Kaliningrad als Problemregion Russlands?

Probleme der Exklave


Seminararbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Politisch, historische Ausgangslage
2.1 Grundlegende Informationen
2.2 Geschichte Kaliningrads
2.3 Bedeutung für die Russische Föderation
2.4 Der Exklavenstatus als Grundlage aller Probleme

3 Erörterung der Problemsituation
3.1 Wirtschaftliche Probleme
3.2 Politische Probleme
3.3 Soziale Probleme

4. Historische Problemursachen
4.1 Vertreibung der Deutschen
4.2 Zwangseinsiedlung der Russen
4.3 Zerstörung des Stadtbildes

5 Fazit: Die Russische Föderation ist gefordert

6 Anhang

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Kaliningrad hat eine turbulente historische Entwicklung hinter sich- „mit Hitlerismus, Stalinismus, Krieg und Zerstörung […].“1 Diese belastende Vergangenheit ist die Grundlage vieler Probleme in der heutigen Zeit. Ein zusätzlicher Faktor ist die brisante Exklavenlage, die zu speziellen negativen Auswirkungen führt. So wirkt die Oblast Kaliningrad wie ein Fremdkörper in der EU und durch seine hohe Militarisierung ergibt sich ein erhöhtes Konfliktpotenzial. Zudem wirken hier die Sanktionen des Westens besonders stark. Kritisch sind außerdem Grenzkontrollen und Visapflicht bei der Einreise sowie erhebliche wirtschaftliche und soziale Probleme. Durch die derzeitigen Spannungen zwischen Russland und der westlichen Welt ist das Thema sehr aktuell und interessant. Der Einfluss der Region zeigt sich hierzulande an der Vielzahl der Menschen mit ostpreußischen Wurzeln, deren Verwandtschaft im Zuge des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurde, wie z.B. mein Großvater, der aus dem ehemaligen Königsberg fliehen musste. Somit ergibt sich ein ganz persönlicher Bezug zu dieser Thematik. In der folgenden Arbeit wird die Problemsituation der Region Kaliningrad erörtert unter Nennung der Ursachen dieser Entwicklung. Außerdem soll dargestellt werden, inwiefern Kaliningrad eine Problemregion Russlands ist und welche Auswirkungen der Exklavenstatus hat. Hierzu wird mit dem geschichtlichen Hintergrund, der Erläuterung der politischen Bedeutung und der Erklärung des Exklavenstatus begonnen, um die Problemsituation besser verstehen zu können und eine Grundlage für die folgende Erörterung zu schaffen. Anschließend erfolgt die kritische Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Problemen Kaliningrads mit passenden Bezügen zur Exklavenlage. Dann werden die Vertreibung und Zwangseinsiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieben, um aufzuzeigen, welche Auswirkungen der Übergang zur russischen Exklave auf menschlicher Ebene hat. Auch die Zerstörung des Stadtbildes wird hier einbezogen, um zu verdeutlichen, wie Stalin die Stadt zu einem russischen „Symbol des Sieges“ umwandelte. Dies vermittelt dem Leser, dass keine Rücksicht auf mögliche soziale und wirtschaftliche Probleme gelegt wurde und es somit die Hauptursache ist, warum sich Kaliningrad [Abfrage 17.02.2016]. in dieser momentan schwierigen Situation befindet. Abschließend folgt das Fazit mit einem Ausblick für die Russische Föderation. Es wird deutlich, dass die gesamte Problematik nicht im Rahmen einer 15-seitigen Seminararbeit umfassend analysiert werden kann. Zudem ist die Thematik eine sehr kontroverse. Die umfassende vorzufindende Literatur zeigt Auseinandersetzungen mit diesem Thema, die mehrere hundert Seiten betragen. Hier ist vor allem viel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 erschienen, aus dieser Zeit wird der Großteil der Literatur für diese Arbeit verwendet. Es kommen Internetquellen hinzu, um die Aktualität zu bewahren.

