreibung.de/methoden-absaugmethode-ausschabung-spaetabtreibung/ aufgerufen am 13.02.2019 um 17:58 Uhr

17 Buth, Ute und Schirrmacher, Thomas: Schwangerschaftsabbruch – Fakten und Entscheidungshilfen, S. 34 ff.

18 Ebd. S. 39

19 http://schwangerschaftskonfliktberatung.info/imkonflikt/abtreibungsmethoden/index.html abgerufen am 22.02.2019 um 22:25 Uhr

20 https://jpma.org.pk/article-details/7337?article_id=7337 abgerufen am 03.03.2019 um 12:57 Uhr

21 Lunneborg, Patricia: Jetzt kein Kind – Warum Abtreibung eine positive Entscheidung sein kann, S. 23 f.

22 https://www.profamilia.de/fileadmin/profamilia/verband/Schwangerschaftsabbruch_kurz_2018-04.pdf abgerufen am 04.03.2019 um 09:24 Uhr

23 Wiesemann, Claudia: Von der Verantwortung, ein Kind zu bekommen – Eine Ethik der Elternschaft, S. 47

24 Maio, Giovanni: Medizin ohne Maß? – Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit, S. 78 f.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Ist ein Schwangerschaftsabbruch ethisch vertretbar? Verschiedene ethische und religiöse Positionen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,5
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V468570
ISBN (eBook)
9783668946743
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwangerschaftsabbruch, Abtreibung, Abbruch
Arbeit zitieren
Stefanie Weber (Autor), 2019, Ist ein Schwangerschaftsabbruch ethisch vertretbar? Verschiedene ethische und religiöse Positionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468570

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