2 Politisch, historische Ausgangslage

2.1 Grundlegende Informationen

Kaliningrad ist eine Exklave Russlands und gleichzeitig die westlichste Region der Russischen Föderation. Sie liegt im Norden Europas, umgeben von der Ostsee und den Nachbarländern Polen und Litauen.2 Es besitzt eine Fläche von 15.125 km[2], was in etwa der Schleswig-Holsteins entspricht3, auf der 963.128 Einwohner leben, von denen etwa die Hälfte in der Hauptstadt Kaliningrad leben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990 ist es seitdem Teil der Russischen Föderation und wird heute von Gouverneur Nikolai Zukanow regiert.4

2.2 Geschichte Kaliningrads

Die deutsche Geschichte Kaliningrads begann 1255 mit der Besiedlung des Deutschen Ordens nach seinem zweiten Kreuzzug gegen die Pruzzen. 1525 wurde der Ordensstaat aufgelöst und Kaliningrad zu westlichem Herzogtum erklärt, das schließlich 1701 zum Königreich Preußen erhoben wurde. Von 1756 bis 1763 wurde es erneut zum Kriegsschauplatz beim Siebenjährigen Krieg, der zur preußischen Niederlage und somit zur russischen Besatzung führte.5 1848 kam es zu einer Revolution, wodurch Ostpreußen schließlich zum Deutschen Bund aufgenommen wurde. 1871 wurde es Teil des Deutschen Reiches. Nach der deutschen Niederlage im ersten Weltkrieg kam es durch den Versailler Ver- trag zur Abtretung Westpreußens an Polen und zur Isolierung Ostpreußens.6 Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt bis 1944 vom Krieg verschont, bis sie schließlich zum Ende des Krieges durch britische Luftschläge erheblich zerstört und 1945 von der Roten Armee belagert wurde. Kurz darauf, am 9. April 1945, kam es zur Kapitulation und Übergabe der Stadt an die Sowjetunion, mit der auch die sogenannte „Ostpreußische Operation“7, eine gewaltsame Rache- und Vergeltungsaktion der Roten Armee, begann, die schließlich zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Stadt führte. Somit fand die 700-jährige deutsche Geschichte Kaliningrads und Ostpreußens ein jähes Ende.

2.3 Bedeutung für die Russische Föderation

Nach dem Sieg der Sowjetunion in Ostpreußen begann Stalin, gezielt die deutsche Vergangenheit aus dem ostpreußischen Gebiet zu verdrängen. Er rief Kaliningrad als „urslawischen Raum“ und „Symbol des Sieges“8 aus und benannte die Stadt nach Michail Iwanowitsch Kalinin, seinem engsten Kampfgefährten.

Heutzutage wird hier, wie im gesamten Russland, jedes Jahr der Sieg im “gro-ßen Vaterländischen Krieg“9 gefeiert, hierfür ist Kaliningrad natürlich unentbehrlich und so wurde zum 60-jährigen Jubiläum mit politischer Prominenz gefeiert. Somit erfüllt Kaliningrad sicherlich immer noch Propagandazwecke10 und besitzt eine symbolische Bedeutung für den russischen Staat. Außerdem machte Stalin die Region zu militärischem Sperrgebiet, hier gab es bis 1990 keinen Kontakt zu Deutschland und so wussten viele Vertriebene nicht, was mit ihrer ehemaligen Heimat geschehen ist.11 Mittlerweile gilt Kaliningrad nicht mehr als Stützpunkt, jedoch betrachten die Russen das Königsberger Gebiet als einen wichtigen militärisch, strategischen Brückenkopf im Ostsee-Raum.12 Darüber hinaus besitzt Kaliningrad eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung für Russland, da es 90 % des weltweiten Bernsteinvorkommens besitzt, weshalb es im Volksmund auch als „Bernsteinland“ bezeichnet wird. Zudem hat Kaliningrad den einzigen eisfreien Hafen Russlands.13 Aufgrund dieser speziellen Vorzüge der Region wurde sie zur „Zone freien Unternehmertums“14 und einer Pilotregion15 deklariert, die die Beziehungen der EU verbessern soll.

2.4 Der Exklavenstatus als Grundlage aller Probleme

Die Oblast Kaliningrad besitzt den politischen Sonderstatus als Exklave, welche ein eigenstaatliches Gebiet im fremden Staatsgebiet16 bezeichnet. Für Kaliningrad ergeben sich hieraus noch einmal ganz besondere Probleme, da die Region von Nachbarländern umschlossen ist, die zur EU gehören. Dies zeigt sich an den Schengen-Bestimmungen, die im Juli 2003 in Kraft getreten sind. Seitdem besteht eine Visapflicht bei Einreise in die Oblast Kaliningrad.17 Zudem befindet sich Kaliningrad in einem Umfeld, das durch Fördermittel der Europäischen Union […] entsprechend prosperiert.18 Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen für die Kaliningrader Bevölkerung, so erhöht sich die Unzufriedenheit der dort lebenden Menschen zunehmend. Außerdem besteht durch die hohe Militarisierung des Kaliningrader Gebietes ein erhöhtes Konfliktpotential zwischen Russland und Europa mitten im EU-Gebiet, auch der Handel gestaltet sich, trotz des eisfreien Hafens, zunehmend schwieriger.

3 Erörterung der Problemsituation

3.1 Wirtschaftliche Probleme

Blickt man auf die wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen Kaliningrads, zeigt sich ein erstaunlich vielversprechendes Bild: 90 % des weltweiten Bernsteinvorkommens, 1,4 Millionen Tonnen Jahresproduktion Öl19 und der einzige eisfreie Hafen Russlands. Aus diesen Grundlagen ergibt sich eine Arbeitslosenzahl von 31.500, was 6 % der Bevölkerung entspricht.

[...]


1 o.A.: Kaliningrad. Russlands abgetrennter Arm zur Ostsee. In: https//blogovary.wordpress.com/2015/05/24/kaliningrad-russlands-abgetrennter-arm-zur-Ostsee

2 Strecker, Bernd: Kaliningrader Gebiet. Gpeografie. In: www.kaliningrad.de/geografie/ [Abfrage: 08.02.2016].

3 Birkenbach, Hanne-Margret: Kaliningrad eine europäische Pilotregion? Die Perspektive der Friedens- und Konfliktforschung. In: Spiegel der Forschung1/2, November, 2006, S. 32.

4 Aubel, Henning: Kaliningrad. In: Löchel, Christian (Hrsg.): Der neue Fischer Weltalmanach 2016. Schwerpunkt Flüchtlinge, Frankfurt am Main 2015, S. 369.

5 Mrozek, Gisbert: Königsberg. Ordensburg, Hansestadt, Kantstadt. In: www.kaliningrad.aktuell.ru/kaliningrad/lexikon/koenigsberg/ [Abfrage: 07.02.2016].

6 vgl. Knape, Wolfgang, Korall, Wolfgang, Königsberg. Würzburg 1994, S. 72-77.

7 Hoppe, Bert, Auf den Trümmern von Königsberg. Kaliningrad 1946-1970, Band 80, München 2000, S. 19.

8 vgl. Brodersen, Per, Die Stadt im Westen. Wie Königsberg Kaliningrad wurde, Göttingen 2008, S. 93.

9 vgl. o.A.: 9. Mai. Siegeszug im zweiten Weltkrieg. In: www.russlandjournal.de/russland/ feiertage/siegestage/ [Abfrage: 07.02.2016].

10 siehe Anhang S.17.

11 Schaefer, Hans-Joachim, Leben in bewegter Zeit. o.O., o.J., S. 67.

12 Sakson, Andrzej: Königsberg. Kaliningrad, Krolewiec oder Karaliaucius? Betrachtungen über eine russische Exklave. In: Kluge, Friedemann (Hrsg.): Ein schicklicher Platz? Königsberg, Kaliningrad in der Sicht von Bewohnern und Nachbarn, Osnabrück 1994, S. 185.

13 vgl. Müller-Herrmann, Dr. Ernst: Einleitung. In: Müller-Hermann, Dr. Ernst (Hrsg.): Königs- berg/Kaliningrad unter europäischen Perspektiven. Bremen 1994, S. 13.

14 Ebd., S. 13.

15 Birkenbach, Dr. Hanne Magret:“Pilotregion Kaliningrad“. Prozessbegleitende Präventions- forschung. In: https://www.uni-giessen.de/fb2/fb03/institute/ifp/personen//birkenbach/hmb_pk [Abfrage: 08.02.2016].

16 Wemke, Dr. Mathias (Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates der Dudenredaktion): Duden. Die deutsche Rechtschreibung, Band 1, Mannheim[25] 2009, S. 417.

17 vgl. Schroff, Gabi:Kaliningrad/Königsberg.Eine russische Exklave. In: home.arcor.de/ gabi:schroff/kaliningrad.pdf [Abfrage: 08.02.2016].

18 Birkenbach, Spiegel der Forschung, S. 33.

19 Müller-Hermann, Kaliningrad unter europäischen Perspektiven, S. 13.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kaliningrad als Problemregion Russlands?
Untertitel
Probleme der Exklave
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V468583
ISBN (eBook)
9783668945227
ISBN (Buch)
9783668945234
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaliningrad, Russland, Exklave, Politik, Geschichte, Ostpreußen, Königsberg, Flucht, Vertreibung, Putin
Arbeit zitieren
Jan Schaefer (Autor:in), 2016, Kaliningrad als Problemregion Russlands?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/468583

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